Bild: Quinquina Diaspora | © Samir Laghouati-Rashwan
Das Vergehen als schöpferischer Akt: Während Berlin Walter Schels mit einer Retrospektive ehrt, zeigt die Galerie VisuleX in Hamburg seine intimen Pflanzenstudien. Arbeiten, in denen Licht, Chemie und getrocknete Blütenblätter zu einer eigenwilligen Metamorphose finden.
Wie die Unterengadiner Fotografendynastie Feuerstein das visuelle Gedächtnis einer Alpental-Moderne zwischen Tradition, Naturmythos und Fortschritt erschuf.
Das Archiv als Seelenlandschaft: Wenn wir von der Fotografie sprechen, nutzen wir meist die gravitätische Einzahl. Wie der Fotopublizist Urs Stahel in seinem feinsinnigen Vorwort festhält, klingt diese Einzahl fast so erhaben und unumstösslich wie «die Natur», «die Sonne» oder «der Himmel». Doch wer in die visuelle Erbschaft der Unterengadiner Familie Feuerstein blickt, merkt sogleich, wie schnell sich das Singularische auflöst: Was über drei Generationen und vier Fotografen hinweg auf rund 50'000 Glasplatten, Negativen und Filmrollen festgehalten wurde, ist keine monotone Bildschöpfung, sondern ein vielstimmiges Solitärwerk der Schweizer Kulturgeschichte…
Wenn die Vergangenheit nicht mehr geordnet in Archiven lagert, sondern als Fragmente in der Erinnerung auftaucht, und wenn sich Geschichten nicht in Jahreszahlen oder lineare Erzählungen zwängen lassen, setzt das visuelle Gedächtnis eine widerständige Kraft entgegen. Fotografien besitzen die einzigartige Eigenschaft, flüchtige Augenblicke einzufangen – sie werfen Licht auf das Vergessene und machen es für zukünftige Generationen erfahrbar. Wenn solche Bilder lange im Verborgenen ruhen, verwandelt sich ihre spätere Wiederentdeckung in einen Akt der historischen Gerechtigkeit und der künstlerischen Neuinterpretation…
Flora Humana ist eine fotografische Arbeit, die Pflanzenformen in den Mittelpunkt stellt und ihre überraschende Nähe zum Menschlichen sichtbar macht. Ein grosser Teil der Aufnahmen entstand im Botanischen Garten der Universität Bern, dessen Artenvielfalt eine intensive Auseinandersetzung mit denselben Pflanzen über längere Zeit ermöglichte. Die Schwarz-Weiss-Fotografien wecken Assoziationen an Figuren, Gesten oder Charaktere und lassen die Grenzen zwischen Natur und menschlicher Wahrnehmung fliessend werden…
Die Fotografien von Bertien van Manen sind weder Tagebuch noch Familienalbum, obwohl sie eine ähnliche Intimität ausstrahlen. Stattdessen bieten sie eine Chronik des gewöhnlichen Lebens – eine Hommage an Menschen, die oft unsichtbar bleiben, deren Würde und Widerstandskraft jedoch im Zentrum ihres Werkes stehen. Die Ausstellung «Les échos de l’ordinaire» im Centre de la photographie de Mougins würdigt nun erstmals in Frankreich das Œuvre der aussergewöhnlichen Fotografin, deren empathischer Blick die Grenzen zwischen Dokumentarfotografie und subjektivem Erleben neu definiert…
Bernd und Hilla Becher haben die Fotografie des 20. Jahrhunderts massgeblich geprägt, indem sie eine strikte methodische Haltung entwickelten, die bis heute nachwirkt. Ihr Werk, das funktionale Industriebauten ins Zentrum rückte, oszilliert zwischen nüchterner Dokumentation und konzeptueller Kunst. Die aktuelle Retrospektive in der Fondazione MAST in Bologna beleuchtet diese einzigartige Arbeitsweise und zeigt, wie das Paar durch systematische Reihen und Typologien eine neue visuelle Sprache schuf, die Generationen von Künstlern beeinflusste…
