Motherland – Danila Tkachenko | Kehrer Galerie | Berlin

 "#2" aus der Serie "Motherland" | Danila Tkachenko

"#2" aus der Serie "Motherland" | Danila Tkachenko

In der Kehrer Galerie in Berlin kann man zur Zeit einen Blick auf Arbeiten des russischen Fotografen Danila Tkachenko werfen.

Seine neue Serie "Motherland" beschäftigt sich, wie seine preisgekrönte und mehrfach ausgestellte Serie "Restricted Areas", mit der Geschichte der Sowjetunion. Zwischen 1928 und 1937 wurden im Zuge der Zwangskollektivierung ein Grossteil der Bauern genötigt, ihre Höfe aufzugeben, um in sozialistische Grossbetriebe integriert zu werden. Ihre Dörfer blieben verlassen zurück und wurden dem Verfall preisgegeben. In den letzten 20 Jahren sind in Russland mehr als 23'000 Dörfer von der Landkarte verschwunden, während sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in den grossen Städten sammeln.

 "#4" aus der Serie "Motherland" |Danila Tkachenko

"#4" aus der Serie "Motherland" |Danila Tkachenko

 "#1" aus der Serie "Motherland" | Danila Tkachenko

"#1" aus der Serie "Motherland" | Danila Tkachenko

Für die Serie "Motherland" verbrannte Danila Tkachenko Symbole der vergangenen Ära, um Raum für eine hellere Zukunft zu schaffen. Inzwischen gibt es über 150'000 verlassene Dörfer in Russland, deren Bewohner und Bewohnerinnen mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft in die grossen Städte umgesiedelt wurden. Heute leben sie auf den Ruinen von gescheiterten Utopien und betrachten nur deren leuchtende Abbilder. Dem Vorbild der Künstler der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts folgend, tilgt Tkachenko notwendigerweise alles was statisch, traditionell und dem neuen Denken im Weg ist, um die Grundlage für eine neue Utopie zu schaffen.

 "Danila Tkachenko: Motherland", Ausstellungsansicht Kehrer Galerie, 2017, Foto: Barbara Eismann

"Danila Tkachenko: Motherland", Ausstellungsansicht Kehrer Galerie, 2017, Foto: Barbara Eismann

 "Danila Tkachenko: Motherland", Ausstellungsansicht Kehrer Galerie, 2017, Foto: Barbara Eismann

"Danila Tkachenko: Motherland", Ausstellungsansicht Kehrer Galerie, 2017, Foto: Barbara Eismann

Die intensiven Farben, besonders die leuchtenden des Feuers lassen die Radikalität der Veränderung und der Schaffung neuen Raums für eine hellere Zukunft erahnen. Mit der grosszügigen Hängung wird die Weite Russlands unterstrichen.

Danila Tkachenko (1989*) ist in Moskau geboren und lebet und arbeitet in Russland. Er besuchte die School of photojournalism "News" und Rodchenko Moscow School of Photography and Multimedia in Moskau. Seine Arbeiten wurden mehrfach in Einzel- und Gruppenausstellungen ausgestellt. Er wurde mit verschiedenen Awards ausgezeichnet (Foam Talent, "30 under 30" von Magnum photos und anderen).

 "Danila Tkachenko: Motherland", Ausstellungsansicht Kehrer Galerie, 2017, Foto: Barbara Eismann

"Danila Tkachenko: Motherland", Ausstellungsansicht Kehrer Galerie, 2017, Foto: Barbara Eismann

Die Ausstellung "Motherland" kann bis 17. Februar 2018 in der Kehrer Galerie besucht werden.

Miryam Abebe