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Das Licht, das zurückbleibt...

Aus derSerie Residual Sky, under contamination © Akosua Viktoria Adu-Sanyah

Akosua Viktoria Adu-Sanyah schneidet die Menschen weg. Wo das koloniale Archiv Gesichter zur Schau stellte, um Machtverhältnisse zu zementieren, setzt sie die Schere an. Die historischen Negative stammen aus dem Geburtsort ihres Vaters in Ghana und sind Teil der British Empire and Commonwealth Collection in Bristol. Doch statt die porträtierten Personen erneut dem Blick auszusetzen, isoliert sie Fragmente: Himmel und Baumkronen aus dem oberen Bilddrittel. Diese Ausschnitte sind kein flüchtiger Rest, sondern werden zum eigentlichen Kern der Arbeit. 

aus der Serie / from the series RESIDUAL SKY, 2025, Analoger Farbabzug / Analogue chromogenic print Dimensionen variabel © Akosua Viktoria Adu-Sanyah

In der Dunkelkammer beginnt die physische Aneignung. Das Papier wird zum Körper, der Chemie ausgesetzt, gedreht, vervielfältigt und schliesslich vernäht. Jede Naht ist eine Narbe, jede chemische Reaktion eine Spur der Zeit, die im Material weiterlebt. "Residual" meint hier kein vages Nachklingen, sondern eine "innere Nachwirkung", die das spätere Verhalten beeinflusst. Es ist das physische Gedächtnis des Lichts, das durch die Hände der Künstlerin fliesst und sich dem starren Blick des Archivs entzieht. Was in den Ausstellungsräumen entsteht, sind keine fertigen Bilder, sondern atmende Oberflächen. Grossformatig lehnen sie sich an den Raum, fordern ihn heraus und lassen das Unsichtbare spürbar werden. Hier wird Geschichte nicht erzählt, sondern durch den manuellen Eingriff neu verhandelt – langsam, schmerzhaft und voller Möglichkeit. 

aus der Serie / from the series RESIDUAL SKY, 2025 Analoger Farbabzug / Analogue chromogenic print Dimensionen variabel © Akosua Viktoria Adu-Sanyah

Akosua Viktoria Adu-Sanyah (*1990) ist deutsch-ghanaisch und lebt in Zürich. Nach ihrem Studium an der HBK Saar arbeitet sie konsequent mit den Mitteln der analogen Farbfotografie. Ihre Werke waren bereits im Foam Museum Amsterdam, im Centre de la Photographie Genève und am Photoforum Pasquart Biel zu sehen. Das Jahr 2026 wird ein intensives: Nach der Präsentation im Kunsthaus Glarus folgt im Mai die Eröffnung von LOST SISTER in der Stadtgalerie Saarbrücken (1. Mai – 30. August 2026). Im Sommer zeigt das PHOXXI in Hamburg ihre Arbeit Residual Sky Under Contamination im Rahmen der Triennale. Später im Jahr sind die Einzelausstellung no flowers im Centre Culturel Suisse in Paris sowie das Projekt An Unstable Field in den Deichtorhallen Hamburg geplant. Für ihre Arbeit wurde sie unter anderem mit dem Swiss Art Award (2024) und dem Louis Roederer Photography Prize for Sustainability (2022) ausgezeichnet. 

Aus der Serie Residual Sky, Installationsansicht Kunsthaus Glarus © Akosua Viktoria Adu-Sanyah

Das Kunsthaus Glarus verbindet historische Bausubstanz mit zeitgenössischer Kunst. Als Ort der präzisen Auseinandersetzung präsentiert es internationale Positionen im Dialog mit der regionalen Öffentlichkeit. Aktuell startet das Haus mit einem Prolog in das "Jahr der Sammlung", wobei erstmals Werke aus dem eigenen Bestand zur Repräsentation von Körpern gezeigt werden. 

Aus der Serie Residual Sky, Installationsansicht Kunsthaus Glarus © Akosua Viktoria Adu-Sanyah

Das PHOXXI ist der temporäre Spielraum des Hauses der Photographie in Hamburg. Als experimenteller Ort ermöglicht es raumgreifende Installationen, die im regulären Museumsbetrieb kaum Platz fänden, und dient als zentraler Austragungsort der Triennale der Photographie. Die Deichtorhallen hingegen gehören zu den führenden internationalen Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst und Fotografie. Mit ihren historischen Hallen und dem modernen Sammlungsbau bieten sie den Rahmen für grossangelegte institutionelle Einzelausstellungen, die das Werk von Künstlern wie Adu-Sanyah in einen breiten kunsthistorischen Kontext stellen. 

Aus derSerie Residual Sky, under contamination © Akosua Viktoria Adu-Sanyah

Die Triennale der Photographie Hamburg untersucht alle drei Jahre den Zustand des Mediums. Sie versteht Fotografie als kulturelle Praxis, die gesellschaftliche Narrative und historische Gewissheiten hinterfragt. 

aus der Serie / from the series RESIDUAL SKY, 2025, Analoger Farbabzug / Analogue chromogenic print, Dimensionen variabel © Akosua Viktoria Adu-Sanyah

Die Ausstellung "Residual Sky" im Kunsthaus Glarus ist bis zum 24. Mai 2026 zu besuchen. Im Anschluss sind die Arbeiten im PHOXXI, Haus der Photographie in Hamburg, vom 5. Juni bis 1. November 2026 im Rahmen der 9. Triennale der Photographie zu sehen.

Architektur aus Stoff: Peter Knapp und die Freiheit der Form...

Collection Courrèges haute couture printemps-été 1965. Elle n°1002, mars 1965 © Peter Knapp / Courrèges

Es gibt Partnerschaften in der Kulturgeschichte, die über das blosse Zusammenarbeiten hinausgehen. Die Beziehung zwischen dem Fotografen Peter Knapp, dem Modemacher André Courrèges und der Familie Maeght ist so eine Verbindung. Sie basiert auf einer gemeinsamen Vorstellung von Moderne, die in den 1960er-Jahren ihren Ausdruck fand – nicht durch laute Gesten, sondern durch klare Linien und eine neue Art von Freiheit. Die aktuelle Ausstellung in der Fondation Maeght, eine Carte Blanche für Peter Knapp, zeichnet diese Fäden nach. 

Courrèges Collection Couture Future circa 1971-1972 © Peter Knapp

Im Zentrum steht das Jahr 1965. Als Courrèges seine Frühjahr-Sommer-Kollektion präsentierte, verzichtete er bewusst auf Dekor, um die reine Architektur der Kleidung hervorzuheben. Der Minirock, die Farbe Weiss und strukturierte Schnitte wurden zu den Merkmalen einer neuen weiblichen Silhouette. Die Presse sprach damals von der "Courrèges-Bombe". Peter Knapp war dabei und setzte diese Revolution bildlich um. Für das Magazin ELLE fotografierte er Modelle, die scheinbar schwerelos im Raum schweben. Diese Bilder, die heute den Kern der Ausstellung bilden, zeigen mehr als nur Mode; sie dokumentieren den Wunsch nach einer Frau, die sich frei bewegt, losgelöst von den Konventionen der Vergangenheit. 

Courrèges Collection Haute Couture Automne-Hiver 1971-1972 © Peter Knapp

Die Fondation Maeght war für diese Geschichte mehr als nur ein neutraler Rahmen. Als die Stiftung 1964 in Saint-Paul-de-Vence eröffnet wurde, verstand sie sich als Ort des Austauschs zwischen verschiedenen Disziplinen. Es war dieser Geist, der André Courrèges anzog und auch Peter Knapp prägte. Knapp, der über 25 Jahre lang der visuelle Begleiter von Courrèges war, entdeckte die Fondation 1978 für sich, als er hier ein Shooting für eine Broschüre realisierte. Er inszenierte die Modelle vor Skulpturen von Alberto Giacometti und Bildern von Ellsworth Kelly. Daraus entstand eine Freundschaft mit Adrien Maeght, die bis heute nachwirkt. Die Ausstellung zeigt nun, wie sich die klare Formsprache von Courrèges und die organische Architektur der Stiftung ergänzen. Es ist ein Rückblick auf eine Ära, in der Kunst, Mode und Leben eine Einheit bildeten – kuratiert von jemandem, der mittendrin war. 

Courrèges Collection Haute Couture Printemps-Ete 1965 © Peter Knapp

André Courrèges (1923–2016) Geboren in Pau und ursprünglich als Bauingenieur ausgebildet, wechselte Courrèges Anfang der 1950er-Jahre zur Mode und wurde Assistent von Cristóbal Balenciaga. Dort traf er Coqueline, seine lebenslange Partnerin, mit der er 1961 sein eigenes Haus gründete. Als Pionier des "Space Age" übertrug er die Präzision des Ingenieurs auf den Stoff: Seine architektonischen Schnitte, der radikale Einsatz von Weiss und die Einführung des Minirocks definierten die Silhouette der 1960er-Jahre neu. Für Courrèges war Mode nie nur Dekoration, sondern ein Manifest für Bewegung und Freiheit. 

Courrèges Collection Haute Couture Automne-Hiver 1971-1972 © Peter Knapp

Peter Knapp (1931) Der in der Schweiz geborene Fotograf und Grafikdesigner prägte als künstlerischer Leiter der Zeitschrift ELLE (1959–1966) die visuelle Sprache der 1960er-Jahre massgeblich. Knapp revolutionierte die Modefotografie, indem er statische Posen aufbrach und Modelle in dynamischer Bewegung oder scheinbar schwerelos inszenierte. Ab 1967 begann seine 25-jährige Zusammenarbeit mit André Courrèges, für den er nicht nur fotografierte, sondern auch als visueller Berater fungierte. Neben seiner Arbeit für Vogue, Stern und den Sunday Times blieb er der Fondation Maeght als Freund und Chronist verbunden, wo er wiederholt die Schnittmenge von Kunst und Mode dokumentierte. 

Courrèges Collection Haute Couture Printemps-Ete 1965 © Peter Knapp

Fondation Maeght & Ausstellung: Die 1964 von André Malraux eingeweihte Stiftung in Saint-Paul-de-Vence gilt als erster privater Akteur für moderne Kunst in Frankreich. Mit über 13’000 Werken versteht sie sich bis heute als Ort der Begegnung zwischen Disziplinen. Die aktuelle Ausstellung "Le Temps Courrèges" ist eine "Carte Blanche" an Peter Knapp. Sie vereint grossformatige Abzüge der ikonischen Fotoserie von 1965, Archivmaterial und originale Kleidungsstücke. Kuratiert von Knapp selbst, beleuchtet die Schau die langjährige Freundschaft zwischen dem Fotografen, dem Designer und der Familie Maeght. Die Präsentation wird durch die aktuelle künstlerische Leitung von Drew Henry bei Courrèges in die Gegenwart geführt und trägt das Gütesiegel "200 Jahre Fotografie". Die Ausstellung ist vom 14. Mai – 1. November 2026 zu besuchen.

Zwischen Ordnung und Chaos: Sandro Livio Straubes offenes Archiv…

© Sandro Livio Straube

Fotografie wird oft als das Medium der Fixierung verstanden – ein Werkzeug, um den flüchtigen Augenblick einzufangen und für die Ewigkeit zu bewahren. Doch was geschieht, wenn das Bild nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt begriffen wird? In der Ausstellung «Unsortiert» präsentiert Sandro Livio Straube eine Antwort, die so bestechend wie einfach ist: Das Archiv ist kein statischer Speicher, sondern ein lebendiges visuelles Archiv. Über siebzehn Jahre hinweg hat der Fotograf Bilder gesammelt, die nun bewusst ohne chronologische Zwänge oder thematische Schubladen miteinander in Dialog treten.

