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Ausstellung | Some Changes Made - Amin El Dib | Collection Regard | Berlin
Feb
22
zu 7. Juni

Ausstellung | Some Changes Made - Amin El Dib | Collection Regard | Berlin


Collection Regard | Berlin
22. Februar - 7. Juni 2019

Some Changes Made
Amin El Dib


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Die thematisch in sich geschlossene Motivreihe, die Serie, bestimmt die künstlerische Arbeit von Amin El Dib von Beginn an. Die für die Ausstellung in der Collection Regard von ihm gemeinsam mit dem Galeristen Marc Barbey ausgewählten Serien sind in Berlin und später in der Schweiz entstanden, wo er seit einigen Jahren lebt und arbeitet. Sie betonen bewusst den Teil seines umfangreichen Werkes, bei dem er formaler und inhaltlich abstrahierender vorgegangen ist, unabhängig davon, ob die Bilder auf Menschen, Pflanzen oder Materialien verweisen.

Am auffälligsten nehmen sich die Arbeiten aus, in denen er sich mit den bereits abgeschlossenen Serien mit bildmäßigen Motiven auseinandergesetzt hat. Ausgehend von dem Material – und Material meint hier das klassische Barytpapier sowie die modernen Digitaldruckpapiere – verwendete er dies, um daraus neue Bilder zu kreieren. Verständlicher gesagt werden die vorliegenden Fotografien von ihm zerrissen, wobei die Risskanten bei den im Duktus einer Collage neu zusammengesetzten Bildern deutlich erkennbar bleiben. Dieses Reißen impliziert genaugenommen Gewalt und Zerstörung. Gewalt und Zerstörung, die er den Papieren und mithin dem darauf Abgebildeten antut. Allerdings findet, übersteigert formuliert, im Zusammensetzen der Motivfragmente zugleich ein Akt der Heilung, der Wiedergutmachung statt. Denn der brutalen Dekonstruktion der Bilder folgt die versöhnende Neukonstruktion, selbstredend mit dem Ziel ästhetischer Konzentration. Geht Amin El Dib bei seinen traditionellen bildmäßigen Motiven noch der Suche nach, im Leben, im fortwährenden Gedeihen das Brüchige, das Unvollkommene sichtbar werden zu lassen, gewissermaßen als Affront gegen das all zu Glatte, Perfekte und Unantastbare, so findet dieser Ansatz in den aus den gerissenen Papieren montierten Bildern eine bedeutsame formalästhetische Steigerung mit metaphorischen Dimensionen. Die auf diese Weise entstehenden Bilder, und es sind Bilder, berühren die Retina und mithin unser Innerstes bis an die Schmerzgrenze. Die vielfach sichtbar durch das Papier getriebenen Heftklammern verstärken diesen Schmerz noch. 

Neben den in dieser Technik gestalteten Serien, die den Hauptteil der Ausstellung ausmachen, zeigt Amin El Dib andere Motivreihen, in denen sich das Abgebildete, wie beispielsweise der Haarschopf einer Frau, zunächst partiell und dann ganz bis ins fotografische Weiß auflöst. Auch das beschreibt das Existentielle als fragil und flüchtig: Ein künstlerischer Kommentar der auf das Ganze zielt, auf das vergängliche Sein und zugleich auf dessen Brüchigkeit.

Öffnungszeiten
Freitags oder nach Vereinbarung

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Ausstellung | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt
Mär
8
zu 30. Juni

Ausstellung | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt

  • Fotografie Forum Frankfurt (Karte)
  • Google Kalender ICS


México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019

México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019


Ihre Bilder sind immer schwarzweiß – und zeigen zugleich alle Schattierungen der menschlichen Existenz. Traditionen und ihre Brüchigkeit, Glaube und Religion, Gemeinschaft und Tod gehören zu den zentralen Themen von GRACIELA ITURBIDE. Ihr über fünf Jahrzehnte entstandenes Œuvre gilt als grundlegend für das Verständnis der mexikanischen und der gesamten lateinamerikanischen Fotografie. Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) ehrt die 1942 in Mexiko-City geborene Künstlerin mit der ersten Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung wurde von der Fundación MAPFRE, Madrid, organisiert und präsentiert in Kooperation mit dem FFF Werke aus allen Schaffensphasen dieser außergewöhnlichen Fotografin.

Zu sehen sind frühe Arbeiten wie die Langzeitstudie »Juchitán de las Mujeres«. Die Dokumentation der matriarchalen Gemeinschaft im südmexikanischen Staat Oaxaca, entstanden zwischen 1979 und 1986, machte Iturbide bekannt – und zeigt ihre einzigartige Handschrift. Ihre Bilder pendeln stets zwischen dem Dokumentarischen und dem Poetischen, zeigen mehrere Realitätsebenen und spiegeln so symbolträchtig die Vielschichtigkeit des Lebens. Kulturelle Spannungen zwischen Tradition und westlicher Moderne etwa macht die Fotografin sichtbar in ihrem Projekt mit den indigenen Seri-Indianern in der Sonora-Wüste. Außerdem zeigt das FFF Porträts der Straßengang »White Fence« im Los Angeles der 1980er Jahre, sehr persönliche Innenaufnahmen aus dem Haus von Frida Kahlo, sowie Sujet-Bilder von Gärten, Landschaften und Vögeln, die Iturbide in ihrem Heimatland und auch auf ihren Reisen nach Indien, Italien, Korea oder Madagaskar schuf. 

Graciela Iturbide, Tochter einer traditionellen katholischen Familie, studierte zunächst Film an der Nationalen Universität Mexico City, ehe sie inspiriert von ihrem Lehrer Manuel Álvaro Bravo die Fotokamera für sich entdeckte. Zugleich war die Fotografie für sie ein Weg, den Tod ihrer sechsjährigen Tochter zu verarbeiten. Iturbides Arbeiten wurden in aller Welt gezeigt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem W. Eugene Smith Memorial Award, dem International Grand Prize of the Museum of Photography in Hokkaido, Japan, und dem renommierten Hasselblad-Award (2008). Graciela Iturbide lebt und arbeitet im Künstlerviertel Coyoacán in Mexico-City.

Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erhältlich: GRACIELA ITURBIDE. Mit Texten von Marta Dahó, Juan Villoro und Carlos Martín García. 2018, Fundación MAPFRE, Madrid; Englisch, 292 S., ISBN-10: 8417047700. 

(Text: Fotografie Forum Frankfurt)

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Ausstellung | Two Rivers | NRW-Forum | Düsseldorf
Mär
29
zu 7. Juli

Ausstellung | Two Rivers | NRW-Forum | Düsseldorf


NRW-Forum | Düsseldorf
29. März - 7. Juli 2019

Two Rivers
Joachim Brohm und Alec Soth


Alec Soth. Harbor Marina, Memphis, Tennessee © Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth. Harbor Marina, Memphis, Tennessee © Alec Soth / Magnum Photos

Zwei Fotografen, zwei Flüsse: Vom 29. März bis 7. Juli 2019 präsentiert das NRW-Forum Düsseldorf mit „Two Rivers“ die wichtigsten fotografischen Werkgruppen des deutschen Künstlers Joachim Brohm und des US-Amerikanischen Fotografen Alec Soth. In einer Weltpremiere vereint die Ausstellung Werke aus insgesamt zehn Serien, unter anderem Alec Soth’ Hauptwerk „Sleeping by the Mississippi“ und Joachim Brohms berühmte „Ruhr“-Serie.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Alec Soth’ Serie „Sleeping by the Missisippi“ und Joachim Brohms Serie „Ruhr“, die beide Menschen an der Peripherie des Flusses porträtieren. Brohm, der an der Folkwang Hochschule studierte, ist bildender Künstler, der sich mit dem Medium der Fotografie ausdrückt. Soth steht als lyrischer Dokumentarfotograf in der Tradition von Robert Frank, Stephen Shore und Joel Sternfeld. Was die beiden verbindet, ist ein dokumentarisch-künstlerischer Blick, der sie als sensible Dokumentaristen ihres sozialen Umfeldes ausweist. Die Ausstellung versammelt insgesamt zehn Werkgruppen der beiden Fotografen, neben den bekannten Serien an der Ruhr und am Mississippi werden weltweit zum ersten Mal auch Joachim Brohms seltene Porträts und ein neues Werk von Alec Soth gezeigt.

Alec Soth gehört seit seinem ersten Hauptwerk „Sleeping by the Mississippi“ aus dem Jahre 2004 zu den wichtigsten Fotografen der internationalen Fotoszene. Soth ist bildender Künstler, Magnum-Fotograf, Blogger, Verleger und Pädagoge. Er erforscht die vielen verschiedenen Formen der Fotografie und wie sie sich in der Welt präsentieren. Als lyrischer Dokumentarfotograf - in der Tradition von Robert Frank, Stephen Shore und Joel Sternfeld - sieht sich Soth in erster Linie als amerikanischer Fotograf. Die Landschaften der USA, der majestätische Mississippi, die donnernden Niagarafälle, die weiten und offenen Wüsten, die kleinen Städte und Vororte: Alle haben die Struktur und den Rahmen für seine poetischen Studien über das amerikanische Leben geschaffen. Neben „Sleeping by the Mississippi“ (2004) werden vor allem Werke aus den Serien „Niagara“ (2006) und „Songbook“ (2014) gezeigt.

Joachim Brohm: Essen, 1982 © Joachim Brohm / VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

Joachim Brohm: Essen, 1982 © Joachim Brohm / VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

Joachim Brohm ist bildender Künstler, der sich mit dem Medium der Fotografie ausdrückt und maßgeblich an der Entwicklung der Fotografie als Kunstform seit den 1980er Jahren beteiligt war. In seiner ersten, international viel beachteten Serie „Ruhr“ (1980-1983) dokumentierte er das Freizeitverhalten der Menschen am Ufer der Ruhr. Brohm gehört neben den Fotografen der Düsseldorfer Fotoschule zu den wichtigsten Fotokünstlern in Deutschland. In seinen oft dokumentarisch geprägten Arbeiten setzt er sich vor allem mit den Strukturen der Stadtentwicklung und der Stadtperipherie - mit allen sozialen, soziologischen, ökonomischen und kulturellen Implikationen - auseinander. Künstlerisch ausgebildet und geprägt wurde er an der Folkwang Hochschule in der Tradition von Otto Steinert und Michael Schmidt, aber auch durch sein Fulbright Stipendium an der Ohio State University, an der er Fotografie bei Allan Sekula studierte. Neben Brohms Frühwerk „Typology“ (1979), in dem er im Stil von Bernd und Hilla Becher die typologischen Besonderheiten von Kleingärten dokumentierte, präsentiert die Ausstellung auch Arbeiten aus seinem amerikanischen Werk „Ohio“, der „Ruhrstadt“ (1988-92), „Areal“ (1992-2002) und „Culatra“ (2008-2010). Als Premiere werden erstmals die seltenen Portraits aus Ohio gezeigt. Bis heute lehrt Joachim Brohm Fotografie an der HBG - Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Entwickelt und kuratiert wird die Ausstellung von Ralph Goertz, Leiter des IKS – Institut für Kunstdokumentation, der im NRW-Forum bereits mit den Ausstellungen Joel Meyerowitz Retrospective oder Lindbergh/Winogrand: Women on Street vertreten war.

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Ausstellung | Generation Wealth - Lauren Greenfield | Deichtorhallen | Hamburg
Mär
30
zu 23. Juni

Ausstellung | Generation Wealth - Lauren Greenfield | Deichtorhallen | Hamburg


Deichtorhallen | Hamburg
30. März - 23. Juni 2019

Generation Wealth
Lauren Greenfield


Secret Moneii, 28, a stripper at Magic City who made nearly $20,000 during her first week at the club, Atlanta, 2015. Lauren Greenfield/INSTITUTE © Lauren Greenfield

Secret Moneii, 28, a stripper at Magic City who made nearly $20,000 during her first week at the club, Atlanta, 2015. Lauren Greenfield/INSTITUTE © Lauren Greenfield


Die Ausstellung GENERATION WEALTH der preisgekrönten Filmemacherin und Fotografin Lauren Greenfield zeigt das heutige, allgegenwärtige Streben nach Status, Schönheit und Reichtum. Die Schau wird im Haus der Photographie der Deichtorhallen zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sein. 

Die Dokumentarfotografin Lauren Greenfield wuchs in den 70er und 80er Jahren in Venice auf, einem sehr rauen Viertel in Los Angeles. In den frühen 90er Jahren begann sie mit dem Fotografieren von Kindern aus Privatschulen, wo die sozialen Sitten der privat gebildeten Teenager Hollywoods von üppigen Partys, teuren Autos und Designerhandtaschen definiert und geprägt wurden. Greenfield erkannte, dass das Verlangen nach Geld, Prominenz, Schönheit und Sexualkapital zu einer alles umfassenden Besessenheit für Menschen jeden Alters und jeder Klasse, unabhängig von der Nationalität, geworden war.

Die Ausstellung GENERATION WEALTH ist das Ergebnis von mehr als 25 Jahren Arbeit Lauren Greenfields und zeigt auf einzigartige Weise, wie sich die Suche nach materiellen Gütern und sexuellem Kapital im Laufe der Zeit auf der ganzen Welt entwickelt hat. Die Ausstellung GENERATION WEALTH umfasst mehr als 150 Fotos aus den USA, Brasilien, Kanada, Dubai, den Philippinen, Frankreich, Hongkong, Irland, Island, China, Mexiko und Russland sowie eine Reihe von Interviews und Kurzfilmen. Dabei geht es bei GENERATION WEALTH nicht um die Reichen an sich, sondern um den Wunsch, um jeden Preis reich zu sein. In der Ausstellung wird auch der Dokumentarfilm Generation Wealth gezeigt, der u.a. ds Sundance Filmfestival in den USA 2018 eröffnete.

Das Begleitbuch Generation Wealth, das im Frühjahr 2017 von Phaidon veröffentlicht wurde, hat begeisterte Kritiken erhalten und wurde von der Creative Review und der London Times zum »Photography Book of the Year« gewählt.

Diese Ausstellung wurde vom Annenberg Space for Photography, Los Angeles produziert und dort erstmalig gezeigt. Die international Tournee führt über das International Center of Photography in New York, das Nobel Peace Center in Oslo und das Fotomuseum Den Haag jetzt nach Hamburg.

(Text: Deichtorhallen, Hamburg)

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Ausstellung | Body an Soul - Amin El Dib | Haus am Kleistpark | Berlin
Apr
10
zu 2. Juni

Ausstellung | Body an Soul - Amin El Dib | Haus am Kleistpark | Berlin


Haus am Kleistpark | Berlin
10. April - 2. Juni 2019

Body and Soul
Amin El Dib


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Amin El Dibs künstlerische Entwicklung ist engstens mit Berlin verbunden, sowohl was die Entstehung seiner Bildwerke als auch was deren Präsentation in Einzel- und Gruppenausstellungen betrifft. Dass er seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, hat daran nichts geändert. Das Haus am Kleistpark zeigt jetzt unter dem Titel „Body and Soul“ erstmals eine Ausstellung mit einer größeren Auswahl seiner über die Jahre entstandenen und thematisch geordneten Werkgruppen. Kuratiert hat sie Enno Kaufhold.

In der frühesten der hier ausgewählten und bis 1988 zurückreichenden Serie „Bilder von Menschen und Tieren“ porträtiert er, wie es schon der Titel verrät, Frauen und Männer, die ihr Leben mit Tieren teilen. Neben Hunden und Katzen, die unverzichtbar dazu gehören, reicht die Skala der Tierarten darüber jedoch weit hinaus. Ob es die Personen oder doch eher die Tiere sind, die den Blick in die Bilder ziehen, bleibt von Bild zu Bild offen. Offen wie das Oszillieren zwischen Normalität und Skurrilität, Selbstverständlichkeit und Abwegigkeit, Witz und bitterem Ernst. Angesichts des Umstands, dass die Porträtierten mal bekleidet und ein anderes Mal unbekleidet zu sehen sind, verweisen seine Bilder darauf, dass die Frage der Bekleidung allein auf die Menschen, nicht aber auf die Tiere anzuwenden ist. Die tragen ohne Ausnahme ihre evolutionär angepassten Kleidungen. Insgesamt verrät allein diese Porträtserie Amin El Dibs ausgeprägtes Interesse an Menschen und – nicht minder wichtig – am Inszenieren, das allen Porträts mehr oder weniger zugrunde liegt.

Um in der Chronologie der ausgestellten Werkgruppen zu bleiben, folgt die von 2000 bis 2002 entstandenen Serie „Weekenders“. Nicht zum ersten Mal und die traditionellen fotografischen Spezifika sprengend, unterzog Amin El Dib seine zahlreichen von ihm fotografierten Porträts einer radikalen Dekonstruktion, indem er die Fotopapiere zerriss, zerknüllte und auch sonst rüde behandelte. Die solchermaßen entstandenen Motivfragmente fügte er in einem zweiten Schritt collagenartig neu zusammen, oder fotografierte die körperlichen Gebilde ein neues Mal. Bei diesem gewaltsamen Vorgehen, schließlich ist das Zerreißen oder Zerknüllen des Fotopapiers ein rabiater physischer Akt, ging der ureigene Porträtcharakter unverkennbar verloren, zugleich kreierte er jedoch mit dieser Technik eine hinsichtlich der Materialität wie Ästhetik neue Bildform. Die solchermaßen vollzogene Reinszenierung setzte er 2006 in der medienreflexiven Arbeit „Men at Work“ auf andere Weise fort, indem er gezielt einzelne Gesichter mit geöffneten Mündern aus einschlägig pornografischen Publikationen, wie wir sie aus unserem pornografisierten Alltag kennen, heraus fotografierte. Die Verwandlung ins Schwarzweiße, die starke Fragmentierung sowie der Duktus der gerasterten Druckvorlage verleihen den so geschaffenen Bildern ein gänzlich verfremdetes Aussehen. Der pointierte Gestus des offenen Mundes, ursprünglich Ausdruck dargestellter sexueller Lust, nimmt absurde Formen an. In der zeitlich nachfolgenden Serie „United Tongues“ steigert Amin El Dib diesen Eindruck noch, indem er die aus demselben Kontext stammenden Kussszenen durch starke Ausschnitte vollends in die visuelle wie gedankliche Abstraktion verwandelt. 

Schließlich umfasst die Ausstellung neben diesen durchgehend schwarzweiß fotografierten Bildserien noch eine größere Auswahl aus zwei jüngeren, jetzt farbig fotografierten Werkgruppen. In der „Under Skies of Blue and Grey” betitelten und von 2007 bis 2014 fotografierten Serie folgt Amin El Dib dem tradierten Landschaftsbild, allerdings, und das muss sofort wieder die Einschränkung sein, fern von allen, Natur verherrlichenden Stereotypen. Ihre Andersartigkeit erschließt sich bei genauerem Hinsehen und in der Abfolge des Seriellen. Es sind die subtilen Verweise, die den wie auch immer gearteten Eingriff der Menschen erkennen lassen. Schon hier kann von Verletzungen gesprochen werden. Einen wesentlich deutlicheren Akzent setzte er bei den in den Jahren 2014 bis 2016 von ihm fotografierten antiken Statuen. Diese in der Skulpturhalle in Basel aufgenommenen Bilder der dort gesammelten Gipsrepliken handeln, wie diese Arbeit klar ausweist, „Von der Brüchigkeit des Seins“. Selbst die auf Ewigkeit angelegten antiken Steinskulpturen, die den Gipsrepliken zugrunde lagen, haben Beschädigungen erlitten, verloren Gliedmaßen wie Teile ihrer Gesichter und mehr und zeugen so von der Verletzbarkeit allen Irdischen, womit im metaphorischen Sinn nicht allein die Steinplastik, sondern gleichermaßen die menschliche Existenz gemeint ist. 

In all seinen Bildern, und das ist das Verbindende zwischen den scheinbar disparaten Werkgruppen, verweigert sich Amin El Dib der absoluten Harmonie, dem Schönen schlechthin. Um es mit den Begriffen des Porträts zu formulieren, er schreibt den schönen Gesichtern zugleich die Fratze ein.

(Text: Haus am Kleistpark)

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Ausstellung | Bauhaus und Fotografie - Zum neuen Sehen der Gegenwartskunst | Museum für Fotografie | Berlin
Apr
11
zu 25. Aug.

