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Die Würde des Augenblicks: Das humanistische Erbe von Fred Stein…

Gypsy Rose Lee, 1957 © Fred Stein

Lange Zeit wurden die Arbeiten von Fred Stein (1909–1967) unterschätzt. Heute gilt sein Werk als massgebliche Brücke zwischen der europäischen Avantgarde und der amerikanischen Dokumentarfotografie. Stein war kein blosser Chronist des Urbanen; er war ein Seismograf der menschlichen Existenz, der dokumentarische Präzision mit einem zutiefst empathischen, humanistischen Blick vereinte. 

Steins Biografie ist untrennbar mit den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts verwoben. 1933 sah sich der promovierte jüdische Rechtsanwalt gezwungen, aus seiner Geburtsstadt Dresden vor dem NS-Regime zu fliehen. Diese Erfahrung von Exil und Verlust prägte sein gesamtes Schaffen und führte zu einer besonderen Sensibilität für Menschen am Rande der Gesellschaft – wie Immigranten, Arbeiter und Passanten. Zunächst in Paris und später in New York verlieh diese Perspektive seinen Aufnahmen eine unverwechselbare, würdevolle Tonalität.

Flatrion Building, New York, 1947 © Fred Stein

In seinen frühen Pariser Arbeiten der 1930er-Jahre experimentierte Stein mit den stilistischen Mitteln der Moderne, wie unkonventionellen Blickwinkeln und starken Kontrasten. Dennoch unterschied er sich von Vertretern des «Neuen Sehens» durch den Verzicht auf extreme Formalismen zugunsten eines erzählerischen, beinahe literarischen Blicks. Nach seiner Übersiedlung nach New York fand dieser Stil in der Darstellung der pulsierenden Metropole seine Vollendung: Seine Strassenfotografie zeigt Menschen in Bewegung, spielende Kinder und Arbeitswelten in Begegnungen, die von Nähe und Respekt geprägt sind.

Gilr in Car, New York, 1947 © Fred Stein

Besonders hervorgehoben wird Steins Porträtfotografie. Zu seinen bekanntesten Bildern gehören Aufnahmen von Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Hannah Arendt, Georgia O'Keeffe und Salvador Dalí. Diese Porträts sind weniger repräsentative Inszenierungen als vielmehr psychologisch dichte Dialoge zwischen Fotograf und Modell. Stein arbeitete meist mit natürlichem Licht und bevorzugte reduzierte Kompositionen, um die Konzentration auf Blick, Haltung und Ausdruck zu lenken. Statt Heroisierung entstand eine Intimität, die den Menschen hinter der öffentlichen Figur sichtbar macht.

Man in Pushcart, New York, 1944 © Fred Stein

In Deutschland wird das Werk von Fred Stein exklusiv durch die Galerie noir blanche repräsentiert. Die Galerie wurde im Frühjahr 2017 gegründet und ist nach ihrem Umzug im Jahr 2023 im Düsseldorfer Stadtteil Flingern beheimatet. Ihr Name ist eine Hommage an Man Rays ikonisches Foto Noire et Blanche von 1926. In ihren hellen Räumen zeigt die Galerie neben Fred Stein gut 35 internationale Fotografen – darunter Andy Warhol, Gered Mankowitz und F.C. Gundlach – mit einem besonderen Schwerpunkt auf Schwarz-Weiss-Abzügen und handverlesenen Vintage-Prints. 

Die Ausstellug Fred Stein kann vom 10. April – 30. Mai 2026 in der Galerie noir blanche in Düsseldorf besucht werden.

Körper als Widerstand: Die visuelle Rebellion der Yumna Al-Arashi..

I Am Whoever You, Want Me to Be, 2018, from the series Axis of Evil © Yumna Al-Arashi

In der zeitgenössischen Fotografie gibt es Stimmen, die weit über das blosse Abbilden hinausgehen und bestehende Machtstrukturen aktiv dekonstruieren. Eine dieser prägnanten Stimmen gehört der jemenitisch-ägyptisch-amerikanischen Künstlerin Yumna Al-Arashi. Ihr Werk versteht sich als ein vielschichtiges Manifest, das sich gegen die weltweite Unterdrückung und Stereotypisierung von Frauen auflehnt. Dabei navigiert Al-Arashi in ihren Arbeiten sicher zwischen verschiedenen emotionalen und ästhetischen Registern, die von provokativer Verspieltheit über tiefe Poesie bis hin zu trotzigem Zorn reichen. Ihr Fokus liegt insbesondere auf der Darstellung der arabischen Welt sowie der Aufarbeitung kolonialer Erbschaften, die unser heutiges Denken noch immer unbewusst prägen.

Let Me In I, 2024, from the series, Let Me In (2024–doorlopend/ongoing) © Yumna Al-Arashi

Vom Dokumentarischen zur konzeptionellen Befreiung
Der Weg zur autonomen Kunst führte Al-Arashi ursprünglich über die klassische Dokumentarfotografie. Als Autodidaktin schuf sie zunächst Bilder für renommierte Publikationen wie National Geographic oder die New York Times. Doch der internationale Erfolg brachte ethische Bedenken mit sich: Al-Arashi erkannte die „Gewalt“, die der Fotografie durch ihre Machtdynamik innewohnt – eine Dynamik, die sich bereits in kriegerischen Begriffen wie „einfangen“ oder „aufnehmen“ widerspiegelt. 

Um dieser Einseitigkeit zu entkommen, entwickelte sie eine politischere, konzeptionelle Bildsprache. In ihren heutigen Werken schützt sie die Identität und Würde der porträtierten Frauen, indem sie deren Stärke und Schönheit radikal ins Zentrum rückt. Bemerkenswert ist dabei ihr Verzicht auf die schützende Anonymität hinter der Kamera: In konzeptuellen Selbstporträts macht sie ihren eigenen Körper zum integralen Bestandteil des politischen Dialogs und bricht so die traditionelle Hierarchie zwischen Fotografin und Motiv endgültig auf.

Looking at You Looking at Me, Looking at You IV, 2018, from the series Looking at You Looking at Me Looking at You © Yumna Al-Arashi

Ikonografie des Widerstands
Ein zentrales Motiv in Al-Arashis Schaffen ist die direkte Konfrontation mit westlicher Propaganda. Geprägt durch ihre Jugend in Washington D.C. während des „Krieges gegen den Terror“, hinterfragt sie die stigmatisierenden Erzählungen über die Herkunftsländer ihrer Vorfahren. Dies zeigt sich besonders deutlich in ihrem Diptychon Axis of Evil (2020), in dem sie Frauen aus sogenannten „Schurkenstaaten“ porträtiert. Durch die geschickte Gegenüberstellung von Profil- und Frontalansicht betont sie sowohl gemeinsame Züge als auch einen kollektiven Kampfgeist. Ähnlich kraftvoll agiert die Serie Shedding Skin (2017), welche in einem Beiruter Badehaus entstand. Hier eignet sich Al-Arashi die historisch oft orientalistisch verzerrte Sicht auf das Hamam neu an und ersetzt sie durch ein authentisches Bild weiblicher Solidarität. 

Northern Yemen II, 2013, from the series Northern Yemen (2013–2014) © Yumna Al-Arashi

Einen Höhepunkt ihres bisherigen Œuvres stellt das Buchprojekt Aisha (2024) dar, das auf Fotografien ihrer jemenitischen Grossmutter basiert und die verschwindende Tradition der Gesichtstätowierungen bei älteren Generationen nordafrikanischer Frauen dokumentiert. Das Werk, das 2025 als „schönstes Schweizer Buch des Jahres“ ausgezeichnet wurde, fungiert als liebevolles Gegengewicht zur kolonial gefärbten Darstellung dieser Frauen in westlichen Archiven. Inspiriert von den Thesen Audre Lordes begreift Al-Arashi den Körper dabei als Träger von Erinnerungen und Quelle einer lebensbejahenden, erotischen Kraft. Für sie ist die bewusste Entscheidung über das eigene Aussehen der grösste Akt der Rebellion gegen eine Gesellschaft, die den weiblichen Körper ununterbrochen kontrollieren will.

South – Fire, 2025, from the series Tears for the Future © Yumna Al-Arashi, collection Huis Marseille

Yumna Al-Arashi wurde 1988 in Washington D.C. geboren und lebt seit 2020 in der Schweiz. Nach einem Studium der Sozialwissenschaften in New York schloss sie 2022 ihren Master in Bildender Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste ab. Ihre Arbeiten wurden bereits international in bedeutenden Institutionen wie dem MoMA PS1 in New York, dem Helmhaus Zürich oder dem Institut du Monde Arabe in Paris gezeigt.

East – Wind, 2025, from the series Tears for the Future © Yumna Al-Arashi, collection Huis Marseille

Den passenden Rahmen für ihre Einzelausstellung bietet das Huis Marseille, das seit 1999 als Amsterdams erste Adresse für Fotografie gilt. Untergebracht in zwei prachtvollen Kanalhäusern aus dem 17. Jahrhundert an der Keizersgracht, bietet es einen organischen Kontrast zum klassischen „White Cube“. Die authentischen Räume verstärken die Wirkung der gezeigten Werke, die oft speziell für diese Architektur konzipiert werden. Das Museum widmet sich fortlaufend der Frage, wie eine neue Bildsprache den Zeitgeist und den künstlerischen Charakter des Mediums widerspiegeln kann. 

Die Ausstellung Body as Resistance von Yumna Al-Arashi kann vom 14. Februar – 21. Juni 2026 im Huis Marseille in Amsterdam besucht werden.

Frank Horvat: Den Augenblick gewähren lassen...

Givenchy Hat for JDM, Paris, France, 1958 © Frank Horvat

Im Herzen der Provence, wo Weinreben auf zeitgenössische Architektur treffen, widmet das Château La Coste dem grossen Fotografen Frank Horvat eine bemerkenswerte Ausstellung. Unter dem Titel «Laisser la vie se produire» (Das Leben geschehen lassen) lädt die Galerie des Anciens Chais dazu ein, die Welt durch die Linse eines Mannes zu betrachten, der die Fotografie als einen Akt der Freiheit verstand.

For Glamour, Central Park, New York, USA, 1959 © Frank Horvat

Ein Titel als Lebensphilosophie
Der Name der Ausstellung ist einer Zeile von Rainer Maria Rilke entlehnt – einem Dichter, den Horvat tief verehrte. Es ist weit mehr als nur ein Motto; es ist eine Einladung, die Welt so zu bewohnen, wie sie ist. Horvats Werk zeichnet sich durch eine seltene Unvoreingenommenheit aus: Er liess flüchtige Momente, Körper in Bewegung und unerwartete Blickwinkel entstehen und stellte damit die Fähigkeit der Fotografie auf die Probe, die Zeit anzuhalten und gleichzeitig offen für den Zufall zu bleiben.

Monique Dutto at métro exit, for Jours de France, Paris, France © Frank Horvat

Vom Pariser Nachtleben zum Mode-Revoluzzer
Die Präsentation versammelt 46 Originalabzüge, die die Zeitspanne von Mitte der 1950er bis Ende der 1980er Jahre abdecken. Besonders eindrücklich sind seine frühen Schwarz-Weiss-Serien aus Paris und London. In der berühmten Serie Paris de nuit blickte er auf das Nachtleben der Nachkriegszeit. Seine Bilder von Tänzern, Nachtschwärmern und einsamen Cafés sind oft körnig, dunkel und von einer melancholischen Sinnlichkeit durchzogen.

Doch Horvat war kein reiner Dokumentarfotograf. Er revolutionierte die Modefotografie, indem er sie aus dem sterilen Studio auf die Strasse holte. Sein «Reportage-Stil» setzte auf natürliche Gesten und die Spontaneität des echten Lebens, ohne dabei den Sinn für Eleganz und Glamour zu verlieren. Für Magazine wie Vogue, Harper’s Bazaar oder Glamour schuf er Bilder, die bis heute durch ihre Modernität bestechen.