© Sandro Livio Straube

Straubes Ansatz entzieht sich der klassischen Erwartungshaltung an eine Retrospektive. Statt einer linearen Entwicklung folgt die Hängung der Logik des Assoziativen. Die Arbeiten, entstanden zwischen 2009 und 2026, stammen aus unterschiedlichsten Kontexten und wurden mit variierenden Techniken realisiert. Genau diese Heterogenität bildet das Herzstück der Ausstellung. Wie der Künstler selbst formuliert, dient ihm die Fotografie dazu, «Gedanken – und vielleicht auch mich selbst – zu ordnen». Doch dieser Ordnungsversuch ist paradox: Jede neue Aufnahme generiert zugleich neue Schichten von Material, neue Zusammenhänge und damit neue Unordnung. Das Archiv wächst, und mit ihm die Aufgabe, Beziehungen zwischen den Bildern immer wieder neu zu denken. In diesem Sinne sind die ausgestellten Werke keine abgeschlossenen Monumente, sondern Fragmente eines fortlaufenden Prozesses. Sie zeugen von der Suche nach Verbindungen im chaotischen Fluss des Lebens und halten das Denken in Bewegung, anstatt es in starren Kategorien ruhen zu lassen.

© Sandro Livio Straube

Sandro Livio Straube, geboren 1992 in Zürich, bewegt sich als Schweizer Architekt und Fotograf mühelos zwischen diesen beiden Disziplinen. Seine Praxis ist geprägt von fliessenden Übergängen zwischen der künstlerischen Fotografie und der Baukunst. Neben seiner Tätigkeit als Architekturfotograf für verschiedene Büros und der Teilnahme an Architekturwettbewerben, verfolgt er freie Projekte wie die Langzeitserie «Berge bleichen». Seine Arbeiten wurden international in Galerien, Museen und auf Messen gezeigt. Straube lebt und arbeitet heute in Vella und Lumbrein im Kanton Graubünden, wo er weiterhin den Raum zwischen gebauter Umwelt und bildlicher Reflexion auslotet.

Quallen, 2025 © Sandro Livio Straube

Die Galerie 94, geführt von Sascha Laue, ist dabei der ideale Ort für eine solche Position. Eingebettet im geschichtsträchtigen Merker-Areal in Baden, versteht sich der Raum unter dem Leitspruch «augensache» als dedizierter Ort für Fotografie und Kunst. Das Programm spannt einen Bogen zwischen der Präsentation etablierter Positionen und der Förderung zeitgenössischer, aufstrebender Talente – ein Umfeld, in dem Straubes reflektierter Umgang mit dem Medium optimal zur Geltung kommt.

© Sandro Livio Straube

Vom 8. Mai bis 27. Juni 2026 lädt die Galerie 94 in Baden ein, dieses visuelle Archiv zu betreten. Die Vernissage findet am 7. Mai statt; vertiefende Einblicke gewährt ein Artist Talk mit dem Künstler am Samstag, 23. Mai 2026, um 15 Uhr.

Die Würde des Augenblicks: Das humanistische Erbe von Fred Stein…

Gypsy Rose Lee, 1957 © Fred Stein

Lange Zeit wurden die Arbeiten von Fred Stein (1909–1967) unterschätzt. Heute gilt sein Werk als massgebliche Brücke zwischen der europäischen Avantgarde und der amerikanischen Dokumentarfotografie. Stein war kein blosser Chronist des Urbanen; er war ein Seismograf der menschlichen Existenz, der dokumentarische Präzision mit einem zutiefst empathischen, humanistischen Blick vereinte. 

Steins Biografie ist untrennbar mit den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts verwoben. 1933 sah sich der promovierte jüdische Rechtsanwalt gezwungen, aus seiner Geburtsstadt Dresden vor dem NS-Regime zu fliehen. Diese Erfahrung von Exil und Verlust prägte sein gesamtes Schaffen und führte zu einer besonderen Sensibilität für Menschen am Rande der Gesellschaft – wie Immigranten, Arbeiter und Passanten. Zunächst in Paris und später in New York verlieh diese Perspektive seinen Aufnahmen eine unverwechselbare, würdevolle Tonalität.

Flatrion Building, New York, 1947 © Fred Stein

In seinen frühen Pariser Arbeiten der 1930er-Jahre experimentierte Stein mit den stilistischen Mitteln der Moderne, wie unkonventionellen Blickwinkeln und starken Kontrasten. Dennoch unterschied er sich von Vertretern des «Neuen Sehens» durch den Verzicht auf extreme Formalismen zugunsten eines erzählerischen, beinahe literarischen Blicks. Nach seiner Übersiedlung nach New York fand dieser Stil in der Darstellung der pulsierenden Metropole seine Vollendung: Seine Strassenfotografie zeigt Menschen in Bewegung, spielende Kinder und Arbeitswelten in Begegnungen, die von Nähe und Respekt geprägt sind.

Gilr in Car, New York, 1947 © Fred Stein

Besonders hervorgehoben wird Steins Porträtfotografie. Zu seinen bekanntesten Bildern gehören Aufnahmen von Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Hannah Arendt, Georgia O'Keeffe und Salvador Dalí. Diese Porträts sind weniger repräsentative Inszenierungen als vielmehr psychologisch dichte Dialoge zwischen Fotograf und Modell. Stein arbeitete meist mit natürlichem Licht und bevorzugte reduzierte Kompositionen, um die Konzentration auf Blick, Haltung und Ausdruck zu lenken. Statt Heroisierung entstand eine Intimität, die den Menschen hinter der öffentlichen Figur sichtbar macht.

Man in Pushcart, New York, 1944 © Fred Stein

In Deutschland wird das Werk von Fred Stein exklusiv durch die Galerie noir blanche repräsentiert. Die Galerie wurde im Frühjahr 2017 gegründet und ist nach ihrem Umzug im Jahr 2023 im Düsseldorfer Stadtteil Flingern beheimatet. Ihr Name ist eine Hommage an Man Rays ikonisches Foto Noire et Blanche von 1926. In ihren hellen Räumen zeigt die Galerie neben Fred Stein gut 35 internationale Fotografen – darunter Andy Warhol, Gered Mankowitz und F.C. Gundlach – mit einem besonderen Schwerpunkt auf Schwarz-Weiss-Abzügen und handverlesenen Vintage-Prints. 

Die Ausstellug Fred Stein kann vom 10. April – 13. Juni 2026 in der Galerie noir blanche in Düsseldorf besucht werden.

Körper als Widerstand: Die visuelle Rebellion der Yumna Al-Arashi..

I Am Whoever You, Want Me to Be, 2018, from the series Axis of Evil © Yumna Al-Arashi

In der zeitgenössischen Fotografie gibt es Stimmen, die weit über das blosse Abbilden hinausgehen und bestehende Machtstrukturen aktiv dekonstruieren. Eine dieser prägnanten Stimmen gehört der jemenitisch-ägyptisch-amerikanischen Künstlerin Yumna Al-Arashi. Ihr Werk versteht sich als ein vielschichtiges Manifest, das sich gegen die weltweite Unterdrückung und Stereotypisierung von Frauen auflehnt. Dabei navigiert Al-Arashi in ihren Arbeiten sicher zwischen verschiedenen emotionalen und ästhetischen Registern, die von provokativer Verspieltheit über tiefe Poesie bis hin zu trotzigem Zorn reichen. Ihr Fokus liegt insbesondere auf der Darstellung der arabischen Welt sowie der Aufarbeitung kolonialer Erbschaften, die unser heutiges Denken noch immer unbewusst prägen.

Let Me In I, 2024, from the series, Let Me In (2024–doorlopend/ongoing) © Yumna Al-Arashi

Vom Dokumentarischen zur konzeptionellen Befreiung
Der Weg zur autonomen Kunst führte Al-Arashi ursprünglich über die klassische Dokumentarfotografie. Als Autodidaktin schuf sie zunächst Bilder für renommierte Publikationen wie National Geographic oder die New York Times. Doch der internationale Erfolg brachte ethische Bedenken mit sich: Al-Arashi erkannte die „Gewalt“, die der Fotografie durch ihre Machtdynamik innewohnt – eine Dynamik, die sich bereits in kriegerischen Begriffen wie „einfangen“ oder „aufnehmen“ widerspiegelt. 

Um dieser Einseitigkeit zu entkommen, entwickelte sie eine politischere, konzeptionelle Bildsprache. In ihren heutigen Werken schützt sie die Identität und Würde der porträtierten Frauen, indem sie deren Stärke und Schönheit radikal ins Zentrum rückt. Bemerkenswert ist dabei ihr Verzicht auf die schützende Anonymität hinter der Kamera: In konzeptuellen Selbstporträts macht sie ihren eigenen Körper zum integralen Bestandteil des politischen Dialogs und bricht so die traditionelle Hierarchie zwischen Fotografin und Motiv endgültig auf.

Looking at You Looking at Me, Looking at You IV, 2018, from the series Looking at You Looking at Me Looking at You © Yumna Al-Arashi

Ikonografie des Widerstands
Ein zentrales Motiv in Al-Arashis Schaffen ist die direkte Konfrontation mit westlicher Propaganda. Geprägt durch ihre Jugend in Washington D.C. während des „Krieges gegen den Terror“, hinterfragt sie die stigmatisierenden Erzählungen über die Herkunftsländer ihrer Vorfahren. Dies zeigt sich besonders deutlich in ihrem Diptychon Axis of Evil (2020), in dem sie Frauen aus sogenannten „Schurkenstaaten“ porträtiert. Durch die geschickte Gegenüberstellung von Profil- und Frontalansicht betont sie sowohl gemeinsame Züge als auch einen kollektiven Kampfgeist. Ähnlich kraftvoll agiert die Serie Shedding Skin (2017), welche in einem Beiruter Badehaus entstand. Hier eignet sich Al-Arashi die historisch oft orientalistisch verzerrte Sicht auf das Hamam neu an und ersetzt sie durch ein authentisches Bild weiblicher Solidarität. 

Northern Yemen II, 2013, from the series Northern Yemen (2013–2014) © Yumna Al-Arashi

Einen Höhepunkt ihres bisherigen Œuvres stellt das Buchprojekt Aisha (2024) dar, das auf Fotografien ihrer jemenitischen Grossmutter basiert und die verschwindende Tradition der Gesichtstätowierungen bei älteren Generationen nordafrikanischer Frauen dokumentiert. Das Werk, das 2025 als „schönstes Schweizer Buch des Jahres“ ausgezeichnet wurde, fungiert als liebevolles Gegengewicht zur kolonial gefärbten Darstellung dieser Frauen in westlichen Archiven. Inspiriert von den Thesen Audre Lordes begreift Al-Arashi den Körper dabei als Träger von Erinnerungen und Quelle einer lebensbejahenden, erotischen Kraft. Für sie ist die bewusste Entscheidung über das eigene Aussehen der grösste Akt der Rebellion gegen eine Gesellschaft, die den weiblichen Körper ununterbrochen kontrollieren will.

South – Fire, 2025, from the series Tears for the Future © Yumna Al-Arashi, collection Huis Marseille

Yumna Al-Arashi wurde 1988 in Washington D.C. geboren und lebt seit 2020 in der Schweiz. Nach einem Studium der Sozialwissenschaften in New York schloss sie 2022 ihren Master in Bildender Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste ab. Ihre Arbeiten wurden bereits international in bedeutenden Institutionen wie dem MoMA PS1 in New York, dem Helmhaus Zürich oder dem Institut du Monde Arabe in Paris gezeigt.

East – Wind, 2025, from the series Tears for the Future © Yumna Al-Arashi, collection Huis Marseille

Den passenden Rahmen für ihre Einzelausstellung bietet das Huis Marseille, das seit 1999 als Amsterdams erste Adresse für Fotografie gilt. Untergebracht in zwei prachtvollen Kanalhäusern aus dem 17. Jahrhundert an der Keizersgracht, bietet es einen organischen Kontrast zum klassischen „White Cube“. Die authentischen Räume verstärken die Wirkung der gezeigten Werke, die oft speziell für diese Architektur konzipiert werden. Das Museum widmet sich fortlaufend der Frage, wie eine neue Bildsprache den Zeitgeist und den künstlerischen Charakter des Mediums widerspiegeln kann. 

