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Ausstellung | Handmade IV | Anzenberger Gallery | Wien
Sep
10
zu 31. Jan.

Ausstellung | Handmade IV | Anzenberger Gallery | Wien


Anzenberger Gallery | Wien
10. September 2018 - 31. Januar 2019

Handmade IV
Daniel Spoerri | Gabriela Morawetz | Ellen Korth | Regina Anzenberger | Stella Bach | Julia Borissova | Rob McDonald | Jessa Fairbrother | Rita Maas | Minyo Szert | Heather F. Wetzel


Native Grounds | Regina Anzenberger

Native Grounds | Regina Anzenberger


Die vierte Ausgabe der Ausstellung Handmade zeigt Arbeiten, die Handwerk, Technik und Fotografie verbinden und sich somit über die Grenzen konventioneller, zweidimensionaler Fotografie hinwegsetzen. Durch unterschiedliche Methoden werden greifbare, stoffliche und handgearbeitete Werke geschaffen, die einen Gegensatz zur heutigen virtuellen und digitalen Fotografie bilden oder diese weiterführen.

Mit zwei von Daniel Spoerris berühmten Assemblagen, den Fallenbildern, in denen er Kameras, Objektive, Filter, Geweihe und einen ausgestopften Vogel miteinbezieht, wird die Fotografie als Abgesang auf das Analoge thematisiert. 

Jessa Fairbrother durchsticht und bestickt ihre Fotografien. Ihr Motiv ist immer wieder sie selbst als Portrait oder Akt.

Ellen Korth fotografierte für ihre Serie Fabric of Time alte Unterwäsche und Unterröcke, die sie in den Schränken einer Burg in den Niederlanden fand. Gedruckt auf hauchdünnem, japanischem Fotopapier, ist jeder einzelne Print ein Unikat.

Gabriela Morawetz stülpt über ihre auf Holz kaschierten runden Fotografien eine Hülle mit bedruckten Konvexglas, und schafft mit Steinen dazwischen noch eine dritte Dimension. Ihr Universum entwickelt sich mit der Zeit des Produzierens und Reproduzierens rätselhafter Installationen, die von Mysterien gefolgt, dem Betrachter die ästhetische Wahrnehmung entlocken, so wie den Wunsch einer Vorahnung entfachen.

Regina Anzenberger zeigt mit Native Grounds Instants, die sie mit Zeichnung, Malerei, Text und Fundstücken erweitert. Ihr Thema ist die Wildnis und die Formen der Natur. 

Die amerikanische Künstlerin Rita Maas hat in den Neunziger Jahren als Food-Fotografin gearbeitet. Als sie in ihrer Garage die alten von der Umwelt veränderten Dias findet, beschließt sie, diese zu neuen Kunstwerken zu erwecken. Auf Büttenpapier gedruckt wirken sie wie bunte Aquarellmalerei. Kaum etwas lässt die ehemalig festgehaltenen Gerichte in ihrer Serie 20th Century Plastics erahnen.

Nach dem Tod des Malers Cy Twombly begab sich sein Freund, der Fotograf Rob McDonald ein letztes Mal in sein Atelier. In seiner Arbeit STUDIO dokumentiert er die Farbreste an den Wänden und übermalt sie dann selbst. Es ist McDonalds erste transformative Fotoarbeit. 

Was auf Minyo Szerts Bildern wie Malerei anmutet, ist pure analoge Fotografie. Die Bilder, die er in seinen Performances auch mit seiner Fahrradlampe belichtet, handeln vom Alltag wie der winterlichen Schlittenfahrt, Innenräumen, seinem Hund, und oft von seinem geliebten Fahrrad.  

Heather F. Wetzel verbindet den alten fotografischen Nassplattenprozess, den man früher hauptsächlich auf Glasplatten anwendete, mit einem modernen Produkt unserer Konsumgesellschaft. Sie verwendet recycelte Dosendeckel, um darauf Eindrücke aus der Natur und Pflanzenwelt festzuhalten.

Fotografia analogica eh oui! Daniel Spoerri

Fotografia analogica eh oui! Daniel Spoerri

Zudem gibt es in der Ausstellung auch einige ganz besondere, handgemachte Foto- und Künstlerbücher am Tisch und an der Wand installiert. Stella Bachs Buch ‚L’Escuela de Corazon’ (Erziehung des Herzens) ist ein Einzelstück und erzählt in den Grundfarben rot, blau und gelb korrespondierend zu Gefühlen, Reflektionen und Handlungen. Das Buch ist inspiriert von Gustav Flauberts ‚L’education sentimentale’. Ihr Album einer Island Reise vermischt die tatsächlich erlebten Eindrücke mit einer angedeuteten fiktiven Geschichte.

Die russische Fotokünstlerin Julia Borissova wurde für ihr Buch Let me fall again von einem der ersten Ballonfahrer, dem Amerikaner Charles Leroux, inspiriert. Im Alter von 32 Jahren kam er bei einem Fallschirmsprung in Tallinn ums Leben. Das Buch ist mit der Technik der Origami Kunst kombiniert. Die Faltkunst vergleicht die Künstlerin mit der Präzision des Packens eines Fallschirms, damit sich der Schirm öffnet.

(Text: Anzenberger Gallery)

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Ausstellung | Stillleben | Kunst Haus Wien
Sep
13
zu 17. Feb.

Ausstellung | Stillleben | Kunst Haus Wien


Kunst Haus Wien
13. September 2018 - 17. Februar 2019

Stillleben

Ketuta Alexi-Meskhishvili, Dirk Braeckman, Moyra Davey, Tacita Dean, Gerald Domenig, Harun Farocki, Hans-Peter Feldmann, Manuel Gorkiewicz, Jan Groover, Matthias Herrmann, David Hockney, Leo Kandl, Annette Kelm, Elad Lassry, Zoe Leonard, Laura Letinsky, Sharon Lockhart, Anja Manfredi, Barbara Probst, Ugo Rondinone, Lucie Stahl, Andrzej Steinbach, Ingeborg Strobl, James Welling, Christopher Williams, Andrea Witzmann


David Hockney, Roses for Mother, 1995 © David Hockney. Courtesy Galerie Kaess-Weiss, Albstadt

David Hockney, Roses for Mother, 1995
© David Hockney. Courtesy Galerie Kaess-Weiss, Albstadt

Sind banale Objekte unserer Konsumwelt gleichzusetzen mit den opulent arrangierten Früchten, Blumen oder anderen Vanitas-Motiven, wie wir sie aus den malerischen Stillleben alter Meister kennen? Worauf beruht die 400 Jahre andauernde Faszination für das Genre und warum entdecken gerade jetzt zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler mit dem Medium der Fotografie das Stillleben für sich neu? Was sagen Stillleben heute über unsere Gewohnheiten und Existenzen aus?