Carol Lobravico at Café Flore, for Harper's Bazaar, french high fashion, Paris, France, 1962 © Frank Horvat

Die Essenz des Unwiederholbaren
Für Frank Horvat war ein gutes Foto eines, das man nicht noch einmal machen kann. Er betonte, dass ein Bild unvorhersehbar sein müsse und alles darin enthaltene notwendig sein solle. Ob es seine frühen Reisen nach Indien, seine farbintensiven New-York-Serien der 80er Jahre oder seine späten digitalen Experimente waren: Horvat blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2020 ein Beobachter, der dem Moment mit Demut und Neugier begegnete.

Quai du Louvre, Couple, Paris, France, 1955 © Frank Horvat

Das Château La Coste liegt in einer der geschichtsträchtigsten Weinbauregionen Frankreichs, eingebettet in die malerische Landschaft zwischen Aix-en-Provence und dem Nationalpark Luberon. Seit der Eröffnung für das Publikum im Jahr 2011 hat sich das 200 Hektar grosse Anwesen zu einem Ort entwickelt, an dem Weinbau, zeitgenössische Kunst und moderne Architektur in einer einzigartigen Harmonie koexistieren. Besucher können auf dem Gelände über vierzig bedeutende Kunstwerke entdecken, die im Dialog mit der provenzalischen Natur aus Zypressen, Pinien und jahrhundertealten Eichen stehen.

Red coat in front of Upper West Side building, Upper West side, New York, 1984 © Frank Horvat

Die Ausstellung Laisser la vie se produire von Frank Horvat kann vom 15. Februar bis zum 12. April 2026 in der Galerie des Anciens Chais in Le-Puy-Ste-Réparade besucht werden.

 

Die Zähmung des Ungezähmten: Laurence Kubskis SAUVAGES...

Reconstitution d’un souvenir d’enfance, le concours de vitesse d’escargots 2024, © Laurence Kubski

In der zeitgenössischen westlichen Kultur ist das Bild der unberührten Natur längst einer Realität gewichen, in der jedes Lebewesen seinen Platz in einem engmaschigen System aus menschlicher Kontrolle und Fürsorge findet. Genau diesem Spannungsfeld widmet sich die Fotografin Laurence Kubski in ihrem Projekt SAUVAGES (dt. Wild).

Broches en forme d’edelweiss fabriquées par un chasseur à partir de dents de renards qu’il a luimême abattus 2024 © Laurence Kubski

Über den Zeitraum eines Jahres dokumentierte Kubski die vielfältigen Interaktionen zwischen Mensch und Tier im Kanton Freiburg. Ihre Linse fängt dabei Momente ein, in denen die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation zunehmend verschwimmt: Die Motive reichen von der technisierten Rettung von Rehkitzen mittels Drohnen vor der Mahd bis hin zur wissenschaftlichen Katalogisierung von Fledermäusen und Vögeln. Diese dokumentarischen Einblicke verwebt sie geschickt mit persönlichen Kindheitserinnerungen aus dem ländlichen Freiburg, wie etwa der Inszenierung eines Schneckenrennens.

Autocollants à appliquer sur les vitres pour éviter les collisions d’oiseaux 2024 © Laurence Kubski

Die Ausstellung wirft damit die provokante Frage auf: Existiert das Wilde überhaupt noch? Kubskis Werk zeigt eine Fauna, die entweder überwacht, gejagt oder geschützt wird – aber in jedem Fall unter ständigem menschlichem Einfluss steht. Ob es handgefertigte Broschen aus Fuchszähnen sind oder die akribisch geordnete Glassammlung eines Taxidermisten im Naturhistorischen Museum – das Tier wird in diesen Kontexten oft zum Objekt oder Symbol menschlicher Kultur degradiert.

Fauvette à tête noire du Musée d’histoire naturelle de Fribourg 2025 © Laurence Kubski

Die Galerie FOCALE bietet den idealen Rahmen für diese ästhetische und soziologische Untersuchung. Kubski, die bereits mit dem Swiss Design Award ausgezeichnet wurde, gelingt es, lokale Praktiken als repräsentative Stichproben unserer heutigen westlichen Gesellschaft darzustellen. SAUVAGES ist somit weit mehr als nur ein Porträt der Freiburger Tierwelt; es ist ein Spiegel unseres eigenen Selbstverständnisses gegenüber der Natur.

Collection de yeux du taxidermiste du Musée d’histoire naturelle de Fribourg 2024 © Laurence Kubski

Die Ausstellung SAUVAGES wird am 18. April 2026 eröffnet und kann bis zum 14. Juni 2026 in der Galerie FOCALE besucht werden.

EXTRACT III - Pink als Sensor der Gesellschaft…

Bird an Flower Market, Frogs, 2018/2021, ChromaLuxe Print Gloss © Nici Jost

Was sehen wir, wenn wir Pink sehen? Für die einen ist es das künstliche Leuchten von Kaugummi-Automaten, für die anderen ein Symbol für stereotype Geschlechterzuschreibungen oder der grelle Schrei des Pop-Art-Kommerzes. Doch wer die Farbe lediglich als dekoratives Oberflächenphänomen abtut, verkennt ihre enorme Sprengkraft.

Construction, Helen Keller, 2018/2021, ChromaLuxe Print Mat © Nici Jost

Die schweizerisch-kanadische Künstlerin Nici Jost (*1984, Banff, Kanada) widmet sich seit über zwei Jahrzehnten der Dekonstruktion dieser wohl kontroversesten aller Farben. Inzwischen hat sie sich international einen Namen durch diese tiefgreifenden Untersuchungen gemacht. Dabei nutzt sie die Fotografie nicht nur als rein abbildendes Medium, sondern als analytisches Recherche-Instrument, um kulturelle, gesellschaftliche und politische Dimensionen sowie soziale Codes sichtbar zu machen.

Lipstick, 2018/2026, Fine Art Print © Nici Jost

Pink als Sensor der Gesellschaft
Ein zentraler Pfeiler ihres Schaffens ist das von ihr entwickelte „Pink Colour System“, in dem die Farbe als Sensor für verborgene Muster und gesellschaftliche Dynamiken fungiert. Besonders spannend ist hierbei ihr Blick auf die Globalität des Phänomens: Während eines Aufenthalts in Shanghai untersuchte sie, wie sehr Sprache und soziale Strukturen unsere Wahrnehmung von Farbe determinieren – Pink ist eben nicht überall gleich Pink.

Robyn 02, 2026, Fine Art Print © Nici Jost

Zwischen Ästhetik und Aktivismus
Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von der klassischen Aufnahme bis hin zur technologischen Installation. Ein bemerkenswertes Beispiel für die Aktualität ihres Schaffens ist das Projekt Unity: Ein pinkfarbener Hut, der auf Sommerhitze reagiert. Hier wird die Farbe plötzlich zum Indikator für den Klimawandel und verlässt den rein ästhetischen Raum, um eine drängende ökologische Dimension einzunehmen.

Untiteld, 2018/2025 © Nici Jost

Es ist diese Vielschichtigkeit, die Josts Arbeit so relevant macht. Sie fordert uns auf, unsere Sehgewohnheiten zu hinterfragen und das vermeintlich "Liebliche" auf seine politische und gesellschaftliche Dynamik hin zu untersuchen.

Construction, Nike Air, 2018/2021, ChromaLux Print Mat © Nici Jost

Die Nikon Plaza am Schweizer Hauptsitz von Nikon in Egg/ZH fungiert als moderner Begegnungsort für Fotografie- und Videointeressierte. Auf zwei Etagen bietet sie Raum für wechselnde Ausstellungen und dient gleichzeitig als interaktiver Showroom. Besucherinnen und Besucher können dort das aktuelle Nikon Line-up sowie professionelle Optiken direkt testen und sich mit dem Fachpersonal austauschen. Ergänzt wird das Angebot durch einen Store sowie ein regelmässiges Rahmenprogramm aus Workshops und Bildungsressourcen, die den Standort zu einem lebendigen Zentrum der Imaging-Kultur machen.

Pink Collection, Object No. 28, 2019, ChromaLuxe Print Gloss © Nici Jost

Die Ausstellung EXTRACT III wird am 26. März 2026 eröffnet und kann bis zum 21. August 2026 im Nikon Plaza in Egg (ZH) besucht werden.

Ting, 2018/2025, Fine Art Print © Nici Jost

Sonata II – Architektur der Stille...

U.T. (Sonate) #4, 2024, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 140 x 175 cm © Nils Olav Bøe

Es gibt Bilder, die uns nicht wegen ihrer Schärfe, sondern wegen ihrer Unschärfe gefangen nehmen. In der Ausstellung „Sonata II – Spaces of Inner States“ des norwegischen Künstlers Nils Olav Bøe begegnen wir einer Welt, die gleichermassen vertraut wie vollkommen entrückt scheint. Was auf den ersten Blick wie monumentale, nebelverhangene Landschaften, geheimnisvolle Ruinen oder ferne Welten wirkt, entpuppt sich als ein meisterhaftes Spiel mit der Wahrnehmung.

U.T. (Sonate) #12, 2023-25, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 76 x 95 cm © Nils Olav Bøe

Bøe, 1958 in Oslo geboren, ist ein Konstrukteur von Sehnsuchtsorten. Seine epischen Visionen entstehen nicht etwa auf Reisen durch die Wildnis, sondern in der kontrollierten Stille seines Ateliers. Mit fast spielerischer Einfachheit erschafft er aus Pappe, Plastilin und weiterem einfachen Material Miniaturmodelle, die er anschliessend fotografisch und filmisch inszeniert. In seinen grossformatigen Archivinkjet-Prints auf Hahnemühle-Barytpapier verlieren diese winzigen Objekte ihren Massstab und verwandeln sich in zeitlose Räume. Ein kleiner Klumpen Modelliermasse wird zum massiven Eisberg, eine Pappwand zur antiken Stätte im Niemandsland.

U.T. (Sonate) #2, 2024, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 140 x 175 cm © Nils Olav Bøe

Zwischen Realismus und Fiktion
Die Faszination dieser Arbeiten liegt in ihrem Spannungsfeld zwischen Realismus, Fiktion und Zeitlichkeit. Bøe nutzt die Körnigkeit und das Spiel mit dem Fokus, um einen Schleier über das Motiv zu legen, der den Betrachter zur aktiven Interpretation zwingt. Es kommt alles wirklich und unwirklich vor: Wir sehen zwischen Berghängen einen Gletscher, den Mond inmitten einer erleuchteten Wolke oder eine von einer niedrigen Mauer umgrenzte Fläche. Diese visuelle Orchestrierung von Bild, Film und Ton rührt an etwas, das jenseits des Greifbaren liegt.

U.T. 2, 2025, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 17 x 22 cm © Nils Olav Bøe

Der Künstler selbst versteht seine Werke als Suche nach Bildern für „innere Seelenzustände“. Es ist eine Einladung zur Introspektion. In einer Zeit der digitalen Überforderung bieten Bøes neblige Schwarz-Weiss-Welten einen Schutzraum für das Ungefähre. Seine Arbeiten eröffnen die Möglichkeit, innere Räume und Zustände zu sehen – auch in uns selbst. 

Dass Bøes Arbeiten international geschätzt werden – von New York bis London und in bedeutenden Sammlungen wie dem Nationalmuseum Oslo vertreten – wundert kaum. Er beherrscht die seltene Kunst, das Kleine so gross zu denken, dass es Platz für unser aller Inneres bietet.