Ausstellung | Bauhaus und Fotografie - Zum neuen Sehen der Gegenwartskunst | Museum für Fotografie | Berlin

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Museum für Fotografie | Berlin
11. April - 25. August 2019

Bauhaus und Fotografie - Zum neuen Sehen der Gegenwartskunst
László Moholy-Nagy, Lucia Moholy, Man Ray, Jan Tschichold, Hedda Walther, Florence Henri, Hans Robertson, Erich Consemüller, Thomas Ruff, Dominique Teufen, Daniel T. Braun, Wolfgang Tillmans, Doug Fogelson, Max de Esteban, Viviane Sassen, Stephanie Seufert, Kris Scholz, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Antje Hanebeck, Douglas Gordon und anderen


Stefanie Seufert owers Option #2, Just Yellow, Atlas Grey, Dark Aubergine, 2016 Fotogramm / Farbpapier Courtesy Stefanie Seufert © Stefanie Seufert

Stefanie Seufert owers Option #2, Just Yellow, Atlas Grey, Dark Aubergine, 2016 Fotogramm / Farbpapier Courtesy Stefanie Seufert © Stefanie Seufert


Aus Anlass des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses eröffnet die Ausstellung einen Dialog zwischen der Foto-Avantgarde um 1930 und der zeitgenössischen Kunst.

Das Bauhaus spielt nicht nur eine Schlüsselrolle in der Design- und Kunstgeschichte, sondern auch für die Fotografie des 20. Jahrhunderts. Wie tragen dessen Neuerungen auch heute noch zur Weiterentwicklung fotografischer Bildsprachen und ästhetischer Konzepte bei? Welche Rolle spielt die Foto-Avantgarde um 1930 für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler? Die Ausstellung konfrontiert Arbeiten von u.a. László Moholy-Nagy, Lucia Moholy, Man Ray, Jan Tschichold, Hedda Walther, Florence Henri, Hans Robertson und Erich Consemüller mit Werkgruppen von Thomas Ruff, Dominique Teufen, Daniel T. Braun, Wolfgang Tillmans, Doug Fogelson, Max de Esteban, Viviane Sassen, Stephanie Seufert, Kris Scholz, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Antje Hanebeck und Douglas Gordon.

Dialog zwischen historischem Ereignis und Gegenwart
Historischer Bezugspunkt der Ausstellung ist die Werkbundausstellung „Film und Foto“, die 1929/30 unter anderem in Stuttgart, Berlin und Zürich zu sehen war. Die Berliner Station wurde damals von der Kunstbibliothek ausgerichtet. Der ungarische Künstler László Moholy-Nagy (1895-1946), der sich bereits mit seinen experimentellen Fotoarbeiten einen Namen gemacht hatte, kuratierte jeweils einen Raum zur Geschichte und zur Zukunft der Fotografie. Dem Bauhaus-Künstler lag daran, programmatisch das Neue Sehen in der Fotografie zu untersuchen. Die historische Werkschau, die als eine Art Manifest zu verstehen ist und sich in die damalige Debatte um den Stellenwert der Fotografie in der Kunst einmischte, wird mit über 300 Exponaten virtuell rekonstruiert. Darüber hinaus wird ein Teil der Berliner Station als szenografische Reproduktion präsentiert. Ergänzt werden die Rekonstruktionen durch zahlreiche Vintage Prints aus den Beständen der Kunstbibliothek und eine Präsentation von Filmen der 1920er-Jahre. In Kombination mit fotografischen Arbeiten von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern eröffnet die Ausstellung einen Dialog zwischen dem historischen Ereignis und der Gegenwart.

Studierende präsentieren Entwürfe
Einen Blick nach vorne werfen Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt und der Fakultät Design der Technischen Hochschule Nürnberg, die ihre eigenen, zukunftsorientierten Entwürfe präsentieren, die auch elektronische und digitale Medien mit einbeziehen.

Die Schau ist Teil des Jubiläumsprogramms „100 jahre bauhaus“.

Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem NRW-Forum Düsseldorf und der Kunsthalle Darmstadt, gefördert im Fonds Bauhaus heute der Kulturstiftung des Bundes, vom NRW-Forum Düsseldorf, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und von der Hochschule Darmstadt.

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Ausstellung | Mischpoche - Andreas Mühe | Hamburger Bahnhof | Berlin
Apr
26
zu 11. Aug.

Ausstellung | Mischpoche - Andreas Mühe | Hamburger Bahnhof | Berlin


Hamburger Bahnhof | Berlin
26. April - 11. August 2019

Mischpoche
Andreas Mühe


Andreas Mühe Isolde IX, 2016 – 2019 aus der Serie: Mischpoche © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Andreas Mühe Isolde IX, 2016 – 2019 aus der Serie: Mischpoche © VG Bild-Kunst, Bonn 2019


Andreas Mühe (geb. 1979, Chemnitz, vormals Karl-Marx-Stadt, lebt in Berlin) wurde international bekannt durch seine Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und Identität. Seinen Fotografien, die er ausschließlich analog herstellt, ist oftmals eine Ambivalenz, fast düstere Andeutung, inhärent, die auf die nicht mehr sichtbaren aber noch immer spürbaren Folgen der deutschen Geschichtsschreibung verweisen. Die sorgsam konzipierten Bildkompositionen suggerieren dabei eine gewisse Verwandtschaft zu Theater und Inszenierung. Die Nähe zu Schauspiel, Bühne und Film erschließt sich unter anderem aus Mühes persönlicher Biografie; sein Vater war der bekannte Schauspieler Ulrich Mühe, seine Mutter ist die renommierte Theaterintendantin Annegret Hahn. Diese beiden Persönlichkeiten, Mühes engste familiäre Bande, gemeinsam mit weiteren Verwandtschaftsmitgliedern, bilden die Protagonisten seiner für den Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin konzipierten neuen Werkserie. In zwei großformatigen fotografischen Familienportraits vereint Mühe die lebenden wie verstorbenen Mitglieder seiner Familie, mütterlicher- und väterlicherseits. Die bereits verstorbenen Personen ließ er, von Fotovorlagen ausgehend, in einem komplexen und intensiven Produktionsprozess als verblüffend lebensecht anmutende Skulpturen nachbilden.

Es offenbart sich hierbei eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den innerfamiliären Geflechten der Familie Mühe, die – berufsbedingt – teilweise auch ein Leben in der Öffentlichkeit führten. Der psychologisch, sozial geladene Aspekt des Familienbildes steht gleichzeitig einer kunsttheoretischen Abhandlung gegenüber. Denn Mühes künstlerischer Prozess von Fotografie als Ausgangsmaterial, zu plastischen Nachbildungen in Form von Skulpturen, und schlussendlich zu einer choreografierten Gruppierung, an dessen Ende ein fotografisches Familienportrait steht, macht die ambivalente Bedeutung von Fotografie – zwischen Wahrheit und Konstruktion – überdeutlich. Persönliche Geschichte, soziale und gesellschaftliche Verhältnisse sowie künstlerische Tradition vereinen sich zum Portrait einer Familie, dem Zeit- wie Kunstgeschichte tief eingeschrieben sind. 

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation in deutscher und englischer Sprache.

Kuratiert von Udo Kittelmann und Kristina Schrei.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch Volkswagen und die Freunde der Nationalgalerie.

(Text: Hamburger Bahnhof, Berlin)

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Ausstellung | A female Gaze - Julia Peirone | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin
Apr
27
zu 29. Juni

Ausstellung | A female Gaze - Julia Peirone | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin

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Dorothée Nilsson Gallery | Berlin
27. April - 29. Juni 2019

A female Gaze
Julia Peirone


Warm Honey from the series Badland, 2012-2014

Warm Honey from the series Badland, 2012-2014


Die parallelen virtuellen Wirklichkeiten und die Bildkultur der sozialen Medien verzerren die Realität, tendieren zur Selbstverherrlichung und führen zu einem abstrakten Schönheitswahn. Julia Peirone nimmt dies zum Anlass und erforscht mit ihrer Fotografie die Identitätssuche junger Teenager. In ihren Serien konzentriert sich Peirone auf junge Frauen, die auf der Suche nach sich selbst und ihrer Sexualität sind und sich Gefühlen wie Scham sowie Verwundbarkeit stellen.  

Die Frustration, die junge Frauen durch die Prägung dieses Ideals erleiden, hält Julia Peroine durch ihre fotografischen Arbeiten bei Castingverfahren fest. Es sind keine üblichen Portraits, denn sie legt ihr Augenmerk auf die extremen Anforderungen dieser Verfahren und fordert den Betrachter auf, diese subtilen Codes zu hinterfragen.  

„Meine Arbeit beginnt mit etwas Banalem, mit einem kleinen Bild, das zu mir kommt. Ich denke darüber nach, wie ich es auf verschiedene Weise fotografieren kann. [...] Also fing ich an, Fotos davon zu machen. Dann tauchten noch mehr Fragen auf, und ich begann, Themen wie Scham, Sexualität, Versagen und die Oberfläche zu erforschen. Aus einer Serie entsteht eine andere.“ (Julia Peirone, aus dem Ausstellungskatatalog "Girls, Girls, Girls", Göteborg Konstmuseum 2017) 

Die Art und Weise, wie Menschen in Peirones Arbeiten auftreten, sind mehrdeutig, je nachdem wie man sie anschaut. Julia Peirone: ..."die Mädchen, (sind) Opfer eines Blicks, aber sie sind auch stark und haben die Macht über deinen Blick". 

Die Ausstellung zeigt Fotografie, Videoarbeiten, Texte und Skulptur.  

Julia Peirone, 1973 in Argentinien geboren, lebt und arbeitet in Stockholm. Sie hat an der Universität für Film und Fotografie (BFA) in Göteborg und an Konstfack, University College of Art, Craft and Design (MFA) in Stockholm studiert. Seit ihrem Debüt um die Jahrtausendwende erforscht sie zwei Themen:
Die Identität von jungen Frauen und das fotografische Bild mit seinen Möglichkeiten und Grenzen. Sie nahm an vielen internationalen Ausstellungen teil und ist in zahlreichen Sammlungen vertreten, u.a. in Moderna Muséet, Stockholm, Konstmuseum Göteborg (beide Schweden) und Kiasma, Helsinki (Finnland).

(Text: Dorothée Nilsson Gallery, Berlin)

 

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Ausstellung | IDENT•I•GRATION – HEIMAT UND IDENTITÄT IN EINER GLOBALISIERTEN WELT | f3 – freiraum für fotografie | Berlin
Apr
27
zu 6. Juni

Ausstellung | IDENT•I•GRATION – HEIMAT UND IDENTITÄT IN EINER GLOBALISIERTEN WELT | f3 – freiraum für fotografie | Berlin

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f3 – freiraum für fotografie | Berlin
27. April - 6. Juni 2019

IDENT•I•GRATION – HEIMAT UND IDENTITÄT IN EINER GLOBALISIERTEN WELT
Schmoo Theune und Susann Tischendorf


© Susann Tischendorf aus der Serie  Ident.i.gration

© Susann Tischendorf aus der Serie Ident.i.gration


„Woher kommst du?“ Einige von uns beantworten diese alltägliche Frage nebenbei – ganz ohne Hintergedanken. Andere wiederum macht sie ratlos. Mögliche Antworten gibt es schließlich viele: „vom Bäcker“, „vom Friseur – sieht man das nicht?“, „aus dem Supermarkt“, „aus dem Harz“ oder „aus Hamburg“. Manchmal lässt die Antwort ihr Gegenüber unbefriedigt zurück: „Nein, DAS meine ich nicht. Ich meine, woher kommst du ursprünglich?“

„Woher kommst du?“ öffnet das weite Spielfeld unserer Definition von Identität und davon, wie wir Zugehörigkeiten einordnen. Gilt die Frage einem der 19,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, ist sie in der Regel der Versuch, das Unbekannte in vertraute Kategorien einzuordnen und ihm so vermeintlich näher zu kommen. Statt die Betreffenden kennenzulernen, verwischt die Frage jedoch oft Individualitäten und macht das Gegenüber zu „der/dem Anderen“.

Ident•i•gration untersucht, wie sich Identität in unserer globalisierten Welt formt. Die Fotografinnen Schmoo Theune und Susann Tischendorf stellen uns mit hybriden Erzählformen zwischen Fotografie, Texte und Archivmaterial sechzehn Personen aus verschiedenen Generationen und mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten vor. Anhand ihrer Lebenswege versuchen sie zu beantworten, was Identität und Heimat in unserer globalisierten Welt sein können.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Projektes XB-Lab statt. Gefördert durch das Modellprogramm „Utopolis – Soziokultur im Quartier“ im Rahmen der ressortübergreifenden Strategie Soziale Stadt „Nachbarschaften stärken, Miteinander im Quartier“ des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat und der Beauftragten für Kultur und Medien.

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Ausstellung | With my eyes closed - Liu Xia | Galerie Peter Sillem | Frankfurt am Main
Mai
4
zu 6. Juni

Ausstellung | With my eyes closed - Liu Xia | Galerie Peter Sillem | Frankfurt am Main


Galerie Peter Sillem | Frankfurt am Main
4. Mai - 6. Juni 2019

With my eyes closed
Liu Xia


Liu Xia, Untitled. Archival Pigment Print, 50 x 50 cm, Ed. 6 + 1 AP

Liu Xia, Untitled. Archival Pigment Print, 50 x 50 cm, Ed. 6 + 1 AP


Erstmals seit ihrer Ankunft im deutschen Exil stellt die chinesische Künstlerin Liu Xia, Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, ihre Arbeiten in einem westlichen Land aus. Zu sehen ist eine Auswahl von Schwarz-Weiß-Fotografien, die zwischen 1996 und 1999 entstanden. Zu dieser Zeit verbrachte Liu Xiaobo drei Jahre Haft im Arbeitslager Dalian, und Liu Xia, von der Malerei kommend, wandte sich zunehmend der Fotografie zu. Sie erschuf einen ganz eigenen Kosmos, der von drangsalierten Puppen, ihren „Ugly Babies“, bevölkert wird. Im selben Kontext entstanden eindrückliche Stilleben, die Isolation und Vergänglichkeit thematisieren.

Die Fotokünstlerin, Malerin und Lyrikerin Liu Xia, geboren 1959 in Beijing, ist eine der bemerkenswertesten Künstlerinnen der chinesischen Gegenwart und spielte eine zentrale Rolle in der Öffnung der Kunstszene im Beijing der achtziger Jahre. 1996 heiratete sie den chinesischen Intellektuellen und Dissidenten Liu Xiaobo, der 2009 aufgrund seines Engagements für die „Charta 2008“ zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Nachdem Liu Xiaobo 2010 den Friedensnobelpreis erhielt, wurde Liu Xia unter Hausarrest gestellt, ohne je offiziell eines Vergehens beschuldigt, angeklagt oder verurteilt worden zu sein. Liu Xiaobo starb 2017 in Haft, Liu Xias Hausarrest blieb weiter bestehen. Erst im Juli 2018 durfte sie China verlassen, seither lebt sie als Exilantin in Deutschland.


For the first time since her arrival in exile in Germany, Chinese artist Liu Xia, widow of Nobel Peace Prize laureate Liu Xiaobo, is exhibiting her works in a Western country. On view is a selection of black-and-white photographs taken between 1996 and 1999. At that time, Liu Xiaobo spent three years in prison in the Dalian labor camp, and Liu Xia, coming from painting, increasingly turned to photography. She created her very own cosmos, populated by dolls, a series which she called “Ugly Babies“, and impressive still lifes that reflect on notions such as isolation and transience.

The photo artist, painter and poet Liu Xia, born in Beijing in 1959, is one of the most remarkable artists of the Chinese present and played a central role in the opening of the art scene in Beijing in the 1980s. In 1996 she married the Chinese intellectual and dissident Liu Xiaobo, who was sentenced to eleven years imprisonment in 2009 for his commitment to the “Charter 2008“. After Liu Xiaobo was awarded the Nobel Peace Prize in 2010, Liu Xia was placed under house arrest without ever having been officially accused, charged or convicted of any offence. Liu Xiaobo died in prison in 2017, but Liu Xia's house arrest continued. She was only allowed to leave China in July 2018 and has since been living in exile in Germany.

(Text: Galerie Peter Sillem, Frankfurt)

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Ausstellung | Aufgeblüht und abgelichtet: Blumen in der Fotografie | Galerie Stihl | Waiblingen
Mai
11
zu 25. Aug.

Ausstellung | Aufgeblüht und abgelichtet: Blumen in der Fotografie | Galerie Stihl | Waiblingen


Galerie Stihl | Waiblingen
11. Mai - 25. August 2019

Aufgeblüht und abgelichtet: Blumen in der Fotografie
Nobuyoshi Araki, Jessica Backhaus, Alberto Baraya, Wilfried Bauer, Wout Berger, Karl Blossfeldt, Giovanni Castell, Imogen Cunningham, Natalie Czech, Noor Damen, Silvie Defraoui, Amin El Dib, Thomas Florschuetz, Joan Fontcuberta, Seiichi Furuya, Dieter Huber, Judith Huemer, Sanna Kannisto, Idris Khan, Martin Klimas, Rosemary Laing, Brigitte Lustenberger, Robert Mapplethorpe, Rémy Markowitsch, Hiroyuki Masuyama, Holger Niehaus, Tim Otto Roth, Miron Schmückle, Kai-Uwe Schulte-Bunert, Luzia Simons, Margriet Smulders, Xiao Hui Wang, Michael Wesely, Manfred Willmann

sowie einer Installation von Rebecca Louise Law


Paragone 2, 2018, Inkjet-Print, Courtesy Galerie Filser & Gräf München © Kai-Uwe Schulte-Bunert

Paragone 2, 2018, Inkjet-Print, Courtesy Galerie Filser & Gräf München © Kai-Uwe Schulte-Bunert


Es blüht in der Galerie: Anlässlich der Remstal Gartenschau 2019 widmet sich die Sommerausstellung Blumenmotiven in der zeitgenössischen Fotografie. Künstlerinnen und Künstler lassen sich von der jahrhundertealten Tradition des Blumenbilds inspirieren und gewinnen dem Thema zugleich vielfältige neue Seiten ab. Überbordende Blütenpracht trifft auf Reflexionen über Welken und Vergänglichkeit, Wildwuchs auf elegante Inszenierung, leuchtende Farbigkeit auf strenges Schwarz-Weiß. Mit ungewöhnlichen Perspektiven und verschiedensten technischen Finessen – von der Langzeitbelichtung über das Spiel mit Spiegelungen, Licht- und Farbeffekten bis zur Überlagerung von Motiven – eröffnen die Fotografien überraschende Sichtweisen der scheinbar vertrauten Pflanzenwelt. Sie regen so dazu an, gängige Vorstellungen zu überdenken und die „Sprache der Blumen“ auf neuen Wegen zu entdecken.

Die Schönheit der Blumen ist dabei ebenso Thema wie ihr traditioneller Symbolgehalt. Sie werden in Stillleben arrangiert oder im landschaftlichen Umfeld festgehalten, mit dem nüchternen Blick des Naturwissenschaftlers geordnet oder – mit ironischem Unterton – als florale Ornamente an der Grenze zum Kitsch präsentiert. Neben Aufnahmen, die eine körperliche Sinnlichkeit vermitteln, klingt auch Kritik an der Gesellschaft, dem Handel und Konsum an. Wenn absonderliche Hybride oder makellose Plastikblumen in den Fokus rücken, stellt sich nicht zuletzt die Frage nach unserem Verständnis von Natürlichem und Künstlichem sowie der Grenze dazwischen.

Aufgeblüht und abgelichtet lädt ein, den Facettenreichtum floraler Bildwelten in der Fotografie zu entdecken. Die Ausstellung präsentiert herausragende nationale und internationale Künstlerpositionen, die allesamt deutlich machen: So hübsch harmlos, wie die Blume scheint, ist sie nur selten.

(Text: Galerie Stihl, Waiblingen)

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Ausstellung | Material - Tobias Kruse | Robert Morat Galerie | Berlin
Mai
11
zu 29. Juni

Ausstellung | Material - Tobias Kruse | Robert Morat Galerie | Berlin


Robert Morat Galerie | Berlin
11. Mai - 29. Juni 2019

Material
Tobias Kruse


Material #008, Archival Pigment Print

Material #008, Archival Pigment Print


Die Serie umfasst visuelle Erzählungen, Notizen und Beobachtungen aus den letzen zehn Jahren, in denen Tobias Kruse Bilder produziert hat, die eine Stimmung, ein Lebensgefühl in eine authentische Bildsprache überführt haben. „Tobias Kruse hat in den vergangenen Jahren die unsagbaren Momente des Lebens festgehalten: Die Form eines Gegenstands, die Gewissheit um bevorstehende Verletzungen, die Geburt der Kinder und das Glück auf ihrer Haut“, schrieb Laura Benz anlässlich der Buchveröffentlichung. „Viele nennen die Arbeit ein Tagebuch, aber genau das ist es natürlich nicht“, sagt Tobias Kruse. „Es sind Miniaturen, ein Kondensat.“


The series includes narratives, notes and observations from the past ten years, in which Tobias Kruse has produced images that translate a mood, a sense of life into an authentic visual language. “In recent years, Tobias Kruse has captured the unspeakable moments of life: the shape of an object, the certainty of impending injuries, the birth of children and happiness on their skin,” wrote Laura Benz on the occasion of the book's publication. “Many call the work a diary, but of course that's not what it is”, says Tobias Kruse. “It's miniatures, a condensate.”