Die große fotografische Themenausstellung zeigt mit einer Auswahl internationaler und österreichischer Positionen historische Entwicklungslinien auf – von Jan Groover über Christopher Williams und Leo Kandl bis hin zu Harun Farocki –, die zu der aktuell greifbaren radikalen Neubefragung des Genres als neues Experimentierfeld für künstlerischen Ausdruck geführt haben. Vor allem präsentiert die Ausstellung eine jüngere Generation an Künstlerinnen und Künstlern, die unsere „Gegenwart“ in ihren Bildern spiegeln. Sie tun das, indem sie die uns umgebende Ding-Welt mit ihren Absonderlichkeiten, ihrer Schön- und Hässlichkeit präzise wahrnehmen und untersuchen. Die einen kombinieren High-End-Konsumprodukte offensiv mit Müll und Trash. Andere fokussieren gerade auf die übersehenen Dinge – Objektwelten, die in oft eigenwilliger Schönheit als Spuren unseres täglichen Lebens fungieren und auf die zu blicken sich gerade deshalb lohnt. In dieser Verlangsamung des Sehens schaffen die neuen Stillleben einen Gegenpol zu den überbordenden digitalen Bilderfluten unserer Zeit und zugleich Räume, in denen die Dinge unseres Alltags auf neue, uns unvertraute Weisen sichtbar werden.

(Text: Kunst Haus Wien)

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Ausstellung | Helen Levitt | Albertina | Wien
Okt
12
zu 27. Jan.

Ausstellung | Helen Levitt | Albertina | Wien


Albertina | Wien
12. Oktober 2018 - 27. Januar 2019

Helen Levitt


Helen Levitt | New York, 1945 | Silbergelatinepapier Albertina, Wien. Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft © Film Documents LLC / Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Helen Levitt | New York, 1945 | Silbergelatinepapier
Albertina, Wien. Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft © Film Documents LLC / Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Helen Levitt (1913–2009) ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Street-Photography. Als leidenschaftliche Beobachterin und Chronistin des New Yorker Straßenlebens fotografiert sie ab den 1930er-Jahren die Bewohner_innen der armen Stadtviertel, wie etwa Lower East Side, Bronx und Harlem. Mit einem Blick für surreale und ironische Details hält sie über viele Jahrzehnte die Menschen in dynamischen Kompositionen fest: Spielende Kinder, posierende Passant_innen und diskutierende Paare. Ihre unsentimentale Bildsprache eröffnet ein humorvolles und theatralisches Schauspiel abseits moralischer und sozial-dokumentarischer Klischees.

Die ALBERTINA widmet der amerikanischen Fotografin eine Retrospektive und führt rund 130 ihrer ikonischen Werke zusammen. Vertreten sind Werke von ihren frühen vom Surrealismus beeinflussten Fotografien von Kreidezeichnungen, über ihre 1941 entstandenen Aufnahmen aus Mexiko bis hin zu den 1938 von Walker Evans angeregten, heimlich aufgenommenen Porträts von Passagieren in der New Yorker U-Bahn.

Revolutionär ist Helen Levitt auch in ihrer Farbfotografie. Bereits 1959 etabliert sie Farbe als künstlerisches Ausdrucksmittel und zählt somit zu den frühesten Vertretern der New Color Photography. Levitt war 1974 die erste Farbfotografin, die im Museum of Modern Art eine Ausstellung erhielt.


Helen Levitt (1913–2009) numbers among the foremost exponents of street photography. It was in the 1930s that this passionate observer and chronicler of New York street life first began taking pictures of the inhabitants of poorer neighborhoods such as the Lower East Side, the Bronx, and Harlem. And with her eye for the surreal and for ironic details, she was to spend many further decades immortalizing everyday people in dynamic compositions: children at play, passersby striking a pose, couples conversing. Levitt’s unsentimental pictorial language gives rise to a humorous and theatrical pageant situated beyond any moral or social documentary clichés.

The ALBERTINA is featuring this American photographer in a retrospective that brings together around 130 of her iconic works. These range from her early, surrealism-influenced photographs of chalk drawings to her 1941 photos from Mexico and the clandestinely shot portraits of New York subway passengers that Walker Evans encouraged her to do in 1938.

Helen Levitt was also a revolutionary in her color photographs. As early as 1959, she began working in color as a means of artistic expression, thus numbering among the earliest representatives of New Color Photography. And in 1974, Levitt became the first color photographer to be given an exhibition by New York’s Museum of Modern Art.

(Text: Albertina Wien)

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Ausstellung | Donata Wenders | Atelier Jungwirth | Graz
Nov
21
zu 16. Feb.

Ausstellung | Donata Wenders | Atelier Jungwirth | Graz


Atelier Jungwirth | Graz
21. November 2018 - 16. Februar 2019

Donata Wenders


the gesture

the gesture


Donata Wenders wurde 1965 in Berlin geboren. Nach einem Studium der Film- und Theaterwissenschaften begann sie zunächst als Kamera Assistentin zu arbeiten und drehte Spiel- und Dokumentarfilme. Schnell schon kristallisiert sich ihr Interesse für die Photographie heraus – ein Medium, dem sie sich seit Mitte der 1990er Jahre ausschließlich widmet. 
 
Ihre Leidenschaft gilt der schwarz-weiß Photographie, die in ihrer Reduktion Donata Wenders' konzentrierten Bildkompositionen zuspielt. Schärfe und Unschärfe, Schatten und Stoffe, Strukturen und natürliche Elemente sind es, durch die wir die schwarz-weißen Portraits von Donata Wenders erleben. Viele ihrer Bilder übersetzen vor allem eine innere Geschichte und bewegte Gesten in eine sichtbare Welt. Das Licht, das in ihren Photographien die Dunkelheit durchbricht, ist zu einem wesentlichen Protagonisten geworden. 
 
Die Zeit, die sie nicht ganz anhalten möchte, sondern die Teil des Bildes wird, ist ein weiteres  wesentliches Element von Donata Wenders Photographien. Donata Wenders beobachtet und beschreibt zunehmend Bewegungen, Prozesse und sich in Veränderung befindliche Gesten in minimalistisch angelegten Photographien, die zu beinahe abstrakten Bildern werden. Ihre Bilder sind im wahrsten Sinn des Wortes Photo-Graphien, Licht-Zeichnungen.  

Donata Wenders Photographien sind weltweit in Museen und Galerien gezeigt worden, unter anderem in Los Angeles, Tokyo, Berlin, Hamburg, München, Amsterdam, Rom, Florenz, Venedig, Paris, Innsbruck, Salzburg, St. Ulrich, in Norwegen und Südkorea. 
2006 brachte Donata Wenders ihr Buch „Island of Silence“ heraus. 2016 erschien aus der gemeinsamen künstlerischen Arbeit heraus der Ausstellungskatalog „Vanishing Point. Donata Wenders – Robert Bosisio“ sowie 2018 „Leiko Ikemura im Dialog mit Donata und Wim Wenders“. Ursprünglich vom Film kommend begleitete Donata Wender seit 1995 alle Filme ihres Ehemannes Wim Wenders als Set Photographin.

(Text: Atelier Jungwirth, Graz)

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Ausstellung | Das Auge Brasiliens - Kurt Klagsbrunn | Jüdisches Museum | Wien
Dez
5
zu 19. Mai

Ausstellung | Das Auge Brasiliens - Kurt Klagsbrunn | Jüdisches Museum | Wien


Jüdisches Museum | Wien
5. Dezember 2018 - 19. Mai 2019

Das Auge Brasiliens
Kurt Klagsbrunn


Modefotografie, 1945 © Victor Hugo Klagsbrunn

Modefotografie, 1945 © Victor Hugo Klagsbrunn

Der Fotograf Kurt Klagsbrunn, geboren 1918 in Wien, hielt von 1939 bis in die 1970er-Jahre das moderne Leben Brasiliens fest. Er fotografierte die Partys der Wohlhabenden ebenso wie die Vergnügungen der kleinen Leute. Seine Modelle waren Prominente wie Orson Welles oder Evita Perón, aber auch Brautstrauß werfende Frischvermählte, Schuhputzer auf den Boulevards oder verträumte Kaffeegenießer. Dabei wollte der Sohn eines Floridsdorfer Kohlenhändlers und Fußballfunktionärs eigentlich Arzt werden, musste jedoch nach der Flucht aus Österreich 1938 den Beruf wechseln, um sich im Exil eine neue Existenz aufzubauen. Er wählte das Hobby seiner Jugend und stieg rasch vom Autodidakten zum Pionier der Gesellschaftsfotografie auf. Er dokumentierte neben seinen Mode-, Lifestyle und Industriefotografien die Entwicklung Brasiliens und begleitete die Entstehung der neuen Hauptstadt Brasilia. 2005 starb Kurt Klagsbrunn in Rio de Janeiro.