U.T. 11, 2025, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 17 x 22 cm © Nils Olav Bøe

Die Galerie Susanne Albrecht, 1986 von der Kunsthistorikerin Susanne Albrecht in München gegründet und seit 2009 in Berlin ansässig, konzentriert sich auf die klassischen Medien Malerei, Fotografie, Zeichnung und Skulptur. Das Programm verbindet US-amerikanische Kunst der 1980er-Jahre mit zeitgenössischen Positionen aus China und Japan sowie Werken international renommierter Künstler wie Martin Parr oder Julian Opie. Geleitet von der Philosophie, dass sich zwar Formen wandeln, essenzielle Inhalte aber zeitlos lebendig bleiben, pflegt die Galerie einen beständigen Dialog zwischen verschiedenen Epochen und Kulturen. 

Die Ausstellung Sonata II – Spaces of Inner States wird am 14. März 2026 eröffnet und kann bis zum 25. April 2026 in der Galerie Susanne Albrecht in Berlin besucht werden.

Die Unendlichkeit im Augenblick: Sehnsucht und Nostalgie...

Aphrodite left, 2021 © Arpad Polgar

In der menschlichen Existenz klafft eine wehmütige Lücke: die Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein der eigenen Endlichkeit und der Gabe, sich in jegliche idealisierte Raum-Zeit-Dimension zu projizieren. Dieser schmerzliche, doch zugleich faszinierende Kern bildet das Wesen der Sehnsucht – eine Anziehungskraft, die von einem gelebten oder imaginierten "Anderswo" ausgeht. Wenn die Seele zwischen dem Hier und Jetzt und einem verlorenen Paradies hin- und hergerissen ist, begibt sie sich auf eine Suche, die so aussichtslos wie poetisch bleibt. Die Fotografie dient dabei als mechanischer Ankerpunkt, um den flüchtigen Augenblick aus dem kontinuierlichen Fluss der Ereignisse zu heben und unsere fragmentierten Erinnerungsfetzen zu ergänzen.

Fly Self-Portrait, 2020 © Kim Schwanhaeusser

In einer gemeinsamen künstlerischen Wanderung erkunden zwei Positionen die Natur als Quelle der Inspiration und als behütetes Refugium. Obwohl sie oft dieselben Gebiete durchstreifen oder gemeinsam genutzte Studioszenen errichten, bewahrt jeder Künstler eine eigene visuelle Grammatik. Sie eint ein beinahe obsessives Verlangen, Motive aus natürlichen Ressourcen zu sammeln, um die Reibungsflächen zwischen Wirklichkeit und der Unendlichkeit der Fantasie zu untersuchen. Es scheint fast, als sei der Zustand des Sehnens selbst erstrebenswerter als die endgültige Auflösung der Spannungsfelder zwischen Existenz und Vorstellung.

late bloom © Arpad Polgar

Kim Schwanhaeusser, geboren 1991 in Hongkong, nach ihrem Biologiestudium freischaffende Fotografin und Künstlerin, lebt und arbeitet in Deutschland und in der Schweiz. Sie widmet ihr Schaffen einer beinah verlorenen Handwerkskunst: der analogen Schwarz-Weiss-Fotografie. Mit akribischer Sorgfalt erweckt sie Silberhalogenide [1]durch das Zusammenspiel von Licht und Chemie zum Leben – ein Prozess der bewussten Verlangsamung, der ihrem behutsamen Herantasten an das Sujet entspricht. Ihre Werke sind eine Hommage an natürliche Wunder, wobei sie Lebensformen unverblümt mit all ihren Unvollkommenheiten darstellt. Von tanzenden Schmetterlingen bis hin zu mystischen Nebelwäldern dringt sie zu einem Ursprung vor, der sich in der Einfachheit der natürlichen Essenz erschliesst.

Paper Kite Dance, 2021 © Kim Schwanhaeusser

Arpad Polgar, geboren 1967 in Genf, Fotograf und Künstler, lebt und arbeitet in der Schweiz. Er lässt seine Erkundung aus dem lebenslangen Bestreben entspringen, die Prozesse der Natur zu verstehen. Seine Faszination gilt den Zyklen der Metamorphose, dem stetigen Wechselspiel von Wachstum und Auflösung, von Erblühen und Zerfall. Durch die systematische Herauslösung von Typologien aus ihrem Werden ermöglicht er eine zeitunabhängige Erforschung des Flüchtigen. In seinen Arbeiten vermengen sich Naturfragmente mit Artefakten von Malschichten zu neu konfigurierten Topografien und transfigurierten botanischen Anatomien. Dieser Prozess ähnelt einem parallelen Metabolismus, der die ewigen Zyklen von Kontraktion und Expansion des Kosmos widerspiegelt.

The promise of entropy © Arpad Polgar

Die galerie 94 befindet sich im geschichtsträchtigen Merker-Areal in Baden und wird von Sascha Laue geführt. Die Galerie versteht sich als ein Ort für Fotografie und Kunst, wobei sie unter dem Leitspruch "augensache" auftritt. Neben der Präsentation etablierter Positionen bietet sie auch Raum für zeitgenössische aufstrebende Talente.

Papilio memnon © Kim Schwanhaeusser

Die Ausstellung Sehnsucht – Nostalgia wird am 12. März 2026 eröffnet und kann bis zum 25. April 2026 in der Galerie 94 in Baden besucht werden.

Botanica, imperial blue © Arpad Polgar

[1] Silberhalogenide sind lichtempfindliche chemische Verbindungen (wie Silberbromid), die in der analogen Fotografie als winzige Kristalle in der Filmschicht eingebettet sind. Bei Belichtung reagieren sie auf Photonen und bilden die Grundlage für das spätere Bild, das erst durch die chemische Entwicklung sichtbar wird.

Magnolia © Kim Schwanhaeusser

Das Echo der schwindenden Natur: Ester Vonplons «Flügelschlag»

Ohne Titel, aus Flügelschlag, 2020–2024 © Ester Vonplon

In einer Ära, in der die Spuren des Menschen fast jeden Winkel der Erde gezeichnet haben, begibt sich die Fotografin Ester Vonplon auf eine Suche nach dem, was – zumindest vermeintlich – noch unberührt geblieben ist. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung richtet sie den Blick auf die fragilen Ökosysteme ihrer Schweizer Heimat: von den tiefen Fichtenurwäldern des Uaul Scatlè über das alpine Hochtal Val Curciusa bis hin zur geschützten Auenlandschaft Ogna da Pardiala. Ihre Arbeiten fungieren dabei als Memento mori, welche die Kraft und die gleichzeitige Vergänglichkeit einer Natur festhalten, die im Angesicht klimatischer Veränderungen und menschlicher Eingriffe bald verschwunden sein könnte.

Ohne Titel, aus Flügelschlag, 2020–2024 © Ester Vonplon

Was diese Bilder so eindringlich macht, ist die Verbindung aus achtsamer Beobachtung und radikalem fotografischem Experiment. In der titelgebenden Serie «Flügelschlag» nutzt Vonplon die Technik des Fotogramms, um Abdrücke von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Steinen festzuhalten. Hierbei verwendet sie über hundert Jahre altes Cellofix-Papier, das einst von Soldaten im Ersten Weltkrieg für Lebenszeichen von der Front genutzt wurde. Durch diesen Bildträger verbindet sie die historische Zerbrechlichkeit des Materials mit der flüchtigen Existenz heutiger Ökosysteme.

Ohne Titel, aus Flügelschlag, 2020–2024 © Ester Vonplon

Einen Weg des bewussten Kontrollverlusts beschreitet sie in der visuellen Untersuchung «I See Darkness». Ein stillgelegter Tunnel im Bündner Safiental diente ihr hierbei als Arbeitsort, Kamera und Dunkelkammer zugleich. Über Zeiträume von Wochen oder Monaten setzte sie grossformatiges Fotopapier den klimatischen Bedingungen und chemischen Reaktionen aus. Die Zeit selbst wird hier zur Bildhauerin und macht feine, oft nicht spürbare Einflüsse der Umwelt überhaupt erst sichtbar.

Ohne Titel, aus I See Darkness, 2020–2025 © Ester Vonplon

Die Serie «il uaul» (rätoromanisch für «der Wald») dokumentiert schliesslich die unwegsame Auenlandschaft Ogna da Pardiala in der Surselva. Mit einer analogen Grossformatkamera dringt Vonplon in dieses dichte Dickicht vor. Die eigentümliche Farbigkeit dieser Bilder ist das Resultat eines experimentellen, von der Künstlerin selbst vorgenommenen analogen Entwicklungsprozesses, der feinste Details dieser bedrohten Lebensräume offenbart.

Ohne Titel, aus I See Darkness, 2020–2025 © Ester Vonplon

Ester Vonplon (*1980 in Schlieren) lebt und arbeitet heute in Castrisch im Kanton Graubünden. Nach ihrem Studium an der Fotoschule am Schiffbauerdamm in Berlin schloss sie 2013 ihr Masterstudium in Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste ab. Ihre künstlerischen Projekte, die massgeblich von der Landschaft und Natur der Surselva inspiriert sind, präsentiert sie regelmässig im In- und Ausland. Für ihr Schaffen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Manor Kunstpreis Graubünden sowie dem SAC-Kunstpreis.

Ohne Titel, aus I See Darkness, 2020–2025 © Ester Vonplon

Seit der Gründung 1993 widmet sich das Fotomuseum Winterthur der zeitgenössischen Fotografie und visuellen Kultur. Die Institution untersucht die kulturelle, soziale sowie politische Rolle des Mediums und dessen Wirkung auf unseren Alltag. Mit jährlich drei bis fünf Ausstellungen beleuchtet das Museum vielfältige Perspektiven junger und etablierter internationaler Kunstschaffender. Das Programm wird durch vielseitige Workshops, Veranstaltungen und digitale Formate ergänzt. Die museumseigene Sammlung umfasst heute rund 9'000 Werke von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart.

Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

Die Ausstellung Flügelschlag von Ester Vonplon kann bis zum 14. Juni 2026 im Fotomuseum Winterthur besucht werden.

Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

 

 

 

 

 

 








Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

 








Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

 

Requiem pour pianos: Wenn die Stille eine Melodie bekommt…
Requiem pour pianos #7, Frankreich, 2015 © Romain Thiery

Requiem pour pianos #7, Frankreich, 2015 © Romain Thiery

In der Stille verlassener Räume, dort, wo der Putz von den Wänden bröckelt und die Natur sich langsam ihr Terrain zurückerobert, findet der französische Künstler Romain Thiery die Protagonisten seiner Arbeit. Mit seiner Serie «Requiem pour pianos» bewegt er sich an den zerbrechlichen Grenzen von Fotografie, Klang und kollektivem Gedächtnis. Für Thiery ist das Klavier kein blosser Gegenstand; es ist tief in unserer Kultur verwurzelt und bewahrt sich selbst im tiefsten Verfall eine unveränderliche Noblesse.

Requiem pour pianos #11, Frankreich, 2014 © Romain Thiery

Doch Thiery begnügt sich nicht mit dem rein Visuellen. In seinem Projekt «Resonance for Pianos» verfolgt er einen immersiven Ansatz: Er nimmt vor Ort jeden einzelnen Ton auf, den diese versehrten Instrumente noch hervorbringen können. So rettet er die musikalische Seele der Klaviere, bevor sie endgültig verstummen.

Requiem pour pianos #85, Frankreich, 2019 © Romain Thiery

Eine Reise durch die Fragilität Europas
Thierys Spurensuche führt uns zunächst nach Nordfrankreich. In «Requiem pour pianos #7» (Frankreich, 2015) sehen wir ein Erard-Klavier, das seltsamerweise den Brand eines Schlosses aus dem 14. Jahrhundert überstand. Heute ist das Gebäude renoviert, das Instrument jedoch verschwunden – es existiert nur noch als flüchtiger Moment in Thierys Fotografie. Ähnlich tragisch ist die Geschichte hinter «Requiem pour pianos #11» (Frankreich, 2014): In einem prachtvollen französischen Lustschloss von 1863 stand einst ein edler Bösendorfer-Flügel. Ein Sturm im Jahr 1999 leitete den Zerfall des Gebäudes ein, das nach Plünderungen schliesslich abgerissen wurde.