(Text: Robert Morat Galerie, Berlin)

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Vernissage | Contradiction - Elfie Semotan | C/O Berlin Foundation | Berlin
Jun
7
7:00 nachm.19:00

Vernissage | Contradiction - Elfie Semotan | C/O Berlin Foundation | Berlin


C/O Berlin Foundation
7. Juni 2019

Contradiction
Elfie Semotan


o.T., Wien, 1997, a.d.S. Inspiriert von Lucian Freud, Motiv für Wittmann Möbel © Elfie Semotan

o.T., Wien, 1997, a.d.S. Inspiriert von Lucian Freud, Motiv für Wittmann Möbel © Elfie Semotan


„Heute hört man mir zu, weil ich etwas zu sagen habe. Früher hat man mir zugehört, weil man mich gern angeschaut hat.“

(Elfie Semotan)

„Trau dich doch.“ So lautete der provokante Werbespruch der österreichischen Marke Palmers, die die Models in reizvollen schwarzen Dessous auf Plakaten in Szene setzte – in den späten 1970er-Jahren noch ein Skandal. Erst allmählich wurden Konventionen mit spielerischer Experimentierfreude hinterfragt. Die Bilder der österreichischen Fotografin Elfie Semotan zeugen von einem damals neuen hedonistischen Zeitgeist und bestechen bis heute durch ihre kühle Eleganz, unperfekte Schönheit und ihren diskret erotischen Subtext. Oft zeigen sie mehr als nur das Dargestellte und lassen durch intelligent zitierte Bezüge zu ikonischen Werken der Kunstgeschichte die Grenze zwischen Kunst und Kommerz verschwimmen. 

Semotans Karriere begann zunächst als Fotomodell in Paris. Ihr damaliger Lebensgefährte, der kanadische Fotograf John Cook, führte sie Ende der 1960er-Jahre zur Fotografie und weckte ihre Leidenschaft für die Arbeit hinter der Kamera. Vor allem war es die Kunst des fotografischen Storytellings, das sie sich aneignete: Bilder, die wie Filmstills wirken, Personen- und Bildkompositionen, die stets eine Geschichte jenseits des Abgebildeten erzählen. Dieses Prinzip führte sie in einer langjährigen Kampagne für das österreichische Mineralwasserunternehmen Römerquelle fort, in der sie Variationen einer Ménage-à-trois durchspielte. Ihre Werbefotografien und ihre Porträts von prominenten Personen aus Kunst, Film und Theater wie Louise Bourgeois, Willem Dafoe, Elfriede Jelinek, Milla Jovovich, Maria Lassnig, Martin Kippenberger, Udo Kier, Jonathan Meese oder Daniel Richter und nicht zuletzt ihre exklusive Zusammenarbeit und Freundschaft mit Helmut Lang machten die Fotografin weltbekannt. Während der Modeschöpfer durch sein minimalistisches Design für die internationale Mode stilprägend war, schuf Elfie Semotan mit ihren freizügigen Werbe- und Modefotografien für Helmut Lang sowie für internationale Magazine wie Elle, Harper’s Bazaar, Interview, The New Yorker oder Vogue eine neue fotografische Ästhetik. Wie ihre deutschen Zeitgenossinnen wie Barbara Klemm, Herlinde Koelbl oder Sibylle Bergemann hat die Österreicherin Elfie Semotan die Freiräume in der Fotografie genutzt und dieses Medium, das wie die meisten künstlerischen Disziplinen lange Zeit ausschließlich von Männern besetzt war, für sich erobert und ihre eigene weibliche Perspektive durchgesetzt. 

C/O Berlin würdigt Elfie Semotan erstmalig außerhalb Österreichs mit einer umfangreichen Ausstellung und stellt einen Querschnitt durch das vielfältige Schaffen der Fotografin vor. Eine Publikation wird die Schau begleiten.

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Vernissage | Food for the Eyes - Die Geschichte des Essens in der Fotografie | C/O Berlin Foundation | Berlin
Jun
7
7:00 nachm.19:00

Vernissage | Food for the Eyes - Die Geschichte des Essens in der Fotografie | C/O Berlin Foundation | Berlin


C/O Berlin Foundation | Berlin
7. Juni - 2019

Food for the Eyes - Die Geschischte des Essens in der Fotografie


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Wiener Würstchen, Bockwürste, Schinken, Petersilie und Gewürzgurken als Requisiten einer grotesk absurden Szenerie – die Wurstserie des Schweizer Künstlerduos Peter Fischli und David Weiss ist legendär. Die gefrorenen Gemüse- und Obstwürfel und kunstvoll arrangierten Stillleben des amerikanischen Modefotografen Irving Penn sind es ebenso. Die quietschbunten Törtchen und Baked Beans auf Toast des britischen Magnum-Fotografen Martin Parr bedienen ein britisches Klischee, während die Arbeiten von Cindy Sherman und Martha Rosler das Rollenbild der Frau in der Küche hinterfragen. Die Ausstellung Food for the Eyes bei C/O Berlin blickt auf die vielen Geschichten des Essens in der Fotografie. 

Die Aufnahme von Nahrungsmitteln ist lebensnotwendig – wie Luft, die wir atmen, oder Wasser, das wir trinken. Sie zählt zu den täglichen Grundbedürfnissen des Menschen, weckt die Sinne und betrifft das private und öffentliche Leben gleichermaßen. Nahrung und der Akt des gemeinsamen Essens spielen für unsere Rituale, Religionen und Feste eine entscheidende Rolle. Im Essen spiegeln sich unsere Wünsche und Fantasien wider. Als immer verfügbares und alltägliches Sujet wurde und wird Essen vielfach dargestellt. Food Photography kann deshalb – ebenso wie das Essen selbst – die unterschiedlichsten Themen fokussieren: Familie, Tradition, Ritual, Kultur, Wohlstand, Armut, Gender, Rasse, Lust, Ekel, Konsum und Verschwendung.

Mit Werken aus den Bereichen der Mode und des Fotojournalismus bis hin zur Werbung bietet die Schau einen umfangreichen Überblick über die Darstellung von Essen in der Fotografie der letzten zwei Jahrhunderte und verhandelt dieses Thema in drei Kapiteln: Stillleben zeigt, wie Künstler*innen dem traditionell malerischen Genre gefolgt sind. Wie hat die Malerei die Food Photography inspiriert, und wie haben zeitgenössische Fotograf*innen dieses künstlerische Motiv untergraben? Welche Veränderungen und Formen haben sich im Laufe der Zeit entwickelt? Around the Table wiederum blickt auf die Rituale des gemeinsamen Essens, auf die Werte und die kulturellen Identitäten, die sich darin widerspiegeln. Playing with Food beleuchtet nicht zuletzt mittels vielfältiger Ausdrucksweisen wie in der Kombination von Spiel und Nahrungsmitteln Werke entstehen, die unser Leben und unsere Zeit humorvoll reflektieren.

Food for the Eyes . Die Geschichte des Essens in der Fotografie präsentiert eine Vielzahl an Werken bekannter Künstler*innen wie Nobuyoshi Araki, Peter Fischli und David Weiss, Nan Goldin, Rinko Kawauchi, Laura Letinsky, Martin Parr, Irving Penn, Martha Rosler, Cindy Sherman, Stephen Shore und Wolfgang Tillmans. Die Ausstellung, kuratiert von Susan Bright und Denise Wolff, wurde organisiert von der Aperture Foundation, New York, und entstand in Zusammenarbeit mit C/O Berlin.

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Ausstellung | Contradiction - Elfie Semotan | C/O Berlin Foundation | Berlin
Jun
8
zu 7. Sep.

Ausstellung | Contradiction - Elfie Semotan | C/O Berlin Foundation | Berlin


C/O Berlin Foundation
8. Juni - 7. September 2019

Contradiction
Elfie Semotan


o.T., Wien, 1997, a.d.S. Inspiriert von Lucian Freud, Motiv für Wittmann Möbel © Elfie Semotan

o.T., Wien, 1997, a.d.S. Inspiriert von Lucian Freud, Motiv für Wittmann Möbel © Elfie Semotan


„Heute hört man mir zu, weil ich etwas zu sagen habe. Früher hat man mir zugehört, weil man mich gern angeschaut hat.“

(Elfie Semotan)

„Trau dich doch.“ So lautete der provokante Werbespruch der österreichischen Marke Palmers, die die Models in reizvollen schwarzen Dessous auf Plakaten in Szene setzte – in den späten 1970er-Jahren noch ein Skandal. Erst allmählich wurden Konventionen mit spielerischer Experimentierfreude hinterfragt. Die Bilder der österreichischen Fotografin Elfie Semotan zeugen von einem damals neuen hedonistischen Zeitgeist und bestechen bis heute durch ihre kühle Eleganz, unperfekte Schönheit und ihren diskret erotischen Subtext. Oft zeigen sie mehr als nur das Dargestellte und lassen durch intelligent zitierte Bezüge zu ikonischen Werken der Kunstgeschichte die Grenze zwischen Kunst und Kommerz verschwimmen. 

Semotans Karriere begann zunächst als Fotomodell in Paris. Ihr damaliger Lebensgefährte, der kanadische Fotograf John Cook, führte sie Ende der 1960er-Jahre zur Fotografie und weckte ihre Leidenschaft für die Arbeit hinter der Kamera. Vor allem war es die Kunst des fotografischen Storytellings, das sie sich aneignete: Bilder, die wie Filmstills wirken, Personen- und Bildkompositionen, die stets eine Geschichte jenseits des Abgebildeten erzählen. Dieses Prinzip führte sie in einer langjährigen Kampagne für das österreichische Mineralwasserunternehmen Römerquelle fort, in der sie Variationen einer Ménage-à-trois durchspielte. Ihre Werbefotografien und ihre Porträts von prominenten Personen aus Kunst, Film und Theater wie Louise Bourgeois, Willem Dafoe, Elfriede Jelinek, Milla Jovovich, Maria Lassnig, Martin Kippenberger, Udo Kier, Jonathan Meese oder Daniel Richter und nicht zuletzt ihre exklusive Zusammenarbeit und Freundschaft mit Helmut Lang machten die Fotografin weltbekannt. Während der Modeschöpfer durch sein minimalistisches Design für die internationale Mode stilprägend war, schuf Elfie Semotan mit ihren freizügigen Werbe- und Modefotografien für Helmut Lang sowie für internationale Magazine wie Elle, Harper’s Bazaar, Interview, The New Yorker oder Vogue eine neue fotografische Ästhetik. Wie ihre deutschen Zeitgenossinnen wie Barbara Klemm, Herlinde Koelbl oder Sibylle Bergemann hat die Österreicherin Elfie Semotan die Freiräume in der Fotografie genutzt und dieses Medium, das wie die meisten künstlerischen Disziplinen lange Zeit ausschließlich von Männern besetzt war, für sich erobert und ihre eigene weibliche Perspektive durchgesetzt. 

C/O Berlin würdigt Elfie Semotan erstmalig außerhalb Österreichs mit einer umfangreichen Ausstellung und stellt einen Querschnitt durch das vielfältige Schaffen der Fotografin vor. Eine Publikation wird die Schau begleiten.

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Ausstellung | Food for the Eyes - Die Geschichte des Essens in der Fotografie | C/O Berlin Foundation | Berlin
Jun
8
zu 7. Sep.

Ausstellung | Food for the Eyes - Die Geschichte des Essens in der Fotografie | C/O Berlin Foundation | Berlin


C/O Berlin Foundation | Berlin
8. Juni - 7. September 2019

Food for the Eyes - Die Geschischte des Essens in der Fotografie


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Wiener Würstchen, Bockwürste, Schinken, Petersilie und Gewürzgurken als Requisiten einer grotesk absurden Szenerie – die Wurstserie des Schweizer Künstlerduos Peter Fischli und David Weiss ist legendär. Die gefrorenen Gemüse- und Obstwürfel und kunstvoll arrangierten Stillleben des amerikanischen Modefotografen Irving Penn sind es ebenso. Die quietschbunten Törtchen und Baked Beans auf Toast des britischen Magnum-Fotografen Martin Parr bedienen ein britisches Klischee, während die Arbeiten von Cindy Sherman und Martha Rosler das Rollenbild der Frau in der Küche hinterfragen. Die Ausstellung Food for the Eyes bei C/O Berlin blickt auf die vielen Geschichten des Essens in der Fotografie. 

Die Aufnahme von Nahrungsmitteln ist lebensnotwendig – wie Luft, die wir atmen, oder Wasser, das wir trinken. Sie zählt zu den täglichen Grundbedürfnissen des Menschen, weckt die Sinne und betrifft das private und öffentliche Leben gleichermaßen. Nahrung und der Akt des gemeinsamen Essens spielen für unsere Rituale, Religionen und Feste eine entscheidende Rolle. Im Essen spiegeln sich unsere Wünsche und Fantasien wider. Als immer verfügbares und alltägliches Sujet wurde und wird Essen vielfach dargestellt. Food Photography kann deshalb – ebenso wie das Essen selbst – die unterschiedlichsten Themen fokussieren: Familie, Tradition, Ritual, Kultur, Wohlstand, Armut, Gender, Rasse, Lust, Ekel, Konsum und Verschwendung.

Mit Werken aus den Bereichen der Mode und des Fotojournalismus bis hin zur Werbung bietet die Schau einen umfangreichen Überblick über die Darstellung von Essen in der Fotografie der letzten zwei Jahrhunderte und verhandelt dieses Thema in drei Kapiteln: Stillleben zeigt, wie Künstler*innen dem traditionell malerischen Genre gefolgt sind. Wie hat die Malerei die Food Photography inspiriert, und wie haben zeitgenössische Fotograf*innen dieses künstlerische Motiv untergraben? Welche Veränderungen und Formen haben sich im Laufe der Zeit entwickelt? Around the Table wiederum blickt auf die Rituale des gemeinsamen Essens, auf die Werte und die kulturellen Identitäten, die sich darin widerspiegeln. Playing with Food beleuchtet nicht zuletzt mittels vielfältiger Ausdrucksweisen wie in der Kombination von Spiel und Nahrungsmitteln Werke entstehen, die unser Leben und unsere Zeit humorvoll reflektieren.

Food for the Eyes . Die Geschichte des Essens in der Fotografie präsentiert eine Vielzahl an Werken bekannter Künstler*innen wie Nobuyoshi Araki, Peter Fischli und David Weiss, Nan Goldin, Rinko Kawauchi, Laura Letinsky, Martin Parr, Irving Penn, Martha Rosler, Cindy Sherman, Stephen Shore und Wolfgang Tillmans. Die Ausstellung, kuratiert von Susan Bright und Denise Wolff, wurde organisiert von der Aperture Foundation, New York, und entstand in Zusammenarbeit mit C/O Berlin.

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Ausstellung | Gute Aussichten 2018/2019 | Deichtorhallen | Hamburg
Jul
12
zu 3. Okt.

Ausstellung | Gute Aussichten 2018/2019 | Deichtorhallen | Hamburg



Die "Konkrete" Idee | Patrick Knuchel

Die "Konkrete" Idee | Patrick Knuchel

Im 15. Jahr seines Bestehens präsentiert gute aussichten 2018/2019 im Haus der Photographie eine inhaltliche, ästhetische und mediale Bandbreite, wie sie die jungen Fotograf*innen in Deutschland hervorbringen. Ein überraschendes Spektrum vielfältiger Ideen, fotografischer Strategien und formaler wie medialer Umsetzungen, die den aktuellen Status Quo der jungen Fotografie widerspiegeln. 

Die neunköpfige Jury, die durch die Teilnahme des renommierten Fotografen Elger Esser und des bekannten Verlegers Gerhard Steidl unterstützt wurde, wählte aus 98 Einreichungen von 40 Institutionen 9 Preisträger*innen und ihre ausgezeichneten Arbeiten aus. Das verbindende, spürbare Element aller Arbeiten ist – bei aller Unterschiedlichkeit an Themen und Formen – der wendende Punkt, der mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt.

Was sich einmal etabliert hat, lässt sich schwer wieder aus der Welt schaffen – das gilt für jedwede Struktur, sei sie geistiger oder physikalischer Natur. So ist es äußerst erfrischend, wenn die neun Preisträger/Innen von gute aussichten – junge deutsche fotografie 2018/2019 allesamt frischen Wind in ein Feld hineintragen, dessen bildgestalterische Möglichkeiten aller Kassandrarufe zum Trotz offensichtlich bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind.

Preisträger*innen: Lorraine Hellwig, Laila Kaletta, Patrick Knuchel, Benjamin Kummer, Steve Luxembourg, Sina Niemeyer, Malte Sänger, Robert ter Horst und Anna Tiessen.

(Text: Deichtorhallen, Hamburg)

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Vernissage | Retrospektive - Martin Parr | NRW-Forum | Düsseldorf
Jul
18
7:00 nachm.19:00

Vernissage | Retrospektive - Martin Parr | NRW-Forum | Düsseldorf


NRW-Forum | Düsseldorf
18. Juli 2019

Retrospektive
Martin Parr


Martin Parr: Knokke, Belgium 2001, © Martin Parr / Magnum Photos

Martin Parr: Knokke, Belgium 2001, © Martin Parr / Magnum Photos


„Wenn die Leute beim Betrachten meiner Bilder gleichzeitig weinen und lachen, dann ist das genau die Reaktion, die die Bilder auch bei mir hervorrufen. Die Dinge sind weder grundsätzlich gut noch schlecht. Ich bin immer daran interessiert, beide Extreme darzustellen.“

(Martin Parr)

Der englische Fotograf Martin Parr gilt als einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Dokumentarfotografie und als Chronist unserer Zeit. Das NRW-Forum Düsseldorf präsentiert vom 19. Juli bis 10. November 2019 die bisher umfassendste Retrospektive des britischen Fotografen, der die Welt mit einem präzisen und liebevollen Blick abtastet und ihr gleichzeitig den Spiegel vorhält.

Martin Parrs Lieblingsmotiv ist der Mensch in seiner alltäglichen oder selbst gewählten Umgebung. Seine Aufnahmen wirken oft übertrieben, schrill, bunt, teilweise grotesk. In seinem Blick auf den Menschen liegt oft etwas Fassungsloses und Schonungsloses. Gepaart mit dem typisch englischen Humor lichtet er die Welt und die Menschen, die in ihr leben, in den schillerndsten Farben ab.

Die Ausstellung ist mit über 400 Werken die bisher umfassendste Retrospektive des britischen Magnum-Fotografen. Neben Arbeiten aus berühmten Serien wie The last Resort, Think of England, Luxury, Life’s a Beach und Common Sense umfasst die Ausstellung in Düsseldorf erstmals auch frühe Fotografien seiner Debüt-Serie Bad Weather. Die Martin Parr Retrospektive zeigt den Fotografen dabei nicht nur als Satiriker, sondern richtet den Fokus auf das fotografische Können und den zeitgenössischen Umgang mit dem Medium der Fotografie. Eigens für die Ausstellung im NRW-Forum entstand die Serie Kleingärtner, die Martin Parr im Großraum Düsseldorf fotografiert hat.

Für seine Aufnahmen begibt sich Martin Parr, der seit 1994 der Agentur Magnum Photo angehört, an die Lieblingsorte der Menschen: den Strand, Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele. Er sucht Orte mit Extremen und ist ein Meister der Aufdeckung von Beziehungsgeflechten und gesellschaftlichen Strukturen. Mit dem Stilmittel der Übertreibung arbeitet er Klischees heraus und führt gerne die oft obszöne Selbstpräsentation oder das Konsumverhalten von Menschen vor Augen. Zu Beginn seiner Laufbahn in den 1970er Jahren dokumentierte er die nähere Umgebung seiner Heimat in kontrastreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Anfang der 1980er Jahre verwendete er zunehmend Farbe, änderte seinen Stil und wechselte von einer 35mm Kleinbildkamera zu der neunen Plaubel 6x7 Mittelformatkamera. Sein 1982 begonnenes und 1986 erstmals veröffentlichtes Projekt The Last Resort, mit dem er das britische Strandleben in New Brighton dokumentierte, gilt heute als Meilenstein der Fotografie und machte ihn international bekannt. Die berührenden wie oft verstörenden Aufnahmen zeigen den Alltag des britischen Seebads auf eine völlig neue Art und Weise. Sie hinterfragen den Begriff der Schönheit und untersuchen das Schöne im Hässlichen und das Hässliche im Schönen, stilistisch unterstützt durch das für Martin Parr typische Blitzlicht bei Tageslicht.