Vor dem Kino, Cinelândia, Rio de Janeiro, 1946 © Victor Hugo Klagsbrunn

Vor dem Kino, Cinelândia, Rio de Janeiro, 1946 © Victor Hugo Klagsbrunn

Sein Neffe Victor Klagsbrunn betreut seither den Nachlass mit mehr als 250 000 Negativen. 2017 schenkte er dem Jüdischen Museum Wien einen Teilnachlass mit Briefen, Notizen, Fotos und anderen Erinnerungen an das Leben der Familie Klagsbrunn in Floridsdorf und ihrer Flucht nach Rio. Die Ausstellung Das Auge Brasiliens. Kurt Klagsbrunn präsentiert diese Schenkung sowie eine Auswahl seiner Werke aus dem brasilianischen Exil.

Kuratorin: Andrea Winklbauer
Ausstellungsgestaltung: Schuberth und Schuberth

(Text: Jüdisches Museum, Wien)

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Ausstellung | Model Arbus Goldin | WestLicht | Wien
Dez
6
zu 24. März

Ausstellung | Model Arbus Goldin | WestLicht | Wien


WestLicht | Wien
6. Dezember 2018 - 24. März 2019

Model Arbus Goldin
Lisette Model, Diane Arbus und Nan Goldin


Singer at the Metropole Café, New York City 1946 | © Estate of Lisette Model

Singer at the Metropole Café, New York City 1946 | © Estate of Lisette Model

Mit Lisette Model, Diane Arbus und Nan Goldin präsentiert WestLicht drei große amerikanische Fotografinnen, deren Bilder den Blick auf die menschliche Gesellschaft radikal erweiterten – um das Andere, das Außergewöhnliche, um soziale Randfiguren und exzentrische Persönlichkeiten. Sie hielten das gesellschaftliche Leben Amerikas, in dem sich als Einwanderungsland bis heute die Welt spiegelt, in unterschiedlichen Phasen des 20. Jahrhunderts fest. Über drei Generationen, angefangen mit der in Wien aufgewachsenen Model, formulierten sie den Dialog zwischen Fotografin und Porträtierten auf eigene Weise jeweils neu und verbanden das Dokumentarische mit dem Subjektiven. Ihre persönliche Sicht auf den Menschen und seine disparaten Lebenswelten, ihr Zugang zum Existentiellen und ihr Einsatz des Mediums Fotografie gingen mit einer Kritik bestehender Normen einher, die kulturelle und ästhetische Konventionen konsequent in Frage stellte. So sind ihre Werke – über 100 von ihnen sind nun im WestLicht zu sehen – einerseits Ausdruck ihrer Zeit und der verschiedenen Milieus, in denen sie sich bewegten, andererseits Hommagen an die Vielfalt des Seins.

Lisette Model
Die in Wien geborene Lisette Model (1901–1983) richtete ihre Kamera – zunächst in Frankreich, nach ihrer Emigration 1938 in New York – bevorzugt auf Menschen an beiden Enden des sozialen Spektrums. Ob Underdog oder Millionär, das Gespür der Fotografin für Schwächen und besondere Charaktere verdichtet sich in ihren Bildern zu einer entlarvenden Schärfe, die über das Individuum hinaus auf die gesellschaftlichen Verhältnisse verweist. Ihre visuellen Kompositionen und speziell die ungewöhnliche Nahsicht, in der sie Menschen auf der Straße fotografierte, forderten herrschende Sehgewohnheiten heraus und begründeten einen neuen Stil in der Street Photography, der Einflüsse des Surrealismus ebenso erkennen lässt wie einer sozial engagierten Dokumentarfotografie. Models Haltung und Bildsprache haben mehrere Generationen von Fotograf_innen beeinflusst, darunter Diane Arbus, ihre bekannteste Schülerin.

Blaze Starr Backstage, Baltimore, Md. 1964 | © The Estate of Diane Arbus

Blaze Starr Backstage, Baltimore, Md. 1964 | © The Estate of Diane Arbus

Diane Arbus
Während des Studiums bei Lisette Model Ende der 1950er-Jahre eignete sich die New Yorkerin Diane Arbus (1923–1971) jene Techniken an, die ihr Werk letztlich definieren sollten. In der Aufzeichnung menschlicher Makel und Maskeraden deuten ihre Porträts auf die Risse und Ränder von Gesellschaft. Sie inszenieren das Fremde im Vertrauten und das Gewöhnliche im Grotesken. Inzwischen zu Ikonen der Fotografiegeschichte avanciert, führen die Menschenbilder von Arbus beharrlich jene Differenz vor Augen, die sie selbst so treffend als Kluft zwischen Absicht und Wirkung der Dargestellten bezeichnet hat. Dieses komplexe Gefälle von Selbstwahrnehmung, Wunschbild, Performance und Gesamteindruck in haarscharfe Bilder zu meißeln, kann als Kernkompetenz der Künstlerin gelten, die bei aller Empathie und Komplizenschaft mit ihren Sujets die Mittel der Fotografie für demaskierende Effekte nutzte.

Nan and Brian in bed, New York City 1983 | © Nan Goldin

Nan and Brian in bed, New York City 1983 | © Nan Goldin

Nan Goldin
So wundert es nicht, dass die Drag Queens um Nan Goldin (*1953) die Transvestitenbilder von Diane Arbus als brutal und unglamourös ablehnten. Auch wenn sich Goldins Werk nicht ohne Arbus und Model denken lässt, unterscheidet es sich wesentlich durch die kompromisslose Insiderposition der Fotografin, die sich selbst und ihre Szene – die New Yorker Subkultur und LGBT-Community der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre – in einem eindringlichen Porträt festhielt, vor Spiegeln, in Bars und Badezimmern, beim Sex und Drogenkonsum, als Teil einer Kultur des Überschwangs und der Angst, der Obsession und Abhängigkeit. Oft ohne ausreichendes Licht und in Bewegung entstanden ihre charakteristischen Schnappschüsse, mit denen Goldin ihren Freund_innen ein intimes Denkmal setzte und eine Bildsprache prägte, die später als Heroin Chic in der Modefotografie popularisiert wurde.

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Sammlung Jelitzka, Wien und der Stiftung F.C. Gundlach, Hamburg, mit zusätzlichen Leihgaben von: Bank Austria Kunstforum, Wien, Keitelman Gallery, Brüssel, Baudoin Lebon, Paris, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Fotosammlung OstLicht und Sammlung Verbund, Wien

Kuratiert von Gerald A. Matt und Rebekka Reuter

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag für moderne Kunst erschienen, herausgegeben von Daniel Jelitzka und Gerald A. Matt, Vorwort von Peter Coeln und Roland Jörg, Texte von Astrid Mahler, Franziska Mecklenburg und Rebekka Reuter.