Requiem pour pianos #146, Grossbritannien, 2024 © Romain Thiery

Einen besonderen Platz nimmt das Anwesen Erard im Südwesten Frankreichs ein. In «Requiem pour pianos #85» dokumentiert Thiery ein Interieur, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die Instrumente von Erard wurden einst von Grössen wie Chopin, Liszt und sogar Beethoven geschätzt und stehen für höchste französische Klavierbaukunst. In diesem Herrenhaus erinnert das Motiv an eine Exzellenz, die mit dem Ende der Produktion in den 1980er-Jahren leise aus der Welt gefallen ist.

Requiem pour pianos #138, Italien, 2023 © Romain Thiery

In Grossbritannien begegnen wir in «Requiem pour pianos #146» (UK, 2024) der Grösse eines einst lebhaften Herrenhauses, das im 20. Jahrhundert als Altenheim und medizinisches Zentrum diente. Unter einer majestätischen Holztreppe zeugt dort ein unbrauchbares Klavier von den vielen ungeschriebenen Geschichten dieses Ortes. Weiter südlich, in der Toskana, steht eine Villa von 1875. In «Requiem pour pianos #138» (Italien, 2023) blicken wir in den prachtvollsten Raum, der vollständig mit Fresken verziert ist. Seit deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg dort Quartier bezogen, kehrten die Eigentümer nie zurück. Schwere Unwetter im Jahr 2024 brachten das Gebäude schliesslich zum Einsturz.

Requiem pour pianos #132, Ungarn, 2022 © Romain Thiery

Von Heilstätten und Seidenspinnereien
Auch im Osten Europas findet Thiery Resonanzen des Vergangenen. In Ungarn verfällt ein Jugendstilschloss, das einst als Waisenhaus diente; «Requiem pour pianos #132» (Ungarn, 2022) zeigt die Überreste einer Bibliothek und einen prächtigen Josef-Grund-Flügel. In Polen wiederum dokumentiert «Requiem pour pianos #33» (Polen, 2017) einen Palast aus dem 13. Jahrhundert. Nach einer wechselvollen Geschichte als Archiv und Sanatorium wurde er geplündert; das letzte Klavier im Inneren verschwand im Jahr 2021.

Requiem pour pianos #33, Polen, 2017 © Romain Thiery

Die Reise führt uns zurück nach Deutschland, zum Grabowsee. Das 1896 gegründete Sanatorium Heilstätte Grabowsee diente nach 1945 als sowjetisches Lazarett. Der einstige Ballsaal, den wir in «Requiem pour pianos #38» (Deutschland, 2018) sehen, ist heute eine gefragte Filmkulisse. Im Südwesten Frankreichs begegnen wir in «Requiem pour pianos #130» (Frankreich, 2022) erneut der Marke Erard – jenen Instrumenten, die einst von Chopin und Liszt geschätzt wurden. In diesem Herrenhaus scheint die Zeit stillzustehen und erinnert an eine Epoche, die in den 1980er-Jahren ihr Ende fand.

Requiem pour pianos #38, Deutschland, 2018 © Romain Thiery

In Österreich fand der Künstler in einem Raum, der als Autowerkstatt diente, ein Schweighofer-Klavier. «Requiem pour pianos #93» (Österreich, 2019) ist eines seiner Lieblingsbilder: Nach tagelangem Warten fing er den Moment ein, in dem das Licht das Instrument sanft streichelt und ihm eine fast sakrale Kraft verleiht. In Norditalien hingegen stehen in «Requiem pour pianos #109» (Italien, 2021) zwei majestätische Klaviere von Fratelli Colombo im Heizungsraum einer Seidenspinnerei von 1902. Wo einst ausschliesslich Frauen arbeiteten, bewahrt Thiery heute das letzte Echo der industriellen Vergangenheit.

Requiem pour pianos #130, Frankreich, 2022 © Romain Thiery

Das Finale im fernen Osten
Den Schlusspunkt dieser Reise bildet Japan. In «Requiem pour pianos #163» (Japon, 2025) beleuchtet das Licht in einer verlassenen ländlichen Grundschule ein Kawai-Klavier, das langsam von einem Meer aus Farnen verschlungen wird. Um diesen Ort zu erreichen, musste der Künstler tief in den Wald vordringen und begegnete neugierigen Affen – ein Symbol für die magische Rückeroberung durch die Natur in einem Land, in dem das Klavier als höchstes Zeichen für Bildung und Kultiviertheit gilt.

Requiem pour pianos #93, Österreich, 2019 © Romain Thiery

Romain Thiery ist ein französischer Fotograf und Pianist, der in seinem Schaffen Bild und Ton auf einzigartige Weise vereint. Seit 2014 bereist er die Welt, um verlassene Klaviere in leerstehenden Gebäuden aufzuspüren und deren melancholische Schönheit festzuhalten. Seine international ausgezeichneten Werke wurden bereits in Galerien von Paris bis Tokio ausgestellt und in renommierten Medien wie The Guardian oder Der Spiegel veröffentlicht.

Requiem pour pianos #109, Italien, 2021 © Romain Thiery

Scène55 ist ein kulturelles Zentrum in Mougins an der Côte d’Azur. Als interdisziplinäre Kulturstätte vereint es Theater, Musik, Tanz und bildende Kunst unter einem Dach. Die Einrichtung verfügt über einen modernen Ausstellungsraum, die Scène d'Exposition, in der namhafte zeitgenössische Künstler ihre Werke präsentieren.

Requiem pour pianos #163, Japan, 2025 © Romain Thiery

Wer diese visuelle und klangliche Reise selbst erleben möchte, kann die Ausstellung noch bis am 6. Juni 2026 in der Scène55 in Mougins besuchen. Der Eintritt ist frei. Alle Werke sind als limitierte, handsignierte Originale auf hochwertigem Hahnemühle-Papier erhältlich.

Die Heilung der Linien: Über die Zerbrechlichkeit in Aimée Hovings «Binding Roots»

Anemone pastel mix, série Inflorescence © Aimée Hoving

Geduld und Staunen verschmelzen im Herzen der künstlerischen Praxis von Aimée Hoving. Ihre beiden Serien «Inflorescence» und «Family Affair» spiegeln einen inneren Garten wider: Ein Ort, an dem persönliche Wandlung im Einklang mit der Natur geschieht und das Licht immer einen Weg findet. Zwischen diesen Projekten zeichnet sich eine gemeinsame Reise ab, die gleichermassen pflanzlich wie menschlich ist: die Erfahrung von Zerbrechlichkeit als Grundbedingung unserer Existenz. Hoving erforscht dabei gezielt das, was weitergegeben, verwandelt und geheilt wird. 

Résurgence, de la série Family Affair © Aimée Hoving

Die Fotografie wird hier durch den bewussten Einsatz von Hand und Nadel erweitert und so zu einem Raum der Fürsorge. Risse und Leerstellen – gezeichnet durch das Verstreichen der Zeit oder den Durchgang einer Krankheit – werden nicht einfach kaschiert. Vielmehr werden sie gezähmt, offenbart und sublimiert. Die Schatten erhalten dadurch einen ganz eigenen Glanz und laden uns ein, unseren verletzlichen, vergänglichen und doch zutiefst lebendigen Anteil mit neuen Augen zu betrachten. 

Flower bed with light pink Achillea, série Inflorescence © Aimée Hoving

Aimée Hoving, Jahrgang 1978, lebt und arbeitet in Coppet und ist Absolventin der renommierten ECAL in Lausanne. In ihren Arbeiten gelingt es ihr, Poesie, den unverfälschten Blick eines Kindes und eine gewisse Leichtigkeit selbst in die intimsten Bereiche des Lebens zu bringen. Indem sie Mitglieder ihrer eigenen Familie inszeniert, führt sie uns in eine oft beunruhigende Wahrnehmung des Alltags. Sie erforscht dabei Themen wie genetische Mutationen, multikulturelle Wurzeln und Kindheitserinnerungen, während sie stets ungelöste Rätsel in ihren Bildern schweben lässt. 

Haunted, série Family Affair © Aimée Hoving

Ihre Werke wurden bereits international gewürdigt, unter anderem mit dem Swiss Design Award und dem Kulturpreis der Fondation Leenards. Hovings Fotografien sind in bedeutenden Sammlungen vertreten und wurden in Institutionen wie der Saatchi Gallery in London, dem SCOP in Shanghai sowie der MEP in Paris ausgestellt. 

Loves me loves me not rainbow, série Inflorescence © Aimée Hoving

Seit 1982 am Place du Château in Nyon ansässig, ist FOCALE der älteste noch aktive Ort in der Schweiz, der ausschliesslich der Fotografie gewidmet ist. In einem charaktervollen Gebäude im Herzen der Altstadt fördert der Verein eine Fotografie an der Schnittstelle zwischen Dokumentation und ästhetischer Forschung. Mit der Eröffnung einer spezialisierten Buchhandlung im Jahr 1989 hat sich FOCALE zudem als lebendige Plattform für den Austausch und als Treffpunkt für Profis und Amateure der Fotokunst etabliert. 

Maybe, série Family Affair © Aimée Hoving

Die Ausstellung Binding Roots wird am 5. Februar eröffnet und kann bis 25. April 2026 in der focale in Nyon besucht werden. 

Little pastel Ferula, série Inflorescence © Aimée Hoving

Movement…

Freihändig auf dem Fahrrad, 1946 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle

Die Ausstellung Movement führt durch die jahrzehntelange, bewegte und sich stets wandelnde Karriere des Schweizer Fotografen René Groebli – einem Künstler, der nie stillstand und immer wieder Neues, bisher Ungesehenes wagte, ohne sich permanent auf einen bestimmten Stil, ein Genre oder eine Technik festzulegen.

Entkleiden, Auge der Liebe, 1952 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle

Groeblis Gesamtwerk ist so facettenreich, dass es nicht in einzelnen, ikonischen Bildern gelesen werden kann. Es umfasst dynamische Strassenfotografien voller Bewegungsunschärfe, Experimente in Farbe, Montagetechniken sowie intime Studien über Leben, Liebe und Körperlichkeit in Schwarzweiss. Wenn sich etwas verlässlich durch sein Œuvre zieht, ist es ein klar erkennbarer, unstillbarer Durst nach neuen Ausdrucksformen. Eine seiner ersten Aufnahmen – freihändig vom Fahrrad aus über den Lenker hinweg fotografiert – zeugt bereits von einer frühen Faszination des Künstlers für Geschwindigkeit und steht symbolisch für eine Karriere, die keinem linearen Verlauf folgt und den vorherrschenden formalen Normen stets einen Schritt vorauseilen wird.

Magie der Schiene, (#569), 1949 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle

Groebli fühlt und arbeitet lyrisch und intuitiv. Eine begonnene Ausbildung an der Zürcher Kunstgewerbeschule bei Hans Finsler, dessen Schule in der kühlen, statischen Neuen Sachlichkeit verwurzelt ist, brach er alsbald ab, um stattdessen der lockenden Lebendigkeit der Strassen, Clubs und Bühnen Zürichs zu folgen. Wie ein Filmemacher versucht er, das Wesen der Bewegung in statischen Bildern sichtbar zu machen, verzichtet dabei auf perfekte Schärfe, lässt Elemente des Zufalls bewusst zu und fängt so nicht nur Bewegung, sondern auch Emotionen ein. Dieser subjektive, freie Umgang mit dem Medium Fotografie zeugt von einer cineastischen Sensibilität, die in krassem Gegensatz zur damals vorherrschenden Strenge der Schweizer Nachkriegsfotografie steht.