Entwickelt und kuratiert wird die Ausstellung von Ralph Goertz, Leiter des IKS – Institut für Kunstdokumentation, der im NRW-Forum bereits mit den Ausstellungen Joel Meyerowitz Retrospective oder Lindbergh/Winogrand: Women on Street vertreten war.

(Text: NRW-Forum Düsseldorf)

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Ausstellung | Retrospektive - Martin Parr | NRW-Forum | Düsseldorf
Jul
19
zu 10. Nov.

Ausstellung | Retrospektive - Martin Parr | NRW-Forum | Düsseldorf


NRW-Forum | Düsseldorf
19. Juli - 10. November 2019

Retrospektive
Martin Parr


Martin Parr: Knokke, Belgium 2001, © Martin Parr / Magnum Photos

Martin Parr: Knokke, Belgium 2001, © Martin Parr / Magnum Photos


„Wenn die Leute beim Betrachten meiner Bilder gleichzeitig weinen und lachen, dann ist das genau die Reaktion, die die Bilder auch bei mir hervorrufen. Die Dinge sind weder grundsätzlich gut noch schlecht. Ich bin immer daran interessiert, beide Extreme darzustellen.“

(Martin Parr)

Der englische Fotograf Martin Parr gilt als einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Dokumentarfotografie und als Chronist unserer Zeit. Das NRW-Forum Düsseldorf präsentiert vom 19. Juli bis 10. November 2019 die bisher umfassendste Retrospektive des britischen Fotografen, der die Welt mit einem präzisen und liebevollen Blick abtastet und ihr gleichzeitig den Spiegel vorhält.

Martin Parrs Lieblingsmotiv ist der Mensch in seiner alltäglichen oder selbst gewählten Umgebung. Seine Aufnahmen wirken oft übertrieben, schrill, bunt, teilweise grotesk. In seinem Blick auf den Menschen liegt oft etwas Fassungsloses und Schonungsloses. Gepaart mit dem typisch englischen Humor lichtet er die Welt und die Menschen, die in ihr leben, in den schillerndsten Farben ab.

Die Ausstellung ist mit über 400 Werken die bisher umfassendste Retrospektive des britischen Magnum-Fotografen. Neben Arbeiten aus berühmten Serien wie The last Resort, Think of England, Luxury, Life’s a Beach und Common Sense umfasst die Ausstellung in Düsseldorf erstmals auch frühe Fotografien seiner Debüt-Serie Bad Weather. Die Martin Parr Retrospektive zeigt den Fotografen dabei nicht nur als Satiriker, sondern richtet den Fokus auf das fotografische Können und den zeitgenössischen Umgang mit dem Medium der Fotografie. Eigens für die Ausstellung im NRW-Forum entstand die Serie Kleingärtner, die Martin Parr im Großraum Düsseldorf fotografiert hat.

Für seine Aufnahmen begibt sich Martin Parr, der seit 1994 der Agentur Magnum Photo angehört, an die Lieblingsorte der Menschen: den Strand, Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele. Er sucht Orte mit Extremen und ist ein Meister der Aufdeckung von Beziehungsgeflechten und gesellschaftlichen Strukturen. Mit dem Stilmittel der Übertreibung arbeitet er Klischees heraus und führt gerne die oft obszöne Selbstpräsentation oder das Konsumverhalten von Menschen vor Augen. Zu Beginn seiner Laufbahn in den 1970er Jahren dokumentierte er die nähere Umgebung seiner Heimat in kontrastreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Anfang der 1980er Jahre verwendete er zunehmend Farbe, änderte seinen Stil und wechselte von einer 35mm Kleinbildkamera zu der neunen Plaubel 6x7 Mittelformatkamera. Sein 1982 begonnenes und 1986 erstmals veröffentlichtes Projekt The Last Resort, mit dem er das britische Strandleben in New Brighton dokumentierte, gilt heute als Meilenstein der Fotografie und machte ihn international bekannt. Die berührenden wie oft verstörenden Aufnahmen zeigen den Alltag des britischen Seebads auf eine völlig neue Art und Weise. Sie hinterfragen den Begriff der Schönheit und untersuchen das Schöne im Hässlichen und das Hässliche im Schönen, stilistisch unterstützt durch das für Martin Parr typische Blitzlicht bei Tageslicht.

Entwickelt und kuratiert wird die Ausstellung von Ralph Goertz, Leiter des IKS – Institut für Kunstdokumentation, der im NRW-Forum bereits mit den Ausstellungen Joel Meyerowitz Retrospective oder Lindbergh/Winogrand: Women on Street vertreten war.

(Text: NRW-Forum Düsseldorf)

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Ausstellung | Fotografie der Nachkriegsmoderne - Ludwig Windstosser | Museum für Fotografie | Berlin
Okt
12
zu 23. Feb.

Ausstellung | Fotografie der Nachkriegsmoderne - Ludwig Windstosser | Museum für Fotografie | Berlin

  • Museum für Fotografie (Karte)
  • Google Kalender ICS

Museum für Fotografie | Berlin
12. Oktober 2019 - 23. Februar 2020

Fotografie der Nachkriegsmoderne
Ludwig Windstosser


Ludwig Windstosser: Aral, Benzin-Raffinerie, 1967, Farbpapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Ludwig Windstosser

Ludwig Windstosser: Aral, Benzin-Raffinerie, 1967, Farbpapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Ludwig Windstosser


Mit rund 200 Aufnahmen präsentiert die Ausstellung eine Auswahl aus dem Nachlass des Stuttgarter Fotografen Ludwig Windstosser (1921-1983), den die Kunstbibliothek im Museum für Fotografie bewahrt. Durch seine Firmenporträts avancierte Windstosser zum führenden Industriefotografen der westdeutschen Nachkriegszeit und ist dennoch bis heute weitgehend unbekannt. Die Ausstellung ist der erste Versuch, einen umfassenden Einblick in Leben und Werk des Fotografen zu geben, der bislang noch in keiner Einzelausstellung gewürdigt wurde.

Tendenzen der Nachkriegsavantgarde
In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war Windstosser Mitglied der Gruppe fotoform und beteiligte sich an den Ausstellungen und Buchprojekten der "subjektiven Fotografie". In Anknüpfung an die fotografischen Tendenzen der 1920er und frühen 30er Jahre prägte vor allem fotoform die Bildsprache der fotokünstlerischen Nachkriegsavantgarde. Steile Perspektiven, ungewöhnliche Bildausschnitte und starke Kontraste finden sich auch in den Werbeaufnahmen, die er als Industriefotograf ab den frühen 1950er Jahren für viele Firmen – vom Stahlbau über Pharmahersteller bis hin zur Textilbranche – realisierte. So porträtierte er das Bergbauunternehmen Ruhrkohle AG, das für den Aufschwung der westdeutschen Wirtschaft eine maßgebliche Rolle spielte. In seinen Fotografien zeigt er den Produktionsablauf von den Schächten bis hin in die heimischen Öfen und entwickelt dabei ein Bild vom Bergbau, das auch heute noch im kollektiven Gedächtnis präsent ist.

Gegenüberstellungen von Großstadt und Natur
Auch für seine zahlreichen Buchprojekte fing Windstosser den nachkriegsdeutschen Zeitgeist mit seiner Kamera ein. Die Bildbände führen das Lebensgefühl in Großstädten wie Berlin oder Stuttgart einerseits sowie ein breites Spektrum an Landschaftsaufnahmen andererseits vor Augen. Der 1972 erschienene Bildband "Berlin: teils teils" ist ein Porträt West-Berlins, in einer von Wiederaufbau und Fortschritt aber auch dem Wunsch nach Normalität und Sicherheit geprägten Zeit. Dieses Spannungsfeld zieht sich durch geschickte Gegenüberstellungen durch das gesamte Farbfotobuch.

Begleitband zur Ausstellung
Der zur Ausstellung erscheinende 80-seitige Begleitband vertieft die drei Hauptaspekte im Schaffen Windstossers – künstlerische Fotografie, Industriefotografie, Stadt- und Landschaftsaufnahmen. Die Karriere Ludwig Windstossers steht exemplarisch für das Wirken vieler Fotografinnen und Fotografen in der Zeit des westdeutschen Wirtschaftswunders, seine Arbeit ist andererseits einzigartig in der Vielseitigkeit ihrer Bildsprache.

(Text: Museum für Fotografie, Berlin)

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Buchvernissage | Body an Soul - Amin El Dib | Haus am Kleistpark | Berlin
Mai
23
7:00 nachm.19:00

Buchvernissage | Body an Soul - Amin El Dib | Haus am Kleistpark | Berlin


Haus am Kleistpark | Berlin
23. Mai 2019

Buchvorstellung mit Amin El Dib und Rolf Sachsse

Body and Soul
Amin El Dib


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Amin El Dibs künstlerische Entwicklung ist engstens mit Berlin verbunden, sowohl was die Entstehung seiner Bildwerke als auch was deren Präsentation in Einzel- und Gruppenausstellungen betrifft. Dass er seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, hat daran nichts geändert. Das Haus am Kleistpark zeigt jetzt unter dem Titel „Body and Soul“ erstmals eine Ausstellung mit einer größeren Auswahl seiner über die Jahre entstandenen und thematisch geordneten Werkgruppen. Kuratiert hat sie Enno Kaufhold.

In der frühesten der hier ausgewählten und bis 1988 zurückreichenden Serie „Bilder von Menschen und Tieren“ porträtiert er, wie es schon der Titel verrät, Frauen und Männer, die ihr Leben mit Tieren teilen. Neben Hunden und Katzen, die unverzichtbar dazu gehören, reicht die Skala der Tierarten darüber jedoch weit hinaus. Ob es die Personen oder doch eher die Tiere sind, die den Blick in die Bilder ziehen, bleibt von Bild zu Bild offen. Offen wie das Oszillieren zwischen Normalität und Skurrilität, Selbstverständlichkeit und Abwegigkeit, Witz und bitterem Ernst. Angesichts des Umstands, dass die Porträtierten mal bekleidet und ein anderes Mal unbekleidet zu sehen sind, verweisen seine Bilder darauf, dass die Frage der Bekleidung allein auf die Menschen, nicht aber auf die Tiere anzuwenden ist. Die tragen ohne Ausnahme ihre evolutionär angepassten Kleidungen. Insgesamt verrät allein diese Porträtserie Amin El Dibs ausgeprägtes Interesse an Menschen und – nicht minder wichtig – am Inszenieren, das allen Porträts mehr oder weniger zugrunde liegt.

Um in der Chronologie der ausgestellten Werkgruppen zu bleiben, folgt die von 2000 bis 2002 entstandenen Serie „Weekenders“. Nicht zum ersten Mal und die traditionellen fotografischen Spezifika sprengend, unterzog Amin El Dib seine zahlreichen von ihm fotografierten Porträts einer radikalen Dekonstruktion, indem er die Fotopapiere zerriss, zerknüllte und auch sonst rüde behandelte. Die solchermaßen entstandenen Motivfragmente fügte er in einem zweiten Schritt collagenartig neu zusammen, oder fotografierte die körperlichen Gebilde ein neues Mal. Bei diesem gewaltsamen Vorgehen, schließlich ist das Zerreißen oder Zerknüllen des Fotopapiers ein rabiater physischer Akt, ging der ureigene Porträtcharakter unverkennbar verloren, zugleich kreierte er jedoch mit dieser Technik eine hinsichtlich der Materialität wie Ästhetik neue Bildform. Die solchermaßen vollzogene Reinszenierung setzte er 2006 in der medienreflexiven Arbeit „Men at Work“ auf andere Weise fort, indem er gezielt einzelne Gesichter mit geöffneten Mündern aus einschlägig pornografischen Publikationen, wie wir sie aus unserem pornografisierten Alltag kennen, heraus fotografierte. Die Verwandlung ins Schwarzweiße, die starke Fragmentierung sowie der Duktus der gerasterten Druckvorlage verleihen den so geschaffenen Bildern ein gänzlich verfremdetes Aussehen. Der pointierte Gestus des offenen Mundes, ursprünglich Ausdruck dargestellter sexueller Lust, nimmt absurde Formen an. In der zeitlich nachfolgenden Serie „United Tongues“ steigert Amin El Dib diesen Eindruck noch, indem er die aus demselben Kontext stammenden Kussszenen durch starke Ausschnitte vollends in die visuelle wie gedankliche Abstraktion verwandelt. 

Schließlich umfasst die Ausstellung neben diesen durchgehend schwarzweiß fotografierten Bildserien noch eine größere Auswahl aus zwei jüngeren, jetzt farbig fotografierten Werkgruppen. In der „Under Skies of Blue and Grey” betitelten und von 2007 bis 2014 fotografierten Serie folgt Amin El Dib dem tradierten Landschaftsbild, allerdings, und das muss sofort wieder die Einschränkung sein, fern von allen, Natur verherrlichenden Stereotypen. Ihre Andersartigkeit erschließt sich bei genauerem Hinsehen und in der Abfolge des Seriellen. Es sind die subtilen Verweise, die den wie auch immer gearteten Eingriff der Menschen erkennen lassen. Schon hier kann von Verletzungen gesprochen werden. Einen wesentlich deutlicheren Akzent setzte er bei den in den Jahren 2014 bis 2016 von ihm fotografierten antiken Statuen. Diese in der Skulpturhalle in Basel aufgenommenen Bilder der dort gesammelten Gipsrepliken handeln, wie diese Arbeit klar ausweist, „Von der Brüchigkeit des Seins“. Selbst die auf Ewigkeit angelegten antiken Steinskulpturen, die den Gipsrepliken zugrunde lagen, haben Beschädigungen erlitten, verloren Gliedmaßen wie Teile ihrer Gesichter und mehr und zeugen so von der Verletzbarkeit allen Irdischen, womit im metaphorischen Sinn nicht allein die Steinplastik, sondern gleichermaßen die menschliche Existenz gemeint ist. 

In all seinen Bildern, und das ist das Verbindende zwischen den scheinbar disparaten Werkgruppen, verweigert sich Amin El Dib der absoluten Harmonie, dem Schönen schlechthin. Um es mit den Begriffen des Porträts zu formulieren, er schreibt den schönen Gesichtern zugleich die Fratze ein.

(Text: Haus am Kleistpark)

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Art Tour | Body an Soul - Amin El Dib | Haus am Kleistpark | Berlin
Mai
12
4:00 nachm.16:00

Art Tour | Body an Soul - Amin El Dib | Haus am Kleistpark | Berlin


Haus am Kleistpark | Berlin
12. Mai 2019

Führung mit Amin El Dib und Dr. Enno Kaufhold

Body and Soul
Amin El Dib


4.jpg

Amin El Dibs künstlerische Entwicklung ist engstens mit Berlin verbunden, sowohl was die Entstehung seiner Bildwerke als auch was deren Präsentation in Einzel- und Gruppenausstellungen betrifft. Dass er seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, hat daran nichts geändert. Das Haus am Kleistpark zeigt jetzt unter dem Titel „Body and Soul“ erstmals eine Ausstellung mit einer größeren Auswahl seiner über die Jahre entstandenen und thematisch geordneten Werkgruppen. Kuratiert hat sie Enno Kaufhold.

In der frühesten der hier ausgewählten und bis 1988 zurückreichenden Serie „Bilder von Menschen und Tieren“ porträtiert er, wie es schon der Titel verrät, Frauen und Männer, die ihr Leben mit Tieren teilen. Neben Hunden und Katzen, die unverzichtbar dazu gehören, reicht die Skala der Tierarten darüber jedoch weit hinaus. Ob es die Personen oder doch eher die Tiere sind, die den Blick in die Bilder ziehen, bleibt von Bild zu Bild offen. Offen wie das Oszillieren zwischen Normalität und Skurrilität, Selbstverständlichkeit und Abwegigkeit, Witz und bitterem Ernst. Angesichts des Umstands, dass die Porträtierten mal bekleidet und ein anderes Mal unbekleidet zu sehen sind, verweisen seine Bilder darauf, dass die Frage der Bekleidung allein auf die Menschen, nicht aber auf die Tiere anzuwenden ist. Die tragen ohne Ausnahme ihre evolutionär angepassten Kleidungen. Insgesamt verrät allein diese Porträtserie Amin El Dibs ausgeprägtes Interesse an Menschen und – nicht minder wichtig – am Inszenieren, das allen Porträts mehr oder weniger zugrunde liegt.

Um in der Chronologie der ausgestellten Werkgruppen zu bleiben, folgt die von 2000 bis 2002 entstandenen Serie „Weekenders“. Nicht zum ersten Mal und die traditionellen fotografischen Spezifika sprengend, unterzog Amin El Dib seine zahlreichen von ihm fotografierten Porträts einer radikalen Dekonstruktion, indem er die Fotopapiere zerriss, zerknüllte und auch sonst rüde behandelte. Die solchermaßen entstandenen Motivfragmente fügte er in einem zweiten Schritt collagenartig neu zusammen, oder fotografierte die körperlichen Gebilde ein neues Mal. Bei diesem gewaltsamen Vorgehen, schließlich ist das Zerreißen oder Zerknüllen des Fotopapiers ein rabiater physischer Akt, ging der ureigene Porträtcharakter unverkennbar verloren, zugleich kreierte er jedoch mit dieser Technik eine hinsichtlich der Materialität wie Ästhetik neue Bildform. Die solchermaßen vollzogene Reinszenierung setzte er 2006 in der medienreflexiven Arbeit „Men at Work“ auf andere Weise fort, indem er gezielt einzelne Gesichter mit geöffneten Mündern aus einschlägig pornografischen Publikationen, wie wir sie aus unserem pornografisierten Alltag kennen, heraus fotografierte. Die Verwandlung ins Schwarzweiße, die starke Fragmentierung sowie der Duktus der gerasterten Druckvorlage verleihen den so geschaffenen Bildern ein gänzlich verfremdetes Aussehen. Der pointierte Gestus des offenen Mundes, ursprünglich Ausdruck dargestellter sexueller Lust, nimmt absurde Formen an. In der zeitlich nachfolgenden Serie „United Tongues“ steigert Amin El Dib diesen Eindruck noch, indem er die aus demselben Kontext stammenden Kussszenen durch starke Ausschnitte vollends in die visuelle wie gedankliche Abstraktion verwandelt. 

Schließlich umfasst die Ausstellung neben diesen durchgehend schwarzweiß fotografierten Bildserien noch eine größere Auswahl aus zwei jüngeren, jetzt farbig fotografierten Werkgruppen. In der „Under Skies of Blue and Grey” betitelten und von 2007 bis 2014 fotografierten Serie folgt Amin El Dib dem tradierten Landschaftsbild, allerdings, und das muss sofort wieder die Einschränkung sein, fern von allen, Natur verherrlichenden Stereotypen. Ihre Andersartigkeit erschließt sich bei genauerem Hinsehen und in der Abfolge des Seriellen. Es sind die subtilen Verweise, die den wie auch immer gearteten Eingriff der Menschen erkennen lassen. Schon hier kann von Verletzungen gesprochen werden. Einen wesentlich deutlicheren Akzent setzte er bei den in den Jahren 2014 bis 2016 von ihm fotografierten antiken Statuen. Diese in der Skulpturhalle in Basel aufgenommenen Bilder der dort gesammelten Gipsrepliken handeln, wie diese Arbeit klar ausweist, „Von der Brüchigkeit des Seins“. Selbst die auf Ewigkeit angelegten antiken Steinskulpturen, die den Gipsrepliken zugrunde lagen, haben Beschädigungen erlitten, verloren Gliedmaßen wie Teile ihrer Gesichter und mehr und zeugen so von der Verletzbarkeit allen Irdischen, womit im metaphorischen Sinn nicht allein die Steinplastik, sondern gleichermaßen die menschliche Existenz gemeint ist. 

In all seinen Bildern, und das ist das Verbindende zwischen den scheinbar disparaten Werkgruppen, verweigert sich Amin El Dib der absoluten Harmonie, dem Schönen schlechthin. Um es mit den Begriffen des Porträts zu formulieren, er schreibt den schönen Gesichtern zugleich die Fratze ein.