(Text: Westlicht Wien)

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Ausstellung | Postwar Conditions - Tetsugo Hyakutake | Camera Austria | Graz
Dez
8
zu 17. Feb.

Ausstellung | Postwar Conditions - Tetsugo Hyakutake | Camera Austria | Graz


Camera Austria | Graz
8. Dezember 2018 - 17. Februar 2019

Postwar Conditions
Tetsugo Hyakutake


Navy Ammunitions Arsenal, 2018 | Tetsugo Hyakutake

Navy Ammunitions Arsenal, 2018 | Tetsugo Hyakutake

Die Ausstellung des 1975 geborenen japanischen Künstlers Tetsugo Hyakutake führt in zweifacher Weise in die Geschichte. Einerseits beschäftigt sich Hyakutake direkt mit der japanischen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg und wie diese bis heute auf die Identitätsbildung des Landes einwirkt, das seit vielen Jahrzehnten unter dem Einfluss des Westens, insbesondere der USA steht. Bei dieser Auseinandersetzung interessiert sich der Künstler für Kolonisierung, Krieg und andere relevante historische Ereignisse – Themen, die gegenwärtige Fragen nach Identität in der japanischen Kultur, das Verhältnis zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart sowie die Brüche zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis thematisieren. Der Künstler stellt seinen eigenen Fotografien Archivmaterial gegenüber und verhandelt verschiedene Ebenen von Zeitlichkeit innerhalb des fotografischen Dispositivs. Er bearbeitet Fotografien häufig mit Chlor, um sie wie historische Dokumente erscheinen zu lassen und provoziert derart einen ontologischen Sprung zwischen verschiedenen Realitäten – immer vor dem Hintergrund der Frage, wie japanische Identität und japanisches Denken hergestellt wurden.

Andererseits führt das Projekt in die Geschichte von Camera Austria: Bereits 1975 wurde – noch in der Galerie im Schillerhof, kuratiert von Manfred Willmann – eine Einzelausstellung mit Arbeiten von Masaaki Nakagawa gezeigt, im selben Jahr Arbeiten von Seiichi Furuya, über dessen Vermittlung und Kenntnis weitere wichtige Ausstellungen japanischer Fotografie in Graz realisiert wurden, so u. a. von Toshimi Kamiya (1978), Daidoh Moriyama (1980), Hitoshi Fugo (1982), Shomei Tomatsu (1984) und Nobuyoshi Araki (1992). Schließlich wurde der damalige neue Ausstellungsraum im Eisernen Haus mit einer Ausstellung japanischer Fotografie eröffnet. An diese Momente eines sehr spezifischen interkulturellen Austauschs über durchaus gegensätzliche visuelle Kulturen möchte die von Walter Seidl kuratierte Ausstellung anschließen und gleichzeitig den Austausch auf eine politische Ebene überführen.

Nihonbashi, 2007 | Tetsugo Hyakutake

Nihonbashi, 2007 | Tetsugo Hyakutake

Indem sich Hyakutake auf Japan als eine Art Imperium bezieht, das nach dem Vorbild westlicher Wirtschaft und Kultur aufgebaut wurde, kennzeichnet er dieses zugleich als ein hyperreales Konstrukt, das einerseits den Aufstieg Japans zu einer wirtschaftlichen Weltmacht ermöglichte, andererseits aber auch von Exzessen an Identifikationen und Umarbeitungen von Identitäten gekennzeichnet war und ist. Hyakutake interessiert sich für die verschiedenartigen Wahrnehmungen des japanischen Subjekts im Inneren wie im Äußeren, die es irgendwo zwischen einer in sich geschlossenen Einheit und einem kulturell wie ökonomisch durch die USA geprägten Wesen verorten. Darüber hinaus beschäftigt sich seine Arbeit mit der Industrie und Infrastruktur der gegenwärtigen Gesellschaft, um sich so der jüngeren japanischen Geschichte und Kultur zu nähern. Seine Bilder vermitteln eine konfliktgeladene Beziehung zu historisch wichtigen Orten, sind visuell vielschichtig und bezeugen eine Unsicherheit bezüglich ihrer eigenen repräsentativen Strukturen. So gewinnt Hyakutakes fotografisches Schaffen eine ephemere und flüchtige Qualität, die Fragen nach der Repräsentation ihrer Subjekte aufwirft. Zwischen Dokument und Fiktion situiert, zeigen seine Bilder Monumente, die Teil der japanischen Geschichte sind, gleichzeitig aber in einem Licht erscheinen, das Geschichte in eine konfliktgeladenen Beziehung zu Erfahrungen von Individuen bringt.

In einer Gegenwart, in der »der Westen« erneut und möglicherweise intensiver denn je mit Fragen nach eigenen Identitäten und jenen der »Anderen« konfrontiert ist, oder mit der Frage, was uns zu Mitgliedern der Gesellschaft macht, wie es Boris Buden audrückt: »Ist es soziale Gerechtigkeit oder kulturelle Identität, Gott oder Privateigentum, ›unsere Werte‹ oder ›ihre Bedrohlichkeit‹«. In dieser Gegenwart konfrontiert uns die Arbeit von Hyakutake mit den identitätspolitischen Konsequenzen der vielen Interventionen und Präsenzen dieses »Westens« in anderen Regionen der Welt. Möglicherweise drehen sich also seine Projekte nicht nur um Fragen der japanischen Identität und ihrer Umformung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, vielleicht konfrontiert er uns auch ein Stück weit mit »unseren« Anteilen an dieser Identitätsproduktion.

Hiroshima, 2016 | Tetsugo Hyakutake

Hiroshima, 2016 | Tetsugo Hyakutake

Sein Arbeiten versteht Hyakutake als Beitrag zur Geschichte eines Landes, das von der gleichen Macht zum Erliegen gebracht wurde, von der es einst geformt wurde. Dafür wählt er unter anderem auch Bilder aus Archiven, deren Bedeutung mit dem Beginn des Aufstiegs des Landes zur Wirtschaftsmacht verblasst ist, und versucht die Tatsache zu überwinden, dass Versagen in der japanischen Kultur und im japanischen Denken ein nicht-existierendes Phänomen darstellt. Am Ende bleibt zu fragen, wie sich die Verdrängung dieses Versagens zu unserem eigenen Versagen verhält, die Welt mit anderen Augen zu sehen und als von anderen Identitäten bevölkert anzusehen als unseren eigenen.

Tetsugo Hyakutake wurde 1975 in Japan geboren. Er graduierte an der University of the Arts in Philadelphia (US) und erhielt 2009 den Master of Fine Arts von der University of Pennsylvania, Philadelphia. Es folgten Ausstellungen in Tokio (JP), Philadelphia, New York (US), Madrid (ES), Singapur (SG) und Taipeh (TW). Seine Werke finden sich in den Sammlungen verschiedener Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen, dazu zählen BlackRock (Philadelphia), Fidelity Investments (Boston, US), die Library of Congress (Washington, US) und das Carnegie Museum of Art (Pittsburgh, US). Nach einem Künstleraufenthalt am ISCP in New York in den Jahren 2016 und 2017 lebt Hyakutake wieder in Japan.