Ballspiel auf der Quaibrücke, 1950 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle

Die Ausstellung lädt dazu ein, Groeblis Fotografie so zu erfahren, wie er sie gelebt hat: als dynamische, zentrifugale Kraft, die Bewegung in all ihren Formen einfängt – physisch, emotional und künstlerisch – und sie offenbart einen Künstler, für den die Fotografie nicht nur ein Mittel war, die Welt neutral zu dokumentieren, sondern ein lebendiges Medium in ständigem Wandel: bewegt und bewegend.

Cornelia, 1961 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle

Die Bildhalle am Stauffacherquai in Zürich hat sich seit ihrer Gründung durch Mirjam Cavegn zu einer der bedeutendsten Adressen für klassische und zeitgenössische Fotografie in der Schweiz entwickelt. Die Galerie, die heute auch mit einem Standort in Amsterdam international präsent ist, zeichnet sich durch ein Programm aus, das eine Brücke zwischen den grossen Meistern des 20. Jahrhunderts – wie René Groebli oder Werner Bischof – und innovativen zeitgenössischen Positionen schlägt. Mit einem feinen Gespür für die haptische Qualität und die erzählerische Kraft des Mediums schafft die Bildhalle einen Raum, in dem Fotografie nicht nur als Dokument, sondern als eigenständige, poetische Kunstform gefeiert wird. 

Die Ausstellung kann bis 28. Februar 2026 in der Bildhalle besucht werden.

Das Meer ist schief – Robert Bösch und die Autonomie des Bildes

Mount-Everest-Gipfel, Blick nach Tibet © Robert Bösch

Das Meer ist schief… oder Bilder, die ich gesehen habe – so liesse sich die Begegnung mit dem neuen Bildband von Robert Bösch beschreiben. Es ist ein Werk, das sich der klassischen Dokumentation entzieht. Bösch beansprucht in seinen einleitenden Gedanken nicht, die Welt oder seine Wahrnehmung davon abzubilden. Vielmehr sucht, fotografiert und entscheidet er, was nicht auf das Bild kommt. So erscheint das Meer schief, die blau-silbern schimmernden Wasserspiegelungen wirken wie ein Design mit visueller Intensität und das Schneefeld wie die Oberfläche des Mondes.

Schilf © Robert Bösch

«Sie stehen nicht für etwas Grösseres, sie stehen nicht für das, was davor oder daneben war, sie stehen für nichts anderes als für sich selbst». Das ist die Grundhaltung des Buches: Die Fotografien sind keine Dokumente, keine Erzählungen, keine Symbole – sondern autonome Bilder. Sie entstehen aus der Welt, wie sie ist – aber sie stehen für sich selbst. Sie sind nicht Teil einer Geschichte, sondern die Geschichte selbst.

Basislager Mount Everest, Khumbugletscher, Nepal © Robert Bösch

Bösch greift auf die klassische Fotografie zurück – aber nicht, um sie zu wiederholen, sondern um sie zu verändern. Er ist weltweit unterwegs, um Motive zu finden, die er «herauslöst». Nicht um sie zu dokumentieren, sondern um sie zu formen. Die Bilder sind teils ruhig, teils kraftvoll – geprägt von sattbunten Farben, poetischem Schwarzweiss, messerscharfen Linien und dynamischen Szenen.

Rotes Auto auf Passstrasse, Susten, Schweiz © Robert Bösch

Es sind Fragmente einer globalen Reise: Ein Elefant, der majestätisch durch die Wüste schreitet. Ein Gorilla, der durch den Wald läuft. Eine tiefrote Decke über weissem Geländer. Schilf, das an japanische Tuschezeichnungen erinnert. Strassenkreuzungen in Uganda, quirlig, chaotisch, lebendig. Bergwelten, Landschaften und Wasser-Aufnahmen, die atmosphärisch an ein Turner-Gemälde erinnern.

Palmen, Lago Maggiore, Schweiz © Robert Bösch

Verlagsinformationen: Bilder, die ich gesehen habe – ein exklusives Werk mit Böschs neuesten, meist unveröffentlichten Bildern. Prächtiger, grossformatiger Bildband in hochwertiger Ausstattung.              

In seinem neuesten Buch präsentiert der renommierte Fotograf Robert Bösch eine Auswahl herausragender Fotografien, die er in seiner Schweizer Heimat und auf Reisen rund um den Globus aufgenommen hat – von der Antarktis über Venedig bis zu den Wüsten Namibias. Die teils ruhigen, teils kraftvollen Aufnahmen spiegeln Böschs einzigartige Sicht auf die Welt und laden die Betrachterinnen und Betrachter ein, die Welt durch seine Linse zu entdecken. Dabei zeigt sich nicht nur die grosse Vielfalt seiner Motivlandschaften, sondern auch die Fähigkeit, alltägliche Momente in faszinierende Kompositionen zu verwandeln. Bösch kombiniert die Kunst des Sehens mit der Entdeckungslust und verleiht seinen Bildern eine unverwechselbare Tiefe. Das Werk ist ein eindrückliches Zeugnis seiner lebenslangen Leidenschaft für Fotografie.

Kunsthaus, Zürich, Schweiz © Robert Bösch

Robert Bösch (*23. August 1954 in Schlieren, Kanton Zürich) ist Fotograf, Geograf und Bergführer – und seit über 40 Jahren professionell unterwegs. Als Alpinist begleitete er Extremtouren, erklomm den Mount Everest (2001), dokumentierte Ueli Steck. Als Fotograf machte er sich mit Actionfotografie international einen Namen – für GEO, Stern, National Geographic, Spiegel.  

Doch in den letzten Jahren wandte er sich der Landschafts- und Kunstfotografie zu. Seine Bücher Mountains (Lebenswerk), No Man’s Land, BIRDS und NOT SEEN markieren diesen Wandel: weg vom Abenteuer, hin zur Form, zur Komposition, zur Entscheidung. Heute lebt er in Oberägeri (ZG), ist Nikon-Ambassador und arbeitet ausschliesslich als freischaffender Berufsfotograf – mit dem Spezialgebiet: Was nicht aufs Bild kommt.

Giraffen, Lake Mburo National Park, Uganda © Robert Bösch

Der Christoph Merian Verlag mit Sitz in Basel, ist ein renommierter Schweizer Verlag, der sich auf hochwertige Bildbände, Kunst- und Kulturpublikationen spezialisiert hat. Gegründet 1983, ist er bekannt für seine sorgfältige Gestaltung, seine Fokussierung auf Schweizer Künstler und seine internationale Ausrichtung.

Möwen, Zürich, Schweiz © Robert Bösch

Bilder, die ich gesehen habe (ISBN 978-3-03969-053-4) von Robert Bösch kann direkt beim Christoph Merian Verlag oder im Buchhandel bezogen werden.

Pyramiden von Gizeh, Ägypten © Robert Bösch

"Businessman", Delhi, Indien © Robert Bösch

Kampala, Uganda © Robert Bösch

Aletschhorn, Schweiz © Robert Bösch

Hannah Villiger: Sculpting the Self…

Hannah Villiger, Block XXXVI, 1994, fünfzehn C-Prints, montiert auf Aluminium, 289 x 481 cm, Kunstmuseum St.Gallen, erworben vom Kunstverein St.Gallen 1996 © Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Die Schweizer Künstlerin Hannah Villiger (1951–1997) verstand sich stets als Bildhauerin, obwohl die Fotografie ihr Hauptmedium war. Unter dem Titel Sculpting the Self widmet das Kunstmuseum St.Gallen ihrem Werk nun eine fokussierte Kabinettausstellung, die genau diese mediale Schnittstelle beleuchtet.

Hannah Villiger, Baum, 1984/85, C-Print, montiert auf Aluminium, 125 x 123 cm, Kunstmuseum St.Gallen, Schenkung aus dem Nachlass der Künstlerin 2001 © Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Die von Henna Keski-Mäenpää kuratierte Präsentation konzentriert sich auf Villigers zentrale Schaffensphase der 1990er-Jahre. Gezeigt werden die ikonischen, grossformatigen «Block»-Arbeiten im Dialog mit selten präsentierten Werkgruppen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Villigers Untersuchung des «Körpers» endete dabei nicht beim eigenen Physischen. Auch ihre urbane Umgebung – Hochhäuser oder Bäume – behandelte sie wie skulpturale Objekte, deren Oberflächen sie mittels der Kamera fragmentierte und neu kartografierte. Durch die radikale Vergrösserung der intimen Polaroid-Aufnahmen entstehen Bildräume, die unsere gewohnte Wahrnehmung von Distanz und Nähe herausfordern.

Hannah Villiger, Arbeit, 1975, Schwarz-Weiss Fotografie, 70 x 100 cm, Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER © Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Realisiert in Zusammenarbeit mit der Stiftung The Estate of Hannah Villiger, unterstreicht die Ausstellung die anhaltende Relevanz einer Künstlerin, die 1994 gemeinsam mit Pipilotti Rist die Schweiz an der Biennale von São Paulo vertrat. Ihr Werk gilt als wegweisend für die performative Fotografie und wurde zuletzt in Retrospektiven im Muzeum Susch und im Centre Pompidou gewürdigt.

Hannah Villiger, Arbeit, 1975, Schwarz-Weiss Fotografie, 70 x 100 cm, Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER © Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Der Ausstellungsort selbst setzt mit dieser Positionierung ein Zeichen. Als führendes Haus der Ostschweiz mit einer Sammlung von über 12'000 Werken fungiert das Kunstmuseum St.Gallen als Brückenbauer zwischen acht Jahrhunderten Kunstgeschichte und der Gegenwart. Zwischen dem traditionsreichen Kunklerbau und der experimentellen Lokremise bietet das Museum den idealen Resonanzraum, um historische Narrative zu erweitern. Die aktuelle Ausstellung löst diesen Anspruch ein, indem sie das kulturelle Erbe mit einer radikalen Position verknüpft, die das fotografische Medium bildhauerisch neu dachte.

Hannah Villiger, Arbeit, 1975, Schwarz-Weiss Fotografie, 70 x 100 cm, Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER © Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Die Ausstellung Hannah Villiger: Sculpting the Self kann bis 30. April 2026 im Kunstmuseum St. Gallen besucht werden.

Extra Terra…

Tanti Patati © Franziska Martin

Extra Terra – eine tiefgründige Reise in die faszinierende, alpine Vergangenheit des Tessins. Ausgehend von einem scheinbar bizarren Phänomen – dem Anbau von Gemüse auf Felsblöcken – beleuchtet Franziska Martin die Überlebenskunst der "Terrieri" im Bavona-Tal. Die Arbeit, die zwischen Dokumentation und Illusion oszilliert, verbindet historische Recherche mit poetischer Bildgestaltung und stellt grundlegende Fragen zur Beziehung zwischen Mensch und Umwelt.

Tanti Patati © Franziska Martin

Während einer Wanderung im Bavona-Tal stiess Franziska Martin auf einen beeindruckend grossen Felsblock, auf dessen oberer Fläche eine kleine Wiese wuchs. Steinstufen führten hinauf. Sie liess sich auf dem Stein fotografieren. Die Information einer Freundin, dass die Talbewohner auf solchen Steinbrocken Gemüse angebaut hätten, faszinierte sie so sehr und liess sie nicht mehr los. Diese Faszination und Neugierde entwickelte sich zu einem intensiven Forschungsprojekt.

Balóm dla Predascia © Franziska Martin

In einer Broschüre fand Franziska Martin eine Aufnahme von 1885, die einen Felsblock mit einer angelehnten Leiter zeigte. Oben stand jemand, und daneben befand sich eine kleine, kaum sichtbare Figur. Die Bildunterschrift lautete "Giardino Pensile" (dt. hängender Garten). Dank einem Historiker und einem Zeitzeugen erfuhr sie mehr über die Menschen im Bavona-Tal – den Terrieri, die sich selbst als "Erdenbewohner" ("gens de la terre") bezeichneten und deren Dörfer "Terre" genannt wurden.

