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Vernissage | Zeitgenössische afrikanische Fotografie: Portraitfotografie aus der Edition POPCAP

  • ad hoc foto Schaalgasse 7 4500 Solothurn (map)

ad hoc foto | Solothurn
8. - 17. Juni 2018
Zeitgenössische afrikanische Fotografie: Portraitfotografie aus der Edition POPCAP

Fotografien von Nabil Boutros (Frankreich), Tahir Carl Karmali (Kenia), Paolo Patrizi (Italien), Léonard Pongo (Belgien), Romaric Tisserand (Frankreich) und Graeme Williams (Südafrika)


 Bild: Léonard Pongo

Bild: Léonard Pongo

In der Ausstellung werden Portraitfotografien aus der Edition POPCAP gezeigt. Sie umfasst sechs Positionen von Gewinnerinnen und Gewinnern des CAP Prize für zeitgenössische afrikanische Fotografie.

Nabil Boutros (*1954 in Kairo) lebt in Paris (Frankreich)
"(All) Egyptians": Das Erscheinungsbild, die Kleider einer Person, vermitteln ihre Identität oder ihre Art zu denken, es sind Behauptungen, die eine bestimmten sozialen Umgang erlauben. Ein perfektes Erscheinungsbild ist weniger eine Tatsache als reine Kommunikation. Wie weit können wir dem Bild trauen? Ich habe in den letzten Jahren beobachtet, dass viele Ägypter ihr Erscheinungsbild drastisch und verhältnismäßig rasch veränderten und gleichzeitig auch ihren sozialen Umgang anpassten. Was können wir daraus folgern? Dass jeder viele Gesichter hat? Dass die Kleidung den Mann macht? Ich begann mit diesem Projekt im Februar 2010. Ich mimte mein Gesicht unterschiedlich, kämmte und färbte meine Haare unterschiedlich; ich rasierte meinen Bart und schnitt meine Haare in unterschiedlichen Stadien. Dies alles über den Zeitraum von einem Jahr um unterschiedliche Charaktere Ägyptischer Männer zu verkörpern. Die Serie war 2010 in Kairo ausgestellt als bei einer Bombenattacke in Alexandria 21 Menschen ums Leben kamen. Wir nahmen dies zum Anlass, ein Protestposter mit den Bildern zu kreieren mit der Überschrift All Egyptians. Zehn Tage später begann die Revolution. Während der Sitz-ins auf dem Tahrir Platz hielten Aktivisten Poster mit All Egyptians als Symbol von Einigkeit.

Tahir Carl Karmali (*1987 in Kenia), lebt in New York (USA)
Jua Kali ist Suaheli und bedeutet "Glühende Sonne". Der Begriff ist eine traditionelle Bezeichnung für die inoffiziellen Arbeiter, welche tagaus tagein unter der heissen Sonne Arbeiteten. Heute wird der Begriff in Bezug auf Kenias Schattenwirtschaft verwendet, der einen entscheidenden Teil von Kenias Wirtschaft ausmacht; heute ist es der "Jua-Kali"-Sektor, der die Stadt Nairobi antreibt. Die Serie steht für die Reise des Handwerkers auf
seinem Weg der Selbstfindung, ausgehend von der ungezwungenen Disposition seiner Lebenserfahrungen hin zur Schaffung eines bewussten Selbstbildes. Der Jua-Kali-Sektor gründet sich auf dem anpassungsfähigen Charakter und der Beständigkeit der Jua-Kali-Arbeiter, die häufig lokal verfügbare recycelte oder gefundene Objekte verwenden, um
ihre eigenen Kreationen daraus zu entwickeln. Jedes Portrait beschreibt eine Persönlichkeit, die ein surreales Selbstbild geschaffen hat, um es in Nairobis Jua-Kali-Welt einzupassen.

Paolo Patrizi (*1965 in Rom) lebt in Rom (Italien)
"A Disquieting Intimacy": Das Phänomen ausländischer Frauen, welche Italiens Strassenseiten zieren, ist zu einer Normalität im italienischen Alltag geworden. Diese Frauen arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen; sie werden auf die Strasse geschickt ohne Hoffnung je ihren Aufenthaltsstatus geregelt zu bekommen und können daher leicht in die Fänge krimineller Netzwerke gelangen. Viele von ihnen sind Afrikanerinnen, welche als Prostituierte arbeiten, um Geld an ihre Familien schicken zu können. Für fast zwanzig Jahre gehen Frauen aus Benin Stadt – Ein Ort im Staat Edo, im südlichen Zentralnigeria – nach Italien um im Sexgewerbe zu arbeiten. Die erfolgreichen unter ihnen haben seither jüngere Nachfolgerinnen rekrutiert. Ihren Familien eine bessere Zukunft zu bieten, ist die Hauptmotivation für die Emigration durch Schleppernetzwerke aber auch auf eigene Faust. Im Ausland zu Arbeiten wird als beste Strategie der Armut zu entkommen gesehen. Der Erfolg vieler Italos, wie die Frauen genannt werden, ist offensichtlich in Edo. Diese Art der Prostitution wurde zum völlig akzeptierten Gewerbe und die Legenden um den Erfolg der Frauen macht den Kampf gegen die Schlepperbanden umso schwieriger.