In den Bildern von Alex Webb steht die Welt niemals still. Wer sich auf seine Fotografien einlässt, spürt förmlich, wie die Hitze der Tropen durch die Glasfronten der Galerie in den Raum kriecht. Am 24. Juli 2026 eröffnet die Leica Galerie Salzburg die Ausstellung «Selections» von Alex Webb – und offenbart ein visuelles Universum, in dem das Chaos der Strasse und die absolute kompositorische Strenge eine faszinierende Allianz eingehen…
Das CAMERA – Centro Italiano per la Fotografia tritt in eine neue Phase. Seit François Hébel im November 2025 die künstlerische Leitung übernommen hat, zeichnet sich ein Programm ab, das zwei unterschiedliche Zugänge zur Fotografie nebeneinanderstellt. Vom 18. Juni bis zum 4. Oktober 2026 zeigt das Haus Arbeiten von Harry Gruyaert und Werner Jeker. Es ist der erste vollständige Zyklus, der unter seiner Verantwortung kuratiert wurde…
Vom Juni bis September 2026 findet in Provins (Seine-et-Marne) erstmals das Fotografie-Festival «comme des images» statt. Die Veranstaltung nutzt mehrere historische und kulturelle Orte der Stadt, um zeitgenössische Fotografie sowie Werke aus der Geschichte des Mediums zu präsentieren. Ein zentrales Element ist die Förderung der künstlerischen Produktion durch eine Residenz, die in diesem Jahr mit dem Fotografen Fred Delangle besetzt ist…
Der Geruch der Zagara, der Orangenblüte, gilt in Sizilien als Inbegriff von Reinheit, Liebe und weiblicher Tugend. Doch in der ersten institutionellen Einzelausstellung der Fotografin Tiziana Amico im Photoforum Pasquart entfaltet dieser Duft eine ambivalente, ja bedrohliche Kraft. «Zagara – Ciò che resta» (Was bleibt) ist keine idyllische Hommage an die sizilianische Heimat der Künstlerin, sondern eine forensisch präzise und emotional tiefe Untersuchung geschlechtsspezifischer Gewalt, die sich über Generationen hinweg in Schweigen, Gesten und familiären Archiven eingebrannt hat…
Siebzig Jahre sind vergangen, seit Jean Dieuzaide, genannt Yan, seine Kamera durch die Landschaften Sardiniens schweifen liess. Was damals als dokumentarische Reise begann, ist heute mehr als nur eine Sammlung von Bildern: Es ist ein visuelles Archiv einer Insel im Wandel, eingefangen durch den humanistischen Blick eines der bedeutendsten französischen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Vom 11. Juni bis 15. September 2026 widmet das Museo della Vita e delle Tradizioni Popolari Sarde in Nuoro diesem historischen Moment eine umfassende Retrospektive.
Die Fotografie ist für Shirana Shahbazi mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit; sie ist der Ausgangspunkt für eine komplexe Auseinandersetzung mit Raum, Zeit und Wahrnehmung. In der Ausstellung «All at Once. An Interplay with Li Tavor» im Kunstmuseum Luzern wird dies eindrücklich sichtbar. Die Zürcher Künstlerin, die seit 30 Jahren ihrem Medium treu bleibt, schafft es, die Betrachtenden in vielschichtige visuelle Räume eintauchen zu lassen, in denen sich Analoges und Digitales, Figuration und Abstraktion auf einzigartige Weise begegnen…
Ein Vierteljahrhundert Fotografiegeschichte wird in Łódź nicht mit blossen Rückblicken gefeiert, sondern mit einer Frage, die dringlicher kaum sein könnte: Was bleibt von unserer Menschlichkeit, wenn wir den Blick des Tieres nicht mehr erwidern? Das diesjährige Programm des Fotofestiwal schlägt eine bewusste Brücke zwischen historischen Perspektiven und den akuten Krisen der Gegenwart. Unter dem Titel «We, Animals» untersucht die Hauptausstellung, wie die Industrialisierung die Jahrtausende alte Verbindung zwischen Mensch und Tier gekappt und das Lebewesen vom Gegenüber zum Objekt degradiert hat. Es ist der Versuch, eine Beziehung neu zu denken, die lange von menschlicher Arroganz geprägt war.