Die Ausstellung Body as Resistance von Yumna Al-Arashi kann vom 14. Februar – 21. Juni 2026 im Huis Marseille in Amsterdam besucht werden.

Frank Horvat: Den Augenblick gewähren lassen...

Givenchy Hat for JDM, Paris, France, 1958 © Frank Horvat

Im Herzen der Provence, wo Weinreben auf zeitgenössische Architektur treffen, widmet das Château La Coste dem grossen Fotografen Frank Horvat eine bemerkenswerte Ausstellung. Unter dem Titel «Laisser la vie se produire» (Das Leben geschehen lassen) lädt die Galerie des Anciens Chais dazu ein, die Welt durch die Linse eines Mannes zu betrachten, der die Fotografie als einen Akt der Freiheit verstand.

For Glamour, Central Park, New York, USA, 1959 © Frank Horvat

Ein Titel als Lebensphilosophie
Der Name der Ausstellung ist einer Zeile von Rainer Maria Rilke entlehnt – einem Dichter, den Horvat tief verehrte. Es ist weit mehr als nur ein Motto; es ist eine Einladung, die Welt so zu bewohnen, wie sie ist. Horvats Werk zeichnet sich durch eine seltene Unvoreingenommenheit aus: Er liess flüchtige Momente, Körper in Bewegung und unerwartete Blickwinkel entstehen und stellte damit die Fähigkeit der Fotografie auf die Probe, die Zeit anzuhalten und gleichzeitig offen für den Zufall zu bleiben.

Monique Dutto at métro exit, for Jours de France, Paris, France © Frank Horvat

Vom Pariser Nachtleben zum Mode-Revoluzzer
Die Präsentation versammelt 46 Originalabzüge, die die Zeitspanne von Mitte der 1950er bis Ende der 1980er Jahre abdecken. Besonders eindrücklich sind seine frühen Schwarz-Weiss-Serien aus Paris und London. In der berühmten Serie Paris de nuit blickte er auf das Nachtleben der Nachkriegszeit. Seine Bilder von Tänzern, Nachtschwärmern und einsamen Cafés sind oft körnig, dunkel und von einer melancholischen Sinnlichkeit durchzogen.

Doch Horvat war kein reiner Dokumentarfotograf. Er revolutionierte die Modefotografie, indem er sie aus dem sterilen Studio auf die Strasse holte. Sein «Reportage-Stil» setzte auf natürliche Gesten und die Spontaneität des echten Lebens, ohne dabei den Sinn für Eleganz und Glamour zu verlieren. Für Magazine wie Vogue, Harper’s Bazaar oder Glamour schuf er Bilder, die bis heute durch ihre Modernität bestechen.

Carol Lobravico at Café Flore, for Harper's Bazaar, french high fashion, Paris, France, 1962 © Frank Horvat

Die Essenz des Unwiederholbaren
Für Frank Horvat war ein gutes Foto eines, das man nicht noch einmal machen kann. Er betonte, dass ein Bild unvorhersehbar sein müsse und alles darin enthaltene notwendig sein solle. Ob es seine frühen Reisen nach Indien, seine farbintensiven New-York-Serien der 80er Jahre oder seine späten digitalen Experimente waren: Horvat blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2020 ein Beobachter, der dem Moment mit Demut und Neugier begegnete.

Quai du Louvre, Couple, Paris, France, 1955 © Frank Horvat

Das Château La Coste liegt in einer der geschichtsträchtigsten Weinbauregionen Frankreichs, eingebettet in die malerische Landschaft zwischen Aix-en-Provence und dem Nationalpark Luberon. Seit der Eröffnung für das Publikum im Jahr 2011 hat sich das 200 Hektar grosse Anwesen zu einem Ort entwickelt, an dem Weinbau, zeitgenössische Kunst und moderne Architektur in einer einzigartigen Harmonie koexistieren. Besucher können auf dem Gelände über vierzig bedeutende Kunstwerke entdecken, die im Dialog mit der provenzalischen Natur aus Zypressen, Pinien und jahrhundertealten Eichen stehen.

Red coat in front of Upper West Side building, Upper West side, New York, 1984 © Frank Horvat

Die Ausstellung Laisser la vie se produire von Frank Horvat kann vom 15. Februar bis zum 12. April 2026 in der Galerie des Anciens Chais in Le-Puy-Ste-Réparade besucht werden.

 

EXTRACT III - Pink als Sensor der Gesellschaft…

Bird an Flower Market, Frogs, 2018/2021, ChromaLuxe Print Gloss © Nici Jost

Was sehen wir, wenn wir Pink sehen? Für die einen ist es das künstliche Leuchten von Kaugummi-Automaten, für die anderen ein Symbol für stereotype Geschlechterzuschreibungen oder der grelle Schrei des Pop-Art-Kommerzes. Doch wer die Farbe lediglich als dekoratives Oberflächenphänomen abtut, verkennt ihre enorme Sprengkraft.

Construction, Helen Keller, 2018/2021, ChromaLuxe Print Mat © Nici Jost

Die schweizerisch-kanadische Künstlerin Nici Jost (*1984, Banff, Kanada) widmet sich seit über zwei Jahrzehnten der Dekonstruktion dieser wohl kontroversesten aller Farben. Inzwischen hat sie sich international einen Namen durch diese tiefgreifenden Untersuchungen gemacht. Dabei nutzt sie die Fotografie nicht nur als rein abbildendes Medium, sondern als analytisches Recherche-Instrument, um kulturelle, gesellschaftliche und politische Dimensionen sowie soziale Codes sichtbar zu machen.

Lipstick, 2018/2026, Fine Art Print © Nici Jost

Pink als Sensor der Gesellschaft
Ein zentraler Pfeiler ihres Schaffens ist das von ihr entwickelte „Pink Colour System“, in dem die Farbe als Sensor für verborgene Muster und gesellschaftliche Dynamiken fungiert. Besonders spannend ist hierbei ihr Blick auf die Globalität des Phänomens: Während eines Aufenthalts in Shanghai untersuchte sie, wie sehr Sprache und soziale Strukturen unsere Wahrnehmung von Farbe determinieren – Pink ist eben nicht überall gleich Pink.

Robyn 02, 2026, Fine Art Print © Nici Jost

Zwischen Ästhetik und Aktivismus
Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von der klassischen Aufnahme bis hin zur technologischen Installation. Ein bemerkenswertes Beispiel für die Aktualität ihres Schaffens ist das Projekt Unity: Ein pinkfarbener Hut, der auf Sommerhitze reagiert. Hier wird die Farbe plötzlich zum Indikator für den Klimawandel und verlässt den rein ästhetischen Raum, um eine drängende ökologische Dimension einzunehmen.

Untiteld, 2018/2025 © Nici Jost

Es ist diese Vielschichtigkeit, die Josts Arbeit so relevant macht. Sie fordert uns auf, unsere Sehgewohnheiten zu hinterfragen und das vermeintlich "Liebliche" auf seine politische und gesellschaftliche Dynamik hin zu untersuchen.

Construction, Nike Air, 2018/2021, ChromaLux Print Mat © Nici Jost

Die Nikon Plaza am Schweizer Hauptsitz von Nikon in Egg/ZH fungiert als moderner Begegnungsort für Fotografie- und Videointeressierte. Auf zwei Etagen bietet sie Raum für wechselnde Ausstellungen und dient gleichzeitig als interaktiver Showroom. Besucherinnen und Besucher können dort das aktuelle Nikon Line-up sowie professionelle Optiken direkt testen und sich mit dem Fachpersonal austauschen. Ergänzt wird das Angebot durch einen Store sowie ein regelmässiges Rahmenprogramm aus Workshops und Bildungsressourcen, die den Standort zu einem lebendigen Zentrum der Imaging-Kultur machen.

Pink Collection, Object No. 28, 2019, ChromaLuxe Print Gloss © Nici Jost

Die Ausstellung EXTRACT III wird am 26. März 2026 eröffnet und kann bis zum 21. August 2026 im Nikon Plaza in Egg (ZH) besucht werden.

Ting, 2018/2025, Fine Art Print © Nici Jost

Sonata II – Architektur der Stille...

U.T. (Sonate) #4, 2024, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 140 x 175 cm © Nils Olav Bøe

Es gibt Bilder, die uns nicht wegen ihrer Schärfe, sondern wegen ihrer Unschärfe gefangen nehmen. In der Ausstellung „Sonata II – Spaces of Inner States“ des norwegischen Künstlers Nils Olav Bøe begegnen wir einer Welt, die gleichermassen vertraut wie vollkommen entrückt scheint. Was auf den ersten Blick wie monumentale, nebelverhangene Landschaften, geheimnisvolle Ruinen oder ferne Welten wirkt, entpuppt sich als ein meisterhaftes Spiel mit der Wahrnehmung.

U.T. (Sonate) #12, 2023-25, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 76 x 95 cm © Nils Olav Bøe

Bøe, 1958 in Oslo geboren, ist ein Konstrukteur von Sehnsuchtsorten. Seine epischen Visionen entstehen nicht etwa auf Reisen durch die Wildnis, sondern in der kontrollierten Stille seines Ateliers. Mit fast spielerischer Einfachheit erschafft er aus Pappe, Plastilin und weiterem einfachen Material Miniaturmodelle, die er anschliessend fotografisch und filmisch inszeniert. In seinen grossformatigen Archivinkjet-Prints auf Hahnemühle-Barytpapier verlieren diese winzigen Objekte ihren Massstab und verwandeln sich in zeitlose Räume. Ein kleiner Klumpen Modelliermasse wird zum massiven Eisberg, eine Pappwand zur antiken Stätte im Niemandsland.

U.T. (Sonate) #2, 2024, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 140 x 175 cm © Nils Olav Bøe

Zwischen Realismus und Fiktion
Die Faszination dieser Arbeiten liegt in ihrem Spannungsfeld zwischen Realismus, Fiktion und Zeitlichkeit. Bøe nutzt die Körnigkeit und das Spiel mit dem Fokus, um einen Schleier über das Motiv zu legen, der den Betrachter zur aktiven Interpretation zwingt. Es kommt alles wirklich und unwirklich vor: Wir sehen zwischen Berghängen einen Gletscher, den Mond inmitten einer erleuchteten Wolke oder eine von einer niedrigen Mauer umgrenzte Fläche. Diese visuelle Orchestrierung von Bild, Film und Ton rührt an etwas, das jenseits des Greifbaren liegt.

U.T. 2, 2025, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 17 x 22 cm © Nils Olav Bøe

Der Künstler selbst versteht seine Werke als Suche nach Bildern für „innere Seelenzustände“. Es ist eine Einladung zur Introspektion. In einer Zeit der digitalen Überforderung bieten Bøes neblige Schwarz-Weiss-Welten einen Schutzraum für das Ungefähre. Seine Arbeiten eröffnen die Möglichkeit, innere Räume und Zustände zu sehen – auch in uns selbst. 

Dass Bøes Arbeiten international geschätzt werden – von New York bis London und in bedeutenden Sammlungen wie dem Nationalmuseum Oslo vertreten – wundert kaum. Er beherrscht die seltene Kunst, das Kleine so gross zu denken, dass es Platz für unser aller Inneres bietet.