(Text: Camera Austria, Graz)

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Ausstellung | Manfred Willmann | Albertina | Wien
Feb
8
zu 26. Mai

Ausstellung | Manfred Willmann | Albertina | Wien


Albertina | Wien
8. Februar - 26. Mai 2019

“Schwarz und Gold” | “Das Land”
Manfred Willmann


Ohne Titel, aus der Serie „Das Land“, 1981-1993 | C-Print | Albertina, Wien | © Manfred Willmann

Ohne Titel, aus der Serie „Das Land“, 1981-1993 | C-Print | Albertina, Wien | © Manfred Willmann

Die ALBERTINA widmet dem österreichischen Fotografen Manfred Willmann (*1952) eine umfassende monografische Ausstellung. In seinen Serien hält Willmann Szenen aus seinem persönlichen Umfeld in Graz und der Südsteiermark fest. Dabei bricht er mit Klischees des idyllischen Landlebens. Die Bilder sind von einer sehr direkten, subjektiven Sichtweise geprägt, charakteristisch sind die konsequente Verwendung des Blitzlichts und der Fokus auf Details. Als einer der ersten österreichischen Fotografen setzt er zudem Farbe als künstlerisches Ausdrucksmittel ein. Die ALBERTINA zeigt sechs umfangreiche Serien aus Willmanns Werk, darunter die einflussreichen Arbeiten „Schwarz und Gold“ und „Das Land“.


The ALBERTINA Museum is devoting a comprehensive solo presentation to the works of photographer Manfred Willmann (*1952). In his series, Willmann captures scenes from his personal surroundings in Graz and southern Styria, scenes that break with clichés of idyllic rural life. His pictures reveal a very direct and subjective view characterized by his consistent use of the flash and focus on details. Willmann is also one of the first Austrian photographers who used color as a means of artistic expression. The ALBERTINA Museum is showing six large series from Manfred Willmann’s oeuvre, including the influential work groups Schwarz und Gold and Das Land.

(Text: Albertina Wien)

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Vernissage | Unwägbarkeiten - Gabriela Morawetz | Anzenberger Gallery | Wien
Feb
16
2:00 nachm.14:00

Vernissage | Unwägbarkeiten - Gabriela Morawetz | Anzenberger Gallery | Wien


Anzenberger Gallery | Wien
16. Februar 2019
Im Rahmen von Foto Wien 2019

Unwägbarkeiten
Gabriela Morawetz


Gabriela_Morawetz_An#35B0B1.jpg

Reproduktionen können Gabriela Morawetzs Werken nicht gerecht werden. Obwohl es fotografische Arbeiten sind, wirken sie mehr wie dreidimensionale Objekte. Es sind komplexe Kunstwerke auf Leinwand, Glas und Metall, in denen Reflektionen mit Materie spielen.  

Mit Morawetz tritt die Fotografie in eine neue Dimension ein. In Schwerelosigkeit, ohne Erdanziehungskraft zu arbeiten, erscheint wie eine Metapher für die Arbeitsweise der Künstlerin. Von der Realität losgelöst, von einer Idee komplett eingenommen, weitergetragen von einer grundlegenden Energie zu einem unbekannten Resultat. 

Ihre Erkundungen machen aus Morawetz eine Alchemistin, der es gelingt, die Magie des Materials und die Praxis des Experiments zu verbinden. Sie bewegt sich in ihrer künstlerischen Praxis zwischen Studio und Dunkelkammer. Zur Fotografie kam Morawetz nach dem Studium der Malerei, Skulptur und Radierung an der Akademie der Künste in Krakau. All diese Techniken sind wie Echos in ihrer Arbeit präsent. 

Gabriela Morawetz ist gebürtige Polin und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau. Von 1975 bis 1983 lebte sie in Venezuela und seither in Frankreich.

(Text: Anzenberger Gallery, Wien)

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Ausstellung | Unwägbarkeiten - Gabriela Morawetz | Anzenberger Gallery | Wien
Feb
18
zu 30. Apr.

Ausstellung | Unwägbarkeiten - Gabriela Morawetz | Anzenberger Gallery | Wien


Anzenberger Gallery | Wien
18. Februar - 30. April 2019
Im Rahmen von Foto Wien 2019

Unwägbarkeiten
Gabriela Morawetz


Gabriela_Morawetz_An#35B0B1.jpg

Reproduktionen können Gabriela Morawetzs Werken nicht gerecht werden. Obwohl es fotografische Arbeiten sind, wirken sie mehr wie dreidimensionale Objekte. Es sind komplexe Kunstwerke auf Leinwand, Glas und Metall, in denen Reflektionen mit Materie spielen.  

Mit Morawetz tritt die Fotografie in eine neue Dimension ein. In Schwerelosigkeit, ohne Erdanziehungskraft zu arbeiten, erscheint wie eine Metapher für die Arbeitsweise der Künstlerin. Von der Realität losgelöst, von einer Idee komplett eingenommen, weitergetragen von einer grundlegenden Energie zu einem unbekannten Resultat. 

Ihre Erkundungen machen aus Morawetz eine Alchemistin, der es gelingt, die Magie des Materials und die Praxis des Experiments zu verbinden. Sie bewegt sich in ihrer künstlerischen Praxis zwischen Studio und Dunkelkammer. Zur Fotografie kam Morawetz nach dem Studium der Malerei, Skulptur und Radierung an der Akademie der Künste in Krakau. All diese Techniken sind wie Echos in ihrer Arbeit präsent. 

Gabriela Morawetz ist gebürtige Polin und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau. Von 1975 bis 1983 lebte sie in Venezuela und seither in Frankreich.

(Text: Anzenberger Gallery, Wien)

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Ausstellung | Der Maler als Fotograf - Ernst Ludwig Kirchner | Museum der Moderne | Salzburg
Mär
2
zu 16. Juni

Ausstellung | Der Maler als Fotograf - Ernst Ludwig Kirchner | Museum der Moderne | Salzburg


Museum der Moderne | Salzburg
2. März - 16. Juni 2019

Der Maler als Fotograf
Ernst Ludwig Kirchner


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Das Kirchner Museum Davos verfügt über einen umfangreichen Bestand an Glas- und Zellulose-Negativen von Ernst Ludwig Kirchner aus der Zeit von 1908–1938. Die fotografische Sammlung des Museums umfasst etwa 1500 Werke, zu denen neben den Negativen auch Vintage Prints und Modern Prints gehören. In den Jahren 2015-2016 wurde die Erschließung des gesamten fotografischen Bestands umgesetzt. Sämtliche Negative wurden digitalisiert und von jedem Negativ wurden hochwertige Silbergelatine-Abzüge in Museumsqualität hergestellt. Damit sind die Voraus-setzungen geschaffen worden, um Kirchners vielfältigen und teilweise experimen-tellen Umgang mit dem fotografischen Medium in seiner ganzen Breite aufzeigen zu können.

Die Ausstellung versammelt eine Auswahl von ca. 300 fotografischen Werken und präsentiert Beispiele aus allen Genres, in denen sich Kirchner betätigt hat: von Akten und Atelierszenen über Porträts bis hin zu Landschaften und Sachfotografien. Obwohl Kirchner sich nicht als Foto-Künstler verstand, schöpfte er doch die Möglichkeiten des fotografischen Mediums umfänglich aus. Die Fotografie war für ihn ein Instrument der künstlerischen Findung und Erfindung; zugleich spiegelt sich in seiner Kunst die Vorstellung einer Inventarisierung der Welt im Lichtbild. Die Ausstellung bietet eine umfassende Gesamtschau des fotografischen Blicks in Kirchners Werk und zeigt erstmalig in Österreich diese immer noch wenig bekannte Werkgruppe des berühmten deutschen Expressionisten.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kirchner Museum Davos.

