Die Zähmung des Ungezähmten: Laurence Kubskis SAUVAGES...
Reconstitution d’un souvenir d’enfance, le concours de vitesse d’escargots 2024, © Laurence Kubski
In der zeitgenössischen westlichen Kultur ist das Bild der unberührten Natur längst einer Realität gewichen, in der jedes Lebewesen seinen Platz in einem engmaschigen System aus menschlicher Kontrolle und Fürsorge findet. Genau diesem Spannungsfeld widmet sich die Fotografin Laurence Kubski in ihrem Projekt SAUVAGES (dt. Wild).
Broches en forme d’edelweiss fabriquées par un chasseur à partir de dents de renards qu’il a luimême abattus 2024 © Laurence Kubski
Über den Zeitraum eines Jahres dokumentierte Kubski die vielfältigen Interaktionen zwischen Mensch und Tier im Kanton Freiburg. Ihre Linse fängt dabei Momente ein, in denen die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation zunehmend verschwimmt: Die Motive reichen von der technisierten Rettung von Rehkitzen mittels Drohnen vor der Mahd bis hin zur wissenschaftlichen Katalogisierung von Fledermäusen und Vögeln. Diese dokumentarischen Einblicke verwebt sie geschickt mit persönlichen Kindheitserinnerungen aus dem ländlichen Freiburg, wie etwa der Inszenierung eines Schneckenrennens.
Autocollants à appliquer sur les vitres pour éviter les collisions d’oiseaux 2024 © Laurence Kubski
Die Ausstellung wirft damit die provokante Frage auf: Existiert das Wilde überhaupt noch? Kubskis Werk zeigt eine Fauna, die entweder überwacht, gejagt oder geschützt wird – aber in jedem Fall unter ständigem menschlichem Einfluss steht. Ob es handgefertigte Broschen aus Fuchszähnen sind oder die akribisch geordnete Glassammlung eines Taxidermisten im Naturhistorischen Museum – das Tier wird in diesen Kontexten oft zum Objekt oder Symbol menschlicher Kultur degradiert.
Fauvette à tête noire du Musée d’histoire naturelle de Fribourg 2025 © Laurence Kubski
Die Galerie FOCALE bietet den idealen Rahmen für diese ästhetische und soziologische Untersuchung. Kubski, die bereits mit dem Swiss Design Award ausgezeichnet wurde, gelingt es, lokale Praktiken als repräsentative Stichproben unserer heutigen westlichen Gesellschaft darzustellen. SAUVAGES ist somit weit mehr als nur ein Porträt der Freiburger Tierwelt; es ist ein Spiegel unseres eigenen Selbstverständnisses gegenüber der Natur.
Collection de yeux du taxidermiste du Musée d’histoire naturelle de Fribourg 2024 © Laurence Kubski
Die Ausstellung SAUVAGES wird am 18. April 2026 eröffnet und kann bis zum 14. Juni 2026 in der Galerie FOCALE besucht werden.