Bild: Aus der Serie If smoke could be water | © Katrin Freisager
Journal
Zürich war in den Achtzigerjahren eine unruhige Stadt, zerrissen zwischen Finanzmetropole und Gegenkultur. Die Fotografin Gertrud Vogler fing diese Zeit des Umbruchs mit unbestechlicher Sanftmut ein – ein neuer Bildband würdigt nun erstmals ihr Schaffen.
Das internationale Festival «Grenze» präsentiert in Verona Arbeiten, die sich mit dem Fortwirken und Verändern von Fotografien beschäftigen. Im Mittelpunkt der neunten Ausgabe steht die fotografische Arbeit des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami – flankiert von internationalen Projekten wie jenem der Schweizer Fotografin Aline Bovard Rudaz.
Ein sonnengelber Wandapparat vor floralen Kacheln, ein Junge, der verträumt an einem Glace leckt, und eine junge Frau, die im Kostüm keck auf einer Waschmaschine hockt: Die Bilder von Beat Jost (1936–2026) erzählen von einer Epoche, in der die Zukunft glänzte und das Versprechen des Wohlstands in greifbare Nähe rückte. Als einer der gefragtesten Berner Werbe- und Sachfotografen prägte Jost die visuelle Kultur der 1960er- bis 1980er-Jahre massgeblich. Für Traditionsmarken wie das Warenhaus Loeb, Wander-Ovomaltine, Vidmar, IBA oder Pierrot-Friola setzte er die aufblühende Warenwelt mit meisterhafter Präzision in Szene und schuf Motive, die das Alltagsgedächtnis einer ganzen Generation formten.
Das Vergehen als schöpferischer Akt: Während Berlin Walter Schels mit einer Retrospektive ehrt, zeigt die Galerie VisuleX in Hamburg seine intimen Pflanzenstudien. Arbeiten, in denen Licht, Chemie und getrocknete Blütenblätter zu einer eigenwilligen Metamorphose finden.
Wie die Unterengadiner Fotografendynastie Feuerstein das visuelle Gedächtnis einer Alpental-Moderne zwischen Tradition, Naturmythos und Fortschritt erschuf.
Das Archiv als Seelenlandschaft: Wenn wir von der Fotografie sprechen, nutzen wir meist die gravitätische Einzahl. Wie der Fotopublizist Urs Stahel in seinem feinsinnigen Vorwort festhält, klingt diese Einzahl fast so erhaben und unumstösslich wie «die Natur», «die Sonne» oder «der Himmel». Doch wer in die visuelle Erbschaft der Unterengadiner Familie Feuerstein blickt, merkt sogleich, wie schnell sich das Singularische auflöst: Was über drei Generationen und vier Fotografen hinweg auf rund 50'000 Glasplatten, Negativen und Filmrollen festgehalten wurde, ist keine monotone Bildschöpfung, sondern ein vielstimmiges Solitärwerk der Schweizer Kulturgeschichte…
Wenn die Vergangenheit nicht mehr geordnet in Archiven lagert, sondern als Fragmente in der Erinnerung auftaucht, und wenn sich Geschichten nicht in Jahreszahlen oder lineare Erzählungen zwängen lassen, setzt das visuelle Gedächtnis eine widerständige Kraft entgegen. Fotografien besitzen die einzigartige Eigenschaft, flüchtige Augenblicke einzufangen – sie werfen Licht auf das Vergessene und machen es für zukünftige Generationen erfahrbar. Wenn solche Bilder lange im Verborgenen ruhen, verwandelt sich ihre spätere Wiederentdeckung in einen Akt der historischen Gerechtigkeit und der künstlerischen Neuinterpretation…
Flora Humana ist eine fotografische Arbeit, die Pflanzenformen in den Mittelpunkt stellt und ihre überraschende Nähe zum Menschlichen sichtbar macht. Ein grosser Teil der Aufnahmen entstand im Botanischen Garten der Universität Bern, dessen Artenvielfalt eine intensive Auseinandersetzung mit denselben Pflanzen über längere Zeit ermöglichte. Die Schwarz-Weiss-Fotografien wecken Assoziationen an Figuren, Gesten oder Charaktere und lassen die Grenzen zwischen Natur und menschlicher Wahrnehmung fliessend werden…
Die Fotografien von Bertien van Manen sind weder Tagebuch noch Familienalbum, obwohl sie eine ähnliche Intimität ausstrahlen. Stattdessen bieten sie eine Chronik des gewöhnlichen Lebens – eine Hommage an Menschen, die oft unsichtbar bleiben, deren Würde und Widerstandskraft jedoch im Zentrum ihres Werkes stehen. Die Ausstellung «Les échos de l’ordinaire» im Centre de la photographie de Mougins würdigt nun erstmals in Frankreich das Œuvre der aussergewöhnlichen Fotografin, deren empathischer Blick die Grenzen zwischen Dokumentarfotografie und subjektivem Erleben neu definiert…