Kurator_innen: Thorsten Sadowsky, Direktor, mit Lena Nievers, Kuratorin für moderne Kunst, Museum der Moderne Salzburg

(Text. Museum der Moderne Salzburg)

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Ausstellung | Über Leben am Land | Kunst Haus Wien
Mär
23
zu 25. Aug.

Ausstellung | Über Leben am Land | Kunst Haus Wien


Kunst Haus Wien
23. März - 25. August 2019

Über Leben am Land

Toni Amengual, Iris Andraschek, Miia Autio, Anatoliy Babiychuk, Peter Braunholz, Heinz Cibulka, Philipp Ebeling, Petros Efstathiadis, Bernhard Fuchs, Patrick Galbats, Anne Golaz, Nilbar Güres, Laura Henno, Anna Jermolaewa, Joel Karppanen, Paul Kranzler, Paul Albert Leitner, Igor Samolet, Eva Szombat, Tara Wray


White River Junction, Vermont, USA, aus der Serie Too Tired for Sunshine, 2015 © Tara Wray

White River Junction, Vermont, USA, aus der Serie Too Tired for Sunshine, 2015 © Tara Wray

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren SoziologInnen überzeugt, dass sich mit zunehmender Mobilität, spätestens mit dem Einzug des Internets in unseren Alltag, die Lebensformen des ländlichen und städtischen Raums immer mehr angleichen würden. Man sprach von der „Urbanisierung des Landes“. Ein Leben im Einfamilienhaus mit Gemüsegarten und gleichzeitigem Anschluss an die globale Kommunikation und Interaktion schien zum Greifen nahe. Durch das Internet kann man heute selbst am entlegensten Bauernhof der Eröffnung der Met Gala ebenso folgen wie den Tweets internationaler TopjournalistInnen, und neueste Musiktrends brauchen auch nicht mehr Jahre, um in der Provinz zu erschallen. Der Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Lebenswelten scheint sich gegenwärtig allerdings eher zuzuspitzen, als dass er sich aufhebt: Auf der Suche nach Arbeit ziehen immer noch mehr Menschen vom Land in die Stadt als umgekehrt. Zurück bleiben oft Gemeinden mit vorwiegend alten und bildungsfernen Bevölkerungsschichten, ohne Postamt, Supermarkt oder Bank und mit nur geringen Aussichten auf Beschäftigung. Die abgelegenen, strukturschwachen Regionen driften politisch nach rechts, wie aktuelle Wahlergebnisse in Europa und den USA zeigen.

Dennoch wird das Leben auf dem Land von vielen GroßstädterInnen als geradezu paradiesischer Zufluchtsort idealisiert. Geträumt wird von Ruhe, innerer Einkehr, einem Leben im Einklang mit der Natur. Die sogenannte Provinz verspricht ein idyllisches Leben, abseits von Hektik und Konsumzwang des urbanen Ballungsraums. Der Trend geht zum Zweitwohnsitz in der Natur. Mit dem wirklichen Leben am Land hat die Stippvisite am Wochenende allerdings nur wenig zu tun.

Es scheint notwendig, das Leben am Land einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, stereotype Bilder zu identifizieren und die greifbare Realität dessen, was ist, von idealisierten 2 Vignetten dessen, was vielleicht sein könnte, zu unterscheiden. „Die Auseinandersetzung mit dem Dörflichen und Ländlichen hat in der jüngeren Vergangenheit eine Renaissance, aber die dabei produzierten Dorfbilder und die Dorfwirklichkeit liegen mitunter weit auseinander“, hält eine unlängst verfasste Studie des Fachbereichs Soziologie an der Universität Trier fest. „Was zunächst einmal auffällt, ist eine Idealisierung des Landlebens. Ob in Wohnzeitschriften, Backbüchern, Telenovelas oder auf Lebensmittelverpackungen – allseits trifft man auf Bilder der Dorf- und Heimatromantik, das Lob der Schönheit und der Vorzüge des Landlebens. Mehr oder weniger direkt macht dieser Agrarromantizismus Anleihen bei einer pauschalisierenden und polarisierenden Stadtkritik, wonach die städtische Lebenswirklichkeit ungesund, Anomie fördernd oder sogar dissozial sei, die Verhältnisse auf dem Land dagegen als gesund, harmonisch und geordnet angesehen werden.“

Die Ausstellung Über Leben am Land im KUNST HAUS WIEN vereint fotografische Positionen, die sich auf dokumentarische, inszenierende und bisweilen sehr persönliche Weise den unterschiedlichen Gesichtern der Provinz in Europa und den USA annähern. Als ländliche Topographien zeigen sich die fotografischen Bildgeschichten und sind dabei analytisch, poetisch, real und surreal, fröhlich, komisch, melancholisch und bisweilen tragisch, nie objektiv oder vollständig.

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Apr
6
zu 16. Juni

Ausstellung | Sonne halt! | Museum der Moderne | Salzburg


Museum der Moderne | Salzburg
6. April - 16. Juni 2019

Sonne halt! (Arbeitstitel)


Gemeinsam entwickelten der Schriftsteller Konrad Bayer (1932–1964) und der Filmemacher Freddy Radax (1932) zu Beginn der 1960er-Jahre den Avantgardefilm Sonne halt! Bayer spielt darin die Hauptrolle, eine Doppelfigur aus Dandy und Matrose, der mit einem Gewehrschuss die Sonne zur Explosion bringt und damit die Sicht auf die Dinge verändert. Radax Auffassung von Film, als sich ständig in Bewegung befindendes Material, ergänzt der Schriftsteller Bayer mit Textpassagen aus seinem unvollendeten Roman der sechste sinn zu einem „Filmgedicht“.

Kuratorin: Marijana Schneider, Kuratorische Assistentin Museum der Moderne Salzburg

(Text: Museum der Moderne Salzburg)

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Ausstellung | Der fotografische Mensch | Museum der Moderne  | Salzburg
Apr
6
zu 16. Juni

Ausstellung | Der fotografische Mensch | Museum der Moderne | Salzburg


Museum der Moderne | Salzburg
6. April - 16. Juni 2019

Der fotografische Mensch
Neuerwerbungen der Fotosammlung des Bundes


Non sex belt, 2014 | Nilbar Güres-Rein

Non sex belt, 2014 | Nilbar Güres-Rein

Die Neuerwerbungen der Fotosammlung des Bundes werden in einer Auswahl gezeigt, um die Entwicklung des Sammlungsbestands öffentlich zu machen und das besondere Gewicht dieser Sammlung für das Museum der Moderne Salzburg zu unterstreichen.

Kuratorinnen: Christiane Kuhlmann, Kuratorin Fotografie und Medienkunst, mit Andrea Lehner-Hagwood, Kuratorische Assistentin, Museum der Moderne Salzburg

(Text: Museum der Moderne)

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Artist Talk | Unwägbarkeiten - Gabriela Morawetz | Anzenberger Gallery | Wien
Apr
6
11:00 vorm.11:00

Artist Talk | Unwägbarkeiten - Gabriela Morawetz | Anzenberger Gallery | Wien


Anzenberger Gallery | Wien
6. April 2019
Im Rahmen von Foto Wien 2019

Unwägbarkeiten
Gabriela Morawetz


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Reproduktionen können Gabriela Morawetzs Werken nicht gerecht werden. Obwohl es fotografische Arbeiten sind, wirken sie mehr wie dreidimensionale Objekte. Es sind komplexe Kunstwerke auf Leinwand, Glas und Metall, in denen Reflektionen mit Materie spielen.  