Bohnen © Franziska Martin

Das Bavona-Tal ist von steilen Felswänden, die von Gletschern geformt wurden, geprägt und ist voller riesiger Felsblöcke. Fruchtbarer Boden war äusserst rar und wurde durch wiederholte Bergstürze und Gerölllawinen weiter dezimiert. Ziergärten gab es nicht. Dies zwang die Terrieri zu grossem Einfallsreichtum. Sie begannen, auf grossen Felsblöcken Gemüsegärten und Wiesen anzulegen, die im Tessiner Dialekt Giarditt (dt. Garten) oder Prato Pensile (dt. hängende Wiese) genannt wurden.

Kartoffel fällt auf Gras, Collage © Franziska Martin

Ab dem 16. Jahrhundert entstanden diese ungewöhnlichen Gärten, teilweise als Felsen nach Naturkatastrophen mit Nutzungsrechten vergeben wurden. Die Terrieri umfassten die Felsen mit Trockenmauern und füllten sie mit Erde auf, um ebene Anbauflächen zu schaffen.

Verdoppelt © Franziska Martin

Diese Giarditt wurden über Generationen hinweg gepflegt und waren Lebensgrundlagen mit individuellen Namen wie "Balóm di Franc" oder "Balóm dla Predascia". Das Bavona-Tal ist der einzige Ort in der Schweiz, an dem diese einzigartige Form der Landwirtschaft praktiziert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliessen viele die Gegend, die Tradition wurde nur noch von wenigen bis in die 1970er Jahre fortgesetzt. Viele dieser Hängewiesen sind heute verlassen und verfallen, oft von Wald überwuchert. 2011 erfasste die Fondation Bavona in einem Inventar noch 150 Giarditts, deren Anbauflächen von 2–3 m² bis zu 500 m² und insgesamt etwa 6500 m² umfassten.

Fels und Spargel © Franziska Martin

Franziska Martins tiefgehende Auseinandersetzung mit diesen Steinen und den verborgenen Geschichten, die sie bewahren, ist eine Kombination aus Recherche, dem Sammeln von Fragmenten der Vergangenheit und dem Versuch, die Bilder ihrer inneren Vorstellungskraft lebendig werden zu lassen. Sie sieht in der Geschichte der Terrieri, die durch Mut, Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit eine Heimat in einer steinigen Welt schufen, ein wichtiges Vermächtnis. Dieses erinnert uns an die Notwendigkeit, sorgsam mit Ressourcen umzugehen und heutigen Herausforderungen mit Resilienz und Demut zu begegnen.

Giarditt in der Nacht © Franziska Martin

Franziska Martin arbeitet als freiberufliche Fotografin mit Fokus auf Reportage und Porträt. Ihre persönlichen Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Fotografie und Collage, zwischen Dokumentation und Illusion. Sie befassen sich mit den Themen Zeit und Veränderung sowie mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt – besonders interessiert sie, wie der Mensch seine Umgebung prägt und zugleich von ihr geprägt wird. Ihre Arbeit ist inspiriert von künstlerischen Ansätzen, die Erzählung, Fiktion und dokumentarische Elemente miteinander verweben und die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit hinterfragen. 

Martin absolvierte ihre Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste München in der Fotoklasse von Armin Linke (2018–2025). Zuvor studierte sie an der F+F Schule für Kunst und Design und erwarb ein CAS in Kulturmanagement an der HSLU Hochschule Luzern. Sie ist seit 2016 als freie Fotografin tätig und Mitglied von SIYU (professionelle fotografie schweiz), dem Pool Collective und der Hard Cover Art Gallery.

Wal Kartoffeln im Weltall © Franziska Martin

Die Ausstellung Extra Terra kann bis 13. November 2025 in der Galerie Strates in Lausanne besucht werden.

Human Insights...

Operation zur Korrektur einer Fehlbildung der Wirbelsäule. Blick durch den Schnitt auf die Gewebeschicht (Dura), welche das untere Ende des Rückenmarks bedeckt. Freilegung der Dura über dem unteren Ende des Rückenmarks nach teilweiser Entfernung eines dorsalen Wirbelbogens.

Surgery to correct a malformation of the spine. View through the incision of the tissue sheath (dura) onto the terminal end of the spinal cord. Exposure of the dura covering the lower end of the spinal cord after partial removal of a dorsal arch of a vertebra.

© Michael Tummings

Michael Tummings war Artist in Residence bei Experimental Surgery.[1] Er richtet seine Kamera auf den Operationssaal und hält intime Momente chirurgischer Eingriffe fest. Seine Fotografien erkunden den menschlichen Körper nicht als Objekt klinischer Analyse, sondern als Ort der Verletzlichkeit, Widerstandsfähigkeit und Transformation. Er enthüllt Geheimnisse des Körpers und bietet völlig neue Perspektiven auf die physische Existenz und die Rolle der modernen Medizin. Mit Zustimmung der Patienten und der Operationsteams mehrerer Universitätskliniken erhielt Michael Tummings Zugang zu Operationen mit Organimplantaten und künstlichen Prothesen, um diese zu dokumentieren. Die Bilder schlagen eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst und konfrontieren uns mit der inneren Schönheit des menschlichen Körpers – jenseits des rationalen und analysierenden Blicks.

Operation zur Stabilisierung der Wirbelsäule. Der Operateur und die Assistenz stabilisieren und fixieren gemeinsam das eingesetzte Instrumentarium (Stäbe und Schrauben), welches in die Wirbelsäule eingebracht wurde.

Surgery of stabilize the spine. The surgeon and the assistant work together to stabilize and tighten the instrumentation (rods and screws) that has been implanted into the spine.

© Michael Tummings

Prof. em. Dr. med. Michael Hagner beginnt in seinem Essay A Matter of Representation: On Photographing Surgical Procedures in situ mit der Feststellung, dass sich in medizinischen Disziplinen Anatomie und Chirurgie in einem Atemzug genannt werden, obwohl sie in Kunst, Literatur und Philosophie klar voneinander unterschieden werden und dass in der Kunst die Anatomie schon immer den gesamten Raum zwischen Eros [2]und Thanatos[3], zwischen Angst und Melancholie ausfüllt, wie dies insbesondere in der Malerei und Fotografie deutlich wird…

Die Patientin bzw. der Patient liegt in Bauchlage, der Rücken ist nach Desinfektion der Haut und Abdecken des Operationsfeldes mit sterilen Tüchern freigelegt. Als Nächstes beginnen die Chirurginnen und Chirurgen mit dem Schnitt entlang der markierten Linie und präparieren anschliessend das Weichgewebe sowie die Muskulatur, um die Wirbelsäulenknochen freizulegen. Ziel des Eingriffs ist es, die deutlich sichtbare s-förmige (skoliotische) Verkrümmung der Wirbelsäule zu korrigieren.

The patient is lying in a prone position; the back being exposed after disinfection the skin and draping the operating field with sterile cloth. Nex, the surgeons will start with the cut (insicion) along the dotted line and then dissect the soft tissues and muscles to expose the bones of the spine. Their goal is to correct the s-shaped (scoliotic) deformity that con clearly be seen.

© Michael Tummings

Prof. Dr. med. Mazda Farshad beleuchtet in seinem Text On Orthopedic Innovations Implantate, künstliche Intelligenz, den Bereich der augmented reality (AR)[4], das Zusammenspiel und die Integration von Robotern und weiteren Innovationen…

Seitliche Ansicht des Moments, in dem die Chirurgin oder der Chirurg die an den Wirbelkörpern befestigten Instrumente durch die offene Inzision am Rücken bewegt. Nachdem die Rotation der Wirbelsäule korrigiert wurde, werden die Stäbe an den bereits eingesetzten Schrauben fixiert und stabilisieren so die Wirbelsäule in ihrer neuen Position.

View from the side of the moment at which the surgeon manipulates the instruments attached to the patient's vertebrae through the open incision at the back after the surgeon has finished correcting the rotation of the spine, the rods will be fixed to the screws that are already in place, effectively stabilizing the spine in its new position.

 © Michael Tummings

Prof. em. Dr. med. Jörg Christian Tonn hat nicht nur Interviews geführt, sondern sich auch mit der Frage der Longevity auseinandergesetzt. In seinem Essay The Quest for Longevity: From medical Implants to the Novacene geht er dem Wunsch der Menschheit nach Unsterblichkeit nach…

Reverse Schulterprothese. Bei einer inversen (Reverse) Schulterprothese wird eine runde Metallkugel dort am Schulterblatt angebracht, wo sich zuvor die Gelenkpfanne befand, während eine neue künstliche Pfanne am Oberarmknochen eingesetzt wird, wo vorher der Gelenkkopf war. Hier wird die Metallkugel auf der Pfanne angebracht.

Reverse shoulder arthroplasty. In a reverse shoulder replacement, a round metal ball is placed on the shoulder blade where the socket used to be, while a new artificial socket is placed on the upper arm bone where the ball used to be. Here, the metal ball is placed on the socket.

© Michael Tummings

Informationen des Verlags: Geheimnisse im Innern – Michael Tummings künstlerische Arbeiten enthüllen das Wunderland der Anatomie und machen seine Geheimnisse sichtbar. Diese Visualisierung der Mysterien des Körpers und seine Erforschung im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen eröffnet völlig neue Aspekte unserer physischen Existenz und der modernen Medizin. Die Ästhetik der Kunstfotografie bringt uns in engen Kontakt mit unseren «Reparatur bedürftigen» Organen und lässt uns die Schönheit unseres Körpers jenseits von analytischer, rationaler und «sezierender» Annäherung erahnen. «Medicus curat – natura sanat»: Der Arzt kuriert – die Natur heilt. Diese Blicke über die Schultern der Chirurg:innen beweisen nicht nur deren Können und den technologischen Fortschritt, sondern führen uns auch vor Augen, wie wichtig die Verbundenheit mit unserem Körper im Kampf gegen Krankheiten oder auch bei Präventivmassnahmen ist. In einer Zeit künstlicher Gelenke, Organteile und Implantate müssen wir diesen Wundern unserer Biologie und Natur unsere ganze Aufmerksamkeit schenken. – Jörg Christian Tonn

Komplexe Fraktur eines Unterarmknochens in unmittelbarer Nähe zum Handgelenk (distale Radiusfraktur). Fixierung eines innerhalb des Gelenks verschobenen Knochenteils (intraartikulär). Kleine Drähte (Pins) halten die kleinen Fragmente der Fraktur, während eine Titanplatte mit Schrauben am Knochen befestigt wird, um die grösseren Fragmente zu stabilisieren.

Complex fracture of one of the bones of the forearm in close proximity to the wrist (distal fracture of the radius). Fixation of a dislocated piece of bone within the joint (intra-articular). The small wires (pins) hold small fragments of the fracture, while a titanium plate is attached with screws to the bone to keep the large fragments steady.

© Michael Tummings

Michael Tummings wurde 1966 in London als Kind jamaikanischer Einwanderer geboren. Er lebt und arbeitet in Deutschland. «Es blieb mir gar nichts anderes übrig, als in unterschiedliche Kulturen einzutauchen. Mein Medium war die Fotografie, schon in jungen Jahren hatte ich durch die Linse der Kamera die subtilen Nuancen meiner künstlerischen Praxis entdeckt und mich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandergesetzt, die von Arbeit und Rassismus bis zu Natur und Umwelt reichten und einen Prozess anthropologischer Sensitivität für meine Thematik in Gang setzte.»

Blick auf die Oberfläche des Gehirns (Grosshirnrinde) mit sichtbaren Blutgefässen: Arterien (hellrot) und Venen (dunkelrot und violett). Die Hirnrinde zeigt Windungen (Gyri) und die dazwischenliegenden Furchen (Sulci). In der unteren linken Ecke ist die weissliche äussere Schicht der Hirnhäute (Dura mater) erkennbar. Die grossen Gefässe auf der rechten Seite sind von der mittleren Schicht der Hirnhäute, dem spinnwebartigen Gewebe (Arachnoidea), bedeckt.