(Text: Haus am Kleistpark)

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Vernissage | Material - Tobias Kruse | Robert Morat Galerie | Berlin
Mai
10
7:00 nachm.19:00

Vernissage | Material - Tobias Kruse | Robert Morat Galerie | Berlin


Robert Morat Galerie | Berlin
10. Mai 2019

Material
Tobias Kruse


Material #008, Archival Pigment Print

Material #008, Archival Pigment Print


Die Serie umfasst visuelle Erzählungen, Notizen und Beobachtungen aus den letzen zehn Jahren, in denen Tobias Kruse Bilder produziert hat, die eine Stimmung, ein Lebensgefühl in eine authentische Bildsprache überführt haben. „Tobias Kruse hat in den vergangenen Jahren die unsagbaren Momente des Lebens festgehalten: Die Form eines Gegenstands, die Gewissheit um bevorstehende Verletzungen, die Geburt der Kinder und das Glück auf ihrer Haut“, schrieb Laura Benz anlässlich der Buchveröffentlichung. „Viele nennen die Arbeit ein Tagebuch, aber genau das ist es natürlich nicht“, sagt Tobias Kruse. „Es sind Miniaturen, ein Kondensat.“


The series includes narratives, notes and observations from the past ten years, in which Tobias Kruse has produced images that translate a mood, a sense of life into an authentic visual language. “In recent years, Tobias Kruse has captured the unspeakable moments of life: the shape of an object, the certainty of impending injuries, the birth of children and happiness on their skin,” wrote Laura Benz on the occasion of the book's publication. “Many call the work a diary, but of course that's not what it is”, says Tobias Kruse. “It's miniatures, a condensate.”

(Text: Robert Morat Galerie, Berlin)

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Ausstellung | Neue Ordnung - shaped photographies | Esther Hagenmaier | Schloss Tiengen | Waldshut-Tiengen
Mai
5
zu 26. Mai

Ausstellung | Neue Ordnung - shaped photographies | Esther Hagenmaier | Schloss Tiengen | Waldshut-Tiengen


Schloss Tiengen | Waldshut-Tiengen
5. - 26. Mai 2019

Neue Ordnung - shaped photographies
Esther Hagenmaier


Faltung 01

Faltung 01

Esther Hagenmaier (*1975) erzeugt mit fotografischen Mitteln Bildobjekte, die das Sehen und die Wahrnehmung thematisieren. Dabei verfolgt sie konsequent einen erweiterten Fotografiebegriff und lotet immer wieder die Grenzen des Mediums aus.

Für ihre sogenannten „shaped photographies“ fotografiert die in Ulm lebende Künstlerin Ausschnitte aus Architekturen. Bereits während der Aufnahme wird mit dem gezielt gewählten Kamerastandpunkt eine Komposition erstellt und das Motiv soweit wie möglich abstrahiert. Später reduziert Esther Hagenmaier das fotografische Bild durch Beschneiden der Außenkanten weiter auf seine wesentlichen Inhalte. Außer dieser Neudefinition der Bildkanten werden keine weiteren Veränderungen am Bildinhalt vorgenommen. Die so entstanden Bildobjekte haben eine jeweils individuelle geometrische Umrissform. Durch ihre formale Strenge erzeugen sie Ruhe, sind zugleich aber auch ein Impuls im Raum. Das fotografische Bild entfernt sich von seiner Abbildfunktion, erhält eine neue Ordnung und wird so zum Seh- und Wahrnehmungsfeld.

Mit ihrem spezifischen Blick durchstreift Hagenmaier urbane Räume und tastet die bebaute Umwelt auf interessante Zusammenhänge von Linie, Fläche, Form und Farbe ab. Ein Großteil der Arbeiten zeigt Motive des Schweizer Architekten Walter Maria Förderer. Dabei reflektiert die Künstlerin die Architektur mit ihrem Blick durch die Kamera, filtert und fragmentiert das Gesehene, bis am Ende des Arbeitsprozesses eine Art „Destillat“ aus der vorgefundenen Architektur geworden ist. Die so entstandenen Fotoarbeiten wechseln zwischen Fotografie und Wandobjekt und eröffnen neue Sichtweisen auf die uns umgebende Architektur.

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Art Tour | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt
Mai
5
3:00 nachm.15:00

Art Tour | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt


Fotografie Forum Frankfurt
5. Mai 2019

Kuratorenführungen mit Celina Lunsford

Graciela Iturbide


México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019

México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019


Ihre Bilder sind immer schwarzweiß – und zeigen zugleich alle Schattierungen der menschlichen Existenz. Traditionen und ihre Brüchigkeit, Glaube und Religion, Gemeinschaft und Tod gehören zu den zentralen Themen von GRACIELA ITURBIDE. Ihr über fünf Jahrzehnte entstandenes Œuvre gilt als grundlegend für das Verständnis der mexikanischen und der gesamten lateinamerikanischen Fotografie. Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) ehrt die 1942 in Mexiko-City geborene Künstlerin mit der ersten Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung wurde von der Fundación MAPFRE, Madrid, organisiert und präsentiert in Kooperation mit dem FFF Werke aus allen Schaffensphasen dieser außergewöhnlichen Fotografin.

Zu sehen sind frühe Arbeiten wie die Langzeitstudie »Juchitán de las Mujeres«. Die Dokumentation der matriarchalen Gemeinschaft im südmexikanischen Staat Oaxaca, entstanden zwischen 1979 und 1986, machte Iturbide bekannt – und zeigt ihre einzigartige Handschrift. Ihre Bilder pendeln stets zwischen dem Dokumentarischen und dem Poetischen, zeigen mehrere Realitätsebenen und spiegeln so symbolträchtig die Vielschichtigkeit des Lebens. Kulturelle Spannungen zwischen Tradition und westlicher Moderne etwa macht die Fotografin sichtbar in ihrem Projekt mit den indigenen Seri-Indianern in der Sonora-Wüste. Außerdem zeigt das FFF Porträts der Straßengang »White Fence« im Los Angeles der 1980er Jahre, sehr persönliche Innenaufnahmen aus dem Haus von Frida Kahlo, sowie Sujet-Bilder von Gärten, Landschaften und Vögeln, die Iturbide in ihrem Heimatland und auch auf ihren Reisen nach Indien, Italien, Korea oder Madagaskar schuf. 

Graciela Iturbide, Tochter einer traditionellen katholischen Familie, studierte zunächst Film an der Nationalen Universität Mexico City, ehe sie inspiriert von ihrem Lehrer Manuel Álvaro Bravo die Fotokamera für sich entdeckte. Zugleich war die Fotografie für sie ein Weg, den Tod ihrer sechsjährigen Tochter zu verarbeiten. Iturbides Arbeiten wurden in aller Welt gezeigt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem W. Eugene Smith Memorial Award, dem International Grand Prize of the Museum of Photography in Hokkaido, Japan, und dem renommierten Hasselblad-Award (2008). Graciela Iturbide lebt und arbeitet im Künstlerviertel Coyoacán in Mexico-City.

Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erhältlich: GRACIELA ITURBIDE. Mit Texten von Marta Dahó, Juan Villoro und Carlos Martín García. 2018, Fundación MAPFRE, Madrid; Englisch, 292 S., ISBN-10: 8417047700. 

(Text: Fotografie Forum Frankfurt)

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Vernissage | With my eyes closed - Liu Xia | Galerie Peter Sillem | Frankfurt am Main
Mai
3
6:00 nachm.18:00

Vernissage | With my eyes closed - Liu Xia | Galerie Peter Sillem | Frankfurt am Main


Galerie Peter Sillem | Frankfurt am Main
3. Mai 2019

With my eyes closed
Liu Xia


Liu Xia, Untitled. Archival Pigment Print, 50 x 50 cm, Ed. 6 + 1 AP

Liu Xia, Untitled. Archival Pigment Print, 50 x 50 cm, Ed. 6 + 1 AP


Erstmals seit ihrer Ankunft im deutschen Exil stellt die chinesische Künstlerin Liu Xia, Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, ihre Arbeiten in einem westlichen Land aus. Zu sehen ist eine Auswahl von Schwarz-Weiß-Fotografien, die zwischen 1996 und 1999 entstanden. Zu dieser Zeit verbrachte Liu Xiaobo drei Jahre Haft im Arbeitslager Dalian, und Liu Xia, von der Malerei kommend, wandte sich zunehmend der Fotografie zu. Sie erschuf einen ganz eigenen Kosmos, der von drangsalierten Puppen, ihren „Ugly Babies“, bevölkert wird. Im selben Kontext entstanden eindrückliche Stilleben, die Isolation und Vergänglichkeit thematisieren.

Die Fotokünstlerin, Malerin und Lyrikerin Liu Xia, geboren 1959 in Beijing, ist eine der bemerkenswertesten Künstlerinnen der chinesischen Gegenwart und spielte eine zentrale Rolle in der Öffnung der Kunstszene im Beijing der achtziger Jahre. 1996 heiratete sie den chinesischen Intellektuellen und Dissidenten Liu Xiaobo, der 2009 aufgrund seines Engagements für die „Charta 2008“ zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Nachdem Liu Xiaobo 2010 den Friedensnobelpreis erhielt, wurde Liu Xia unter Hausarrest gestellt, ohne je offiziell eines Vergehens beschuldigt, angeklagt oder verurteilt worden zu sein. Liu Xiaobo starb 2017 in Haft, Liu Xias Hausarrest blieb weiter bestehen. Erst im Juli 2018 durfte sie China verlassen, seither lebt sie als Exilantin in Deutschland.


For the first time since her arrival in exile in Germany, Chinese artist Liu Xia, widow of Nobel Peace Prize laureate Liu Xiaobo, is exhibiting her works in a Western country. On view is a selection of black-and-white photographs taken between 1996 and 1999. At that time, Liu Xiaobo spent three years in prison in the Dalian labor camp, and Liu Xia, coming from painting, increasingly turned to photography. She created her very own cosmos, populated by dolls, a series which she called “Ugly Babies“, and impressive still lifes that reflect on notions such as isolation and transience.

The photo artist, painter and poet Liu Xia, born in Beijing in 1959, is one of the most remarkable artists of the Chinese present and played a central role in the opening of the art scene in Beijing in the 1980s. In 1996 she married the Chinese intellectual and dissident Liu Xiaobo, who was sentenced to eleven years imprisonment in 2009 for his commitment to the “Charter 2008“. After Liu Xiaobo was awarded the Nobel Peace Prize in 2010, Liu Xia was placed under house arrest without ever having been officially accused, charged or convicted of any offence. Liu Xiaobo died in prison in 2017, but Liu Xia's house arrest continued. She was only allowed to leave China in July 2018 and has since been living in exile in Germany.

(Text: Galerie Peter Sillem, Frankfurt)

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Vernissage | A female Gaze - Julia Peirone | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin
Apr
26
6:00 nachm.18:00

Vernissage | A female Gaze - Julia Peirone | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin


Dorothée Nilsson Gallery | Berlin
26. April 2019

A female Gaze
Julia Peirone


Warm Honey from the series Badland, 2012-2014

Warm Honey from the series Badland, 2012-2014


Die parallelen virtuellen Wirklichkeiten und die Bildkultur der sozialen Medien verzerren die Realität, tendieren zur Selbstverherrlichung und führen zu einem abstrakten Schönheitswahn. Julia Peirone nimmt dies zum Anlass und erforscht mit ihrer Fotografie die Identitätssuche junger Teenager. In ihren Serien konzentriert sich Peirone auf junge Frauen, die auf der Suche nach sich selbst und ihrer Sexualität sind und sich Gefühlen wie Scham sowie Verwundbarkeit stellen.  

Die Frustration, die junge Frauen durch die Prägung dieses Ideals erleiden, hält Julia Peroine durch ihre fotografischen Arbeiten bei Castingverfahren fest. Es sind keine üblichen Portraits, denn sie legt ihr Augenmerk auf die extremen Anforderungen dieser Verfahren und fordert den Betrachter auf, diese subtilen Codes zu hinterfragen.  

„Meine Arbeit beginnt mit etwas Banalem, mit einem kleinen Bild, das zu mir kommt. Ich denke darüber nach, wie ich es auf verschiedene Weise fotografieren kann. [...] Also fing ich an, Fotos davon zu machen. Dann tauchten noch mehr Fragen auf, und ich begann, Themen wie Scham, Sexualität, Versagen und die Oberfläche zu erforschen. Aus einer Serie entsteht eine andere.“ (Julia Peirone, aus dem Ausstellungskatatalog "Girls, Girls, Girls", Göteborg Konstmuseum 2017) 

Die Art und Weise, wie Menschen in Peirones Arbeiten auftreten, sind mehrdeutig, je nachdem wie man sie anschaut. Julia Peirone: ..."die Mädchen, (sind) Opfer eines Blicks, aber sie sind auch stark und haben die Macht über deinen Blick". 

Die Ausstellung zeigt Fotografie, Videoarbeiten, Texte und Skulptur.  

Julia Peirone, 1973 in Argentinien geboren, lebt und arbeitet in Stockholm. Sie hat an der Universität für Film und Fotografie (BFA) in Göteborg und an Konstfack, University College of Art, Craft and Design (MFA) in Stockholm studiert. Seit ihrem Debüt um die Jahrtausendwende erforscht sie zwei Themen:
Die Identität von jungen Frauen und das fotografische Bild mit seinen Möglichkeiten und Grenzen. Sie nahm an vielen internationalen Ausstellungen teil und ist in zahlreichen Sammlungen vertreten, u.a. in Moderna Muséet, Stockholm, Konstmuseum Göteborg (beide Schweden) und Kiasma, Helsinki (Finnland).

(Text: Dorothée Nilsson Gallery, Berlin)

 

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Artist Talk | Some Changes Made - Amin El Dib | Collection Regard | Berlin
Apr
11
7:00 nachm.19:00

Artist Talk | Some Changes Made - Amin El Dib | Collection Regard | Berlin


Collection Regard | Berlin
11. April 2019

Moderation: Franziska Schmidt

Some Changes Made
Amin El Dib


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Die thematisch in sich geschlossene Motivreihe, die Serie, bestimmt die künstlerische Arbeit von Amin El Dib von Beginn an. Die für die Ausstellung in der Collection Regard von ihm gemeinsam mit dem Galeristen Marc Barbey ausgewählten Serien sind in Berlin und später in der Schweiz entstanden, wo er seit einigen Jahren lebt und arbeitet. Sie betonen bewusst den Teil seines umfangreichen Werkes, bei dem er formaler und inhaltlich abstrahierender vorgegangen ist, unabhängig davon, ob die Bilder auf Menschen, Pflanzen oder Materialien verweisen.

Am auffälligsten nehmen sich die Arbeiten aus, in denen er sich mit den bereits abgeschlossenen Serien mit bildmäßigen Motiven auseinandergesetzt hat. Ausgehend von dem Material – und Material meint hier das klassische Barytpapier sowie die modernen Digitaldruckpapiere – verwendete er dies, um daraus neue Bilder zu kreieren. Verständlicher gesagt werden die vorliegenden Fotografien von ihm zerrissen, wobei die Risskanten bei den im Duktus einer Collage neu zusammengesetzten Bildern deutlich erkennbar bleiben. Dieses Reißen impliziert genaugenommen Gewalt und Zerstörung. Gewalt und Zerstörung, die er den Papieren und mithin dem darauf Abgebildeten antut. Allerdings findet, übersteigert formuliert, im Zusammensetzen der Motivfragmente zugleich ein Akt der Heilung, der Wiedergutmachung statt. Denn der brutalen Dekonstruktion der Bilder folgt die versöhnende Neukonstruktion, selbstredend mit dem Ziel ästhetischer Konzentration. Geht Amin El Dib bei seinen traditionellen bildmäßigen Motiven noch der Suche nach, im Leben, im fortwährenden Gedeihen das Brüchige, das Unvollkommene sichtbar werden zu lassen, gewissermaßen als Affront gegen das all zu Glatte, Perfekte und Unantastbare, so findet dieser Ansatz in den aus den gerissenen Papieren montierten Bildern eine bedeutsame formalästhetische Steigerung mit metaphorischen Dimensionen. Die auf diese Weise entstehenden Bilder, und es sind Bilder, berühren die Retina und mithin unser Innerstes bis an die Schmerzgrenze. Die vielfach sichtbar durch das Papier getriebenen Heftklammern verstärken diesen Schmerz noch. 

Neben den in dieser Technik gestalteten Serien, die den Hauptteil der Ausstellung ausmachen, zeigt Amin El Dib andere Motivreihen, in denen sich das Abgebildete, wie beispielsweise der Haarschopf einer Frau, zunächst partiell und dann ganz bis ins fotografische Weiß auflöst. Auch das beschreibt das Existentielle als fragil und flüchtig: Ein künstlerischer Kommentar der auf das Ganze zielt, auf das vergängliche Sein und zugleich auf dessen Brüchigkeit.

Öffnungszeiten
Freitags oder nach Vereinbarung

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Art Tour | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt
Apr
7
3:00 nachm.15:00

Art Tour | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt


Fotografie Forum Frankfurt
7. April 2019

Kuratorenführungen mit Celina Lunsford

Graciela Iturbide


México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019

México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019


Ihre Bilder sind immer schwarzweiß – und zeigen zugleich alle Schattierungen der menschlichen Existenz. Traditionen und ihre Brüchigkeit, Glaube und Religion, Gemeinschaft und Tod gehören zu den zentralen Themen von GRACIELA ITURBIDE. Ihr über fünf Jahrzehnte entstandenes Œuvre gilt als grundlegend für das Verständnis der mexikanischen und der gesamten lateinamerikanischen Fotografie. Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) ehrt die 1942 in Mexiko-City geborene Künstlerin mit der ersten Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung wurde von der Fundación MAPFRE, Madrid, organisiert und präsentiert in Kooperation mit dem FFF Werke aus allen Schaffensphasen dieser außergewöhnlichen Fotografin.

Zu sehen sind frühe Arbeiten wie die Langzeitstudie »Juchitán de las Mujeres«. Die Dokumentation der matriarchalen Gemeinschaft im südmexikanischen Staat Oaxaca, entstanden zwischen 1979 und 1986, machte Iturbide bekannt – und zeigt ihre einzigartige Handschrift. Ihre Bilder pendeln stets zwischen dem Dokumentarischen und dem Poetischen, zeigen mehrere Realitätsebenen und spiegeln so symbolträchtig die Vielschichtigkeit des Lebens. Kulturelle Spannungen zwischen Tradition und westlicher Moderne etwa macht die Fotografin sichtbar in ihrem Projekt mit den indigenen Seri-Indianern in der Sonora-Wüste. Außerdem zeigt das FFF Porträts der Straßengang »White Fence« im Los Angeles der 1980er Jahre, sehr persönliche Innenaufnahmen aus dem Haus von Frida Kahlo, sowie Sujet-Bilder von Gärten, Landschaften und Vögeln, die Iturbide in ihrem Heimatland und auch auf ihren Reisen nach Indien, Italien, Korea oder Madagaskar schuf. 

Graciela Iturbide, Tochter einer traditionellen katholischen Familie, studierte zunächst Film an der Nationalen Universität Mexico City, ehe sie inspiriert von ihrem Lehrer Manuel Álvaro Bravo die Fotokamera für sich entdeckte. Zugleich war die Fotografie für sie ein Weg, den Tod ihrer sechsjährigen Tochter zu verarbeiten. Iturbides Arbeiten wurden in aller Welt gezeigt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem W. Eugene Smith Memorial Award, dem International Grand Prize of the Museum of Photography in Hokkaido, Japan, und dem renommierten Hasselblad-Award (2008). Graciela Iturbide lebt und arbeitet im Künstlerviertel Coyoacán in Mexico-City.

Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erhältlich: GRACIELA ITURBIDE. Mit Texten von Marta Dahó, Juan Villoro und Carlos Martín García. 2018, Fundación MAPFRE, Madrid; Englisch, 292 S., ISBN-10: 8417047700. 

(Text: Fotografie Forum Frankfurt)

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Ausstellung | Cities in Silence - Christopher Thomas | Persiehl & Heine | Galerie für Fotografie | Hamburg
Mär
28
zu 4. Mai

Ausstellung | Cities in Silence - Christopher Thomas | Persiehl & Heine | Galerie für Fotografie | Hamburg

  • Persiehl & Heine - Galerie für Fotografie (Karte)
  • Google Kalender ICS

Persiehl & Heine | Galerie für Fotografie | Hamburg
28. März - 4. Mai 2019

“Cities in Silence”
Christopher Thomas


CT Elbphilharmonie 2018 Pigment-Print auf Büttenpapier, 56 x 76, Auflage 25 © and courtesy Persiehl & Heine Gallery for Photography

CT Elbphilharmonie 2018 Pigment-Print auf Büttenpapier, 56 x 76, Auflage 25 © and courtesy Persiehl & Heine Gallery for Photography


Ich möchte dem Betrachter zeigen, was er zwar kennt, aber so noch nicht bewusst wahrgenommen hat.
— Christopher Thomas

Christopher Thomas, 1961 in München geboren, Absolvent der Bayerischen Staatslehranstalt für Fotografie, ist mit seinen Städteporträts bekannt geworden. Seine Stadtansichten sind mit der Großbildkamera festgehalten und auf Büttenpapier geprintet. Das Filmmaterial ist ein Schwarzweiß-Film vom Typ 55 von Polaroid. 