Mit Morawetz tritt die Fotografie in eine neue Dimension ein. In Schwerelosigkeit, ohne Erdanziehungskraft zu arbeiten, erscheint wie eine Metapher für die Arbeitsweise der Künstlerin. Von der Realität losgelöst, von einer Idee komplett eingenommen, weitergetragen von einer grundlegenden Energie zu einem unbekannten Resultat. 

Ihre Erkundungen machen aus Morawetz eine Alchemistin, der es gelingt, die Magie des Materials und die Praxis des Experiments zu verbinden. Sie bewegt sich in ihrer künstlerischen Praxis zwischen Studio und Dunkelkammer. Zur Fotografie kam Morawetz nach dem Studium der Malerei, Skulptur und Radierung an der Akademie der Künste in Krakau. All diese Techniken sind wie Echos in ihrer Arbeit präsent. 

Gabriela Morawetz ist gebürtige Polin und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau. Von 1975 bis 1983 lebte sie in Venezuela und seither in Frankreich.

(Text: Anzenberger Gallery, Wien)

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Apr
27
zu 29. Sep.

Ausstellung | Fotografie und Film | Museum der Moderne | Salzburg


Museum der Moderne | Salzburg
27. April - 29. September 2019

Fotografie und Film (Arbeitstitel)


Mit der ersten Sammlungsausstellung in Partnerschaft mit der Generali Foundation im neuen Jahr wird das bewährte Programm fortgesetzt und eine thematische Ausstellung entwickelt, in denen die Bestände des Museums mit den Werken der Sammlung Generali Foundation in Dialog treten.

Kuratorin: Antonia Lotz, Kuratorin Sammlung Generali Foundation

(Text: Museum der Moderne Salzburg)

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Ausstellung | A Mind of Winter | Museum der Moderne | Salzburg
Nov
30
zu 19. Apr.

Ausstellung | A Mind of Winter | Museum der Moderne | Salzburg


Museum der Moderne | Salzburg
30. November 2019 - 19. April 2020

A Mind of Winter
Walter Martin & Paloma Muñoz


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Das Künstlerpaar Walter Martin (1953 Norfolk, VA, US – Milford, PA, US) und Paloma Muñoz (1965 Madrid, ES – Milford, PA, US) arbeitet seit 1994 zusammen und ist insbesondere durch seine Fotografien und Skulpturen bekannt geworden, welche surreale Landschaftsdioramen zeigen, in denen sich absurd-bizarre Szenen abspielen.

In den Schneekugeln der Serie Travelers wird mit großer Sorgfalt und viel Liebe zum Detail das Schicksal von Reisenden dokumentiert. Die Liliputwelten zeigen eine eisige Wildnis aus Schneebergen, Eisblöcken und abgestorbenen Bäumen, in denen verschiedene Personen in mehr oder weniger ausweglosen Situationen gestrandet sind. Die befremdlichen Interaktionen und sich anbahnenden oder bereits eingetretenen Katastrophen verweisen auf die Unsicherheit und Abgründe menschlicher Verhältnisse. Martin & Muñoz unterwandern mit ihren »lustigen Alpträumen« die Nostalgie und Sentimentalität, welche die Kulturgeschichte der Schneekugel gemeinhin begleiten. Zugleich machen sie sich die Traumwelt zunutze, die aus dem Zusammenspiel von Glaskugel, Wasser, Motiv und Schneegestöber entsteht, um schaurig-schöne Geschichten zu inszenieren. Ein kitschiges Souvenir wird so zum Mikrokosmos existentieller Winterstimmungen und zur Bühne eines sehr schwarzen Humors.

8/9 Vorschau Ausstellungen 2019/2020

Die Ausstellung bietet mit Skulpturen, Dioramen und Fotografien einen facettenreichen Einblick in den dystopischen Kosmos von Martin & Muñoz.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache.

Kurator_innen: Thorsten Sadowsky, Direktor, mit Marijana Schneider, Kuratorische Assistentin, Museum der Moderne Salzburg

(Text: Museum der Moderne Salzburg)

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Ausstellung | Tomato Target - Annette Kelm | Kunsthalle | Wien
Dez
28
2:00 nachm.14:00

Ausstellung | Tomato Target - Annette Kelm | Kunsthalle | Wien


Kunsthalle Wien
14. Dezember 2018 - 24. März 2019

Tomato Target
Annette Kelm


Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau, Berlin, 2018 | Annette Kelm

Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau, Berlin, 2018 | Annette Kelm


Annette Kelms Fotografien zeigen scheinbar einfache, zugleich aber widerspenstige Motive, die auf Genres wie das Stillleben, auf Objekt- oder Studiofotografie oder die klassische Architekturaufnahme zurückgreifen, ohne deren Konvention vollständig zu erfüllen. Sie ebnen die Dinge in die Fläche oder vervielfachen sie in der Serie. Häufig frontal und mit großer Detailschärfe abgebildet, betonen die minimalen, visuell jedoch durchaus opulenten Objektwelten ihre Übersetzung in den zweidimensionalen Raum der Fotografie. Kelms konzeptueller Ansatz, gepaart mit einer hohen Bildschärfe und neutralem Licht, verleiht den abgebildeten Dingen eine prägnante Präsenz. Die Betonung des Faktischen schließt jede Symbolik aus, zugleich tritt jedoch die kulturelle oder ideologische Aufladung bestimmter Objekte in den Vordergrund. Irritiert werden diese Ausrichtung an formalen Kriterien und der Verzicht auf alles Erzählerische auch durch das punktuelle Einfügen von Requisiten, die in keiner unmittelbaren Beziehung zum zentralen Bildgegenstand stehen.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Wien konzentriert sich auf solche Werke, in denen Architektur, Design oder Konstellationen scheinbar alltäglicher Dinge sich als visuelle Manifestation komplexer Genealogien erweisen. Die Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffsbau in Berlin, ein prägnanter Bau, der für Versuche zur Strömungs- und Schiffstechnik genutzt wird, präsentiert sich in Kelms gleichnamiger Fotografie als abstrakter architektonischer Farbkörper. Die Zielscheiben der Serie Friendly Tournament mit ihren Löchern und kleinen Kratern, wo sie von Pfeilen getroffen wurden, erinnern an die perforierten Leinwände eines Lucio Fontana und thematisieren das Verhältnis von Objekt und Hintergrund, dreidimensionaler Wirklichkeit und ihrer Repräsentation intellektuell und lakonisch zugleich. Ein rätselhafter Rest bleibt jedoch auch hier bestehen.

Kurator: Nicolaus Schafhausen

Annette Kelm (geb. 1975 in Stuttgart) ist Künstlerin und Fotografin. 2018 sind Kelms Arbeiten in Ausstellungen in der Stiftung Ludwig, Aachen, der Fosun Foundation, Shanghai, bei Gió Marconi, Mailand und in der Andrew Kreps Gallery, New York, zu sehen. Ausgewählte Einzelausstellungen: Leaves, Kestnergesellschaft, Hannover, 2017; Affinities, Museum of Contemporary Art Detroit, 2016; Staub, Kölnischer Kunstverein, 2014 und Annette Kelm, Kunsthalle Zürich, 2009; KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2009; CCA Wattis Institute for Contemporary Arts, San Francisco, 2008 und Witte de With, Rotterdam, 2008. Kelm nahm 2013 an New Photography im Museum of Modern Art, New York und 2011 an ILLUMInations, 54. Venedig Biennale, teil.