View onto the surface of the brain (cerebral cortex) showing blood vessels: arteries (light red) and veins (dark red and violet).The cortex shows convolutions (gyri) and the indentations (sulci) between them. In the lower left corner, the whitish outer layer of the brain's covering (dura mater) is visible. The large vessels on the right are covered by the middle layer of the brain's covering, the spiderweb-like tissue (arachnoidea).

© Michael Tummings

Prof. Dr. Michael Hagner ist Professor für Wissenschaftsforschung am Departement für Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften der ETH Zürich. Nach dem Studium der Medizin und Philosophie an der Freien Universität Berlin und Promotion war er unter anderem am Wellcome Institute for the History of Medicine in London, den Universitäten Lübeck und Göttingen sowie am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin tätig. Gastprofessuren führten ihn u. a. nach Salzburg, Tel Aviv und Frankfurt am Main. 2008 wurde er mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. Seine Forschungsschwerpunkte sind die historische Epistemologie der Humanwissenschaften, Visualisierungsstrategien in den Lebenswissenschaften, das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft sowie die Geschichte der Kybernetik.

Zugang zur Entfernung eines Hirntumors unter der Oberfläche des Gehirns (Grosshirnrinde). Die Grosshirnrinde ist sichtbar nach dem vorübergehenden Entfernen eines Schädelknochenstücks und der sie bedeckenden Gewebeschicht (Dura mater).

Approach to remove a brain tumor beneath the surface of the brain (cerebral cortex). The cortex, after the temporary removal of      a segment of the skull and the sheath of tissue (dura mater) covering the brain.

© Michael Tummings

Prof. Dr. med. Jörg-Christian Tonn ist Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum der Universität München und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach Medizinstudium und Facharztausbildung in Lübeck, Hannover und München spezialisierte er sich auf neuroonkologische und vaskuläre Neurochirurgie. Er ist ein international führender Experte auf dem Gebiet der Hirntumorbehandlung und leitet zahlreiche innovative Forschungs- und Therapieprojekte zur Behandlung von Hirntumoren und anderen neurochirurgischen Erkrankungen.

Blick in eine eröffnete Hauttasche über dem grossen Brustmuskel (Pectoralis-Muskel), in welcher sich ein implantierbarer Defibrillator befindet – ein Gerät, das lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erkennt und korrigiert. Das Gerät selbst ist hier nicht sichtbar, jedoch sind die elektrischen Sonden zu sehen, die lose in der Tasche liegen. Diese Sonden verlaufen vom Aggregat durch die Vene unter dem Schlüsselbein bis zum Herzen.

View into an opened skin picket over the large chest muscle (pectoral muscle), with an implantable defibrillator – a device that detects and corrects dangerous heart rhythm disorders – located in the depth. While the device itself is not visible here, the electrical leads con be seen, loosely coiled in the pocket. These leads run from the generator through the vein under the collarbone to the heart.

© Michael Tummings

Prof. Dr. med. Mazda Farshad ist Spitaldirektor und Chefarzt für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie an der Universitätsklinik Balgrist sowie Professor an der Universität Zürich. Nach Medizinstudium, Facharztausbildung in Zürich und einem Master of Public Health spezialisierte er sich am Hospital for Special Surgery in New York auf Wirbelsäulenchirurgie. Zu den von ihm gegründeten und geleiteten Innovationen zählen das Universitäre Wirbelsäulenzentrum Zürich, das Forschungsprojekt SURGENT sowie das moderne Zentrum OR-X.

Chirurgischer Eingriff zur Korrektur der Kurzsichtigkeit (Myopie) (SMILE – small incision lenticule extraction). Bei diesem Verfahren formt ein Laser ein kleines, scheibenförmiges Stück Hornhautgewebe (Lentikel) aus der äusseren Schicht des Auges, das anschliessend durch einen kleinen Schnitt entfernt wird. Dadurch wird die Hornhaut umgeformt und das Sehvermögen verbessert.

Surgical procedure for the correction of nearsightedness (myopia) (SMILE – small incision lenticule extraction – procedure). A laser creates a tiny, disc-shaped piece of corneal tissue from the outer layer corneal lenticule) of the eyeball, which is then removed through a small incision, reshaping the cornea and improving vision.

© Michael Tummings

Martin Steiner verantwortet die Gestaltung des Buches. Studio Martin Steiner konzipiert und gestaltet Bücher, Kataloge, Magazine, Buchcover, Ausstellungen, Konferenzen, Erscheinungsbilder und digitale Umsetzungsformen im Umfeld von kulturellen, sowie kommerziellen Projekten. Darüber hinaus verfügt es über ein Netzwerk aus Fotografen, Illustratoren, Programmierern, Produktionern und Textern.

Die Edition Patrick Frey hat seit ihrer Gründung 1986 mehr als 300 Bücher veröffentlicht. Der Verlag arbeitet in engen Kollaborationen mit hauptsächlich Schweizer, aber auch internationalen Künstlern zusammen. So entstehen einmalige Projekte in kleinen Auflagen. Die Edition Patrick Frey bietet jungen Künstlern eine Plattform und die Möglichkeit für eine erste Publikation. Ausserdem ist der Verlag in Langzeitkollaborationen mit renommierten Künstlern wie Walter Pfeiffer, Karen Kilimnik, Anne-Lise Coste, Peter Fischli & David Weiss und Andreas Züst involviert. Mit einem Output von etwa 20 Büchern pro Jahr, liegt der Fokus auf Fotografie, Kunst und auf Projekten, die Popkultur und das Alltägliche thematisieren.

Human Insights von Michael Tummings (ISBN: 978-3-907236-79-6) kann direkt bei der Edition Patrick Frey oder im Buchhandel bezogen werden.

[1] Das Artist in Residence (AIR) Programm @ Experimental Surgery ist eine Initiative, die Künstler in eine chirurgische Forschungsumgebung integriert. Es bringt Kunst und Wissenschaft zusammen, indem es Künstlern die Möglichkeit gibt, direkt mit Chirurgen, Forschern und medizinischen Technologien zu interagieren. Ziel ist es, neue Perspektiven zu eröffnen, interdisziplinäre Dialoge zu fördern und innovative Projekte zu entwickeln, die an der Schnittstelle von Kunst und Medizin liegen.

[2] Eros: In der griechischen Mythologie der Gott der Liebe, Begierde und Anziehung; philosophisch steht Eros für die schöpferische Kraft der Liebe und des Begehrens im weitesten Sinne.

[3] Thanatos: In der griechischen Mythologie die Personifikation des Todes; in der Psychologie steht er für den Todestrieb und destruktive Kräfte.

[4] Augmented Reality (AR) in der Orthopädie: Eine Technologie, die digitale Daten wie 3D-Bilder in die reale Sicht des Operateurs einblendet, um die Navigation, Präzision und Effizienz bei orthopädischen Eingriffen zu optimieren.

Looking for miracles…

Aus der Serie Lightscapes © Stefan Daniel

Looking for miracles – eine Arbeit von Stefan Daniel über schwindende Landschaften unter Polarlichern, lädt dazu ein genauer hinzuschauen und über die Zerbrechlichkeit des Lebens auf der Erde nachzudenken und sich, uns als Teil eines grösseren Ganzen zu verstehen.

 

Aus der Serie Lightscapes #136-01 © Stefan Daniel

In der Hektik des Alltags suchen viele Menschen nach Dingen, die über das Gewöhnliche hinausgehen – vielleicht nach einem Wunder, einem Moment des Staunens, der die Routine unterbricht und uns innere Ruhe schenkt. Diese Suche führt uns an die entlegensten und schönsten Orte unserer Erde, denn oft finden wir das Wunderbare in der Stille der Natur…

 

Aus der Serie Lightscapes #147-41 © Stefan Daniel

Die Suche nach dem Wunder ist eine Reise, die mit offenen Augen und offenem Herzen beginnt. Sie führt uns zu den entlegensten Winkeln der Erde und lässt uns die uns umgebende Schönheit mit neuer Wertschätzung betrachten. Jede Landschaft, ob weite Ebene, hohe Bergkette, jedes Naturphänomen, von den flüchtigen Polarlichtern bis hin zu den dauerhaften Wellen des Meeres, erzählt die eigene Geschichte und lädt uns ein, Teil dieser Erzählung zu werden.

 

Aus der Serie Lightscapes #149-03 © Stefan Daniel

Am Ende dieser Reise stehen wir nicht nur vor einem Wunder – wir verstehen, dass das eigentliche Wunder darin besteht, dass wir diese Momente der Schönheit erleben können. Und vielleicht ist es genau dieser Schatz an Erfahrungen, der uns zeigt, dass das Wunder nicht immer in der Ferne gesucht werden muss, sondern direkt vor uns liegt - verborgen in den Geheimnissen der Natur, die uns umgibt.

 

Aus der Serie Lightscapes #147-53 © Stefan Daniel

Stafan Daniels Arbeiten sind konzeptuell, narrativ und vielschichtig und umfassen Fotografie, Skulptur, Neonarbeiten, Arbieten auf Papier und Drucktechniken. Seine Arbeiten basieren auf jahrelangen Beobachtungen, intensiver Forschung, dem Sammeln von Daten und Gesprächen mit Wissenschaftlern. In seinen Installationen, Leuchtschriften, Drucken und Fotografien zeigt er uns schwindende Landschaften unter Polarlichtern, die Welt des Konsums und fragile Ökosysteme.

 

Aus der Serie Lightscapes #147-46 © Stefan Daniel

Stefan Daniel (1975*) lebt und arbeitet in Chur. Er beschäftigt sich in seiner medienübergreifenden Kunst mit Veränderungen auf der Erde und ökologischen Fragen. Er schafft dabei einen Dialog zwischen der Umwelt und dem Betrachter.

Aus der Serie Lightscapes #150-03 © Stefan Daniel

Aus der Serie Lightscapes #150-04 © Stefan Daniel

ArtMiryam Abebe
Collection from the sea…

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Ein Spaziergang am Strand kann viel mehr sein als nur eine erholsame Auszeit: Die Natur wird zur Künstlerin und formt aus den Materialien, die das Meer anspült, beeindruckende Kunstwerke. Ohne menschliches Eingreifen entstehen kunstvolle Kompositionen aus Muscheln, Steinen, Treibholz und leider auch Abfall, der inzwischen ebenso ein Teil des Strandbildes geworden ist. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Die Elemente werden von der Natur auf eindrucksvolle Weise angeordnet: Treibholz lehnt sich schräg an einen Felsen, während Muschelschalen in vom Wasser geformte Vertiefungen gebettet sind. Die Farbenpracht der Algen, die sich auf den Steinen ablagern, und die filigranen Muster im Sand, die durch das sanfte Zurückweichen der Wellen entstehen, wirken wie zarte Pinselstriche in einem natürlichen Gemälde. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Inmitten dieser harmonischen Anordnungen begegnet man auch Abfällen: Plastikflaschen, verrostete Dosen und alte Fischernetze fügen sich ebenfalls in die Szenerie ein. Diese fremden Materialien bilden auf vielen Ebenen einen Kontrast zu den organischen Formen der Natur. Sie erinnern uns daran, dass die Natur nicht nur schön, sondern auch verletzlich ist. Sie zeigen, wie menschliche Hinterlassenschaften sich in der Landschaft ausbreiten und zugleich Teil der natürlichen Ästhetik werden – dabei aber auch eine Herausforderung für das Ökosystem darstellen. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Jeder Strandspaziergang bietet die Chance, auf kleine Kunstwerke zu stossen, die dazu einladen, innezuhalten und die Details zu betrachten. Diese Fundstücke verdeutlichen, dass die Natur auch ohne unser Zutun beeindruckende Werke schafft. Sie regen dazu an, die natürliche Umgebung mit einem achtsamen Blick zu erleben. So wird ein Besuch am Strand zur Entdeckungsreise, bei der sowohl die Schönheit der Natur als auch der Einfluss menschlichen Handelns auf die Umwelt unaufdringlich in Erscheinung treten. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Anne Gabriel-Jürgens studierte in Hamburg Fotografie, erhielt ihr Diplom an der HAW bei Prof. Ute Mahler und schloss ihr Masterstudium bei Prof. Arno Fischer in Berlin ab. Sie ist freischaffende Fotografien und arbeitet an Langzeitprojekten. Zentrale Themen ihrer Arbeit sind Definition von Geschlechter- und Familienrollen, sowie Umweltfragen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit, Identität und Gesellschaft. Sie hinterfragt gängige Gesellschaftsmodelle und beobachtet, wie sich die Umwelt unter den gegebenen Einflüssen entwickelt und verändert. Ihre Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert und mehrfach ausgezeichnet.

