Freihändig auf dem Fahrrad, 1946 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle
Die Ausstellung Movement führt durch die jahrzehntelange, bewegte und sich stets wandelnde Karriere des Schweizer Fotografen René Groebli – einem Künstler, der nie stillstand und immer wieder Neues, bisher Ungesehenes wagte, ohne sich permanent auf einen bestimmten Stil, ein Genre oder eine Technik festzulegen.
Entkleiden, Auge der Liebe, 1952 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle
Groeblis Gesamtwerk ist so facettenreich, dass es nicht in einzelnen, ikonischen Bildern gelesen werden kann. Es umfasst dynamische Strassenfotografien voller Bewegungsunschärfe, Experimente in Farbe, Montagetechniken sowie intime Studien über Leben, Liebe und Körperlichkeit in Schwarzweiss. Wenn sich etwas verlässlich durch sein Œuvre zieht, ist es ein klar erkennbarer, unstillbarer Durst nach neuen Ausdrucksformen. Eine seiner ersten Aufnahmen – freihändig vom Fahrrad aus über den Lenker hinweg fotografiert – zeugt bereits von einer frühen Faszination des Künstlers für Geschwindigkeit und steht symbolisch für eine Karriere, die keinem linearen Verlauf folgt und den vorherrschenden formalen Normen stets einen Schritt vorauseilen wird.
Magie der Schiene, (#569), 1949 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle
Groebli fühlt und arbeitet lyrisch und intuitiv. Eine begonnene Ausbildung an der Zürcher Kunstgewerbeschule bei Hans Finsler, dessen Schule in der kühlen, statischen Neuen Sachlichkeit verwurzelt ist, brach er alsbald ab, um stattdessen der lockenden Lebendigkeit der Strassen, Clubs und Bühnen Zürichs zu folgen. Wie ein Filmemacher versucht er, das Wesen der Bewegung in statischen Bildern sichtbar zu machen, verzichtet dabei auf perfekte Schärfe, lässt Elemente des Zufalls bewusst zu und fängt so nicht nur Bewegung, sondern auch Emotionen ein. Dieser subjektive, freie Umgang mit dem Medium Fotografie zeugt von einer cineastischen Sensibilität, die in krassem Gegensatz zur damals vorherrschenden Strenge der Schweizer Nachkriegsfotografie steht.
Ballspiel auf der Quaibrücke, 1950 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle
Die Ausstellung lädt dazu ein, Groeblis Fotografie so zu erfahren, wie er sie gelebt hat: als dynamische, zentrifugale Kraft, die Bewegung in all ihren Formen einfängt – physisch, emotional und künstlerisch – und sie offenbart einen Künstler, für den die Fotografie nicht nur ein Mittel war, die Welt neutral zu dokumentieren, sondern ein lebendiges Medium in ständigem Wandel: bewegt und bewegend.
Cornelia, 1961 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle
Die Bildhalle am Stauffacherquai in Zürich hat sich seit ihrer Gründung durch Mirjam Cavegn zu einer der bedeutendsten Adressen für klassische und zeitgenössische Fotografie in der Schweiz entwickelt. Die Galerie, die heute auch mit einem Standort in Amsterdam international präsent ist, zeichnet sich durch ein Programm aus, das eine Brücke zwischen den grossen Meistern des 20. Jahrhunderts – wie René Groebli oder Werner Bischof – und innovativen zeitgenössischen Positionen schlägt. Mit einem feinen Gespür für die haptische Qualität und die erzählerische Kraft des Mediums schafft die Bildhalle einen Raum, in dem Fotografie nicht nur als Dokument, sondern als eigenständige, poetische Kunstform gefeiert wird.
Die Ausstellung kann bis 28. Februar 2026 in der Bildhalle besucht werden.