(Text: Kunsthalle Wien)

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Ausstellung | one fine day soon - Eva Maria Ocherbauer | Fotohof | Salzburg
Nov
23
zu 19. Jan.

Ausstellung | one fine day soon - Eva Maria Ocherbauer | Fotohof | Salzburg


Fotohof | Salzburg
23. November 2018 - 19. Januar 2019

one fine day soon
Eva Maria Ocherbauer


Aus der Serie “The Horn of Plenty”, 2018 | Eva Maria Ocherbauer

Aus der Serie “The Horn of Plenty”, 2018 | Eva Maria Ocherbauer

Eva Maria Ocherbauer baut ihre fotografischen Bildwelten aus Formen der Natur wie auch aus Gebrauchs- (und Verbrauchs-) gegenständen der Konsumwelt. Das viereckige Foto wird häufig aufgelöst und in die Umrisse des jeweiligen Gegenstandes übersetzt oder ins Dreidimensionale erweitert. So mutieren beispielsweise Kunststoffteile an einem Strand zu monumentalen Objekten, die in ihrer ästhetischen Präsenz das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit zur Diskussion stellen. Für Ocherbauer ist die Fotografie ein Mittel, ganz banale Dinge des alltäglichen Lebens zu transformieren und im Bild überraschend schön und gleichzeitig fremd erscheinen zu lassen. Die Dinge werden zu Ikonen ihrer selbst und stellen Fragen nach den Möglichkeiten des Mediums Fotografie. 

Die Ausstellung ONE FINE DAY SOON thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen der menschlichen Gesellschaft und der Welt der Natur. Aufgebaut als dramatische Inszenierung wird die Galerie zur Bühne, dem Bildmaterial werden diverse Rollen zugewiesen. 

Gezeigt werden Teile von Kunststoffen die am Elegushi Beach in Lagos ihren temporären Platz gefunden haben, wie sie sich langsam im Sand zersetzen und ins Meer gelangen - natürliche Prozesse, die sich sämtlichen menschlichen Einflüssen entziehen. Dem wird als eine Art Allegorie ein Verschmelzen von Mensch und Natur anhand inszenierter Bilder gegenübergestellt. 

Komplettiert wird die Show durch das Screening 4000 daily der FotoFactory.Lagos: authentische Bilder von nigerianischen FotografInnen, die Eva Maria Ocherbauer in Workshops seit vielen Jahren in der Megacity Lagos unterrichtet.

 

Eva Maria Ocherbauer, *1959 in Graz; lebt und arbeitet in Berlin.

(Text: Fotohof, Salzburg)

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Ausstellung | Fotograf der Wiener Moderne - Moriz Nähr | Leopold Museum
Aug
24
zu 29. Okt.

Ausstellung | Fotograf der Wiener Moderne - Moriz Nähr | Leopold Museum


Leopold Museum | Wien
24. August - 29. Oktober 2018

Fotograf der Wiener Moderne
Moriz Nähr


Moriz Nähr | Elsa Wiesenthal | um 1907 | Privatbesitz

Moriz Nähr | Elsa Wiesenthal | um 1907 | Privatbesitz

Moriz Nähr (1859–1945) gilt als einer der wichtigsten Erneuerer in der Fotografie im „Wien um 1900“. Sein fotografisches Werk wird heute in einem Atemzug mit dem berühmten Pariser Fotografen Eugène Atget genannt. Mit dem Jugendstilmaler Gustav Klimt verband Nähr eine lebenslange Künstlerfreundschaft und ein besonderes Netzwerk prominenter Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Philosophie. Zahlreiche Porträtaufnahmen von Klimt dokumentieren die künstlerische Verbundenheit eindrücklich. Umgekehrt ließ sich auch Klimt von den fotografischen Motiven Nährs inspirieren, wie die Übereinstimmung im Gemälde Buchenwald I von 1902 verdeutlicht. Die Legendenbildung um Moriz Nähr basiert einerseits auf der engen Verbindung zu Gustav Klimt und der Wiener Secession und andererseits auf seiner Beziehung zur Familie Ludwig Wittgensteins und dem habsburgischen Kaiserhaus, speziell zum Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, zu dessen Kammerfotograf er 1908 ernannt wurde. Aufgrund der verschiedensten Auftragsinteressenten als auch als freiberuflicher Fotograf hat sich ein vielschichtiges Oeuvre erhalten, das Landschafts- Architektur-, Porträtfotografie umfasst, und sich zudem der Street Photography (Naschmarktszenen, 1918) und Ausstellungsdokumentation (Wiener Secession) zuordnen lässt.

(Text: Leopold Museum)

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Ausstellung | Machen Sie mich schön, Madame D'Ora! | Leopold Museum
Jul
13
zu 29. Okt.

Ausstellung | Machen Sie mich schön, Madame D'Ora! | Leopold Museum


Leopold Museum | Wien
13. Juli - 29. Oktober 2018

Machen Sie mich schön, Madame D'Ora


ATELIER D’ORA 1907–1957 | Elsie Altmann-Loos, 1922 Silbergelatineabzug | Photoarchiv Setzer-Tschiedel

ATELIER D’ORA 1907–1957 | Elsie Altmann-Loos, 1922 Silbergelatineabzug | Photoarchiv Setzer-Tschiedel

Im Atelier d’Oras traten die Größen der Kunst- und Modewelt, der Aristokratie und der Politik des 20. Jahrhunderts vor die Kamera. Der erste Künstler, den sie fotografierte, war 1908 Gustav Klimt, der letzte war 1956 Pablo Picasso. Kaiser Karl von Österreich fand sich ebenso ein wie die Familie Rothschild, Coco Chanel und Josephine Baker oder Marc Chagall und Maurice Chevalier. Im Jahr 1907 eröffnete Dora Kallmus’ als eine der ersten Frauen in Wien ein Fotostudio. Innerhalb weniger Monate galt das Atelier d’Ora als eleganteste und renommierteste Adresse für das künstlerische Porträt und ihre Aufnahmen fanden in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland weite Verbreitung. Im Jahr 1925 brachte ein Angebot des Modemagazins L’Officiel d’Ora nach Paris, das fortan ihr Lebens- und Arbeitsmittelpunkt sein sollte. Zahllosen Aufträge für Mode- und Lifestylezeitschriften folgten, die erst Mitte der 1930er-Jahre abebbten, als die politische Lage in Europa zunehmend prekärer wurde. Als entrechtete Jüdin verlor d’Ora 1940 ihr Atelier in Paris und musste sie sich jahrelang vor den deutschen Besatzungssoldaten in Frankreich versteckt halten. Gerade noch davongekommen, richtete die Gesellschaftsporträtistin nach 1945 ihren zugleich scharfen und einfühlsamen Blick auch auf die namenlosen Heimkehrer aus den Konzentrationslagern und auf das Schlachtvieh der Pariser abattoirs. D’Oras Werk spannt einen einzigartigen Bogen von der Repräsentation des letzten österreichischen Monarchen, über den Glamour der Pariser Modewelt der 1920er- und 1930er-Jahre bis hin zu einem gänzlich veränderten Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

(Text: Leopold Museum)

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