Lost Islands and Flowers...

© Mireille Wunderly

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Finale

Più non muggisce, non sussurra il mare, il mare.
Senza i sogni, incolore campo è il mare, il mare.
Fa pietà anche il mare, il mare.
Muovono nuvole irriflesse il mare, il mare.
A Fumi tristi cedé il letto il mare, il mare.
Morto è anche lui, vedi, il mare, il mare.

Aus "La Terra Promessa", Giuseppe Ungaretti[1]

© Mireille Wunderly

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Die Landschaftsbilder in "Lost Islands and Flowers" erinnern an alte, vergilbte Postkarten, die man in einer Schachtel auf dem Dachboden der Grosseltern, Eltern oder finden kann. Sie erinnern an vergangene Urlaube auf einer Mittelmeerinsel, die Liebesgeschichte einer Tante oder besten Freundin der Familie. Im Innersten mögen sie wohl auch die Sehnsucht nach einer Reise an verstecke Orte wecken, die man aus Filmen mit Gina Lollobrigida oder an "Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante.

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Der Blumen Rausch
Das Blumen Meer

nie kann es dein letzter Atem sein
die Herzrose der Blumenstern
senden Blumenduft Verlust und Nähe
Dornen des Leibes Schmerzen
nochmals Blütenblätter rauschen
wie Sehnsucht die nicht wiederkommt
im Blütenstaub ertrunken
Töne von klirrenden Bergspitzen
für die Muschel die Leidenschaft hört
die Schwalbe dreht auf Süden
die Rosenbüsche welken
Knospen sich öffnen
erlösen von vernichtenden Gefühlen
im Pollenparadies versinken
im Blütenstaub ertrunken

Mireille Wunderly

© Mireille Wunderly

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"In Erloschene Inseln – sinkende Blüten treffen zwei Welten aufeinander: die Blüte und die Insel. Ausgehend von diesem Gegensatzpaar öffnet die fotografische Recherche von Mireille Wunderly ein Feld von Referenzen, das auch stellvertretend für ihr reiches künstlerisches Schaffen steht. Dass die Künstlerin ihre Arbeiten in dieser Publikation durch mehrere Gedichte ergänzt, lenkt den Fokus auch auf die sprachliche Gestalt des Titels." Susanna Koeberle geht in ihrem Text auf weitere Aspekte des Werks von Mireille Wunderly ein und zeigt, wie verwoben die Blumen- und Landschaftsbilder mit den Gedichten sind, auf.

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Mireille Wunderly (*1935) ist in Zürich geboren. Sie besuchte 1953 – 1954 den Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Zürich (ZHdK) und liess sich 1954 – 1956 an der Porzellanmanufaktur Richard Ginori in Doccia bei Florenz und der Ecole Suisse de Céramique in Chavannes-près-Renens zur Keramikerin ausbilden. 1957 – 1960 besuchte sie in Rom und München die Kunstakademie mit Schwerpunkt Skulptur. Während einigen Jahren lebte sie in Paris (1960 – 1962), New York (1963 – 1968), London (1970 – 1973) und Rom (1987 – 2007). 1962 erhielt sie ein Stipendium der Fairleigh Dickinson University in New Jersey. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen (Kunst im West Galerie, Zürich, Galleria Artevisive, Rom, Galerie Werner Bommer, Zürich, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz, Kulturhaus Palazzo, Liestal, Julian Pretto Gallery, New York und anderen) präsentiert.

© Mireille Wunderly

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Susanna Koeberle ist freie Journalistin und bezeichnet sich als Nomadin mit Basis in Zürich. Als Journalistin und Autorin setzt sie unterschiedliche Disziplinen und Kulturen in Beziehung zueinander. Thematische fokussiert sie sich auf Design, Architektur und Kunst sowie auf ihre vielfältigen Schnittstellen.

© Mireille Wunderly

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Die Galerie & Edition Stephan Witschi hat sich der Fine Art Fotografie und der Malerei verschrieben. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich insbesondere auf Positionen, die ihren eigenen künstlerischen Weg verfolgen und dabei unabhängig von Trends nahezu zeitlos aktuell bleiben. In ihrem Programm, das sich durch Diversität und Gegenwartsbezogenheit auszeichnet, sind sowohl international renommierte Künstler*innen wie Jungjin Lee als auch aufstrebende Fine Art-Fotografen*innen wie Ester Vonplon, die durch Museumsausstellungen und Preise ihren Platz in der internationalen Kunstszene gefunden haben. Klare Haltungen, starke Aussagen und hohe Qualität bilden den gemeinsamen Nenner der von der Galerie vertretenen Künstler*innen, denen oftmals feinsinnig ein kritischer Geist innewohnt.

Das Buch "Lost Islands and Flowers" (ISBN 978-3-906191-17-1) kann direkt bei Galerie & Edition Stephan Witschi oder im Buchhandel bezogen werden.

[1] Giuseppe Ungaretti wurde 1888 in Alexandria geboren und starb 1970 in Mailand. Ab 1912 studierte er an der Sorbonne in Paris und lernte unter anderen Max Jacob, Derain, Picasso und Braque kennen. 1914 kehrte er nach Italien zurück, um für sein Heimatland im ersten Weltkrieg zu kämpfen. 1916 entstanden seine ersten Texte, in denen der Einfluss der französischen Futuristen erkennbar war. Nach dem ersten Weltkrieg war er vor allem als Journalist tätig. Ab 1937 war er Professor für italienische Literatur in São Paulo, von 1942 – 1959 in Rom. 1970 war Giuseppe Ungaretti erster Preisträger des Neustadt International Prize for Literature, der durch die Universität Oklahoma verliehen wird.

PhotobookMiryam Abebe