Die Stadt des 21. Jahrhunderts ist kein Idyll mehr. Sie präsentiert sich als widersprüchliches Gebilde aus betörender Schönheit und brutaler Kälte, ein Raum, der gleichzeitig anzieht und abstösst. In einer Zeit, in der laut den Vereinten Nationen erstmals die Hälfte der Menschheit in urbanen Ballungsräumen lebt und die Zahl der Megacities – definiert als Städte mit über zehn Millionen Einwohnern – bis 2025 auf 33 angewachsen ist, stellt sich die dringende Frage nach den Lebensbedingungen in diesen kolossalen Gebilden. Philipp Sarasins fotografische Anthologie «The Big City», entstanden über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren, liefert darauf keine einfachen Antworten, sondern ein komplexes, visuelles Porträt einer globalisierten Urbanität, die von tiefen sozialen Gräben und einer zunehmenden architektonischen Uniformität geprägt ist….
Im Kabinett des Museum Franz Gertsch entfaltet sich bis Ende August 2026 eine Ausstellung, die das Wesen der Fotografie selbst befragt. Mit den Werkserien «A Gaze of One’s Own» und «An Apparition of Memory» stellt Brigitte Lustenberger zwei Positionen vor, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten, sich im Kern jedoch derselben grossen Frage widmen: Wie lässt sich das Flüchtige festhalten, ohne es seiner Würde zu berauben? Lustenberger widersetzt sich der Bilderflut und stellt das Handwerkliche, den Prozess und das Verborgene ins Zentrum…
Robert Lebeck hat das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik geprägt. Als «Ur-Berliner», geboren 1929, entwickelte er in einer Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs eine Bildsprache, die weit über die blosse Dokumentation hinausging. Seine Fotografien erzählen; sie halten nicht nur fest, was geschah, sondern vor allem, wie es sich anfühlte….
Die photo basel kehrt vom 16. bis 21. Juni 2026 zum elften Mal ins Volkshaus Basel zurück und festigt ihre Position als einzige Fotokunstmesse der Schweiz. In einem authentischen Rahmen präsentiert die Messe über 40 internationale Galerien und mehr als 450 Werke von rund 170 Künstlerinnen und Künstlern. Das Programm spannt einen Bogen von klassischen Positionen wie Vivian Maier und Man Ray bis hin zu zeitgenössischen Namen wie Marina Abramović und Roger Ballen.
Isa Hesse-Rabinovitch (1917–2003) war eine Künstlerin, die sich nie damit begnügte, den vorgezeichneten Pfaden zu folgen. Als Illustratorin, Fotografin und Filmemacherin hinterliess sie ein Werk, das von Überraschungen geprägt ist und bis heute durch seinen poetisch forschenden Charakter besticht. Ihre Bildwelten sind fesselnd und verspielt, doch sie sind das Resultat eines lebenslangen Suchprozesses, der sich keiner einzigen Disziplin unterordnen liess…
Der Titel der aktuellen Ausstellung der Fondazione Rolla in Bruzella klingt wie eine wehmütige Feststellung: «Was America». Die von Francesco Zanot kuratierte Ausstellung ist kein dokumentarischer Abriss der US-Geschichte, sondern ein atmosphärisches Portrait der amerikanischen Mittelklasse…
In einer visuellen Landschaft, die von der ständigen Flucht flüchtiger Bilder geprägt ist, wählt Giovanni Ghirardi den Weg der gedehnten, strengen Zeit. Seine aktuelle Ausstellung in der Mailänder Galerie Still Fotografia versammelt vierzig Arbeiten, die weit mehr dokumentieren als nur Gebäude. Ghirardi, der 1969 in Mailand geboren wurde, richtet seinen analytischen und zugleich poetischen Blick auf jene architektonischen Räume, die im allgemeinen Bewusstsein oft als nebensächlich oder rein funktional abgetan werden. Industriezonen, verlassene Orte und stille Vororte transformieren sich unter seiner Kamera zu "Kathedralen der Moderne", in denen das Alltägliche eine unerwartete Heiligkeit erfährt…
