Auszeit, fête nationale française, Lunas 2015 © Regine Flury
Wenn eine Kuratorin nach vielen Jahren der Vermittlung ihr eigenes fotografisches Schaffen zeigt, verändert sich der Blickwinkel. In der Basler Einzelausstellung «fern und doch so nah» breitet Regine Flury Arbeiten aus vier Jahrzehnten aus – ein unaufgeregter, empathischer Dialog über Fürsorge, Beziehungen und das Ineinandergleiten von Erinnerung und Gegenwart.
In Beziehung, KITA Gampiross, Basel 1981 © Regine Flury
Ein Mädchen springt barfuss vom Sockel, der Rock fliegt in der Luft, der Moment ist ganz Leichtigkeit und Bewegung. Es ist eine Schwarzweissfotografie aus einer Kindertagesstätte von 1981, getragen von einer Nähe, die ohne jede Pose auskommt. Unweit davon glimmt das Papier einer Laterne am Abend eines französischen Quartierfests, während andere Arbeiten Landschaften und Industriezonen in analogen Mehrfachbelichtungen übereinanderlegen. Regine Flury sucht nicht den lauten Effekt. Ihre Bilder beobachten ruhig und genau dort, wo sich Menschen begegnen oder der Alltag eine kurze Pause einlegt.
Beunruhigt, Neuseeland 2009 © Regine Flury
Entlang der Themen «Unsichtbare Arbeit», «In Beziehung» und «Beunruhigt» verbindet die Ausstellung frühe Aufnahmen mit aktuellen Werken. Das Archiv wird dabei lebendig: Vergangenes rückt heran, Zeitgrenzen werden durchlässig. Flurys Aufmerksamkeit gilt Tätigkeiten, die selten im Zentrum stehen – etwa die alltäglichen Handgriffe einer Reinigungskraft oder unbezahlte Betreuungsarbeit. Auf Jahrmärkten und «Chilbis» fängt sie die bunten Augenblicke des Fests ebenso ein wie die Stille danach, wenn die Musik verklungen ist und der Alltag zurückkehrt. In der Serie «Beunruhigt» verschränken sich Natureindrücke aus der Ferne mit technischen Bauten der Region Basel. Die Aufnahmen spiegeln ein vertrautes Nachdenken über Distanz und Verbundenheit.
Beunruhigt, 2026 © Regine Flury
Regine Flury, geboren 1959, lebt und arbeitet in Basel. Von 1987 bis 2024 unterrichtete sie Fotografie an der Schule für Gestaltung Basel, zudem lehrte sie am Institut Mode-Design der HGK und wirkt heute noch als Expertin und Mentorin. Seit vielen Jahren realisiert sie eigene freie Fotoprojekte, die sich stets durch eine feine menschliche Beobachtung und gesellschaftliche Wachheit auszeichnen.
Unsichtbare Arbeit, Paris 2026 © Regine Flury
Im Jahr 2011 gründete Flury gemeinsam mit weiteren Fotografie-Engagierten den Verein BelleVue – Ort für Fotografie. Das Haus im Basler Hinterhaus ist ein Ort für offene Diskussionen, Führungen und Ausstellungen, den sie massgeblich geprägt hat. Nun wechselt sie die Rolle als Vermittlerin und Kuratorin und tritt erstmals in einer Einzelausstellung als Fotografin in Erscheinung.
Auszeit, Lange Erlen, Basel 2026 © Regine Flury
Die Ausstellung «fern und doch so nah» ist vom 22. November bis 20. Dezember 2026 sowie vom 9. Januar bis 31. Januar 2027 bei BelleVue – Ort für Fotografie in Basel zu sehen.
In Beziehung, Frauenstreik, Basel 1991 © Regine Flury