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Art Tour | Die Kuh - eine Feldforschung - Ursula Böhmer | Leica Galerie | Konstanz

  • Leica Galerie Gerichtsgasse 9 78462 Konstanz Deutschland (Karte)

Leica Galerie | Konstanz
30. November 2019

Die Kuh - eine Feldforschung
Ursula Böhmer


Barrosã, Portugal / Alto Trás-os-Montes 2001

Barrosã, Portugal / Alto Trás-os-Montes 2001


„Werdet wie Kühe!“ hatte Nietzsche dem Menschen geraten, denn „alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Weide“. Mit ihrer dritten Ausstellung hilft uns die neue Konstanzer Leica Galerie bei diesem Schritt: „Die Kuh – eine Feldforschung“ lautet der Titel. Gezeigt werden zentrale Aufnahmen der international in Ausstellungen und Sammlungen vertretenen Fotokünstlerin Ursula Böhmer. Kühe – Porträts mit direktem Blickkontakt, die Körperlandschaften ihrer mächtigen Leiber, sowie Grasflächen auf denen sie weiden.

Die aus Aachen stammende und in Berlin lebende Künstlerin, Jahrgang 1965, hat seit Ende der 90er-Jahre vom Aussterben bedrohte Rinderrassen in ganz Europa porträtiert – Rassen mit klingenden Namen wie Barrosã, Piemontese, Valdostana, Avileña, Prespa. Diese Fotografien, die eine jede Kuh in ihrer Individualität zeigen, mögen an Darstellungen erinnern, die man aus der Malerei des 18. Jahrhunderts kennt, als man begann, einzelne Rinder und Pferde als Statussymbole zu porträtieren. Doch „neben der wissenschaftlich anmutenden Studie war mein Ziel, durch die Porträts in einen stummen Dialog mit dem Tier zu treten und im erwiderten Blick des Tieres auch über das Menschsein nachzudenken“, sagt Böhmer. Es gehe ihr um die Kuh an sich, jenes Wesen, das die komplette Menschheitsgeschichte begleitet hat, aber heute „längst durchgängig industrialisiert“ ist.

Der Blick einer Kuh, 1987 eher zufällig im Vorübergehen aufgenommen – ein sehr sprechender Blick, war der eigentliche Auslöser, sich in dem Langzeitprojekt so intensiv und so zeitlos mit dem Tier auseinanderzusetzen. Seitdem begegnet die Künstlerin der Kuh auf Augenhöhe, porträtiert sie unverfälscht und würdevoll, fast erhaben, ohne aufwändige Technik, in möglichst neutralem Licht. Dafür benutzt sie ausschließlich analoge Aufnahme- und Verarbeitungsmethoden. Während einer Fotosession versucht Böhmer stets, eine gewisse Nähe zu den Kühen aufzubauen, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und ihre Präsenz spürbar zu machen. Wer schon mal Tiere fotografiert hat, weiß, wie schwierig das sein kann. Ihr jedoch gelingen stets Aufnahmen, auf denen Kühe gesammelt und ruhig vor ihr stehen und uns aus sanften Augen tiefgründig, interessiert ansehen. Ursula Böhmers Perspektive auf die Kuh ist voller Zuneigung und charmantem Humor, aber sie regt auch unmissverständlich dazu an, ihr mit Achtung und auf Augenhöhe zu begegnen.