U.T. 11, 2025, Archivinkjet-Print, Hahnemühle-Barytpapier, 17 x 22 cm © Nils Olav Bøe

Die Galerie Susanne Albrecht, 1986 von der Kunsthistorikerin Susanne Albrecht in München gegründet und seit 2009 in Berlin ansässig, konzentriert sich auf die klassischen Medien Malerei, Fotografie, Zeichnung und Skulptur. Das Programm verbindet US-amerikanische Kunst der 1980er-Jahre mit zeitgenössischen Positionen aus China und Japan sowie Werken international renommierter Künstler wie Martin Parr oder Julian Opie. Geleitet von der Philosophie, dass sich zwar Formen wandeln, essenzielle Inhalte aber zeitlos lebendig bleiben, pflegt die Galerie einen beständigen Dialog zwischen verschiedenen Epochen und Kulturen. 

Die Ausstellung Sonata II – Spaces of Inner States wird am 14. März 2026 eröffnet und kann bis zum 25. April 2026 in der Galerie Susanne Albrecht in Berlin besucht werden.

Die Unendlichkeit im Augenblick: Sehnsucht und Nostalgie...

Aphrodite left, 2021 © Arpad Polgar

In der menschlichen Existenz klafft eine wehmütige Lücke: die Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein der eigenen Endlichkeit und der Gabe, sich in jegliche idealisierte Raum-Zeit-Dimension zu projizieren. Dieser schmerzliche, doch zugleich faszinierende Kern bildet das Wesen der Sehnsucht – eine Anziehungskraft, die von einem gelebten oder imaginierten "Anderswo" ausgeht. Wenn die Seele zwischen dem Hier und Jetzt und einem verlorenen Paradies hin- und hergerissen ist, begibt sie sich auf eine Suche, die so aussichtslos wie poetisch bleibt. Die Fotografie dient dabei als mechanischer Ankerpunkt, um den flüchtigen Augenblick aus dem kontinuierlichen Fluss der Ereignisse zu heben und unsere fragmentierten Erinnerungsfetzen zu ergänzen.

Fly Self-Portrait, 2020 © Kim Schwanhaeusser

In einer gemeinsamen künstlerischen Wanderung erkunden zwei Positionen die Natur als Quelle der Inspiration und als behütetes Refugium. Obwohl sie oft dieselben Gebiete durchstreifen oder gemeinsam genutzte Studioszenen errichten, bewahrt jeder Künstler eine eigene visuelle Grammatik. Sie eint ein beinahe obsessives Verlangen, Motive aus natürlichen Ressourcen zu sammeln, um die Reibungsflächen zwischen Wirklichkeit und der Unendlichkeit der Fantasie zu untersuchen. Es scheint fast, als sei der Zustand des Sehnens selbst erstrebenswerter als die endgültige Auflösung der Spannungsfelder zwischen Existenz und Vorstellung.

late bloom © Arpad Polgar

Kim Schwanhaeusser, geboren 1991 in Hongkong, nach ihrem Biologiestudium freischaffende Fotografin und Künstlerin, lebt und arbeitet in Deutschland und in der Schweiz. Sie widmet ihr Schaffen einer beinah verlorenen Handwerkskunst: der analogen Schwarz-Weiss-Fotografie. Mit akribischer Sorgfalt erweckt sie Silberhalogenide [1]durch das Zusammenspiel von Licht und Chemie zum Leben – ein Prozess der bewussten Verlangsamung, der ihrem behutsamen Herantasten an das Sujet entspricht. Ihre Werke sind eine Hommage an natürliche Wunder, wobei sie Lebensformen unverblümt mit all ihren Unvollkommenheiten darstellt. Von tanzenden Schmetterlingen bis hin zu mystischen Nebelwäldern dringt sie zu einem Ursprung vor, der sich in der Einfachheit der natürlichen Essenz erschliesst.

Paper Kite Dance, 2021 © Kim Schwanhaeusser

Arpad Polgar, geboren 1967 in Genf, Fotograf und Künstler, lebt und arbeitet in der Schweiz. Er lässt seine Erkundung aus dem lebenslangen Bestreben entspringen, die Prozesse der Natur zu verstehen. Seine Faszination gilt den Zyklen der Metamorphose, dem stetigen Wechselspiel von Wachstum und Auflösung, von Erblühen und Zerfall. Durch die systematische Herauslösung von Typologien aus ihrem Werden ermöglicht er eine zeitunabhängige Erforschung des Flüchtigen. In seinen Arbeiten vermengen sich Naturfragmente mit Artefakten von Malschichten zu neu konfigurierten Topografien und transfigurierten botanischen Anatomien. Dieser Prozess ähnelt einem parallelen Metabolismus, der die ewigen Zyklen von Kontraktion und Expansion des Kosmos widerspiegelt.

The promise of entropy © Arpad Polgar

Die galerie 94 befindet sich im geschichtsträchtigen Merker-Areal in Baden und wird von Sascha Laue geführt. Die Galerie versteht sich als ein Ort für Fotografie und Kunst, wobei sie unter dem Leitspruch "augensache" auftritt. Neben der Präsentation etablierter Positionen bietet sie auch Raum für zeitgenössische aufstrebende Talente.

Papilio memnon © Kim Schwanhaeusser

Die Ausstellung Sehnsucht – Nostalgia wird am 12. März 2026 eröffnet und kann bis zum 25. April 2026 in der Galerie 94 in Baden besucht werden.

Botanica, imperial blue © Arpad Polgar

[1] Silberhalogenide sind lichtempfindliche chemische Verbindungen (wie Silberbromid), die in der analogen Fotografie als winzige Kristalle in der Filmschicht eingebettet sind. Bei Belichtung reagieren sie auf Photonen und bilden die Grundlage für das spätere Bild, das erst durch die chemische Entwicklung sichtbar wird.

Magnolia © Kim Schwanhaeusser

Das Echo der schwindenden Natur: Ester Vonplons «Flügelschlag»

Ohne Titel, aus Flügelschlag, 2020–2024 © Ester Vonplon

In einer Ära, in der die Spuren des Menschen fast jeden Winkel der Erde gezeichnet haben, begibt sich die Fotografin Ester Vonplon auf eine Suche nach dem, was – zumindest vermeintlich – noch unberührt geblieben ist. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung richtet sie den Blick auf die fragilen Ökosysteme ihrer Schweizer Heimat: von den tiefen Fichtenurwäldern des Uaul Scatlè über das alpine Hochtal Val Curciusa bis hin zur geschützten Auenlandschaft Ogna da Pardiala. Ihre Arbeiten fungieren dabei als Memento mori, welche die Kraft und die gleichzeitige Vergänglichkeit einer Natur festhalten, die im Angesicht klimatischer Veränderungen und menschlicher Eingriffe bald verschwunden sein könnte.

Ohne Titel, aus Flügelschlag, 2020–2024 © Ester Vonplon

Was diese Bilder so eindringlich macht, ist die Verbindung aus achtsamer Beobachtung und radikalem fotografischem Experiment. In der titelgebenden Serie «Flügelschlag» nutzt Vonplon die Technik des Fotogramms, um Abdrücke von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Steinen festzuhalten. Hierbei verwendet sie über hundert Jahre altes Cellofix-Papier, das einst von Soldaten im Ersten Weltkrieg für Lebenszeichen von der Front genutzt wurde. Durch diesen Bildträger verbindet sie die historische Zerbrechlichkeit des Materials mit der flüchtigen Existenz heutiger Ökosysteme.

Ohne Titel, aus Flügelschlag, 2020–2024 © Ester Vonplon

Einen Weg des bewussten Kontrollverlusts beschreitet sie in der visuellen Untersuchung «I See Darkness». Ein stillgelegter Tunnel im Bündner Safiental diente ihr hierbei als Arbeitsort, Kamera und Dunkelkammer zugleich. Über Zeiträume von Wochen oder Monaten setzte sie grossformatiges Fotopapier den klimatischen Bedingungen und chemischen Reaktionen aus. Die Zeit selbst wird hier zur Bildhauerin und macht feine, oft nicht spürbare Einflüsse der Umwelt überhaupt erst sichtbar.

Ohne Titel, aus I See Darkness, 2020–2025 © Ester Vonplon

Die Serie «il uaul» (rätoromanisch für «der Wald») dokumentiert schliesslich die unwegsame Auenlandschaft Ogna da Pardiala in der Surselva. Mit einer analogen Grossformatkamera dringt Vonplon in dieses dichte Dickicht vor. Die eigentümliche Farbigkeit dieser Bilder ist das Resultat eines experimentellen, von der Künstlerin selbst vorgenommenen analogen Entwicklungsprozesses, der feinste Details dieser bedrohten Lebensräume offenbart.

Ohne Titel, aus I See Darkness, 2020–2025 © Ester Vonplon

Ester Vonplon (*1980 in Schlieren) lebt und arbeitet heute in Castrisch im Kanton Graubünden. Nach ihrem Studium an der Fotoschule am Schiffbauerdamm in Berlin schloss sie 2013 ihr Masterstudium in Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste ab. Ihre künstlerischen Projekte, die massgeblich von der Landschaft und Natur der Surselva inspiriert sind, präsentiert sie regelmässig im In- und Ausland. Für ihr Schaffen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Manor Kunstpreis Graubünden sowie dem SAC-Kunstpreis.

Ohne Titel, aus I See Darkness, 2020–2025 © Ester Vonplon

Seit der Gründung 1993 widmet sich das Fotomuseum Winterthur der zeitgenössischen Fotografie und visuellen Kultur. Die Institution untersucht die kulturelle, soziale sowie politische Rolle des Mediums und dessen Wirkung auf unseren Alltag. Mit jährlich drei bis fünf Ausstellungen beleuchtet das Museum vielfältige Perspektiven junger und etablierter internationaler Kunstschaffender. Das Programm wird durch vielseitige Workshops, Veranstaltungen und digitale Formate ergänzt. Die museumseigene Sammlung umfasst heute rund 9'000 Werke von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart.

Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

Die Ausstellung Flügelschlag von Ester Vonplon kann bis zum 14. Juni 2026 im Fotomuseum Winterthur besucht werden.

Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

 

 

 

 

 

 








Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

 








Ohne Titel, aus il uaul, 2022–2024 © Ester Vonplon

 

Requiem pour pianos: Wenn die Stille eine Melodie bekommt…
Requiem pour pianos #7, Frankreich, 2015 © Romain Thiery

Requiem pour pianos #7, Frankreich, 2015 © Romain Thiery

In der Stille verlassener Räume, dort, wo der Putz von den Wänden bröckelt und die Natur sich langsam ihr Terrain zurückerobert, findet der französische Künstler Romain Thiery die Protagonisten seiner Arbeit. Mit seiner Serie «Requiem pour pianos» bewegt er sich an den zerbrechlichen Grenzen von Fotografie, Klang und kollektivem Gedächtnis. Für Thiery ist das Klavier kein blosser Gegenstand; es ist tief in unserer Kultur verwurzelt und bewahrt sich selbst im tiefsten Verfall eine unveränderliche Noblesse.

Requiem pour pianos #11, Frankreich, 2014 © Romain Thiery

Doch Thiery begnügt sich nicht mit dem rein Visuellen. In seinem Projekt «Resonance for Pianos» verfolgt er einen immersiven Ansatz: Er nimmt vor Ort jeden einzelnen Ton auf, den diese versehrten Instrumente noch hervorbringen können. So rettet er die musikalische Seele der Klaviere, bevor sie endgültig verstummen.

Requiem pour pianos #85, Frankreich, 2019 © Romain Thiery

Eine Reise durch die Fragilität Europas
Thierys Spurensuche führt uns zunächst nach Nordfrankreich. In «Requiem pour pianos #7» (Frankreich, 2015) sehen wir ein Erard-Klavier, das seltsamerweise den Brand eines Schlosses aus dem 14. Jahrhundert überstand. Heute ist das Gebäude renoviert, das Instrument jedoch verschwunden – es existiert nur noch als flüchtiger Moment in Thierys Fotografie. Ähnlich tragisch ist die Geschichte hinter «Requiem pour pianos #11» (Frankreich, 2014): In einem prachtvollen französischen Lustschloss von 1863 stand einst ein edler Bösendorfer-Flügel. Ein Sturm im Jahr 1999 leitete den Zerfall des Gebäudes ein, das nach Plünderungen schliesslich abgerissen wurde.