Den Auftakt zu den Stadtansichten bildete die Serie Münchner Elegien (1999-2017), gefolgt von der Serie New York Sleeps, die zwischen 2001 und 2009 entstand. Weitere Städteporträts folgten: Venedig. Die Unsichtbare (2012), Paris im Licht  (2014) und zuletzt Lost in L.A. (2017).  Seine jüngste Werkserie Eternity wird derzeit im Kallmann-Museum in Ismaning ausgestellt. 

Die Arbeiten von Christopher Thomas werden weltweit von renommierten Fotogalerien in Ausstellungen und auf Messen gezeigt und befinden sich in wichtigen privaten und institutionellen Sammlungen wie der Francois Pinault Collection, der Sir Elton John Photography Collection, der SØR Rusche Sammlung und der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags.

(Text: Ira Stehmann)

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Ausstellung | Hinterland - Hans-Christian Schink | Robert Morat Galerie | Berlin
Mär
23
zu 4. Mai

Ausstellung | Hinterland - Hans-Christian Schink | Robert Morat Galerie | Berlin


Robert Morat Galerie | Berlin
23. März - 4. Mai 2019

Hinterland
Hans-Christian Schink


Bei Kublank (2016), 35 x 40 cm, C-Print, Ed. of 8 + 2 AP.jpg

Bei Kublank (2016), 35 x 40 cm, C-Print, Ed. of 8 + 2 AP.jpg


Hans-Christian Schink, 1961 geboren in Erfurt, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Fotografie aus Deutschland. Seine Arbeiten, meist Landschafts-Untersuchungen im Spannungsfeld von Natur und Zivilisation, werden international ausgestellt und finden sich in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen. Mit „Hinterland“ legt Schink seine neueste Arbeit vor.

„Hinterland meint einerseits die dünn besiedelten Landstriche abseits der Großstädte, in dieser Serie speziell die abgelegenen Regionen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns“, erklärt Hans-Christian Schink. „Andererseits bezieht sich der Titel „Hinterland“ auf die imaginären Landschaften, die aus meiner Erinnerung entstehen. Landschaften, die ich aus meiner Kindheit kenne.“ Und weiter: „Es geht in dieser Serie also nicht um das Abbilden konkreter Orte. Meine Bilder sind eher das Resultat einer Suche ohne Ziel.“ Mit seinem Projekt versucht Hans-Christian Schink eine Balance zu halten – einerseits die spröde Schönheit dieser Form von Landschaft zu zeigen, andererseits mit diesen Bildern auch eine Atmosphäre der Melancholie zu transportieren, die sich aus der Gefährdung eben dieser Landschaft durch die permanente Überbeanspruchung ihrer Ressourcen ergibt.

(Text: Robert Morat Galerie, Berlin)

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Vernissage | Hinterland - Hans-Christian Schink | Robert Morat Galerie | Berlin
Mär
22
7:00 nachm.19:00

Vernissage | Hinterland - Hans-Christian Schink | Robert Morat Galerie | Berlin


Robert Morat Galerie | Berlin
22. März 2019

Hinterland
Hans-Christian Schink


Bei Kublank (2016), 35 x 40 cm, C-Print, Ed. of 8 + 2 AP.jpg

Bei Kublank (2016), 35 x 40 cm, C-Print, Ed. of 8 + 2 AP.jpg


Hans-Christian Schink, 1961 geboren in Erfurt, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Fotografie aus Deutschland. Seine Arbeiten, meist Landschafts-Untersuchungen im Spannungsfeld von Natur und Zivilisation, werden international ausgestellt und finden sich in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen. Mit „Hinterland“ legt Schink seine neueste Arbeit vor.

„Hinterland meint einerseits die dünn besiedelten Landstriche abseits der Großstädte, in dieser Serie speziell die abgelegenen Regionen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns“, erklärt Hans-Christian Schink. „Andererseits bezieht sich der Titel „Hinterland“ auf die imaginären Landschaften, die aus meiner Erinnerung entstehen. Landschaften, die ich aus meiner Kindheit kenne.“ Und weiter: „Es geht in dieser Serie also nicht um das Abbilden konkreter Orte. Meine Bilder sind eher das Resultat einer Suche ohne Ziel.“ Mit seinem Projekt versucht Hans-Christian Schink eine Balance zu halten – einerseits die spröde Schönheit dieser Form von Landschaft zu zeigen, andererseits mit diesen Bildern auch eine Atmosphäre der Melancholie zu transportieren, die sich aus der Gefährdung eben dieser Landschaft durch die permanente Überbeanspruchung ihrer Ressourcen ergibt.

(Text: Robert Morat Galerie, Berlin)

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Art Tour | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt
Mär
17
3:00 nachm.15:00

Art Tour | Graciela Iturbide | Fotografie Forum Frankfurt


Fotografie Forum Frankfurt
17. März 2019

Kuratorenführungen mit Celina Lunsford

Graciela Iturbide


México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019

México, 1969 © Graciela Iturbide / Colecciones Fundación MAPFRE, 2019


Ihre Bilder sind immer schwarzweiß – und zeigen zugleich alle Schattierungen der menschlichen Existenz. Traditionen und ihre Brüchigkeit, Glaube und Religion, Gemeinschaft und Tod gehören zu den zentralen Themen von GRACIELA ITURBIDE. Ihr über fünf Jahrzehnte entstandenes Œuvre gilt als grundlegend für das Verständnis der mexikanischen und der gesamten lateinamerikanischen Fotografie. Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) ehrt die 1942 in Mexiko-City geborene Künstlerin mit der ersten Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung wurde von der Fundación MAPFRE, Madrid, organisiert und präsentiert in Kooperation mit dem FFF Werke aus allen Schaffensphasen dieser außergewöhnlichen Fotografin.

Zu sehen sind frühe Arbeiten wie die Langzeitstudie »Juchitán de las Mujeres«. Die Dokumentation der matriarchalen Gemeinschaft im südmexikanischen Staat Oaxaca, entstanden zwischen 1979 und 1986, machte Iturbide bekannt – und zeigt ihre einzigartige Handschrift. Ihre Bilder pendeln stets zwischen dem Dokumentarischen und dem Poetischen, zeigen mehrere Realitätsebenen und spiegeln so symbolträchtig die Vielschichtigkeit des Lebens. Kulturelle Spannungen zwischen Tradition und westlicher Moderne etwa macht die Fotografin sichtbar in ihrem Projekt mit den indigenen Seri-Indianern in der Sonora-Wüste. Außerdem zeigt das FFF Porträts der Straßengang »White Fence« im Los Angeles der 1980er Jahre, sehr persönliche Innenaufnahmen aus dem Haus von Frida Kahlo, sowie Sujet-Bilder von Gärten, Landschaften und Vögeln, die Iturbide in ihrem Heimatland und auch auf ihren Reisen nach Indien, Italien, Korea oder Madagaskar schuf. 

Graciela Iturbide, Tochter einer traditionellen katholischen Familie, studierte zunächst Film an der Nationalen Universität Mexico City, ehe sie inspiriert von ihrem Lehrer Manuel Álvaro Bravo die Fotokamera für sich entdeckte. Zugleich war die Fotografie für sie ein Weg, den Tod ihrer sechsjährigen Tochter zu verarbeiten. Iturbides Arbeiten wurden in aller Welt gezeigt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem W. Eugene Smith Memorial Award, dem International Grand Prize of the Museum of Photography in Hokkaido, Japan, und dem renommierten Hasselblad-Award (2008). Graciela Iturbide lebt und arbeitet im Künstlerviertel Coyoacán in Mexico-City.

Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erhältlich: GRACIELA ITURBIDE. Mit Texten von Marta Dahó, Juan Villoro und Carlos Martín García. 2018, Fundación MAPFRE, Madrid; Englisch, 292 S., ISBN-10: 8417047700. 

(Text: Fotografie Forum Frankfurt)

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Ausstellung | Hennric Jokeit | Kunstverein Schallstadt | Schallstadt
Mär
16
zu 10. Mai

Ausstellung | Hennric Jokeit | Kunstverein Schallstadt | Schallstadt

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Kunstverein Schallstadt | Schallstadt
16. März - 10. Mai 2019

"Wir können Negativität denken, nicht aber mit eigenen Augen sehen"
Hennric Jokeit


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«Hennric Jokeit präsentiert seine aktuellen Bilder ausschliesslich in einer Negativ-Form. In dieser Stringenz reflektiert seine Arbeit zunächst mediale Eigenheiten an der Schwelle vom analogen zum digitalen Bild. Als Neurowissenschaftler weiß er um die Irritation visueller Wahrnehmung durch die Negativ-Form. Sie evoziert eine Entschleunigung des Sehens. Eingedenk dieses Wissens provoziert Jokeit mit seinen Bildern ganz bewusst eine Wahrnehmung, die sich der uns heute von den neuen Medien im Alltag mehr und mehr abverlangten entgegenstellt. Für den künstlerischen Gehalt seiner Bilder ist jedoch die Frage nach der grundlegenden Bedeutung des Negativen in Zeiten einer exzessiven Positivierung aller Lebensbereiche entscheidender. Jokeits Bilder beharren auf dem grundsätzlichen Wert des Negativen als Voraussetzung des Besseren, Positiven. Seine Motive zeigen moderne städtische Architektur, Industrieanlagen, einfachste Häuser wie Behausungen, Interieurs, Müll, aber zugleich Natur. Intakt genauso wie ruinös und verfallen. Alle Orte scheinen verlassen, jegliches Leben ausgelöscht. Solchermaßen entleert, um nicht zu sagen entmenschlicht, schwingt in den Negativ-Formen ein Geheimnis mit. Zugleich können sie als Anstoß begriffen werden, als Aufforderung, die als negativ empfundene Welt zu negieren.»

(Text: Enno Kaufhold, Berlin )

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Vernissage | Hennric Jokeit | Kunstverein Schallstadt | Schallstadt
Mär
10
11:00 vorm.11:00

Vernissage | Hennric Jokeit | Kunstverein Schallstadt | Schallstadt


Kunstverein Schallstadt | Schallstadt
10. März 2019

"Wir können Negativität denken, nicht aber mit eigenen Augen sehen"
Hennric Jokeit


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«Hennric Jokeit präsentiert seine aktuellen Bilder ausschliesslich in einer Negativ-Form. In dieser Stringenz reflektiert seine Arbeit zunächst mediale Eigenheiten an der Schwelle vom analogen zum digitalen Bild. Als Neurowissenschaftler weiß er um die Irritation visueller Wahrnehmung durch die Negativ-Form. Sie evoziert eine Entschleunigung des Sehens. Eingedenk dieses Wissens provoziert Jokeit mit seinen Bildern ganz bewusst eine Wahrnehmung, die sich der uns heute von den neuen Medien im Alltag mehr und mehr abverlangten entgegenstellt. Für den künstlerischen Gehalt seiner Bilder ist jedoch die Frage nach der grundlegenden Bedeutung des Negativen in Zeiten einer exzessiven Positivierung aller Lebensbereiche entscheidender. Jokeits Bilder beharren auf dem grundsätzlichen Wert des Negativen als Voraussetzung des Besseren, Positiven. Seine Motive zeigen moderne städtische Architektur, Industrieanlagen, einfachste Häuser wie Behausungen, Interieurs, Müll, aber zugleich Natur. Intakt genauso wie ruinös und verfallen. Alle Orte scheinen verlassen, jegliches Leben ausgelöscht. Solchermaßen entleert, um nicht zu sagen entmenschlicht, schwingt in den Negativ-Formen ein Geheimnis mit. Zugleich können sie als Anstoß begriffen werden, als Aufforderung, die als negativ empfundene Welt zu negieren.»

(Text: Enno Kaufhold, Berlin )

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Vernissage | Some Changes Made - Amin El Dib | Collection Regard | Berlin
Feb
21
6:00 nachm.18:00

Vernissage | Some Changes Made - Amin El Dib | Collection Regard | Berlin


Collection Regard | Berlin
21. Februar 2019

Some Changes Made
Amin El Dib


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Die thematisch in sich geschlossene Motivreihe, die Serie, bestimmt die künstlerische Arbeit von Amin El Dib von Beginn an. Die für die Ausstellung in der Collection Regard von ihm gemeinsam mit dem Galeristen Marc Barbey ausgewählten Serien sind in Berlin und später in der Schweiz entstanden, wo er seit einigen Jahren lebt und arbeitet. Sie betonen bewusst den Teil seines umfangreichen Werkes, bei dem er formaler und inhaltlich abstrahierender vorgegangen ist, unabhängig davon, ob die Bilder auf Menschen, Pflanzen oder Materialien verweisen.

Am auffälligsten nehmen sich die Arbeiten aus, in denen er sich mit den bereits abgeschlossenen Serien mit bildmäßigen Motiven auseinandergesetzt hat. Ausgehend von dem Material – und Material meint hier das klassische Barytpapier sowie die modernen Digitaldruckpapiere – verwendete er dies, um daraus neue Bilder zu kreieren. Verständlicher gesagt werden die vorliegenden Fotografien von ihm zerrissen, wobei die Risskanten bei den im Duktus einer Collage neu zusammengesetzten Bildern deutlich erkennbar bleiben. Dieses Reißen impliziert genaugenommen Gewalt und Zerstörung. Gewalt und Zerstörung, die er den Papieren und mithin dem darauf Abgebildeten antut. Allerdings findet, übersteigert formuliert, im Zusammensetzen der Motivfragmente zugleich ein Akt der Heilung, der Wiedergutmachung statt. Denn der brutalen Dekonstruktion der Bilder folgt die versöhnende Neukonstruktion, selbstredend mit dem Ziel ästhetischer Konzentration. Geht Amin El Dib bei seinen traditionellen bildmäßigen Motiven noch der Suche nach, im Leben, im fortwährenden Gedeihen das Brüchige, das Unvollkommene sichtbar werden zu lassen, gewissermaßen als Affront gegen das all zu Glatte, Perfekte und Unantastbare, so findet dieser Ansatz in den aus den gerissenen Papieren montierten Bildern eine bedeutsame formalästhetische Steigerung mit metaphorischen Dimensionen. Die auf diese Weise entstehenden Bilder, und es sind Bilder, berühren die Retina und mithin unser Innerstes bis an die Schmerzgrenze. Die vielfach sichtbar durch das Papier getriebenen Heftklammern verstärken diesen Schmerz noch. 

Neben den in dieser Technik gestalteten Serien, die den Hauptteil der Ausstellung ausmachen, zeigt Amin El Dib andere Motivreihen, in denen sich das Abgebildete, wie beispielsweise der Haarschopf einer Frau, zunächst partiell und dann ganz bis ins fotografische Weiß auflöst. Auch das beschreibt das Existentielle als fragil und flüchtig: Ein künstlerischer Kommentar der auf das Ganze zielt, auf das vergängliche Sein und zugleich auf dessen Brüchigkeit.

Öffnungszeiten
Freitags oder nach Vereinbarung

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Ausstellung | CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen | f³ – freiraum für fotografie | Berlin
Feb
15
zu 21. Apr.

Ausstellung | CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen | f³ – freiraum für fotografie | Berlin

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f³ – freiraum für fotografie | Berlin
15. Februar - 21. April 2019

CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen
Laia Abril (Spanien), Sibylle Fendt (Deutschland), Nora Klein (Deutschland), Louis Quail (UK) und Melissa Spitz (USA)


© Laia Abril, aus: The Epilogue

© Laia Abril, aus: The Epilogue

Mehr als jeder vierte Erwachsene erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Am häufigsten treten Angstzustände, Depressionen und psychische Leiden durch Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch auf. Für die knapp 18 Millionen akut Betroffenen und ihr soziales Umfeld sind sie mit massiven Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben verbunden.

Obwohl psychische Erkrankungen einen Großteil der Bevölkerung sowie deren Angehörige und Freund*innen direkt betreffen, sind sie immer noch mit einem starken Tabu und Stigma behaftet. Über das Leben mit Depressionen, Angststörungen und psychischen Störungen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen gibt es unklare Vorstellungen; wechselnde Diagnosen und individuelle Krankheitsbilder verunsichern Außenstehende. So gelingt es kaum, Betroffenen in ihrer Welt nahe zu kommen.

CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen präsentiert Arbeiten von fünf international renommierten Fotograf*innen, die sich aus ganz persönlichen Gründen mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Die spanische Fotografin Laia Abril beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Weiblichkeit und Körperbild. Ihre international ausgezeichnete Serie The Epilogue erzählt die Geschichte der Familie Robinson, die ihre jüngste Tochter durch Bulimie verlor. Das gleichnamige Buch wurde für den Paris Photo – Aperture Foundation PhotoBook Award 2014 nominiert.

© Sibylle Fendt, aus Gärtners Reise

© Sibylle Fendt, aus Gärtners Reise

In Gärtners Reise dokumentiert die Berliner Fotografin Sibylle Fendt die letzte Reise des Ehepaars Lothar und Elke Gärtner. Ihr Leben lang hatten sie als begeisterte Camper Europa im Wohnwagen bereist. Zwei Jahre zuvor hatte Elke Gärtner die Diagnose Demenz erhalten, ihr Ehemann wollte sie so lange wie möglich zuhause pflegen und auf ihrem Weg begleiten. Die entstandenen Bilder sind keine Dokumente einer Campingtour, sie sind Symbole für eine Reise in unbekanntes Terrain. Sibylle Fendt ist Mitglied der renommierten Agentur OSTKREUZ.

© Nora Klein, aus mal gut mehr schlecht

© Nora Klein, aus mal gut mehr schlecht

Die Fotografin Nora Klein aus Erfurt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Krankheit Depression. Ihr erster Bildband Mal gut, mal schlecht ist im Hatje Cantz Verlag erschienen. Mit ihrer Kamera unternahm Klein einen Annäherungsversuch. Gemeinsam mit Betroffenen versucht sie die Erkrankung in Bilder zu fassen. Nora Kleins Fotografien wurden u. a. in Stern, der Spiegel, die Zeit, Financial Times Weekend Magazine, Cicero und Süddeutsche Zeitung veröffentlicht.

© Louis Quail, aus: Big Brother

© Louis Quail, aus: Big Brother

Der Brite Louis Quail zeigt in seiner intimen fotografischen Annäherung Big Brother das Leben seines Bruders mit Schizophrenie. Die Dokumentation, die mit dem Renaissance Photography Prize 2017 ausgezeichnet wurde, offenbart den Menschen in einer Krise, ohne je die Wertschätzung für ihn zu verlieren. Louis Quail hat für zahlreiche der bekanntesten britischen Zeitschriften gearbeitet und ist vielfach mit Preisen ausgezeichnet worden.

© Melissa Sitz, aus nothing to worry about

© Melissa Sitz, aus nothing to worry about

Die New Yorker Fotografin Melissa Spitz widmet ihre Arbeit You Have Nothing to Worry About dem Gefühlsleben ihrer schwer psychisch erkrankten Mutter. Die Fotografien sind über einen Zeitraum von zehn Jahren entstanden und zeigen Spitz´ Mutter in verschiedenen Stadien der Erkrankung, in ihren Hoch- und Tiefphasen. Melissa Spitz wurde vom TIME Magazine zur Instagram-Fotografin 2017 gewählt. Sie veröffentlicht ihre Arbeiten unter anderem im TIME Magazine, in VICE und der Huffington Post.

(Text: f³ – freiraum für fotografie)

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Vernissage | CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen | f³ – freiraum für fotografie | Berlin
Feb
14
7:00 nachm.19:00

Vernissage | CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen | f³ – freiraum für fotografie | Berlin

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f³ – freiraum für fotografie | Berlin
14. Februar 2019

Geleitwort: Prof. Dr. med. Arno Deister, Past President der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V.
Einführung: Katharina Mouratidi, Künstlerische Leiterin f³ – freiraum für fotografie, im Gespräch mit Nora Klein, Fotografin, und Louis Quail, Fotograf.

CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen
Laia Abril (Spanien), Sibylle Fendt (Deutschland), Nora Klein (Deutschland), Louis Quail (UK) und Melissa Spitz (USA)


© Laia Abril, aus: The Epilogue

© Laia Abril, aus: The Epilogue

Mehr als jeder vierte Erwachsene erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Am häufigsten treten Angstzustände, Depressionen und psychische Leiden durch Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch auf. Für die knapp 18 Millionen akut Betroffenen und ihr soziales Umfeld sind sie mit massiven Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben verbunden.

Obwohl psychische Erkrankungen einen Großteil der Bevölkerung sowie deren Angehörige und Freund*innen direkt betreffen, sind sie immer noch mit einem starken Tabu und Stigma behaftet. Über das Leben mit Depressionen, Angststörungen und psychischen Störungen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen gibt es unklare Vorstellungen; wechselnde Diagnosen und individuelle Krankheitsbilder verunsichern Außenstehende. So gelingt es kaum, Betroffenen in ihrer Welt nahe zu kommen.

CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen präsentiert Arbeiten von fünf international renommierten Fotograf*innen, die sich aus ganz persönlichen Gründen mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Die spanische Fotografin Laia Abril beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Weiblichkeit und Körperbild. Ihre international ausgezeichnete Serie The Epilogue erzählt die Geschichte der Familie Robinson, die ihre jüngste Tochter durch Bulimie verlor. Das gleichnamige Buch wurde für den Paris Photo – Aperture Foundation PhotoBook Award 2014 nominiert.

© Sibylle Fendt, aus Gärtners Reise

© Sibylle Fendt, aus Gärtners Reise

In Gärtners Reise dokumentiert die Berliner Fotografin Sibylle Fendt die letzte Reise des Ehepaars Lothar und Elke Gärtner. Ihr Leben lang hatten sie als begeisterte Camper Europa im Wohnwagen bereist. Zwei Jahre zuvor hatte Elke Gärtner die Diagnose Demenz erhalten, ihr Ehemann wollte sie so lange wie möglich zuhause pflegen und auf ihrem Weg begleiten. Die entstandenen Bilder sind keine Dokumente einer Campingtour, sie sind Symbole für eine Reise in unbekanntes Terrain. Sibylle Fendt ist Mitglied der renommierten Agentur OSTKREUZ.

© Nora Klein, aus mal gut mehr schlecht

© Nora Klein, aus mal gut mehr schlecht

Die Fotografin Nora Klein aus Erfurt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Krankheit Depression. Ihr erster Bildband Mal gut, mal schlecht ist im Hatje Cantz Verlag erschienen. Mit ihrer Kamera unternahm Klein einen Annäherungsversuch. Gemeinsam mit Betroffenen versucht sie die Erkrankung in Bilder zu fassen. Nora Kleins Fotografien wurden u. a. in Stern, der Spiegel, die Zeit, Financial Times Weekend Magazine, Cicero und Süddeutsche Zeitung veröffentlicht.

© Louis Quail, aus: Big Brother

© Louis Quail, aus: Big Brother

Der Brite Louis Quail zeigt in seiner intimen fotografischen Annäherung Big Brother das Leben seines Bruders mit Schizophrenie. Die Dokumentation, die mit dem Renaissance Photography Prize 2017 ausgezeichnet wurde, offenbart den Menschen in einer Krise, ohne je die Wertschätzung für ihn zu verlieren. Louis Quail hat für zahlreiche der bekanntesten britischen Zeitschriften gearbeitet und ist vielfach mit Preisen ausgezeichnet worden.

© Melissa Sitz, aus nothing to worry about

© Melissa Sitz, aus nothing to worry about

Die New Yorker Fotografin Melissa Spitz widmet ihre Arbeit You Have Nothing to Worry About dem Gefühlsleben ihrer schwer psychisch erkrankten Mutter. Die Fotografien sind über einen Zeitraum von zehn Jahren entstanden und zeigen Spitz´ Mutter in verschiedenen Stadien der Erkrankung, in ihren Hoch- und Tiefphasen. Melissa Spitz wurde vom TIME Magazine zur Instagram-Fotografin 2017 gewählt. Sie veröffentlicht ihre Arbeiten unter anderem im TIME Magazine, in VICE und der Huffington Post.

(Text: f³ – freiraum für fotografie)

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Ausstellung | Ort und Erinnerung - Laurenz Berges | Museum für Photographie | Braunschweig
Feb
2
zu 31. März

Ausstellung | Ort und Erinnerung - Laurenz Berges | Museum für Photographie | Braunschweig

  • Museum für Photographie Braunschweig (Karte)
  • Google Kalender ICS

Museum für Photographie | Braunschweig
2. Februar - 31. März 2019

Ort und Erinnerung
Laurenz Berges


Laurenz Berges,  September  (Tisch), 2013 © Laurenz Berges VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Laurenz Berges, September (Tisch), 2013 © Laurenz Berges VG Bild-Kunst, Bonn 2019


Cloppenburg und Arbeiten aus dem Ruhrgebiet

Die Ausstellung stellt erstmals vollständig die farbfotografische Werkgruppe Cloppenburg aus dem Frühwerk von Laurenz Berges vor und wird ergänzt um neuere Arbeiten, die in den vergangenen Jahren im Ruhrgebiet entstanden sind.

(Text: Museum für Photographie, Braunschweig)

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Ausstellung | Women on View | Galerie 36 | Berlin
Feb
2
zu 18. Mai

Ausstellung | Women on View | Galerie 36 | Berlin


Galerie 36 | Berlin
2. Februar - 18. Mai 2019

Women on View


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Die Gruppenausstellung “Women on View” thematisiert die Erotisierung des weiblichen Körpers in der Werbefotografie - angefangen bei der frühen Produktreklame der 1940er Jahre, über die Ära der Hyper-Erotisierung der Frau in den 1990er Jahren hin zu zeitgenössischen Positionen in der Werbefotografie. Präsentiert werden legendäre Plakate und Fotografien von namhaften Künstlern wie Erwin Blumenfeld, Horst P. Horst, Lilian Bassman, Irving Penn, Helmut Newton, Guy Bourdin, Frank Horvat, Jeanloup Sieff, Hans Feurer, Albert Watson, Herb Ritts, Peter Lindbergh und Ellen von Unwerth. Einerseits zeigt die Ausstellung verschiedene Darstellungsweisen der Frau in der Werbung auf. Anderseits hinterfragt sie die wechselseitigen Einflüsse der modischen und kommerziellen Fotografie bei der Schaffung ästhetischer Standards.

Darüber hinaus verweist die Ausstellung auf den soziokulturellen Einfluss von Werbung. Diese ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Einstellungen und beeinflusst als Ab- und Vorbild gängige Rollenbilder und Vorstellungen von Schönheit. In unserer gegenwärtigen mediendominierten Welt wir die Verbreitung von genormten Attraktivitätsvorstellungen und Schönheitsidealen zunehmend begünstigt. So führte die Nutzung einer Bildsprache, in der weibliche Modelle signifikant aufreizend und provokativ gezeigt wurden, in der Vergangenheit zu einer zunehmenden Sexualisierung in der Öffentlichkeit. Ist die Darstellung von Frauen heute immer noch ein Zeugnis der Begierde in unserem gesellschaftlichen Streben nach Idealen menschlicher Vollkommenheit? Oder ist diese Form des Begehrens bereits im Wandel begriffen?

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Vernissage | Ort und Erinnerung - Laurenz Berges | Museum für Photographie | Braunschweig
Feb
1
7:00 nachm.19:00

Vernissage | Ort und Erinnerung - Laurenz Berges | Museum für Photographie | Braunschweig

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Museum für Photographie | Braunschweig
1. Februar 2019

Ort und Erinnerung
Laurenz Berges


Laurenz Berges,  September  (Tisch), 2013 © Laurenz Berges VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Laurenz Berges, September (Tisch), 2013 © Laurenz Berges VG Bild-Kunst, Bonn 2019


Cloppenburg und Arbeiten aus dem Ruhrgebiet

Die Ausstellung stellt erstmals vollständig die farbfotografische Werkgruppe Cloppenburg aus dem Frühwerk von Laurenz Berges vor und wird ergänzt um neuere Arbeiten, die in den vergangenen Jahren im Ruhrgebiet entstanden sind.

(Text: Museum für Photographie, Braunschweig)

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Ausstellung | Kleinstadt - Ute & Werner Mahler | Robert Morat Galerie | Berlin
Jan
19
zu 16. März

Ausstellung | Kleinstadt - Ute & Werner Mahler | Robert Morat Galerie | Berlin

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Robert Morat Galerie | Berlin
19. Januar - 16. März 2019

Kleinstadt
Ute & Werner Mahler


Kleinstadt #35, 2016

Kleinstadt #35, 2016


Ute und Werner Mahler (geb. 1949 und 1950), waren Schlüsselfiguren der Fotografie in der DDR und haben nach der Wende die renommierte Fotografenagentur Ostkreuz mitbegründet. Nachdem beide jahrzehntelang unabhängig voneinander erfolgreiche Karrieren verfolgt haben, legte das Ehepaar im Jahr 2011 eine erste gemeinsame Arbeit vor, die schwarz-weiße Portraitserie „Monalisen der Vorstädte“. Im Jahr 2014 folgte ein zweites Gemeinschaftsprojekt, „Die seltsamen Tage“, eine Serie großformatiger Landschaftsstudien.

Nun präsentiert das Paar eine neue gemeinsame Arbeit und seine dritte gemeinsame Publikation, „Kleinstadt“ (Hartmann Projects), eine Expedition ins deutsche Hinterland. Ein Besuch in der deutschen Kleinstadt, die sich aus den Bildern vieler Kleinstädte zusammensetzt: von Arzberg über Bitterfeld, Hofgeismar, Pasewalk und Zimmern bis nach Waden und Zehdenick. „Das Thema interessiert uns schon lange. Wir haben uns auch in unseren vorigen Arbeiten mit Vorstädten und unaufgeregten Orten beschäftigt. Wir wollten Städte besuchen, die in keinem Reiseführer stehen und die zu weit von der Autobahn entfernt sind, als dass Menschen sie auf der Durchreise durchqueren würden“, erklärt Ute Mahler im Gespräch mit dem ZEIT Magazin. „Diese Orte sind Biotope, in denen das Leben übersichtlich erscheint. Wo es große Gemeinschaft gibt, aber auch starke soziale Kontrolle. Da, wo es keine Attraktionen gibt, werden die Kleinigkeiten spannend.“


Kleinstadt #22, 2015

Kleinstadt #22, 2015


Ute and Werner Mahler (born 1949 and 1950), were key figures in photography in the former GDR and co-founded the renowned photography agency Ostkreuz after the fall of the Wall. After having pursued successful careers for decades independently, the couple presented their first joint project in 2011, a series of black-and-white portraits titled “Monalisas of the Suburbs”. In 2014, a second joint project followed, “The Strange Days”, a series of large format landscape studies.

Now the couple presents a new joint project and its third joint publication, “Kleinstadt” (Hartmann Projects), an expedition to the German hinterland. A visit to the small German town, which consists of the pictures of many small towns: from Arzberg over Bitterfeld, Hofgeismar, Pasewalk and Zimmern to Waden and Zehdenick. “We have been interested in this topic for a long time, we worked on suburbs and non-exciting places before. We wanted to visit cities that are not in any travel guide and that are too far from the highway for people to pass through,” explains Ute Mahler in an interview with ZEIT Magazin. “These places are biotopes in which life seems manageable. Where there is great community, but also strong social control. Where there are no attractions, the little things become exciting.”

(Text: Robert Morat Galerie, Berlin)

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Vernissage | Kleinstadt - Ute & Werner Mahler | Robert Morat Galerie | Berlin
Jan
18
7:00 nachm.19:00

Vernissage | Kleinstadt - Ute & Werner Mahler | Robert Morat Galerie | Berlin


Robert Morat Galerie | Berlin
18. Januar 2019

Kleinstadt
Ute & Werner Mahler


Kleinstadt #35, 2016

Kleinstadt #35, 2016


Ute und Werner Mahler (geb. 1949 und 1950), waren Schlüsselfiguren der Fotografie in der DDR und haben nach der Wende die renommierte Fotografenagentur Ostkreuz mitbegründet. Nachdem beide jahrzehntelang unabhängig voneinander erfolgreiche Karrieren verfolgt haben, legte das Ehepaar im Jahr 2011 eine erste gemeinsame Arbeit vor, die schwarz-weiße Portraitserie „Monalisen der Vorstädte“. Im Jahr 2014 folgte ein zweites Gemeinschaftsprojekt, „Die seltsamen Tage“, eine Serie großformatiger Landschaftsstudien.

Nun präsentiert das Paar eine neue gemeinsame Arbeit und seine dritte gemeinsame Publikation, „Kleinstadt“ (Hartmann Projects), eine Expedition ins deutsche Hinterland. Ein Besuch in der deutschen Kleinstadt, die sich aus den Bildern vieler Kleinstädte zusammensetzt: von Arzberg über Bitterfeld, Hofgeismar, Pasewalk und Zimmern bis nach Waden und Zehdenick. „Das Thema interessiert uns schon lange. Wir haben uns auch in unseren vorigen Arbeiten mit Vorstädten und unaufgeregten Orten beschäftigt. Wir wollten Städte besuchen, die in keinem Reiseführer stehen und die zu weit von der Autobahn entfernt sind, als dass Menschen sie auf der Durchreise durchqueren würden“, erklärt Ute Mahler im Gespräch mit dem ZEIT Magazin. „Diese Orte sind Biotope, in denen das Leben übersichtlich erscheint. Wo es große Gemeinschaft gibt, aber auch starke soziale Kontrolle. Da, wo es keine Attraktionen gibt, werden die Kleinigkeiten spannend.“


Kleinstadt #22, 2015

Kleinstadt #22, 2015


Ute and Werner Mahler (born 1949 and 1950), were key figures in photography in the former GDR and co-founded the renowned photography agency Ostkreuz after the fall of the Wall. After having pursued successful careers for decades independently, the couple presented their first joint project in 2011, a series of black-and-white portraits titled “Monalisas of the Suburbs”. In 2014, a second joint project followed, “The Strange Days”, a series of large format landscape studies.

Now the couple presents a new joint project and its third joint publication, “Kleinstadt” (Hartmann Projects), an expedition to the German hinterland. A visit to the small German town, which consists of the pictures of many small towns: from Arzberg over Bitterfeld, Hofgeismar, Pasewalk and Zimmern to Waden and Zehdenick. “We have been interested in this topic for a long time, we worked on suburbs and non-exciting places before. We wanted to visit cities that are not in any travel guide and that are too far from the highway for people to pass through,” explains Ute Mahler in an interview with ZEIT Magazin. “These places are biotopes in which life seems manageable. Where there is great community, but also strong social control. Where there are no attractions, the little things become exciting.”

(Text: Robert Morat Galerie, Berlin)

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Ausstellung | Objekt I - Untersuchungshaftanstalt - Haftkrankenhaus- Berlin-Hohenschönhausen - Ruth Stoltenberg | Haus am Kleistpark | Berlin
Jan
17
zu 24. März

Ausstellung | Objekt I - Untersuchungshaftanstalt - Haftkrankenhaus- Berlin-Hohenschönhausen - Ruth Stoltenberg | Haus am Kleistpark | Berlin

  • Haus am Kleistpark | Projektraum (Karte)
  • Google Kalender ICS

Haus am Kleistpark - Porjektraum | Berlin
17. Januar - 24. März 2019

Objekt I - Untersuchungshaftanstalt - Haftkrankenhaus - Berlin-Hohenschönhausen
Ruth Stoltenberg


© Ruth Stoltenberg, Objekt I-10, 2015

© Ruth Stoltenberg, Objekt I-10, 2015


Die Fotografien Ruth Stoltenbergs zeigen das ehemalige Gefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen und das zugehörige Haftkrankenhaus aus einem persönlichen Blickwinkel. Diese beiden Orte des Terrors und der Gewalt sowie intensive Gespräche mit ehemals inhaftierten Zeitzeugen haben die Fotografin so tief bewegt, dass sich daraus eine sensible fotografische Arbeit entwickelt hat. Stoltenberg lässt in ihren Aufnahmen Räume und Objekte von dem Grauen sprechen, welches an diesen Orten stattgefunden hat.

Wolfgang Zurborn schrieb zum Projekt: „Die Fotografien von Ruth Stoltenberg können das Vergangene nicht sichtbar machen, aber sie können Strukturen der Machtausübung auf Menschen an einem konkreten Beispiel so eindringlich Ausdruck verleihen, dass sie damit unser Bewusstsein für Unrecht schärfen.“

Ruth Stoltenberg (* 1962) erhielt ihre fotografische Ausbildung an der Neuen Schule für Fotografie in Berlin sowie an der Lichtblick School in Köln, nachdem sie zuvor als Fernsehredakteurin gearbeitet hatte. Sie entwickelte schnell eine eigene künstlerische Handschrift und hat erfolgreich mehrere Langzeitprojekte abgeschlossen. Im Fokus ihrer Arbeiten liegen dabei meist historisch geprägte, verlassene oder im Umbruch befindliche Orte, mit deren Geschichte sie sich jeweils intensiv auseinandersetzt. Ihre Arbeiten befinden sich in namhaften Sammlungen, wurden national wie international ausgestellt, ausgezeichnet und publiziert. 

(Text: Haus am Kleistpark, Berlin)

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Ausstellung | Eins - Katja Flingt | Kunsthalle | Rostock
Jan
13
zu 24. Feb.

Ausstellung | Eins - Katja Flingt | Kunsthalle | Rostock


Kunsthalle | Rostock
13. Januar - 24. Februar 2019

Eins
Katja Flint


Trapped K. 2018, 60x80cm C-Print © Katja Flint

Trapped K. 2018, 60x80cm C-Print © Katja Flint


Die Schauspielerin Katja Flint beherrscht auch im Bereich der Fotografie ein vielfältiges Mienenspiel. Allerdings wäre es allzu verführerisch, von der Schauspielkunst eine direkte Parallele zu ihren Porträtfotos zu ziehen. Denn zwei Dinge bloß gegenüberzustellen, ist meist etwas für Denkfaule. Interessanter als die Tatsache, dass sie sich mit Mimik beschäftigt ist, wie sie ihre Werke gestaltet. Hierfür benutzt sie eine einfache Technik, mit der sie aber verstörende Effekte erzielt.

Als Urbild könnte man Man Rays Porträt von Marquise Luisa Casati aus dem Jahr 1922 sehen. Er verschob während einer langen Belichtungszeit die Kamera etwas nach unten, wodurch sich die Augen der Frau verdoppelten. Das Resultat ist höchst surreal, womit nebenbei die exzentrische Dame sehr zufrieden war.

Mit vergleichbaren Kameraeinstellungen erzeugt Flint ihre Darstellungen von Wut oder Lust. Wenn man dies zur Theaterbühne in Beziehung setzten will, dann gilt vielleicht: Ein Gefühl benötigt immer eine Bewegung, sonst ist es tot: sei es in der Zeit, in der etwa ein Schmerz aufwallt oder im Raum, in dem er auf einen anderen trifft. Das ist letztlich eine schlichte Erkenntnis, aber sie funktioniert in den Bildern von Flint hervorragend.

Die Serie “Eins” wird am 12. Januar 2019 in der Kunsthalle Rostock eröffnet und ab dem 30. März 2019 in der Berliner Galerie Semjon Contemporary präsentiert. Zu sehen sind rund 40 großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien. Die Ausstellungen werden durch eine Monographie begleitet, die im DISTANZ Verlag erscheinen wird.

(Text: Kunsthalle, Rostock)

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Ausstellung | Strange Ecounters - Thomas Hoepker | im focus galerie | Köln
Jan
12
zu 27. März

Ausstellung | Strange Ecounters - Thomas Hoepker | im focus galerie | Köln


im focus galerie | Köln
12. Januar - 27. März 2019
über Karneval vom 28. Februar - 6. März 2019 geschlossen

Strange Encounters
Thomas Hoepker


Esel | Thomas Hoepker

Esel | Thomas Hoepker

Thomas Hoepker (*1936, München) gilt als einer der bekanntesten Reportagefotografen der Welt. Anfangs als Fotoreporter und Korrespondent für den “stern” unterwegs, fotografierte er weltweit und machte unter anderem Bilder, die von zeitgeschichtlicher Bedeutung sind. Später wurde er Art Director beim stern, Executive Editor bei GEO und Präsident von Magnum Photos. Damit etablierte sich Hoepker in einigen der wichtigsten Positionen der internationalen Fotoszene. Buchprojekte, Filmproduktionen und unzählige Ausstellungen in den wichtigsten Museen und Galerien der Welt folgten.

Die Ausstellung "Strange Encounters" (merkwürdige Begegnungen) zeigt skurrile und humorvolle Beobachtungen, die Thomas Hoepker auf seinen Reisen machen konnte.

"Als Fotojournalist, arbeitend für Zeitungen und Magazine, ist man oft mit den eher schlechten Situationen konfrontiert. Aber schon bald entdeckte ich, dass dort auch lustige oder merkwürdige Begegnungen zu finden sind, die es wert sind fotografiert zu werden." (T. Hoepker)

Daneben zeigt die in focus Galerie, Köln die berühmtesten Fotografien aus Thomas Hoepkers langer Karriere.

