Cutis - Simon von Gunten | Künstlerhaus S11

 Bild: Darius | Simon von Gunten

Bild: Darius | Simon von Gunten

 

"Die Haut vergisst nie". Diesen Satz kennt jeder von uns. "Cutis" ist ein freies Langzeitprojekt von Simon von Gunten, das genau dieses Nicht-Vergessen aufzeigt. 2012 hat er damit begonnenen. Erst hat er mit Infrarot getüftelt, um eine neue Bildsprache zu entwickeln. Die Aufnahmen mit infrarot seien nicht besonders spannend gewesen, da die Menschen zu Wachsfiguren wurden und nichts spezielles ausdrückten. In diesem Projekt dringt der Naturwissenschaftler Simon von Gunten durch – er hat Geografie studiert und sich auf Humangeografie spezialisiert. Neugierig und forschend hat er dann mit UV-Licht zu arbeiten begonnen. Dabei trat in den Bildern neben der vordergründig technischen Faszination insbesondere auch ein sozialer Aspekt hervor. Unter dem UV-Licht werden Dinge sichtbar, die normalerweise nicht oder kaum für das menschliche Auge sichtbar sind. Dies können ernste Ereignisse sein, wie z.B. längst vergessene Narben, hormonelle Veränderungen, oder Krankheiten, aber auch Gewohnheiten unter der Sonne (Sonnenbrand), ein neuer Haarschnitt – kurz, die Chronik eines Menschenlebens wird sichtbar gemacht.

Durch das Mittel der UV-Fotografie schafft er eine ganz neue und eigene Ästhetik, die aber eigentlich eine alltägliche Realität ist – wir Menschen sehen sie nur nicht ohne Hilfsmittel. So wird uns auch wieder einmal vor Augen geführt, wie begrenzt unsere Wahrnehmung ist, und dass jeder Mensch zu jeder Zeit noch viele andere Gesichter hat, die er nicht jederzeit sieht.

In den aktuell zu sehenden Bildern hat er bewusst Menschen verschiedenen Alters gewählt, besonders auch Menschen deren Haut eine Geschichte erzählen.

Simon von Gunten (1983*) lebt und arbeitet als freischaffender Fotograf in Solothurn. Nach einem Masterstudium in Wirtschaftsgeografie hat er sich an der CAP Schule in Zürich zum Fotografen ausbilden lassen und ist nun seit 2012 freischaffender Auftrags- und Autorenfotograf.

Cutis ist bis am 1. Oktober 2017 im Künstlerhaus S11 zu sehen.

 
Miryam Abebe