Requiem pour pianos #146, Grossbritannien, 2024 © Romain Thiery

Einen besonderen Platz nimmt das Anwesen Erard im Südwesten Frankreichs ein. In «Requiem pour pianos #85» dokumentiert Thiery ein Interieur, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die Instrumente von Erard wurden einst von Grössen wie Chopin, Liszt und sogar Beethoven geschätzt und stehen für höchste französische Klavierbaukunst. In diesem Herrenhaus erinnert das Motiv an eine Exzellenz, die mit dem Ende der Produktion in den 1980er-Jahren leise aus der Welt gefallen ist.

Requiem pour pianos #138, Italien, 2023 © Romain Thiery

In Grossbritannien begegnen wir in «Requiem pour pianos #146» (UK, 2024) der Grösse eines einst lebhaften Herrenhauses, das im 20. Jahrhundert als Altenheim und medizinisches Zentrum diente. Unter einer majestätischen Holztreppe zeugt dort ein unbrauchbares Klavier von den vielen ungeschriebenen Geschichten dieses Ortes. Weiter südlich, in der Toskana, steht eine Villa von 1875. In «Requiem pour pianos #138» (Italien, 2023) blicken wir in den prachtvollsten Raum, der vollständig mit Fresken verziert ist. Seit deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg dort Quartier bezogen, kehrten die Eigentümer nie zurück. Schwere Unwetter im Jahr 2024 brachten das Gebäude schliesslich zum Einsturz.

Requiem pour pianos #132, Ungarn, 2022 © Romain Thiery

Von Heilstätten und Seidenspinnereien
Auch im Osten Europas findet Thiery Resonanzen des Vergangenen. In Ungarn verfällt ein Jugendstilschloss, das einst als Waisenhaus diente; «Requiem pour pianos #132» (Ungarn, 2022) zeigt die Überreste einer Bibliothek und einen prächtigen Josef-Grund-Flügel. In Polen wiederum dokumentiert «Requiem pour pianos #33» (Polen, 2017) einen Palast aus dem 13. Jahrhundert. Nach einer wechselvollen Geschichte als Archiv und Sanatorium wurde er geplündert; das letzte Klavier im Inneren verschwand im Jahr 2021.

Requiem pour pianos #33, Polen, 2017 © Romain Thiery

Die Reise führt uns zurück nach Deutschland, zum Grabowsee. Das 1896 gegründete Sanatorium Heilstätte Grabowsee diente nach 1945 als sowjetisches Lazarett. Der einstige Ballsaal, den wir in «Requiem pour pianos #38» (Deutschland, 2018) sehen, ist heute eine gefragte Filmkulisse. Im Südwesten Frankreichs begegnen wir in «Requiem pour pianos #130» (Frankreich, 2022) erneut der Marke Erard – jenen Instrumenten, die einst von Chopin und Liszt geschätzt wurden. In diesem Herrenhaus scheint die Zeit stillzustehen und erinnert an eine Epoche, die in den 1980er-Jahren ihr Ende fand.

Requiem pour pianos #38, Deutschland, 2018 © Romain Thiery

In Österreich fand der Künstler in einem Raum, der als Autowerkstatt diente, ein Schweighofer-Klavier. «Requiem pour pianos #93» (Österreich, 2019) ist eines seiner Lieblingsbilder: Nach tagelangem Warten fing er den Moment ein, in dem das Licht das Instrument sanft streichelt und ihm eine fast sakrale Kraft verleiht. In Norditalien hingegen stehen in «Requiem pour pianos #109» (Italien, 2021) zwei majestätische Klaviere von Fratelli Colombo im Heizungsraum einer Seidenspinnerei von 1902. Wo einst ausschliesslich Frauen arbeiteten, bewahrt Thiery heute das letzte Echo der industriellen Vergangenheit.

Requiem pour pianos #130, Frankreich, 2022 © Romain Thiery

Das Finale im fernen Osten
Den Schlusspunkt dieser Reise bildet Japan. In «Requiem pour pianos #163» (Japon, 2025) beleuchtet das Licht in einer verlassenen ländlichen Grundschule ein Kawai-Klavier, das langsam von einem Meer aus Farnen verschlungen wird. Um diesen Ort zu erreichen, musste der Künstler tief in den Wald vordringen und begegnete neugierigen Affen – ein Symbol für die magische Rückeroberung durch die Natur in einem Land, in dem das Klavier als höchstes Zeichen für Bildung und Kultiviertheit gilt.

Requiem pour pianos #93, Österreich, 2019 © Romain Thiery

Romain Thiery ist ein französischer Fotograf und Pianist, der in seinem Schaffen Bild und Ton auf einzigartige Weise vereint. Seit 2014 bereist er die Welt, um verlassene Klaviere in leerstehenden Gebäuden aufzuspüren und deren melancholische Schönheit festzuhalten. Seine international ausgezeichneten Werke wurden bereits in Galerien von Paris bis Tokio ausgestellt und in renommierten Medien wie The Guardian oder Der Spiegel veröffentlicht.

Requiem pour pianos #109, Italien, 2021 © Romain Thiery

Scène55 ist ein kulturelles Zentrum in Mougins an der Côte d’Azur. Als interdisziplinäre Kulturstätte vereint es Theater, Musik, Tanz und bildende Kunst unter einem Dach. Die Einrichtung verfügt über einen modernen Ausstellungsraum, die Scène d'Exposition, in der namhafte zeitgenössische Künstler ihre Werke präsentieren.

Requiem pour pianos #163, Japan, 2025 © Romain Thiery

Wer diese visuelle und klangliche Reise selbst erleben möchte, kann die Ausstellung noch bis am 6. Juni 2026 in der Scène55 in Mougins besuchen. Der Eintritt ist frei. Alle Werke sind als limitierte, handsignierte Originale auf hochwertigem Hahnemühle-Papier erhältlich.

Die Heilung der Linien: Über die Zerbrechlichkeit in Aimée Hovings «Binding Roots»

Anemone pastel mix, série Inflorescence © Aimée Hoving

Geduld und Staunen verschmelzen im Herzen der künstlerischen Praxis von Aimée Hoving. Ihre beiden Serien «Inflorescence» und «Family Affair» spiegeln einen inneren Garten wider: Ein Ort, an dem persönliche Wandlung im Einklang mit der Natur geschieht und das Licht immer einen Weg findet. Zwischen diesen Projekten zeichnet sich eine gemeinsame Reise ab, die gleichermassen pflanzlich wie menschlich ist: die Erfahrung von Zerbrechlichkeit als Grundbedingung unserer Existenz. Hoving erforscht dabei gezielt das, was weitergegeben, verwandelt und geheilt wird. 

Résurgence, de la série Family Affair © Aimée Hoving

Die Fotografie wird hier durch den bewussten Einsatz von Hand und Nadel erweitert und so zu einem Raum der Fürsorge. Risse und Leerstellen – gezeichnet durch das Verstreichen der Zeit oder den Durchgang einer Krankheit – werden nicht einfach kaschiert. Vielmehr werden sie gezähmt, offenbart und sublimiert. Die Schatten erhalten dadurch einen ganz eigenen Glanz und laden uns ein, unseren verletzlichen, vergänglichen und doch zutiefst lebendigen Anteil mit neuen Augen zu betrachten. 

Flower bed with light pink Achillea, série Inflorescence © Aimée Hoving

Aimée Hoving, Jahrgang 1978, lebt und arbeitet in Coppet und ist Absolventin der renommierten ECAL in Lausanne. In ihren Arbeiten gelingt es ihr, Poesie, den unverfälschten Blick eines Kindes und eine gewisse Leichtigkeit selbst in die intimsten Bereiche des Lebens zu bringen. Indem sie Mitglieder ihrer eigenen Familie inszeniert, führt sie uns in eine oft beunruhigende Wahrnehmung des Alltags. Sie erforscht dabei Themen wie genetische Mutationen, multikulturelle Wurzeln und Kindheitserinnerungen, während sie stets ungelöste Rätsel in ihren Bildern schweben lässt. 

Haunted, série Family Affair © Aimée Hoving

Ihre Werke wurden bereits international gewürdigt, unter anderem mit dem Swiss Design Award und dem Kulturpreis der Fondation Leenards. Hovings Fotografien sind in bedeutenden Sammlungen vertreten und wurden in Institutionen wie der Saatchi Gallery in London, dem SCOP in Shanghai sowie der MEP in Paris ausgestellt. 

Loves me loves me not rainbow, série Inflorescence © Aimée Hoving

Seit 1982 am Place du Château in Nyon ansässig, ist FOCALE der älteste noch aktive Ort in der Schweiz, der ausschliesslich der Fotografie gewidmet ist. In einem charaktervollen Gebäude im Herzen der Altstadt fördert der Verein eine Fotografie an der Schnittstelle zwischen Dokumentation und ästhetischer Forschung. Mit der Eröffnung einer spezialisierten Buchhandlung im Jahr 1989 hat sich FOCALE zudem als lebendige Plattform für den Austausch und als Treffpunkt für Profis und Amateure der Fotokunst etabliert. 

Maybe, série Family Affair © Aimée Hoving

Die Ausstellung Binding Roots wird am 5. Februar eröffnet und kann bis 25. April 2026 in der focale in Nyon besucht werden. 

Little pastel Ferula, série Inflorescence © Aimée Hoving

Extra Terra…

Tanti Patati © Franziska Martin

Extra Terra – eine tiefgründige Reise in die faszinierende, alpine Vergangenheit des Tessins. Ausgehend von einem scheinbar bizarren Phänomen – dem Anbau von Gemüse auf Felsblöcken – beleuchtet Franziska Martin die Überlebenskunst der "Terrieri" im Bavona-Tal. Die Arbeit, die zwischen Dokumentation und Illusion oszilliert, verbindet historische Recherche mit poetischer Bildgestaltung und stellt grundlegende Fragen zur Beziehung zwischen Mensch und Umwelt.

Tanti Patati © Franziska Martin

Während einer Wanderung im Bavona-Tal stiess Franziska Martin auf einen beeindruckend grossen Felsblock, auf dessen oberer Fläche eine kleine Wiese wuchs. Steinstufen führten hinauf. Sie liess sich auf dem Stein fotografieren. Die Information einer Freundin, dass die Talbewohner auf solchen Steinbrocken Gemüse angebaut hätten, faszinierte sie so sehr und liess sie nicht mehr los. Diese Faszination und Neugierde entwickelte sich zu einem intensiven Forschungsprojekt.

Balóm dla Predascia © Franziska Martin

In einer Broschüre fand Franziska Martin eine Aufnahme von 1885, die einen Felsblock mit einer angelehnten Leiter zeigte. Oben stand jemand, und daneben befand sich eine kleine, kaum sichtbare Figur. Die Bildunterschrift lautete "Giardino Pensile" (dt. hängender Garten). Dank einem Historiker und einem Zeitzeugen erfuhr sie mehr über die Menschen im Bavona-Tal – den Terrieri, die sich selbst als "Erdenbewohner" ("gens de la terre") bezeichneten und deren Dörfer "Terre" genannt wurden.

Bohnen © Franziska Martin

Das Bavona-Tal ist von steilen Felswänden, die von Gletschern geformt wurden, geprägt und ist voller riesiger Felsblöcke. Fruchtbarer Boden war äusserst rar und wurde durch wiederholte Bergstürze und Gerölllawinen weiter dezimiert. Ziergärten gab es nicht. Dies zwang die Terrieri zu grossem Einfallsreichtum. Sie begannen, auf grossen Felsblöcken Gemüsegärten und Wiesen anzulegen, die im Tessiner Dialekt Giarditt (dt. Garten) oder Prato Pensile (dt. hängende Wiese) genannt wurden.

