Einträge in Kornhausforum Bern
Illusionen des Wohlstands: Beat Josts fotografische Zeitkapseln

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

Ein sonnengelber Wandapparat vor floralen Kacheln, ein Junge, der verträumt an einem Glace leckt, und eine junge Frau, die im Kostüm keck auf einer Waschmaschine hockt: Die Bilder von Beat Jost (1936–2026) erzählen von einer Epoche, in der die Zukunft glänzte und das Versprechen des Wohlstands in greifbare Nähe rückte. Als einer der gefragtesten Berner Werbe- und Sachfotografen prägte Jost die visuelle Kultur der 1960er- bis 1980er-Jahre massgeblich. Für Traditionsmarken wie das Warenhaus Loeb, Wander-Ovomaltine, Vidmar[1], IBA[2] oder Pierrot-Friola[3] setzte er die aufblühende Warenwelt mit meisterhafter Präzision in Szene und schuf Motive, die das Alltagsgedächtnis einer ganzen Generation formten. 

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

Unter dem Titel «Beat Jost – Schöne neue Welt» werden diese fotografischen Zeitkapseln nun in einer umfassenden Ausstellung im Berner Kornhausforum präsentiert. Aus zeitlicher Distanz entfalten die rund 50 ausgewählten Arbeiten, die aus dem im Staatsarchiv des Kantons Bern verwahrten Bildarchiv stammen, einen ganz eigenen Zauber. Längst haben sich die sorgfältig komponierten Arrangements von ihrem ursprünglichen Verkaufszweck gelöst. Viele der abgebildeten Produkte sind von den Ladentischen verschwunden, doch die Fotografien bleiben als Zeitzeugen einer Epoche, in der die Schweiz das Wirtschaftswunder zelebrierte und die Konsumgesellschaft ihre Identität fand.  

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

Die Retrospektive richtet den Blick bewusst über das freigestellte Werbeobjekt hinaus. Sie zeigt, mit welcher Raffinesse Jost Räume schuf, Modelle im gesellschaftlichen Umfeld verankerte und Sehnsüchte nach Modernität und Komfort visuell greifbar machte. Es entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen nostalgischer Vertrautheit und kulturhistorischer Erkundung, der das Publikum dazu einlädt, den Verheissungen der Nachkriegsjahre nachzuspüren.  

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

Der Berner Fotograf Beat Jost (1936–2026) zählte zu den bedeutendsten Werbe- und Sachfotografen der Schweizer Nachkriegsmoderne. In einer Phase wirtschaftlicher Expansion schuf er für führende Unternehmen wie Loeb, Wander-Ovomaltine, Vidmar, IBA und Pierrot-Friola präzise inszenierte Produkt- und Milieubilder für Inserate, Broschüren und Kataloge. Sein umfangreiches Bildarchiv wird heute im Staatsarchiv des Kantons Bern aufbewahrt.  

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

Das Kornhausforum im Herzen von Bern ist ein zentraler Ort für Fotografie, Architektur, Gestaltung und gesellschaftlichen Diskurs. Im 2. Obergeschoss des historischen Gebäudes bietet die Institution regelmässig Raum für Ausstellungen, die sich mit visueller Kultur, Stadtentwicklung und zeithistorischen Fragen auseinandersetzen.  

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

Die Ausstellung «Beat Jost – Schöne neue Welt» wird am 3. September 2026 eröffnet und kann bis zum 7. Februar 2027 im Berner Kornhausforum besucht werden.

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

[1] Die 1902 gegründete Vidmar AG (später in Liebefeld bei Bern ansässig) zählte zu den führenden Schweizer Herstellern von Archiv- und Büromöbeln aus Stahl, Lagersystemen und Tresoranlagen. Ihre funktionale Formensprache prägte die schweizerische Arbeits- und Industriewelt der Nachkriegsdekaden massgeblich. Das ehemalige Fabrikareal, die heutigen Vidmarhallen, ist heute ein etabliertes Kulturzentrum im Grossraum Bern. 

[2] Die IBA AG entwickelte sich von Bern aus zu einem der führenden Schweizer Anbieter von Büromaterial, Betriebseinrichtungen und Organisationssystemen. Über Jahrzehnte hinweg prägte das Traditionsunternehmen mit seinen weit verbreiteten Katalogen und Sortimenten die administrative Arbeitswelt und die Ausstattung schweizerischer Büros im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs. 

[3] Die Schweizer Traditionsmarke Pierrot-Friola war insbesondere für ihre Glace-Kreationen und Tiefkühlprodukte bekannt. Mit ihren weit verbreiteten Stängeliglaces und Dessertspezialitäten prägte der Hersteller die helvetische Alltagskultur und den sommerlichen Konsum der Nachkriegsjahrzehnte massgeblich.