In naher Ferne: Cécile Wick und die Poetik der Landschaft

Sommerstille, 2025, Pigment-Druck auf Moab Entrada Rag Natural-Papier, Edition von / of 3, Druckatelier Tom Blaess, Bern © Cécile Wick

Mit Druckgrafik, Zeichnung und Fotografie befragt Cécile Wick im Museum Franz Gertsch das Wesen der Natur. Ihre Arbeiten suchen nicht die blosse Dokumentation eines Ortes, sondern dessen malerische Verwandlung.

Sommerflimmern, Pigment-Druck auf Moab Entrada Rag Natural-Papier, Edition von / of 3, Druckatelier Tom Blaess, Bern © Cécile Wick

Ein flüchtiges Glänzen auf stehendem Wasser, das verästelte Geflecht lichter Baumkronen oder ein isoliert leuchtender Himmelskörper im tiefen Schwarz: In den Werken von Cécile Wick wird Natur zur reinen Vergegenwärtigung. Die Schweizer Künstlerin nutzt das fotografische Ausgangsmaterial nicht als beweiskräftiges Dokument, sondern begreift das Bild als autonome Setzung. Die Kamera sammelt Eindrücke auf Reisen und Streifzügen – von alpinen Schneefeldern über Meeresküsten bis zu feinsten Blattstrukturen –, doch die geografische Verortung tritt dabei vollständig zurück. Der reale Schauplatz dient ihr lediglich als Impuls, um in einen vielschichtigen Dialog mit den Bildtraditionen östlicher und westlicher Landschaftskunst einzutreten.

leere tage, 2025, Pigment-Druck auf Moab Entrada Rag Natural-Papier, Edition von / of 3, Druckatelier Tom Blaess, Bern © Cécile Wick

Indem Wick die kühle Glätte der reinen Fotografie hinter sich lässt, schlägt sie die Brücke zur Malerei. Über experimentelle druckgrafische Verfahren – von samtigen Monotypien über Gumprints und Pigmentdrucke bis hin zu Silber-Lithografien auf samtig-dunklem Grund – verleiht sie ihren Motiven eine spürbare materielle Tiefe und eine differenzierte Grauwert- und Farbskala. Ihre Bildräume entfalten eine kontemplative Kraft, getragen von Stille und einer verdichteten Zeitlichkeit. In ihnen begegnen sich Werden und Vergehen, Licht und Schatten sowie ein feines Gespür für das Erhabene der Natur. Im Innehalten vor dem Werk scheint der Fluss der Zeit anzuhalten: Das Gestern, das Jetzt und das Morgen fallen in einem einzigen Moment zusammen.

leise melodie, 2025, Pigment-Druck auf Rives B.F.K.-Papier, Edition von / of 5, Druckatelier Tom Blaess, Bern © Cécile Wick

Cécile Wick (*1954) blickt auf ein jahrzehntelanges Schaffen an den Schnittstellen von Fotografie, Grafik und Malerei zurück. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft in Zürich und Paris lehrte sie bis 2015 als Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre Arbeiten wurden durch internationale Stipendien und Aufenthalte geprägt sowie mit dem Kunstpreis des Kantons Zürich gewürdigt. Neben Ausstellungen im In- und Ausland realisierte sie wiederholt Kunst-und-Bau-Arbeiten im öffentlichen Raum. Sie lebt und arbeitet in Zürich.

Mond 1, 2026, Monotypie, Unikat, Steindruckerei Wolfensberger, Zürich © Cécile Wick

Das Kabinett des Museum Franz Gertsch in Burgdorf bietet für diese konzentrierte Werkbefragung den idealen Rahmen. In der von Anna Wesle gemeinsam mit der Künstlerin eingerichteten Ausstellung sind aktuelle Monotypien, Lithografien, Gumprints und Pigmentdrucke aus den Jahren 2024 bis 2026 versammelt, ergänzt durch Tuschzeichnungen auf schlichten Holzkonstruktionen unter Glas.

Leuchter 1 , 2026, Monotypie, Unikat, Steindruckerei Wolfensberger, Zürich © Cécile Wick

Die Ausstellung «In naher Ferne» ist vom 19. September bis zum 29. November 2026 im Kabinett des Museum Franz Gertsch in Burgdorf zu sehen. Zur Ausstellung ist ein begleitender Katalog bei Modo Press in Frankfurt am Main erschienen.

silverroses , 2025, Silber-Lithografie auf Sirio Ultra Black-Papier, Edition von / of 15, Druckatelier Tom Blaess, Bern © Cécile Wick

silverstrands , 2025, Silber-Lithografie auf Sirio Ultra Black-Papier, Edition von / of 15, Druckatelier Tom Blaess, Bern © Cécile Wick