Kartoffel fällt auf Gras, Collage © Franziska Martin

Ab dem 16. Jahrhundert entstanden diese ungewöhnlichen Gärten, teilweise als Felsen nach Naturkatastrophen mit Nutzungsrechten vergeben wurden. Die Terrieri umfassten die Felsen mit Trockenmauern und füllten sie mit Erde auf, um ebene Anbauflächen zu schaffen.

Verdoppelt © Franziska Martin

Diese Giarditt wurden über Generationen hinweg gepflegt und waren Lebensgrundlagen mit individuellen Namen wie "Balóm di Franc" oder "Balóm dla Predascia". Das Bavona-Tal ist der einzige Ort in der Schweiz, an dem diese einzigartige Form der Landwirtschaft praktiziert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliessen viele die Gegend, die Tradition wurde nur noch von wenigen bis in die 1970er Jahre fortgesetzt. Viele dieser Hängewiesen sind heute verlassen und verfallen, oft von Wald überwuchert. 2011 erfasste die Fondation Bavona in einem Inventar noch 150 Giarditts, deren Anbauflächen von 2–3 m² bis zu 500 m² und insgesamt etwa 6500 m² umfassten.

Fels und Spargel © Franziska Martin

Franziska Martins tiefgehende Auseinandersetzung mit diesen Steinen und den verborgenen Geschichten, die sie bewahren, ist eine Kombination aus Recherche, dem Sammeln von Fragmenten der Vergangenheit und dem Versuch, die Bilder ihrer inneren Vorstellungskraft lebendig werden zu lassen. Sie sieht in der Geschichte der Terrieri, die durch Mut, Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit eine Heimat in einer steinigen Welt schufen, ein wichtiges Vermächtnis. Dieses erinnert uns an die Notwendigkeit, sorgsam mit Ressourcen umzugehen und heutigen Herausforderungen mit Resilienz und Demut zu begegnen.

Giarditt in der Nacht © Franziska Martin

Franziska Martin arbeitet als freiberufliche Fotografin mit Fokus auf Reportage und Porträt. Ihre persönlichen Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Fotografie und Collage, zwischen Dokumentation und Illusion. Sie befassen sich mit den Themen Zeit und Veränderung sowie mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt – besonders interessiert sie, wie der Mensch seine Umgebung prägt und zugleich von ihr geprägt wird. Ihre Arbeit ist inspiriert von künstlerischen Ansätzen, die Erzählung, Fiktion und dokumentarische Elemente miteinander verweben und die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit hinterfragen. 

Martin absolvierte ihre Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste München in der Fotoklasse von Armin Linke (2018–2025). Zuvor studierte sie an der F+F Schule für Kunst und Design und erwarb ein CAS in Kulturmanagement an der HSLU Hochschule Luzern. Sie ist seit 2016 als freie Fotografin tätig und Mitglied von SIYU (professionelle fotografie schweiz), dem Pool Collective und der Hard Cover Art Gallery.

Wal Kartoffeln im Weltall © Franziska Martin

Die Ausstellung Extra Terra kann bis 13. November 2025 in der Galerie Strates in Lausanne besucht werden.

Kunst der Stille…

The Painter © Vera Mercer

Vera Mercer, die in den 1960er Jahren zur Pariser Künstleravantgarde gehörte, wurde durch ihre Fotografien von Künstlern wie Jean Tinguely, Eva Aeppli, Marcel Duchamp, Niki de Saint-Phalle und Daniel Spoerri bekannt. Neben der Portraitfotografie entwickelte sie eine Faszination für Stillleben, inspiriert von alten Pariser Markthallen. Dieses Interesse an Früchten, Gemüse, Fleisch und Fisch in ihrer frischesten und unverarbeiteten Form prägt ihr künstlerisches Schaffen bis heute.

The Enormes © Vera Mercer

Vera Mercers Œuvre zeichnet sich durch opulente, neobarocke Farbstillleben aus, die klassische Vanitas-Motive neu interpretieren. Ihre Werke sind reich an Farben und Details, oft in mystisches Licht getaucht und kunstvoll arrangiert. Krebse, Fischleiber, Wild und Geflügel kombiniert sie mit Blumen, Kerzen und antiken Accessoires zu einem visuellen Fest, das Lebensfreude und Vergänglichkeit gleichermaßen zelebriert. Die Arbeiten bestechen durch ihre Sinnlichkeit und Ästhetik und schaffen eine einzigartige Atmosphäre, die den Betrachter in eine Welt voller Schönheit und Nachdenklichkeit entführt.

Paris 2023 © Vera Mercer

Ein besonderes Merkmal von Mercers Stillleben ist ihr Gespür für das Theatralische und die Textur. Sie schafft es, in ihren Werken eine Spannung zu erzeugen, die den Betrachter dazu einlädt, genauer hinzuschauen und die Details und Feinheiten jedes Stücks zu erkunden. Diese Werke sind reich an Symbolik und Komplexität, was sie zu mehr als nur ästhetisch ansprechenden Bildern macht; sie sind auch eine Erkundung von Themen wie Vergänglichkeit, Vergnügung und Melancholie.

Bass © Vera Mercer

Ein weiterer Aspekt, der Vera Mercers Arbeit besonders macht, ist ihr Hintergrund in verschiedenen Kulturen und Einflüssen. Nachdem sie in Europa aufgewachsen ist und dann in die USA gezogen ist, kombiniert Mercer in ihrer Kunst europäische und amerikanische Elemente und reflektiert so ihre eigene Lebenserfahrung.

Peaches and Apples © Vera Mercer

Vera Mercer wurde 1936 in Berlin geboren und machte sich in den 1960er Jahren in Paris einen Namen als Fotografin. Sie war tief in Künstlerkreisen verwurzelt und dokumentierte Werk und Leben bedeutender Künstler der Avantgarde. Seit Anfang der 2000er Jahre widmet sie sich wieder verstärkt dem Stillleben, für das sie international bekannt ist. Ihre Werke verbinden klassische Bildmotive mit einer zeitgenössischen Ästhetik, die unverwechselbar und eigenständig ist.

Rubarba leaf © Vera Mercer

Die Ausstellung Kunst der Stille: Porträts und Stillleben von Vera Mercer kann bis 28. Februar 2025 in der Leica Galerie in Salzburg besucht werden.

Matilde Now © Vera Mercer

Collection from the sea…

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Ein Spaziergang am Strand kann viel mehr sein als nur eine erholsame Auszeit: Die Natur wird zur Künstlerin und formt aus den Materialien, die das Meer anspült, beeindruckende Kunstwerke. Ohne menschliches Eingreifen entstehen kunstvolle Kompositionen aus Muscheln, Steinen, Treibholz und leider auch Abfall, der inzwischen ebenso ein Teil des Strandbildes geworden ist. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Die Elemente werden von der Natur auf eindrucksvolle Weise angeordnet: Treibholz lehnt sich schräg an einen Felsen, während Muschelschalen in vom Wasser geformte Vertiefungen gebettet sind. Die Farbenpracht der Algen, die sich auf den Steinen ablagern, und die filigranen Muster im Sand, die durch das sanfte Zurückweichen der Wellen entstehen, wirken wie zarte Pinselstriche in einem natürlichen Gemälde. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Inmitten dieser harmonischen Anordnungen begegnet man auch Abfällen: Plastikflaschen, verrostete Dosen und alte Fischernetze fügen sich ebenfalls in die Szenerie ein. Diese fremden Materialien bilden auf vielen Ebenen einen Kontrast zu den organischen Formen der Natur. Sie erinnern uns daran, dass die Natur nicht nur schön, sondern auch verletzlich ist. Sie zeigen, wie menschliche Hinterlassenschaften sich in der Landschaft ausbreiten und zugleich Teil der natürlichen Ästhetik werden – dabei aber auch eine Herausforderung für das Ökosystem darstellen. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Jeder Strandspaziergang bietet die Chance, auf kleine Kunstwerke zu stossen, die dazu einladen, innezuhalten und die Details zu betrachten. Diese Fundstücke verdeutlichen, dass die Natur auch ohne unser Zutun beeindruckende Werke schafft. Sie regen dazu an, die natürliche Umgebung mit einem achtsamen Blick zu erleben. So wird ein Besuch am Strand zur Entdeckungsreise, bei der sowohl die Schönheit der Natur als auch der Einfluss menschlichen Handelns auf die Umwelt unaufdringlich in Erscheinung treten. 

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Anne Gabriel-Jürgens studierte in Hamburg Fotografie, erhielt ihr Diplom an der HAW bei Prof. Ute Mahler und schloss ihr Masterstudium bei Prof. Arno Fischer in Berlin ab. Sie ist freischaffende Fotografien und arbeitet an Langzeitprojekten. Zentrale Themen ihrer Arbeit sind Definition von Geschlechter- und Familienrollen, sowie Umweltfragen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit, Identität und Gesellschaft. Sie hinterfragt gängige Gesellschaftsmodelle und beobachtet, wie sich die Umwelt unter den gegebenen Einflüssen entwickelt und verändert. Ihre Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert und mehrfach ausgezeichnet.

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Aus Collection from the sea © Anne Gabriel-Jürgens

Gian Paolo Barbieri: Beyond Fashion…

Janette in Andre Laug, Vogue Italia, Milano, 1975 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Dem Meister, der die Geschichte der zeitgenössischen Mode- und Kostümfotografie geprägt hat, widmen das House of Lucie Ostuni und die Lucie Awards die Retrospektive "Gian Paolo Barbieri: Beyond Fashion", die in Zusammenarbeit mit der Gian Paolo Barbieri Foundation und der Galerie 29 Arts In Progress in Mailand vom 5. Juli bis 31. August 2024 stattfindet.

Audrey Hepburn in Valentino, Roma, 1969 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Neben zahlreichen Meisterwerken Barbieris werden auch einige bisher unveröffentlichte Fotografien ausgestellt, die von den 1960er bis in die 2000er Jahre reichen und das Ergebnis einer eingehenden Recherche im Archiv des Künstlers sind. Gian Paolo Barbieri ist es gelungen, der italienischen Mode ein einzigartiges Gesicht zu geben, das sich bis dahin niemand vorstellen konnte. Er wurde zum Komplizen und Begleiter jener Stylisten, die mit dem Aufkommen des "Made in Italy" zu den Protagonisten einer neuen Ära von Kostüm und Mode werden sollten.

An ihrer Seite interpretiert er die schönste Saison dieses neuen Aufschwungs. In der Ausstellung wechseln sich intime und spontane Aufnahmen von Models und Prominenten wie Veruschka, Naomi Campbell, Marpessa, Eva Herzigova, Monica Bellucci, Mina und Isabella Rossellini mit ikonischen Fotografien (darunter Audrey Hepburn im Jahr 1969) ab, die Barbieri für einige der legendärsten Werbekampagnen italienischer und internationaler Modemarken wie Versace, Ferrè, Vivienne Westwood, Dolce & Gabbana, Valentino und Armani konzipiert hat.

Sue Smithers for Yves Saint Laurent, Vogue France, Paris, 1977 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Die Ausstellung bietet dem Publikum aber auch innovative Bilder in Bezug auf Kulissen und Styling, die das Ergebnis des unverkennbaren Einfallsreichtums des Künstlers sind: eine ironische und gleichzeitig kultivierte, raffinierte und provokative Fotografie, reich an Bezügen zur Kunstgeschichte, eklektischen Aussenkulissen an exotischen Orten und Filmzitaten, ein Echo seiner jugendlichen Erfahrung im Cinecittà in Rom.

Naomi Campbell in Yves Saint Laurent, Parigi, 1988 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Aus seiner Sicht ist Mode ohne Kunst nackt und leer. Und die Frauen auf den ausgestellten Bildern sind für diesen Anlass von den kanonischen Posen der Modefotografie befreit, um zu den Sprecherinnen einer neuen unkonventionellen Eleganz zu werden, die ihre lässigere und sinnlichere Seite offenbart.

