Nachleben: Wie Bilder die Zeit überdauern...

Rain series n. 1 2007 – 2008 © Abbas Kiarostami, Courtesy Repetto Gallery

Das internationale Festival «Grenze» präsentiert in Verona Arbeiten, die sich mit dem Fortwirken und Verändern von Fotografien beschäftigen. Im Mittelpunkt der neunten Ausgabe steht die fotografische Arbeit des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami – flankiert von internationalen Projekten wie jenem der Schweizer Fotografin Aline Bovard Rudaz.  

Cherche Radiumineuse ©Aline Bovard Rudaz

Fotografien verändern sich mit der Zeit: Sie geraten in Vergessenheit, tauchen in Archiven wieder auf und erhalten in neuen Kontexten andere Bedeutungen. Unter dem Begriff «Nachleben» – angelehnt an den Kunsthistoriker Aby Warburg – untersucht die diesjährige Ausgabe des Festivals «Grenze», was von Bildern bleibt, wenn Geschichte und Erinnerung ihren Sinn verschieben. Die Kuratoren Simone Azzoni und Francesca Marra haben dafür Arbeiten ausgewählt, die das Medium Fotografie zwischen Archiv, Dokumentation und persönlicher Erinnerung verorten. Das Festival bespielt dabei verschiedene Orte in Verona: Von Veronetta über die ehemalige Kaserne Chiodo bis hin zu den Scavi Scaligeri wird die Stadt selbst zum Ausstellungsraum.  

Torneranno le Lucciole © Chiara Innocenti

Im internationalen Programm greifen mehrere Arbeiten gesellschaftliche Themen und Arbeitswelten auf. Aus Schweizer Sicht fällt das Projekt von Aline Bovard Rudaz auf, die sich mit den an Silikose erkrankten Arbeiterinnen der Schweizer Uhrenindustrie befasst. Roland Schmid dokumentiert Lebensrealitäten in Osteuropa, während Yiming Zhu den Alltag chinesischer Seidenstickerinnen zeigt. Ergänzt wird die Auswahl durch Positionen von Chiara Innocenti, Julieta Averbuj, Vedad Divović sowie weiteren Kunstschaffenden, die über eine offene Ausschreibung ausgewählt wurden.  

Glimmers, feathers and staring skies © Joel Jimenez Jara

Die Hauptausstellung widmet sich dem fotografischen Werk von Abbas Kiarostami. Der 2016 verstorbene iranische Filmemacher nutzte die Kamera über Jahrzehnte hinweg abseits seiner Filmarbeiten für Landschaftsstudien und Naturbeobachtungen. In Verona wird dieser Teil seines Schaffens gezeigt, um die Verbindung zwischen dem Einzelbild und der filmischen Bewegung zu beleuchten.  

USSR, Ukraine, Kyiv, 1991 © Roland Schmid

Das Festival «Grenze – Arsenali Fotografici» versteht sich als Plattform für zeitgenössische Fotografie und urbane Entwicklung. In Zusammenarbeit mit europäischen Partnern wie dem Belgrade Photo Month oder dem Pariser Festival Circulation(s) verknüpft es Ausstellungen mit Vermittlungsangeboten für Familien und Portfolio-Sichtungen für Nachwuchsfotografen.  

A Silkworm’s Dreams Weave A Rhyme, Earthborn © Yiming Zhu

Die neunte Ausgabe des Festivals «Grenze» («Nachleben») findet vom 18. September bis zum 18. Oktober 2026 an verschiedenen Orten in Verona statt, darunter Il Meccanico, das Magazzino Bedeschi und die Scavi Scaligeri.