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Pionier der konkreten Fotografie - Rolf Schroeter ist 92jährig verstorben...

Rolf Schroeter vor seinen Fotogrammen am 22. Februar 2012 in einer Ausstellung im Haus Konstruktiv Zürich. Steffen Schmidt, Keystone © Pro Litteris

Rolf Schroeter war ein aussergewöhnlicher Künstler, der die Grenzen der konventionellen Fotografie stets zu überschreiten wusste. Sein kreatives Schaffen war geprägt von der Erforschung von Raum, Bewegung und Licht, oft sogar ohne den Einsatz eines traditionellen Fotoapparats. Inspiriert von Künstlern wie Laszlo Moholy-Nagy und Man Ray, setzte er für seine Kompositionen Gegenstände direkt auf lichtempfindliches Papier und schuf so beeindruckende Fotogramme in klaren Schwarz-Weiss-Kontrasten. Diese kameralosen Studien, oft geprägt von kreisförmigen und unregelmässigen Flächen, zeugten von einer strukturellen Ordnung und technischer Perfektion, die thematisch der experimentellen Fotografie zuzuordnen sind.

© Rolf Schroeter, ProLitteris

Geboren und aufgewachsen in der lebhaften Umgebung des Zürcher Neumarkts, trug Rolf Schroeter eine tiefe Verbundenheit zur Natur in sich. Er träumte davon, Förster zu werden und nannte sich selbst einen Baumfanatiker. Sein fotografisches Werk, das die Transformation von Natur in Kunst dokumentierte, spiegelte diese Leidenschaft wider. Trotz finanzieller Einschränkungen entschied er sich für eine Ausbildung als Dekorateur und fand seinen Weg zur Kunstfotografie über Umwege. Seine Ausbildung an der Kunstakademie in Ulm, unterstützt durch ein Stipendium der Pro Helvetia, führte ihn unter die Anleitung von Max Bill, einem herausragenden Vertreter der Zürcher Konkreten, dem er auch assistierte.

© Rolf Schroeter, ProLitteris

Schroeters künstlerischer Werdegang, der von der Werbefotografie zur Kunstfotografie reichte, wurde in seinen Arbeiten offensichtlich. Er kombinierte Fotografien oft mit visuellen Gedichten aus der konkreten Poesie und arbeitete mit Persönlichkeiten wie Eugen Gomringer an Buchprojekten. Seine Unabhängigkeit vom Kunstmarkt erlaubte ihm, kompromisslos seiner künstlerischen Vision zu folgen. Mit seiner bemerkenswerten Fotoinstallation "Aletheia – Wahrheit", die im Haus Konstruktiv in Zürich zu sehen war, reflektierte er über Natur und Geschichte und integrierte dabei Zitate von Denkern wie Heidegger, Benn und Celan.

© Rolf Schroeter, ProLitteris

Trotz seines grossen Potenzials bleibt Schroeter ein Geheimtipp in der Kunstwelt. Sein oft als eigenwillig beschriebener Stil hinderte ihn daran, den gängigen Kunstmarkt zu bedienen, wobei er stets betonte, dass er seine Kunst "nur für sich selbst" machte. Seine finanzielle Unabhängigkeit sicherte er sich durch seine Arbeit in der Werbefotografie, während er sich in seinen künstlerischen Projekten frei und furchtlos bewegen konnte, bis er im Alter von 92 Jahren verstarb. Rolf Schroeters Vermächtnis lebt weiter in seinen einzigartigen visuellen Erzählungen und der unbeirrbaren Leidenschaft, mit der er die Kunstwelt bereicherte.

Limen, soglia di passaggio…

Aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Mario Cresci, einer der bedeutendsten italienischen zeitgenössischen Fotografen, hat während seines einwöchigen Aufenthalts in Ragusa ein künstlerisches Projekt realisiert – eine Interaktion mit dem iberischen Territorium und mit Drucken und Kartografien Siziliens aus der Collezione Zipelli della Fondazione Cesare e Doris Zipelli della Banca Agricola Popolare di Ragusa. Als Zeugnis der geopolitischen Bedeutung der Insel im Laufe der Jahrhunderte, sowohl als Ausdruck der Aufmerksamkeit ausländischer Reisender als auch der Arbeit europäischer Kartographen und Illustratoren der damaligen Zeit, bestätigt die Sammlung der Karten von Sizilien die Einzigartigkeit der Insel im Hinblick auf die historischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Ereignisse, die sie in den verschiedenen historischen Epochen beeinflusst haben.

Aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Mario Cresci (Chiavari 1942) ist Fotograf, visueller Designer und Dozent an der ISIA Universität von Urbino. Seit den 1960er Jahren ist er Autor eklektischer Werke, die sich durch eine Freiheit der Forschung auszeichnen, die Zeichnung, Fotografie, Video und Installationen miteinander verbindet. Als einer der ersten seiner Generation in Italien wendet er die Designkunst an und kombiniert sie mit dem Experimentieren mit visuellen Sprachen. 2004 wurde die anthologische Ausstellung „Le case della fotografia“ im GAM in Turin gezeigt. 2023 präsentiert er eine Neuinterpretation seines Werks durch spezifische Schwerpunkte, die in zwei großen Ausstellungen gezeigt wurden: „L'esorcismo del tempo, 1960-1980“ im MAXXI in Rom und „Colorland, 1975-1983“ im Monastero di Astino für die Fondazione MIA in Bergamo. 2019 veröffentlichte er mit „Segni migranti. Storia di grafica e fotografia“, eine wichtige Publikation über seine Forschung. Er lebt und arbeitet in Bergamo.

Aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Die Mario Cresci Archive Association wurde im Mai 2023 auf Initiative von Mario Cresci und seinen Mitarbeitern gegründet, um die Werke des Künstlers zu fördern und aufzuwerten und seine Urheberschaft durch Forschung, Archivierung, Authentifizierung, Dokumentation und Ausstellungsaktivitäten zu schützen.

Aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Collezione Zipelli della Fondazione Cesare e Doris Zipelli della Banca Agricola Popolare di Ragusa: Die Stiftung verfolgt das Ziel, die von Cesare Zipelli hinterlassene Sammlung zu erhalten und aufzuwerten und sie der Öffentlichkeit, Universitäten und kulturellen Einrichtungen zugänglich zu machen. Sie plant den Erwerb weiterer Kulturgüter und die Förderung kreativer sowie wissenschaftlicher Aktivitäten, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Kunst und soziale Studien, mit Fokus auf Sizilien und die Provinz Ragusa. Zusätzlich fördert sie Studien und Forschungen, vergibt Stipendien und Preise, veröffentlicht Werke und organisiert kulturelle Veranstaltungen. Die Stiftung strebt Kooperationen mit öffentlichen und privaten Einrichtungen an, um ihre Ziele zu erreichen.

Aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Das Ragusa Foto Festival ist ein jährliches Fotografie-Event in Ragusa, Sizilien. Es umfasst Ausstellungen, Workshops, Vorträge und Begegnungen mit renommierten Fotografen und aufstrebenden Talenten. Das Festival möchte die Fotokultur fördern und bietet eine Plattform für den Austausch von Ideen und Inspirationen im Bereich der visuellen Kunst.

Collage aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Die Ausstellung "Limen, soglia di passaggio" von Mario Cresci kann bis 30. September 2024 im Palazzo Garofalo in Ragusa Ibla besucht werden.

Collage aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Collage aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Collage aus Limen, soglia di passaggio © Mario Cresci

Zarte Wunderwerke der Natur…

Bougainvillea, aus der Serie Floral diagram © Smitha Nirmalkumar

Blüten - zarte Wunderwerke der Natur, entfalten sich im magischen Ballett der Flora und Fauna, erfüllt von Farbenfreude und lieblichem Duft. Sie sind Juwelen der Erde, die im Stillen und mit unendlicher Geduld der Sonne entgegensprühen und das Herz der Natur erblühen lassen.

 

Darkfield Illumination © Smitha Nirmalkumar

Am Anfang stehen die Kelchblätter, wie kleine Wächter, die die Knospe in ihre schützenden Arme nehmen. Sie umhüllen und beschützen das geheimnisvolle Innere der Blüte. Die Kronblätter entfalten sich, wie Roben einer Ballerina, in prächtigen Farben – von feurigem Rot bis zu himmlischem Blau, jedes für sich ein Meisterwerk der Schöpfung. Sie sind wie Tänzerinnen auf der Bühne des Gartens, die mit ihren zarten Bewegungen und ihrer farbenprächtigen Schönheit unwiderstehlich den Blick auf sich ziehen. Ihre Nuancen sprechen eine Sprache, die nur Bienen, Schmetterlinge und Kolibris des Himmels verstehen, während sie sich im Licht der Sonne wiegen. Wassertropfen perlen auf ihrer Oberfläche ab und funkeln wie Diamanten im Licht.

Grace © Smitha Nirmalkumar

Smitha Nirmalkumar kennt die Fragilität der Blüten und dekonstruiert sie, legt sie auf dunkle Kieselsteine, um die Farbenpracht zu unterstreichen oder drapiert sie auf eine Betonmauer, stellt sie vor Wände, um ihre Schlichtheit und Zerbrechlichkeit zu präsentieren. In ihrer Kunst wird die Zartheit der Blüten hervorgehoben, als zerbrechliche Gemälde des Lebens, die zwischen den harten Realitäten der Welt ihre wunderbare Verletzlichkeit zeigen.

After dusk, before dawn © Smitha Nirmalkumar

Mensch und Natur lauschen gleichermassen dem Ruf der Blüten. Sie stehen in Gärten und Wiesen, träumerisch und still, ihre zarten Köpfe dem Himmel entgegengestreckt. Sie feiern das ewige Fest des Lebens, eine nie endende Ode an die Schönheit und Kontinuität der Schöpfung.

It's beginning to look a lot like… © Smitha Nirmalkumar

Nach einem Bachelor of Science in Agriculture am College of Horticulture der Kerala Agricultural University in Kerala und einen Master-Lehrgang in Plant and Environmental Sciences am Department of Entomology, Soil and Plant Sciences und arbeitete Smitha Nirmalkumar gleichzeitig als Forschungsassistentin an der Clemson University, obwohl sie schon immer eine Leidenschaft für Kunst hatte. Während ihrer Tätigkeit in den Bereichen Umweltpolitik, Erhaltung der Biodiversität und Raumplanung, sowie in der Forschung zu alternativen Lebensgrundlagen, Naturschutz und den Auswirkungen von Pestiziden, sammelte sie bedeutende Erfahrungen.

Wallflower © Smitha Nirmalkumar

2011 hat sie ihre Passion zum Beruf gemacht und arbeitet als Fotografin, Künstlerin, Raumdesignerin und Landschaftsgestalterin. Als Creative Director und Inhaberin von Smitha Nirmalkumar Photography zeichnet sie sich durch ihr künstlerisches Gespür und ihre Expertise aus.

Rain-fall © Smitha Nirmalkumar

Fired up skies © Smitha Nirmalkumar

Arthropodological webserver © Smitha Nirmalkumar