Léonard Pongo (*1988 in Liège) lebt in Brüssel (Belgien)
The Uncanny - Das Unheimliche ist ein dokumentarisches Projekt, welches in der Demokratischen Republik Kongo in den Provinzen von Kinshasa, Niederkongo, Bandundu, Kasaï und Katanga entstand. Das Projekt begann zur Zeit der Wahlen im Herbst 2011 und wurde durch die Begleitung von Familienmitgliedern, politischen Persönlichkeiten, Religionsführern und lokaler Fernsehsender umgesetzt. Ziel des Projekts war es, die lebensbestimmenden Ereignisse der Bevölkerung zu dokumentieren und zu versuchen, die kongolesische Gesellschaft zu verstehen und ein Stück der eigenen Identität des Künstlers wiederzuentdecken. Die Geschichte zeigt eine Sicht auf das Land, die sich aus
innerer Erfahrung schöpft. Das Projekt versucht das tägliche Leben im Kongo zu dokumentieren und zeigt die kollateralen Auswirkungen des Krieges anstelle der offensichtlichen Schäden. Léonard Pongos Bedürfnis, das Land mit anderen Augen zu sehen, außerhalb der so oft dargestellten Krisen, kombiniert mit der Offenheit der Menschen, die intimsten Momente mit ihm zu teilen, und seinem Willen, als Teil deren Lebens akzeptiert zu werden, ermöglichten ihm, sein Land sehr intim und subjektiv darzustellen.

Romaric Tisserand (*1974 in Toulouse), lebt in Pairs (Frankreich)

ULTRAMAR (EMPIRE TRAVEL CLUB)
Ohne Bild, kein Ereignis.
Ohne Ereignis, keine Geschichte.
Ohne Geschichte, keine Zukunft.

Ultramar (Empire Travel Club) ist ein umfassendes Archiv von 166 Portraits, die auf sechs Rollen Schwarzweiss-Silbergelatine-Negative zurückgehen, welche 2001 in Lissabon im Strassenpflaster eines Gehwegs gefunden wurden. Die Abzüge offenbaren einen Blick auf Portraits junger Afrikaner und Soldaten aus einer anderen Zeit. Die Fotostrecke entführt das Publikum in ein Reisebüro eines Reiches der Vergangenheit. Die Bilderwelt lässt die auf den Fotografien dargestellten Reiseziele geistig wieder aufleben: Sie zeichnet das intime Tagebuch des unbekannten Soldaten nach, vereinigt tausend einzelne Leben zu einer kollektiven Erinnerung, vermischt Vergangenheit und Gegenwart, entwirft die Zukunft und bringt die Geschichte in einen Rahmen.

Graeme Williams (*1961 in Kapstadt) lebt in Johannesburg
"On the other Side": Seit den ersten demokratischen Wahlen 1994, befindet sich Südafrika im Wandel, wobei sich im Verlauf der Jahre Realitäten und Herausforderungen einer sich entwickelnden Nation gezeigt haben. Es bleibt eine schwierige Gleichgewichtsübung die die Bedürfnisse und Nöte einer relativ neuen demokratischen Befreiung mit der geerbten Apartheid-Vergangenheit auszubalancieren. Zurzeit besteht eine ungute Spannung, da die soziale und physische Landschaft Südafrikas weiter auseinanderdriften. Dieser Zustand wird von der Mischung von realen und gefühlten Gegensätzen aufrechtgehalten: Gegenwart und Vergangenheit, Wohlstand und Armut, Schwarz und Weiss, Macht und Ohnmacht. On the Other Side richtet sich auf das Isolierte, indem Facetten des täglichen Lebens im Land erzählt werden, mit dem Bestreben die Komplexität und die fragmentierte Natur des Transformierungsprozesses widerzuspiegeln. Die Fotografien betonen beides, den Wandel und das Fehlen an Veränderung. Die Arbeit ist als Kommentar zu der verflochtenen Beziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und einer ungewissen Zukunft zu verstehen.

CAP Association
Die CAP Association ist eine Non-Profit-Organisation und verfolgt das Ziel afrikanische Fotografie in der Kunst zu fördern und mehr Öffentlichkeit zu schaffen für Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem afrikanischen Kontinent befassen. Jährlich werden die fünf durch den CAP Prize ausgezeichneten Portfolios an internationalen, öffentlich zugänglichen Ausstellungen gezeigt. Ausserdem veranstaltet die CAP Association das IAF Basel - Festival für zeitgenössische Kunst und verlegt die Edition POPCAP.