Akosua Viktoria Adu-Sanyah schneidet die Menschen weg. Wo das koloniale Archiv Gesichter zur Schau stellte, um Machtverhältnisse zu zementieren, setzt sie die Schere an. Die historischen Negative stammen aus dem Geburtsort ihres Vaters in Ghana und sind Teil der British Empire and Commonwealth Collection in Bristol. Doch statt die porträtierten Personen erneut dem Blick auszusetzen, isoliert sie Fragmente: Himmel und Baumkronen aus dem oberen Bilddrittel. Diese Ausschnitte sind kein flüchtiger Rest, sondern werden zum eigentlichen Kern der Arbeit…
Es gibt Partnerschaften in der Kulturgeschichte, die über das blosse Zusammenarbeiten hinausgehen. Die Beziehung zwischen dem Fotografen Peter Knapp, dem Modemacher André Courrèges und der Familie Maeght ist so eine Verbindung. Sie basiert auf einer gemeinsamen Vorstellung von Moderne, die in den 1960er-Jahren ihren Ausdruck fand – nicht durch laute Gesten, sondern durch klare Linien und eine neue Art von Freiheit. Die aktuelle Ausstellung in der Fondation Maeght, eine Carte Blanche für Peter Knapp, zeichnet diese Fäden nach…
Die Schweizer Nachkriegsgeschichte erzählt gerne über den kollektiven Aufstieg und das wirtschaftliche Wunderland. Doch in diesem Narrativ fehlen entscheidende Stimmen – jene der "Saisonniers", der Arbeitskräfte, die jahrzehntelang das Fundament dieses Wohlstands legten, ohne je als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt zu werden. Die nun in Zürich gezeigte Ausstellung "Wir, Saisonniers…" macht diese Wunde sichtbar…
Fotografie wird oft als einsamer Akt missverstanden: Ein Auge hinter dem Sucher, ein isolierter Moment, eingefroren in der Stille des Auslösens. Doch das Werk von F.C. Gundlach erzählt eine gänzlich andere Geschichte. Es ist ein lautes, vibrierendes Zeugnis davon, dass Bilder niemals im Vakuum entstehen. Sie sind das Resultat von Allianzen, von Netzwerken, die sich von Paris über New York bis Tokio spannten, und vom mutigen Dialog zwischen Auftraggebern, Künstlern und der Gesellschaft. Gundlach verstand früh, dass Modefotografie mehr war als nur die Präsentation von Kleidung; sie war ein Spiegel gesellschaftlicher Vorstellungen von Geschlecht und Identität, ein kulturelles Gut, das durch Austausch erst seine wahre Bedeutung erhielt…
Wir leben in einer Epoche, die das Glück nicht nur verspricht, sondern einfordert. Es ist zum Imperativ geworden, zur messbaren Grösse in Social-Media-Infografiken und zum Verkaufsargument für eine endlose Palette an Produkten, die uns ein optimiertes Dasein garantieren sollen. Doch was bleibt von diesem universellen Streben, wenn es zur Pflicht wird? Das Fotofestival Lenzburg 2026 wagt sich unter dem Titel «Forever Happy» genau in dieses Spannungsfeld vor. Es dekonstruiert die glatte Oberfläche des Glücks und legt seine Brüche, seine Widersprüche und seine oft schmerzhaften gesellschaftlichen Konstruktionen frei…