Christy Turlington in Yves Saint Laurent, Parigi, 1988 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Barbieri - Gewinner des Lucie Award 2018 als bester internationaler Modefotograf (Outstanding Achievement in Fashion) - ist ein wertvoller Fotograf, immer: in der studierten Beleuchtung und auch kalibriert, durch seine alte Vertrautheit mit Kino und Theater, im Make-up, in der bewegungslosen Aufhängung der Posen.

Mariolina Della Gatta, Milano, 1965 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Gian Paolo Barbieri fasziniert, verunsichert, berührt das Herz und den Geist der Betrachterin und des Betrachters. Und das ist auch die Funktion der Fotografie und, im weiteren Sinne, der Kunst.

Frauke Quast, Mauritius, 1983 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Gian Paolo Barbieri (Mailand, 1935) ist seit mehr als 60 Jahren einer der einflussreichsten internationalen Modefotografen. Er hat an den grössten Werbekampagnen internationaler Marken wie Valentino, Gianni Versace, Gianfranco Ferré, Giorgio Armani, Bulgari, Yves Saint Laurent, Dolce & Gabbana, Vivienne Westwood und vielen anderen mitgewirkt und mit seinen ikonischen und zeitlosen Aufnahmen jahrzehntelang die Seiten von Vogue Italia, Vogue Paris, Vogue America, L'Officiel, GQ und Vanity Fair gefüllt. Barbieri, der vom Magazin Stern zu den vierzehn besten Modefotografen gezählt wird, ist ein Künstler, der zunehmend in renommierten Museumssammlungen vertreten ist (Victoria and Albert Museum, National Portrait Gallery London, Kunstforum in Wien, MAMM Moskau, Erarta Museum für zeitgenössische Kunst St. Petersburg, Musée du quai Branly Paris, Nicola Erni Collection Zug). Seine Bilder wurden in vielen Publikationen (Artificial (1982), Gian Paolo Barbieri (1988), Tahiti Tattoos (1989), Madagascar (1997), Equator (1999), A History of Fashion (2001), Dark Memories (2013), Skin (2015), Fiori della mia Vita (2016)) veröffentlicht. 2018 erhielt Gian Paolo Barbieri in New York den Lucie Award 2018 als bester internationaler Modefotograf (Outstanding Achievement in Fashion). Im Juni 2022 gewinnt "L'uomo e la bellezza", der erste Dokumentarfilm über die Arbeit und das Leben des Künstlers, den Publikumspreis in der Sektion Biografilm Art & Music des Biografilm Festivals 2022 in Bologna.

Neith Hunter, Grecia, 1983 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

House of Lucie ist ein Raum für zeitgenössische Fotografie, der Wechselausstellungen, Vorträge, Workshops und Veranstaltungen präsentiert. House of Lucie wurde 2016 von Hossein Farmani als Raum für zeitgenössische Fotografie gegründet, um die herausragenden Arbeiten der Lucie-Preisträger zu präsentieren und seine Leidenschaft für die Entdeckung, Sammlung und Verbreitung der fotografischen Arbeiten lokaler und internationaler Talente zu fördern. Der Raum beherbergt auch die zahllosen Gewinner internationaler Fotowettbewerbe und Auszeichnungen, die in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt (USA, China, Japan, Frankreich, ...) von der Lucie Foundation organisiert werden, um die Arbeit von professionellen, Amateur- und Studentenfotografen zu unterstützen.

Die Lucie Awards wurden 2003 als Teil der Aufgabe der Lucie Foundation ins Leben gerufen, die Meister der Fotografie zu ehren, aufstrebende Talente zu entdecken und zu fördern und die Wertschätzung der Fotografie weltweit zu unterstützen. Im Laufe der Jahre hat die Lucie Foundation über 172 der wichtigsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Fotografie mit den Lucie Awards geehrt. Mit dieser alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung werden die grössten Leistungen der Fotografie gewürdigt. Hossein Farmani ist der Gründer der Lucie Foundation und leitet die Lucie Awards gemeinsam mit Susan Baraz.

Aly Dunne in Gianfranco Ferré, Milano, 1992 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

Die 2016 vom Künstler selbst gegründete Stiftung Gian Paolo Barbieri ist eine Kultureinrichtung, die im Bereich der bildenden Kunst tätig ist und das Ziel verfolgt, die künstlerische Person des Stifters, sein fotografisches Werk und alle materiellen und immateriellen Güter, die von seiner künstlerisch-kreativen Tätigkeit zeugen, zu fördern sowie ganz allgemein die historische und zeitgenössische Fotografie und jede andere Form des kulturellen Ausdrucks in ihren verschiedenen Realisierungen zu fördern. Gian Paolo Barbieri, Präsident der gleichnamigen Stiftung, ist einer der einflussreichsten Fotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Tätigkeit der Stiftung stützt sich auf das Archiv, das das gesamte künstlerische Erbe von Gian Paolo Barbieri aufbewahrt. Ihr Hauptzweck ist die Bewahrung, der Schutz, die Verwaltung, der Erwerb, die Archivierung, die Katalogisierung, die Authentifizierung und die Förderung des Archivs und der Werke des Stifters in der Gemeinschaft zur Verbreitung der fotografischen Kultur in Italien und weltweit. Für ein heterogenes Publikum, das sich als Insider, Wissenschaftler, Enthusiasten und Liebhaber der Fotografie, der Mode und der Kunst versteht, werden eine Reihe von Initiativen durchgeführt, deren Ausgangspunkt dieses Erbe ist: Buchveröffentlichungen, Fotoausstellungen, Ausstellungen, Veranstaltungen, Vorträge und Konferenzen. Darüber hinaus gibt es auch Aktivitäten im Zusammenhang mit der Bildung junger Menschen in Zusammenarbeit mit Universitäts- und Kunstinstitutionen für Besichtigungen, Workshops und Ausbildungsaktivitäten, die mit den sozialen Zielen übereinstimmen.

Jewel mask, Milan, 2000 © Gian Paolo Barbieri, courtesy of Fondazione Gian Paolo Barbieri and 29 Arts In Progress Gallery Milan

29 ARTS IN PROGRESS ist eine bedeutende Galerie für Fotokunst, die sich im Herzen von Mailand, im historischen Viertel Sant'Ambrogio, befindet. Die Galerie vertritt die Werke international anerkannter Fotografen (darunter Gian Paolo Barbieri, Mario Testino, Greg Gorman, Rankin und Michel Haddi) und widmet der Porträt- und Modefotografie besondere Aufmerksamkeit. Seit ihrer Eröffnung hat die Galerie Ausstellungen in Partnerschaft mit öffentlichen und privaten Museen kuratiert (V&A Museum, London; Hong Kong Arts Centre; Palazzo Reale und Triennale, Mailand; Museo delle Culture, Lugano und Nicola Erni Collection Zug). Die Mitbegründer und Direktoren der Galerie, Eugenio Calini und Luca Casulli, leiten 29 ARTS IN PROGRESS mit dem Ziel, die höchsten Standards im Sammeln von Kunstfotografie zu erfüllen.

Cars and Cows…

Pontiac Firebird | Texas Longhorn with black markings around the eyes © Ute Behrend

Cars and Cows – oder was haben Autos und Rinder für Gemeinsamkeiten? Die aufgenommenen Cars sind Oldtimer und die dokumentierten Rinder sind spezielle Rassen, die nicht geeignet sind für eine intensive Fleischproduktion. In der Regel werden Oldtimer und eben auch Rassenrinder mit Nummernschildern und Markenzeichen versehen – eine Art der Dokumentation von Auslaufmodellen…

Two Black Angus cows © Ute Behrend

Die Aufnahmen lass einen im American Dream schwelgen und unendlich langen Strassen träumen, die von Weiden umgeben sind mit eben genau diesen Rindern mit ihren meist interessiertem Blick, den sie einen zuwerfen und den oft langen Hörnern. Die Bilder machen auch nachdenklich und man stellt sich die Fragen: Wo gibt es noch solche Rinderrassen? Warum werden die Oldtimer, die Autowracks nicht ordentlich entsorgt?

Chianina cattle © Ute Behrend

Alles an diesem Fahrzeug war vollkommen, vom aufklappbaren Verdeck bis zu den Rädern mit den hellen Luftdruckreifen. Einen solch allmächtigen Optimismus strahlte dieses Wunder der Technik aus, dass allen, die kamen, es zu bestaunen, der Tod als überholtes Element einer alten Ordnung erscheinen musste, eine Art prähistorische Schwäche, die die Menschheit überwinden konnte, wenn sie nur ihrem Drang nach Fortschritt folgte und für immer der Technik vertraute. Was dann kommen würde, konnte nicht schlecht sein, unterlag es doch der Kontrolle blitzend steriler Werkzeuge, Geräte und Utensilien. Und weil diese sich reparieren liessen, waren sie gewissermassen unsterblich. (Olga Tokarczuk)

White Karmann Ghia © Ute Behrend

"Wir lieben es nicht, Tiere, die wir zu unseren Sklaven gemacht haben, als ebenbürtig zu betrachten." (Charles Darwin)

Scottish Highland cattle © Ute Behrend

Der Verlag zum Buch: Mit Cars and Cows legt uns Ute Behrend ihre subtilen Beobachtungen zum Fortschrittsmythos des American Dream und zur Fragilität unserer Epoche vor – ein poetischer Blick über den Strassenrand hinaus!

In gleichem Masse, in dem der American Dream in die Jahre gekommen ist und bröckelt, führt Ute Behrend in ihren Fotografien zwei Auslaufmodelle zusammen, die mit den guten alten Zeiten der Vereinigten Staaten assoziiert sind: Amerikanische Oldtimer und alte Rinderrassen.

Auf ihren Reisen durch die USA fielen der Kölner Fotografin immer wieder Chevrolets, Cadillacs und andere klassisch amerikanische Autos auf – zum Teil liebevoll gepflegt, zum Teil sich selbst überlassen, rostend, am Strassenrand. Gleichermassen blickte sie immer wieder in die aufmerksamen Augen von Longhorns und anderen Rindern. – Diese haben mehr mit den motorisierten Zeitzeugen des American Dream gemeinsam, als man denkt: Beide sind nummeriert und erfasst, stossen unzeitgemäss viel klimaschädliche Gase, CO2 und Methan aus, belasten also die Umwelt und sind Symbole einer Ära, die guten Gewissens aus dem Vollen schöpfte und Symbole des Reichtums feierte. Ute Behrends empathischer Blick lässt eine gewisse Nostalgie zu, ohne ins Kitschige abzurutschen.

Two Ford Mercury © Ute Behrend

Ute Behrend lebt und arbeitet in Köln und ist Künstlerin, Verlegerin und Dozentin. Sie ist Mitbegründerin des Verlags BUMMBUMM BOOKS und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPH) und Teil des Präsidiums der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA). Ute Behrends Fotografien und Videoinstallationen wurden international ausgestellt und sind in öffentlichen Sammlungen vertreten. Ihr erstes Buch "Girls some Boys and Other Cookies" veröffentliche sie bei Scalo Publisher 1996 in Zürich. "Bärenmädchen / Bear Girls" erschien 2019 als Buch und wurde in Israel, Spanien, Litauen, Deutschland, Griechenland, der Schweiz und den Niederlanden präsentiert und wurde mit dem Julia-Cameron-Preis und dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet.

Six Hereford calves and a Black Angus calf © Ute Behrend

BUMMBUMM BOOKS hat es sich zum ehrgeizigen Ziel gesetzt, den visuell poetischen Raum zurückzuerobern – sei es in Form von Fotobüchern wie dem vorliegenden von Mit-Verlegerin Ute Behrend, Fine-Art-Prints oder auch den freedom books, die den ganz persönlichen Konzepten von Freiheit gewidmet sind. Ein scharfer Blick, aktuelle thematische Diskurse, sorgfältige Gestaltung und hervorragende Druckqualität bestimmen das engagierte Programm der Kölner um Verleger Florian v. Wissel.

