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Ausstellung | Äussere Unordnung - Andrzej Steinbach | Coalmine - Raum für zeitgenössische Fotografie | Winterthur


  • Coalmine - Raum für zeitgenössische Fotografie Turnerstrasse 1 8401 Winterthur Schweiz (Karte)

Coalmine - Raum für zeitgenössische Fotografie | Winterthur
19. Oktober - 21. Dezember 2018

Äussere Unordnung
Andrzej Steinbach


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Andrzej Steinbach wurde 1983 in Czarnkow in Polen geboren und wuchs in Karl-Marx-Stadt bzw. Chemnitz auf. Sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig absolvierte er in der Klasse für Fotografie 2013 mit dem Diplom und 2017 mit dem Meisterschülerabschluss. Aktuell lebt und arbeitet er in Berlin. Steinbach ist ausserdem Träger des Bundespreises für Kunststudierende 2017/2018. 2015 war er bereits anlässlich der Präsentation Situations #16 im Fotomuseum Winterthur präsent. Seither befinden sich sieben fotografische Arbeiten in der Sammlung des Museums. 

Die Fotografien und Objekte von Andrzej Steinbach wecken einen Geist des Widerstands, der ohne sichtbaren Gegner auftritt und sich zuerst einfach nur als ästhetische Form präsentiert. Im Licht der aktuellen Berichterstattung zu den Ausschreitungen in Chemnitz, der Heimatstadt von Steinbach, erfährt die in Winterthur gezeigte Arbeit eine ungeahnte Aktualisierung. In ihrer räumlichen Konstellation erschliessen sich nach und nach Fotografie und Skulptur und eröffnen eine politische Lesart. So treffen z.B. an Demonstrationen erinnernde Werkzeuge oder Utensilien auf in Street-Style-Fashion gekleidete Models. Hoodys und Sweat Pants, Bomberjacken oder wahlweise Militärcamouflagejacken mit deutschen Flaggenaufnähern, getragen von desinteressiert oder cool vor der Kamera agierenden Jugendlichen, sind nicht selten Motive seiner Fotografien. Transportiert hier der Künstler eine Melancholie gegenüber dem Verlust der Rebellion?  

Zwei sich in der Ausstellung befindende Arbeiten seien hier kurz beschrieben: Das militante Potential einer Fotografie – sie zeigt gänzlich unprätentiöse Objekte wie einen Schallplattenspieler mit zerkratztem Plexiglasdeckel, eine Lonsdale-Jacke, Zigaretten und allerhand Krimskrams – erschliesst sich erst mit dem Wissen, dass es sich um den Plattenspieler Andreas Baaders handelt, der ihm im Gefängnis in Stammheim als Waffenversteck diente. Auf einem sich tatsächlich in der Ausstellung befindenden Plattenspieler werden die auf Vinyl aufgenommenen Namen aller Mitglieder der Terrorgruppe Rote Armee Fraktion aufgezählt. Zusätzlich im Raum findet sich ein Eigenbau-Schlagstock, der für eine Demo aus einer Strebe eines Einkaufswagens der Supermarktkette "Hit" (auf Englisch Schlag) gebastelt wurde.  

Andrzej Steinbach geht es um die Frage, wie nach dem umfänglichen Siegeszug eines glatten Warenpiktorialismus Uneindeutigkeit und politischer Nonkonformismus wieder bildnerisch transportiert werden können.

(Text: Alexandra Blättler)