Was geschieht, wenn wir aufhören, Geschichte als monolithischen Block zu betrachten, und stattdessen beginnen, ihre Risse, Leerstellen und verdrängten Ecken mit Vorstellungskraft zu füllen? Die aktuelle Ausstellung im Museum Rietberg wagt genau diesen mutigen Schritt. Sie ist keine blosse Präsentation von Kunstwerken, sondern ein Akt des kollektiven Erinnerns und der aktiven Neuverhandlung unseres visuellen Gedächtnisses. Der Titel «Fast ein Paradies» nimmt ein kraftvolles Zitat der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie aus ihrem TED-Talk «The Danger of a Single Story» (2009) auf: «Wenn wir die einzige Geschichte ablehnen, wenn wir erkennen, dass es niemals eine einzige Geschichte über einen Ort gibt, gewinnen wir eine Art Paradies zurück.» Genau diese Haltung leitet die zwanzig internationalen Künstlerpersönlichkeiten, die sich in dieser Ausstellung kritisch, poetisch und visionär mit kolonialzeitlichem Fotomaterial auseinandersetzen…
Fotografie wird oft als das Medium der Fixierung verstanden – ein Werkzeug, um den flüchtigen Augenblick einzufangen und für die Ewigkeit zu bewahren. Doch was geschieht, wenn das Bild nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt begriffen wird? In der Ausstellung «Unsortiert» präsentiert Sandro Livio Straube eine Antwort, die so bestechend wie einfach ist: Das Archiv ist kein statischer Speicher, sondern ein lebendiges visuelles Archiv. Über siebzehn Jahre hinweg hat der Fotograf Bilder gesammelt, die nun bewusst ohne chronologische Zwänge oder thematische Schubladen miteinander in Dialog treten…
Die Ausstellung «sight·seeing» von Judith Brunner und Beate Spitzmüller fordert eine Korrektur unserer Wahrnehmungsgewohnheiten. Der Titel ist keine Einladung zum touristischen Konsum von Ansichten, sondern ein Imperativ zum Innehalten. In einer Zeit, in der urbane Räume oft nur als Kulisse für schnelle Bewegungen dienen, dekonstruieren die beiden Künstlerinnen die Stadt als lebendiges Gefüge aus Übergängen, Kräften und Einschreibungen. Ihre Arbeiten verstehen das Urbane nicht als statische Grösse, sondern als Resonanzraum, in dem sich menschliche Existenz, architektonische Struktur und natürliche Umgebung fortwährend neu verhandeln…
Das Projekt "Il capitale che cresce" von Monica Biancardi ist weit mehr als eine rein fotografische Dokumentation; es ist das Ergebnis einer siebzehnjährigen, leisen Begleitung. Die Arbeit stellt eine tiefgehende Untersuchung von Identität, Resilienz und dem schleichenden Verlust von Freiheit im palästinensischen Kontext dar. Den Kern dieser künstlerischen Auseinandersetzung bilden elf Schwarz-Weiss-Fotografien, die zwischen 2009 und 2023 entstanden sind. Sie zeigen das Heranwachsen der beduinischen Zwillinge Sara und Sarah, denen die Künstlerin auf einer ihrer zahlreichen Reisen begegnete…
Man kennt sie, diese makellosen Visualisierungen zeitgenössischer Schweizer Architektur: Sichtbeton, präzise Schattenfugen und eine Lichtdurchflutung, die bis in den hintersten Winkel reicht. Doch in diesen sterilen Träumen fehlt fast immer ein entscheidendes Detail – die Türschwelle für das vielleicht wichtigste Familienmitglied der Schweiz. Während sich Architekten über die thermische Trennung von Balkonanschlüssen den Kopf zerbrechen, ignorieren sie konsequent die vertikale Logistik der rund 1,8 Millionen Katzen des Landes. Genau hier setzt das Fotobuch «Catwalk Stories» (Edition Haus am Gern, 2026) an. Es ist eine ebenso charmante wie notwendige Hommage an die architektonische Anarchie, die dort entsteht, wo das Reissbrett aufhört, und das Leben beginnt…