White Chrysler Imperial Crown 1964-66 © Ute Behrend

Cars and Cows (ISBN 978-3-948059-07-1) von Ute Behrend kann direkt bei BUMMBUMM BOOKS oder im Buchhandel bezogen werden.

Heiwärts…

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Fünf Jahre nachdem ich aus meiner Heimat Weesen nach St. Gallen gezogen bin, empfinde ich heute viele sehr gegensätzliche Gefühle in Bezug auf meine Heimat. Auf der einen Seite fühle ich mich dort tief verwurzelt und die Natur ist wunderschön. Andererseits taucht da auch ein anderes Gefühl auf: bei jedem Besuch in meiner Heimat plagt mich auch ein erdrückendes Gefühl. «Heiwärts» ist die direkte Auseinandersetzung mit dieser Ambivalenz. (Sara Spirig)

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Sara Spirig (*1996) ist in Weesen aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zur Interactiv Media Designerin EFZ schloss sie 2023 der Schule für Gestaltung in St. Gallen den Lehrgang zur diplomierten Kommunikationsdesignerin HF Richtung Fotografie ab.

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Heiwärts ist die Diplomarbeit zum Thema Hybrid von Sara Spirig. Das Thema Hybrid bringt sie im ersten Moment mit Technik in Verbindung. Stellte aber in der Auseinandersetzung mit dem Begriff und diversen Bildbesprechungen fest, dass Hybrid etwas auslöst und kam so zu ihrer Projektidee.

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Im Gespräch mit Mike Gadient, Kommunikation GBSSG sagt sie zudem: "Die Fotografie holt mich aus der Komfortzone. Ich fotografiere aktuell primär mit Menschen. Da man aber häufig nicht weiss, wen man vor sich hat, ist da eine gewisse Anspannung mit dabei. Das ist die Herausforderung für mich als Fotografin, die ich jedes Mal gerne annehme. Zusammen kreieren wir und erreichen ein Ergebnis. Dieses soll so sein, dass ich selber und mein Gegenüber zufrieden sind."

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Das Studium dipl. Kommunikationsdesigner*in HF, Fotografie an der Schule für Gestaltung in St. Gallen ist seit 2011 durch das SBFI anerkannt.

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Das erwartet dich im Studium: Die Neugier am Experiment und die Auseinandersetzung mit Bildern sind die Grundlage einer eigenständigen, fotografischen Vision. Im Spannungsfeld von stehendem und bewegtem Bild entwickeln die Fotografin/der Fotograf einen eigenen Zugang zum Medium Fotografie. Im Zentrum des Studiums stehen die gestalterische Auseinandersetzung und die Ausbildung einer individuellen Bildsprache.

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Die verschiedenen Fachexperten aus dem professionellen Berufsumfeld Fotografie, Bildredaktion, Art Direktion u.v.m. vermitteln den Studierenden ihr praktisches und theoretisches Wissen und begleiten diese individuell in ihrer Entwicklung.

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

 

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig


Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig


Aus der Serie Heiwärts © Sara Spirig

Archivgeschichte #6 - Frances McLaughlin-Gill

Manhattan, Vogue, 15. November 1944 © Frances McLaughlin-Gill

Frances McLaughlin-Gill (1919 in Brooklyn, New York - 2014) war eine amerikanische Fotografin und eine der ersten weiblichen Modefotografinnen, die bei Vogue unter Vertrag stand. Nach zwei Jahrzehnten in der Modebranche arbeitete sie ein Jahrzehnt lang als unabhängige Filmproduzentin und drehte Werbefilme. Einer ihrer Filme gewann 1969 die Goldmedaille beim Internationalen Film- und Fernsehfestival von New York. In ihrer späteren Karriere veröffentlichte sie mehrere Sammlungen, sowohl mit ihrer Schwester als auch in Zusammenarbeit mit anderen Autoren.

Untitled (woman smoking a cigarette), c. 1950 © Frances McLaughlin-Gill

Frances McLaughlin wurde am 22. September 1919 in Brooklyn, New York, als Tochter von Kathryn und Frank McLaughlin geboren. Sie war die Zwillingsschwester von Kathryn Abbe. Ihr Vater starb, als die Zwillinge drei Monate alt waren, und die Familie zog nach Wallingford, Connecticut, wo sie ihre Schulausbildung abschlossen. Frances machte 1937 ihren Abschluss an der Lyman Hall High School als Klassenbeste und Kathryn war die Zweitbeste. Die Zwillinge schrieben sich dann am Pratt Institute ein, um Fotografie zu studieren und machten 1941 ihren Abschluss. Im selben Jahr nahmen beide an dem von Vogue gesponserten Prix de Paris-Wettbewerb teil und waren unter den fünf Finalisten.

Nan Martin, Jones Beach, NY, Glamour, 1950. © Frances McLaughlin-Gill

McLaughlin-Gill arbeitete anschliessend als Stylistin für Montgomery Ward und wurde schliesslich Toni Frissell, einem Fotografen der Vogue, vorgestellt. Frissell stellte sie Frances Alexander Liberman vor, dem neuen Art Director der Vogue, der sie 1943 einstellte. Liberman war der Meinung, dass McLaughlin einen frischen Ansatz hatte. Ihre Direktheit und Spontaneität machten McLaughlin für ihn zu einer idealen Fotografin, denn ihre Bilder waren weniger gestellt und natürlicher als die vieler Modefotografen jener Zeit. Sie begann mit Fotoshootings mit Nachwuchsmodellen für Glamour Magazine, das sich an ein jüngeres Publikum richtete, und war in der Lage, Bewegungen auf eine Art und Weise einzufangen, wie es bis dahin nicht möglich gewesen war. In den 1940er und 1950er Jahren schuf McLaughlin einige der stärksten Bilder, die in der amerikanischen Ausgabe der Vogue erschienen. Neben Modefotografien schuf sie auch Fotos von Prominenten sowie Stillleben für Leitartikel und Titelseiten von House & Garden. 1948 heiratete sie den Fotografen Leslie Gill, der als einer der ersten Fotografen bekannt wurde, der Farbfilm verwendete.

Nan Martin, Street Scene, First Avenue, 1949 © Frances McLaughlin-Gill

Einer der Höhepunkte ihrer Karriere war McLaughlins Arbeit bei der Paris Fashion Week 1952. Obwohl sie weiterhin für Glamour, House & Garden und Vogue arbeitete, wurde McLaughlin 1954 freiberufliche Fotografin bei Condé Nast Publications. In den sechziger Jahren schrieb sie regelmässig für die britische Vogue. Nach dem plötzlichen Tod Gills 1958 begann McLaughlin, ihren Nachnamen mit Bindestrich zu schreiben. Im folgenden Jahr arbeiteten die Schwestern gemeinsam an einer Sammlung von Kinderfotos, die in Modern Photography veröffentlicht wurden. Zwischen 1964 und 1973 drehte McLaughlin-Gill als unabhängige Filmproduzentin und Regisseurin Werbespots und Filme. Ihr Film Cover Girl: New Face in Focus über das Model of the Year, Elaine Fulkersons Weg zum Modemodell, gewann 1969 die Goldmedaille beim International Films and TV Festival of New York. Ende der 1970er Jahre begann sie, an der School of Visual Arts in Manhattan Fotografie-Seminare zu geben.

Vogue, March 1, 1947 © Frances McLaughlin-Gill

McLaughlin-Gill begann nach 1976, einige ihrer späteren Werke in Buchform zu veröffentlichen. Einige ihrer bekanntesten Sammlungen waren Women Photograph Men (1976) und Twins on Twins (1981), das zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Kathryn Abbe veröffentlicht wurde. Sie fotografierte auch für mehrere Autorenbücher, darunter ein Buch über Körpersprache, Face Talk, Hand Talk, Body Talk (1977) von Sue Castle und Jane Fearer Safers Spirals From the Sea: An Anthropological Look at Shells (1983). 1984 bereitete sie Fotografien für eine retrospektive Ausstellung der Werke ihres Mannes für das New Orleans Museum of Art vor. 1995 fand eine Ausstellung ihrer Fotografien in der Hamilton’s Gallery in London statt und 2011 veröffentlichten sie und ihre Schwester ihr letztes gemeinsames Buch, Twin Lives in Photography. Die Schwestern waren 2009 Gegenstand eines von Nina Rosenblum, produzierten Dokumentarfilms, Twin Lenses, der ihre Pionierrolle in der Fotografie beleuchtete und Interviews mit den Zwillingen enthielt. McLaughlin-Gill starb am 23. Oktober 2014.

Marguerite Dillemuth with a car, 1946 © Frances McLaughlin-Gill

Tina Campbell at the Hall of Mirrors, Versailles © Frances McLaughlin-Gill, ICP

Glamour, 1946 © Frances McLaughlin-Gill

Beauty through the man's eyes, for Glamour, Summer issue, 1950 © Frances McLaughlin-Gill

Theatre Time, Broadway - Producer Gardner Cowles with Catherine Hannon - taken for Vogue, Oct. 15, 1953 © Frances McLaughlin-Gill

Untitled (woman's face with eye highlighted), c. 1950 © Frances McLaughlin-Gill

Central Park South Near 6th Avenue, NYC, Photo by Leslie Gill, 1953 © Frances McLaughlin-Gil

Beth Wilson, Vogue, 1945 © Frances McLaughlin-Gill

Immaculate Space – oder die Schönheit der Natur

Immaculate Space No4, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Immaculate Space – eine Geschichte der Schönheit der Natur.

Immaculate Space No1, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Die steinige und sandige Ebene erzählt die Geschichte von trockener Erde, von Widerstandskraft und gleichzeitig von einer Sanftheit, die kaum sichtbar, jedoch enorm spürbar ist. Zarte Gräser nützen die seltene Feuchtigkeit, sich durch Gestein und Sand dem Himmel entgegenzustrecken und mit feinen Blüten zu überraschen und zu verzaubern.

Immaculate Space No2, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Die karge Landschaft mag auf den ersten Blick trist und trostlos erscheinen, doch in Wirklichkeit birgt sie eine stille Eleganz und Kraft, die nur denjenigen offenbart wird, die bereit sind, genauer hinzuschauen und sich auf sie einzulassen.

Immaculate Space No3, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

In der Kargheit liegt eine Poesie verborgen, die uns lehrt, dass wahre Schönheit nicht immer prunkvoll und überwältigend sein muss, sondern auch in der Einfachheit und Bescheidenheit zu finden ist.

Immaculate Space No5, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Immaculate Space No6, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Gaudenz Danuser (1967) ist in Chur geboren und in Flims aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zum Zeichner reiste er während einem Jahr mit der Kamera durch Australien. Seit 1991 widmet er sich unter anderm der Architekturfotografie und betreibt ein eigenes Labor mit Dunkelkammer für schwarz-weiss Fotografie. 1995 hat er den Schritt in die Selbständigkeit als Fotograf gewagt für Fotoproduktionen für internationale Outdoorfirmen weltweit. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgestellt (Zermatt Shelter-Gallerie, Quant, Flims, photoSchweiz, Atelier Cularta, Laax, Trafo Baden) und ausgezeichnet (Hasselblad Master Finalist, International Color Award, Black & White Spider Award). Zudem hat er eine Kochbuch-Serie von Andreas Caminada bebildert (Pure Leidenschaft, Pure Freude, Pure Frische, Pure Tiefe).

Immaculate Space No7, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Immaculate Space No8, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Immaculate Space No9, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Immaculate Space No10, Hahnemühle Fine Art Paper, 70 x 90, Edition 5/1 AP © Gaudenz Danuser

Art, FineArt, LandscapeMiryam Abebe