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Ausstellung | 2. Heimat - Peter Bialobrzeski | Haus am Kleistpark | Berlin
Jan
11
zu 31. März

Ausstellung | 2. Heimat - Peter Bialobrzeski | Haus am Kleistpark | Berlin


Haus am Kleistpark | Berlin
11. Januar - 31. März 2019

2. Heimat
Peter Bialobrzeski


© Peter Bialobrzeski, bei Wismar, 2012

© Peter Bialobrzeski, bei Wismar, 2012


Für Die zweite Heimat reiste Peter Bialobrzeski von 2011 bis 2016 mit seiner Kamera durch Deutschland, das ihm seit mehr als 50 Jahren eine Heimat bietet. Mit seinen Fotografien versucht der Künstler, die soziale Oberfläche des Landes zu beschreiben, das ihm seit mehr als 50 Jahren eine Heimat bietet. Bialobrzeski fotografiert den vom Menschen geprägten Außenraum: Stadt, Land, Architektur. Menschen kommen vor, wenn sie dem Bild eine weitere Dimension verleihen. Der Künstler richtet seinen Blick auf häufig übersehene Objekte, die vordergründig keine Bedeutung zu haben scheinen und erst dann ihr Wesen zeigen, wenn sie wahrgenommen und in einen Kontext gebracht werden.

Die Ausstellung ist aus dem Haus der Photographie – Deichtorhallen in Hamburg übernommen worden. Das gleichnamige Buch erschien bei hartmann books.

Peter Bialobrzeski (geb. 1961) ist einer der bekanntesten und international erfolgreichsten deutschen Fotografen der Gegenwart. Er lehrt seit 2002 als Professor für Fotografie an der Hochschule für Künste in Bremen. Seine Arbeit wurde weltweit ausgestellt und vielfach ausgezeichnet. Seine Fotografien befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen.

(Text: Haus am Kleistpark)

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Ausstellung | In Dialogue with Strömholm | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin
Dez
15
zu 9. Feb.

Ausstellung | In Dialogue with Strömholm | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin

  • Dorothée Nilsson Gallery (Karte)
  • Google Kalender ICS


Sillans-la-Cascade, France, 1958

Sillans-la-Cascade, France, 1958


Vier seltene Unikate Abzüge des schwedischen Fotografen Christer Strömholm aus seiner ersten Werkschau von 1965 werden in Beziehung zu ausgewählten zeitgenössischen Künstlerpositionen der Galerie gesetzt. Die Arbeiten thematisieren und reflektieren im Dialog mit Strömholm wichtige künstlerische Aspekte aus seinem Schaffen auf ganz eigene Weise neu. 

Strömholm, der als einer der grossen Fotografen Schwedens gilt, nimmt mit seinem aussergewöhnlichen Œuvre eine wichtige Position innerhalb der internationalen Fotografiegeschichte ein. Mit der Kamera entwickelte er seine eigenen Bildvisionen von der Welt. Dabei begründete ein ausgeprägtes Interesse an Bildstrukturen sein Mitwirken in der wegweisenden Gruppe “fotoform“ um Otto Steinert. Bekannt wurde Strömholm vor allem mit seiner legendären Serie über die Transsexuellen vom Pariser Place Blanche (Les Amies de Places Blanche) aus den 1950er und 1960er Jahren. Seine dem fotografischen Existentialismus zugeordneten Schwarzweissfotografien verweisen mit einer schonungslosen Radikalität auf eine raue Lebenswirklichkeit, bestechen dabei aber auch mit ihrem poetischen Zauber. Das Geheimnis seiner Aufnahmen liegt in den surrealen Ausprägungen des von ihm Gesehenen, die sich zu neuen bühnenartigen Bildräumen verweben. Die Menschen darin gleichen zerbrechlichen, unwirklichen Geschöpfen, die sich in ihrer Alltäglichkeit sowie Unvollkommenheit und in ihrem Zweifel der Kamera offenbaren. Strömholm besass grossen Respekt, vor seinem Gegenüber und der Welt – Jedes Bild ist für sich gesehen nichts anderes als ein Selbstportrait, ein Teil des eigenen Lebens. (Strömholm, 1983).

Bei den jüngeren Künstlern und ihren Bildformulierungen liessen sich Parallelen entdecken: Die magische Präsenz einer Astkonstruktion bei dem Künstlerduo Inka and Niclas oder einer Tür bei Henrik Strömberg offenbaren surreale Momente. Der Raum als Ort subjektiver Erfahrung, der auf die Brüchigkeit des Seins verweist, sind für das künstlerische Verständnis von Susa Templin oder Yuken Teruya relevant. Identitäten und Selbstbefragungen hat Julia Peirone mit ihren Portraitbildern von Jugendlichen thematisiert. Bilder, die auf existentielle Fragestellungen verweisen und gleichzeitig den Blick verzaubern, hat Sascha Weidner geschaffen. Das von Linda Bergman zur Unkenntlichkeit verschmorte Puppengesicht erscheint wie eine grausame Metamorphose der körperlosen Köpfe aus Strömholms Bildwelt. Es sind diese Verweise von grafischen Elementen oder Metaphern, die zu der dialogischen Gegenüberstellung in der Ausstellung der dreizehn Künstler mit dem Altmeister geführt haben. 
 
Christer Strömholm, als Hauptprotagonist der modernen Fotografie, löste sich bereits von dem dokumentarischen und narrativen Charakter des Mediums. Dawid (Björn Dawidsson), als Begründer eines postmodernen Verständnisses der Fotografie in Schweden, fusste die Genese seines Œuvres auf einer ikonographisch-experimentellen Bildsprache. Zeitgenössische Positionen, wie die in der Ausstellung arbeiten auf unterschiedlichste Weise und vor dem Hintergrund eines heutigen postfotografischen Verständnisses an der Erweiterung des Mediums in den real existierenden Raum. 


Four rare prints by the Swedish photographer Christer Strömholm from his first exhibition in Stockholm in 1965 are be displayed alongside selected contemporary artists. The ensuing “dialogue with Strömholm“ thematizes and reflects artistic aspects of this artist’s oeuvre in a unique way.

Strömholm the doyen of modern Swedish photography, and his extraordinary work occupies an important position in the history of international photography. His pictorial compositions depict a unique vision of the world, and they led to his association with the group ofpioneering photographers founded by Otto Steinert known as "Fotoform." Strömholm is known above all for his legendary photographs of transsexuals at the Place Blanche in Paris during the 1950s and 1960s. With relentless radicality, his black-and-white “photographic existentialism“ captivates the poetic charm of life’s rough realities. The secret of this existentialism often lies in the surreal forms that are interwoven with dramatic pictorial moments, moments in which people resemble fragile and illusory creatures who reveal themselves to the camera in all their ordinariness, imperfection and doubt. Strömholm regarded his environment with the eyes of an artist who simultaneously seeks confrontation with reality and establishes contact with his fellow man, as a basic principle in photography. "Each picture can be considered a self-portrait, a part of one's own life." (Strömholm, 1983)

There are also obvious parallels to the work of younger artists’ pictorial formulations: the magical presence of a tree branch by Inka and Niclas, or a door by Henrik Strömberg, reveals the fragility of being and the surreal moments of subjective experience, moments which are likewise inherent in the artistic understanding of Susa Templin and Yuken Teruya. In a similar way, Julia Peirone also thematizes identity in the self-interrogations of her youthful portrait pictures. And Sascha Weidner’s images raise existential questions in a similar was just as they enchant the eye. The disembodied heads of Strömholm's pictorial world are also reflected by the cruel metamorphosis of the doll's face in Linda Bergman's work. Such graphic references result in a dialogue between the old master and the thirteen artists displayed in the exhibition.

Strömholm, as one of the main proponents of modern photography had already abandoned the documentary and narrative character of the medium behind and Dawid (Björn Dawidsson), as the founder of a postmodern understanding of photography in Sweden, find the genesis of their oeuvre in an experimental pictorial language. Contemporary positions such as those in the exhibition work in a wide variety of ways and against the background of today's post-photographic understanding on the expansion of the medium into real existing space.

(Text: Franziska Schmidt)

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Vernissage | In Dialogue with Strömholm | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin
Dez
14
6:00 nachm.18:00

Vernissage | In Dialogue with Strömholm | Dorothée Nilsson Gallery | Berlin



Sillans-la-Cascade, France, 1958

Sillans-la-Cascade, France, 1958


Vier seltene Unikate Abzüge des schwedischen Fotografen Christer Strömholm aus seiner ersten Werkschau von 1965 werden in Beziehung zu ausgewählten zeitgenössischen Künstlerpositionen der Galerie gesetzt. Die Arbeiten thematisieren und reflektieren im Dialog mit Strömholm wichtige künstlerische Aspekte aus seinem Schaffen auf ganz eigene Weise neu. 

Strömholm, der als einer der grossen Fotografen Schwedens gilt, nimmt mit seinem aussergewöhnlichen Œuvre eine wichtige Position innerhalb der internationalen Fotografiegeschichte ein. Mit der Kamera entwickelte er seine eigenen Bildvisionen von der Welt. Dabei begründete ein ausgeprägtes Interesse an Bildstrukturen sein Mitwirken in der wegweisenden Gruppe “fotoform“ um Otto Steinert. Bekannt wurde Strömholm vor allem mit seiner legendären Serie über die Transsexuellen vom Pariser Place Blanche (Les Amies de Places Blanche) aus den 1950er und 1960er Jahren. Seine dem fotografischen Existentialismus zugeordneten Schwarzweissfotografien verweisen mit einer schonungslosen Radikalität auf eine raue Lebenswirklichkeit, bestechen dabei aber auch mit ihrem poetischen Zauber. Das Geheimnis seiner Aufnahmen liegt in den surrealen Ausprägungen des von ihm Gesehenen, die sich zu neuen bühnenartigen Bildräumen verweben. Die Menschen darin gleichen zerbrechlichen, unwirklichen Geschöpfen, die sich in ihrer Alltäglichkeit sowie Unvollkommenheit und in ihrem Zweifel der Kamera offenbaren. Strömholm besass grossen Respekt, vor seinem Gegenüber und der Welt – Jedes Bild ist für sich gesehen nichts anderes als ein Selbstportrait, ein Teil des eigenen Lebens. (Strömholm, 1983).

Bei den jüngeren Künstlern und ihren Bildformulierungen liessen sich Parallelen entdecken: Die magische Präsenz einer Astkonstruktion bei dem Künstlerduo Inka and Niclas oder einer Tür bei Henrik Strömberg offenbaren surreale Momente. Der Raum als Ort subjektiver Erfahrung, der auf die Brüchigkeit des Seins verweist, sind für das künstlerische Verständnis von Susa Templin oder Yuken Teruya relevant. Identitäten und Selbstbefragungen hat Julia Peirone mit ihren Portraitbildern von Jugendlichen thematisiert. Bilder, die auf existentielle Fragestellungen verweisen und gleichzeitig den Blick verzaubern, hat Sascha Weidner geschaffen. Das von Linda Bergman zur Unkenntlichkeit verschmorte Puppengesicht erscheint wie eine grausame Metamorphose der körperlosen Köpfe aus Strömholms Bildwelt. Es sind diese Verweise von grafischen Elementen oder Metaphern, die zu der dialogischen Gegenüberstellung in der Ausstellung der dreizehn Künstler mit dem Altmeister geführt haben. 
 
Christer Strömholm, als Hauptprotagonist der modernen Fotografie, löste sich bereits von dem dokumentarischen und narrativen Charakter des Mediums. Dawid (Björn Dawidsson), als Begründer eines postmodernen Verständnisses der Fotografie in Schweden, fusste die Genese seines Œuvres auf einer ikonographisch-experimentellen Bildsprache. Zeitgenössische Positionen, wie die in der Ausstellung arbeiten auf unterschiedlichste Weise und vor dem Hintergrund eines heutigen postfotografischen Verständnisses an der Erweiterung des Mediums in den real existierenden Raum. 


Four rare prints by the Swedish photographer Christer Strömholm from his first exhibition in Stockholm in 1965 are be displayed alongside selected contemporary artists. The ensuing “dialogue with Strömholm“ thematizes and reflects artistic aspects of this artist’s oeuvre in a unique way.

Strömholm the doyen of modern Swedish photography, and his extraordinary work occupies an important position in the history of international photography. His pictorial compositions depict a unique vision of the world, and they led to his association with the group ofpioneering photographers founded by Otto Steinert known as "Fotoform." Strömholm is known above all for his legendary photographs of transsexuals at the Place Blanche in Paris during the 1950s and 1960s. With relentless radicality, his black-and-white “photographic existentialism“ captivates the poetic charm of life’s rough realities. The secret of this existentialism often lies in the surreal forms that are interwoven with dramatic pictorial moments, moments in which people resemble fragile and illusory creatures who reveal themselves to the camera in all their ordinariness, imperfection and doubt. Strömholm regarded his environment with the eyes of an artist who simultaneously seeks confrontation with reality and establishes contact with his fellow man, as a basic principle in photography. "Each picture can be considered a self-portrait, a part of one's own life." (Strömholm, 1983)

There are also obvious parallels to the work of younger artists’ pictorial formulations: the magical presence of a tree branch by Inka and Niclas, or a door by Henrik Strömberg, reveals the fragility of being and the surreal moments of subjective experience, moments which are likewise inherent in the artistic understanding of Susa Templin and Yuken Teruya. In a similar way, Julia Peirone also thematizes identity in the self-interrogations of her youthful portrait pictures. And Sascha Weidner’s images raise existential questions in a similar was just as they enchant the eye. The disembodied heads of Strömholm's pictorial world are also reflected by the cruel metamorphosis of the doll's face in Linda Bergman's work. Such graphic references result in a dialogue between the old master and the thirteen artists displayed in the exhibition.

Strömholm, as one of the main proponents of modern photography had already abandoned the documentary and narrative character of the medium behind and Dawid (Björn Dawidsson), as the founder of a postmodern understanding of photography in Sweden, find the genesis of their oeuvre in an experimental pictorial language. Contemporary positions such as those in the exhibition work in a wide variety of ways and against the background of today's post-photographic understanding on the expansion of the medium into real existing space.

(Text: Franziska Schmidt)

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Ausstellung | Bauhaus und die Fotografie - Zum neuen Sehen in der Gegenwartskunst | NRW-Forum | Düsseldorf
Dez
7
zu 10. März

Ausstellung | Bauhaus und die Fotografie - Zum neuen Sehen in der Gegenwartskunst | NRW-Forum | Düsseldorf

  • NRW-Forum Düsseldorf (Karte)
  • Google Kalender ICS

NRW-Forum | Düsseldorf
7. Dezember 2018 - 10. März 2019

Bauhaus und die Fotografie - Zum neuen Sehen in der Gegenwartskunst


Kris Scholz Marks and Traces, Chongqing 5, 2018 Fine Art Print auf Leinwand, 200 x 150 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Kris Scholz Marks and Traces, Chongqing 5, 2018 Fine Art Print auf Leinwand, 200 x 150 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Fotografie-Ausstellung zum Bauhausjubiläum im NRW-Forum Düsseldorf

Das Staatliche Bauhaus spielt nicht nur eine Schlüsselrolle in der Design- und Kunstgeschichte, sondern auch für die Fotografie des 20. Jahrhunderts. Vom 7. Dezember 2018 bis 10. März 2019 bringt die Ausstellung „Bauhaus und die Fotografie – Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst“ im NRW-Forum Düsseldorf Fotografien des Neuen Sehens in einen Dialog mit zeitgenössischen Künstler*innen. Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms „100 jahre bauhaus“.

Wie tragen die Neuerungen durch das Bauhaus auch heute noch zur Weiterentwicklung fotografischer Bildsprachen bei? Welche Rolle spielt die Foto-Avantgarde um 1930 für zeitgenössische Künstler*innen? Die Ausstellung „Bauhaus und die Fotografie – Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst“ verbindet Arbeiten des Neuen Sehens, wie sie von Bauhäuslern wie László Moholy-Nagy, Lucia Moholy, Marianne Brandt, Erich Consemüller und Walter Peterhans bekannt sind, mit Künstler*innen der Gegenwart wie Antje Hanebeck, Daniel T. Braun, Dominique Teufen, Doug Fogelson, Douglas Gordon, Kris Scholz, Max de Esteban, Stefanie Seufert, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Thomas Ruff, Viviane Sassen und Wolfgang Tillmans. Zeitgenössische Fotografien, Skulpturen und Videoinstallationen treten in einen Dialog mit der Sachlichen Fotografie im Jahrzehnt des Bauhauses.

Historischer Bezugspunkt der Ausstellung ist die Werkbundausstellung „Film und Foto“, die 1929/30 unter anderem in Stuttgart, Berlin und Zürich zu sehen war. Der für seine experimentellen Fotoarbeiten bekannte Bauhaus-Künstler Moholy-Nagy kuratierte damals jeweils einen Raum zur Geschichte und zur Zukunft der Fotografie und untersuchte das Neue Sehen in der Fotografie. Die historische Werkschau, die als eine Art Manifest des Bauhaus-Künstlers zu verstehen ist und sich in die damalige Debatte um den Stellenwert der Fotografie in der Kunst einmischte, wird mit über 300 Exponaten virtuell rekonstruiert. Darüber hinaus wird ein Teil der Berliner Station präsentiert. Zusammen mit den fotografischen Arbeiten von zeitgenössischen Künstler*innen ermöglicht die Ausstellung einen Dialog zwischen dem historischen Ereignis und der Gegenwart. Einen Blick nach vorne werfen Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt und der Fakultät Design der Technischen Hochschule Nürnberg, die ihre eigenen, zukunftsorientierten Entwürfe präsentieren, mit denen sie auch auf elektronische und digitale Medien setzen.

Es stellen Studierende aus von Prof. Michael Jostmeier und Prof. Dr. Christoph Schaden, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Fakultät Design – Amir Khan Djahanschahi Afschar, Felix Berndt, Markus Eschrich, Eduard Gross, Daniel Höllinger, Heidi Fabiola Hofmann, Tatjana Hofmann, Alexander Hunzek, Remigius Kalisz, Svitlana Khisamutdinova, Thea Leyendecker, Katrin Mader, Thomas Michalczyk, Anastasia Miller, Max Müller, Robert Nixdorf, Philipp Oehler, Julius Rosen, Daria Schreiber, Ludwig Seibt, Benno Sellin, Stefanie Sordon, Marco Steiner, Kerim Turay, Simon Velthuis und Christian Wölfel, Paul Leyendecker und Markus Sauerbeck – sowie Studierende von Prof. Dr. Kris Scholz und Daniel T Braun, Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung, Studienschwerpunkt Fotografie – Christian Himmelspach, Didem Alunbas, Dominik Kramm, Dominik Schmitt, Eda Sarikaya, Jasmin Dories, Mirko Müller und Philipp Rabe.

Das Staatliche Bauhaus steht für eine industrienahe Gestaltung, aber auch für eine Institution mit viel Konfliktpotential, die bis heute wichtige Impulse für die Kunst und Kultur liefert. Die Bauhäusler verstanden sich als Pioniere eines auf die Zukunft gerichteten Gesellschaftsmodells, in dem das Industrielle als kollektive Leitkultur diente. Die neue avantgardistische Fotografie zeichnete sich unter anderem durch Motive der Industriekultur, extreme Perspektiven, ausschnitthafte Motive, die Beschäftigung mit Oberflächenbeschaffenheit und Materialeigenschaften oder das kameralose Fotografieren aus. Inwieweit ist technische Innovation heute die Richtschnur kultureller Entwicklungen? Welche Rolle spielt die Kunst und ist die Fotografie das adäquate Medium? Die Ausstellung „Bauhaus und die Fotografie“ untersucht, wie die Einflüsse des Bauhaus auch heute noch die Kunst beeinflussen, und erforscht anhand von aktuellen Arbeiten, was ein zeitgenössisches Neues Sehen sein könnte. 

Arbeiten der Serien „Umbra“ von Viviane Sassen und „Blitzlichtskulpturen“ von Dominique Teufen werden in Großformaten auf Kuben öffentlich zugänglich auf unserer Terrasse präsentiert. Die Realisierung der Arbeiten wurde unterstützt von dem Foto- und Online-Druckservice CEWE, der sich seit 2016 als Hauspartner des NRW-Forum Düsseldorf für die Förderung des Kulturgutes Fotografie einsetzt.

Nach der Eröffnung im NRW-Forum Düsseldorf wird die Ausstellung in Berlin und Darmstadt zu sehen sein. Die Ausstellung wird kuratiert von Prof. Dr. Kris Scholz (Hochschule Darmstadt), Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken (Kunsthochschule Kassel), Prof. Dr. Christoph Schaden (Technische Hochschule Nürnberg GSO). Zur Ausstellung erscheint ein umfassender zweisprachiger Katalog.

Das Projekt wird von der Kulturstiftung des Bundes, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Hochschule Darmstadt gefördert.

Die Ausstellung ist Teil des Bauhaus-Jubiläums in NRW. 100 jahre bauhaus im westen ist ein Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Schirmherrin ist Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. 

(Text: NRW-Forum Düsseldorf)

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